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Die Welt · 1904-07-08 · 28 (8.7.1904) · page 4

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Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
28 (8.7.1904)
Date
1904-07-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 #lbie # w^it Nr. 28 Die Judenfrage ist, nach Herzl, nicht weniger eine religiöse als soziale Frage, obwohl sie manchmal diese oder jene Form annimmt. Sie ist eine nationale Frage, welche nur gelöst werden kann, indem man sie zur politischen Weltfrage macht, die im Rate der Kulturvölker zu diskutieren sein wird. Wir sind ein Volk — Ein Volk, welches durch die Not sich wieder zusammenfindet. Und so vereint entdecken wir plötzlich unsere Stärke. Wir sind im Besitze aller menschlichen und materiellen Kräfte, um einen Staat, ja einen Musterstaat zu bilden» Man möge uns bloss die Souverainetät Judenstaates kämen Argentinien und Palästina in Betracht, doch ist Herzl ein entschiedener Anhänger Palästina^. Und tatsächlich vermag dieses Land allein jene Begeisterung im jüdischen Volke zu wecken, ohne welche eine so grosse Aktion nicht durchgeführt werden kann. So weit in wenigen Worten der Gedankengang der Herzlichen Publikation, deren Lektüre wir jedem Juden an's Herz legen. Herzl wendet sich zunächst an diejenigen Juden, die geistig stark und innerlich frei sind. Der Gedanke kann auch in seiner Erhabenheit nur von geistig Freien und vor allem von gebildeten Menschen ganz begriffen werden. Darum haben die Gefertigten geglaubt, sich zunächst an die geistigen Arbeiter des jüdischen Volkes mit der Bitte zu wenden, zugunsten dieser nationalen und staatlichen Wiedergeburt ihre Stimme zu erheben. Mehr als die anderen Völker erkennen die Juden die geistigen Arbeiter als Führer an. Deshalb ist es unsere heilige Pflicht, dem übrigen Volke voranzugehen und kund zu tun, dass das Judentum frei sein will Auf dem praktischen Wege der Verwirklichung unserer Idee ist das Erste die Gründung der „Society of Jews"t Diese will Herzl im Juli d. J. in London ins Leben rufen. Der Society soll nun die beiliegende Adresse mit sämtlichen Unterschriften vorgelegt werden, und es wird sich so zum erstenmal eine Heerschau abhalten lassen über die Macht der geistigen Kräfte, die unserer grossen Sache schon zur Verfügung stehen. Wien, im Mai 1896. ZION Verband der Österreich. Vereine für Kolonisation Palästinas und Syrien's. Eine Moses-DarstelluDg Herzls von E. M. Lilien. über ein für unsere gerechten Volksbedürfnisse gen ü gendes Stück der Erdoberfläche geben — für alles Uebrige wollen wir schon selbst Sorge tragen. Für die Durchführung des Planes sollen 2 grosse Körperschaften gegründet werden : die „Society of Jews" und die „Jewish Company". Erstere hätte die politische Oberleitung und soll aus den hervorragendsten Männern der Nation zusammengesetzt sein. Die „Jewish Company" ist eine der ostindischen Compagnie und der neueren südafrikanischen Chartered Company nachgebildete L r;!:]ahmogesellschaft. Für die Wiederherstellung des Akademische Verbindung „KADIMAH* in Wien. Verbindung öst.-schles. Hochsehüler JVRJA« in Wien. Vereinig, jüd. Veter.-Med. „LIBANONIA" in Wien. Akademische Verbindung „HASMONAEA" in Czernowitz. Jüd.-Akadem. Verbindung „UNITAS" in Wien. Akademischer Verein „GAMALA" in Wien. Theologischer Verein der Hörer an der isr. Theolog. Lehranstalt in Wien. Akademischer Verein „HUMANITAS* in Graz. * Die Adresse. Sr. Hochwohlgeboren Herrn Dr. THEODOR HERZL in Wien. Hochverehrter Herr Doktor! Der Ruf, den Sie in Ihrem „Judenstaate" an das jüdische Volk haben ergehen lassen, findet einen mächtigen Wiederhall in den Herzen von Tausenden Ihrer Stammesgenossen. So alt wie unser Exil ist auch die Sehnsucht unseres Volkes nach Freiheit; aber nur vereinzelt waren die Stimmen, die diesem Wunsehe ■lauten Ausdruck gegeben haben. Sie, hochverehrter Herr Doktor, haben den Mut gehabt, diese Gefühle in klarer und prägnanter Weise auszusprechen und den nationalen Bestrebungen unseres Volkes neue und für die Zukunft verheissungsvolle Bahnen zu weisen. Hiefür gebührt Ihnen der Dank der Nation, den die Gefertigten — geistige Arbeiter des Judentums — nicht besser dokumentieren können, als indem sie das Wiederaufrollen unserer nationalen Fahne freudig begrüssen und sich in den Dienst der heiligen Sache des jüdischen Volkes hingebungsvoll stellen.

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