Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 27 (1.7.1904)
- Date
- 1904-07-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 16 „bie * weit11 Nr. %1 sagen, dass ich ganz entmutigt bin, und wenn Sie mir nicht zur Seite stehen, werde ich kein Herz für meine Arbeit haben.'* (Allg. Zeitung des Judentums.) Die Emigration aus Russland. Vor kurzem fand in Grodno eine Konferenz von Vertretern zahlreicher jüdischer Gemeinden der nördlichen und nordwestlichen Gouvernements statt, die den Zweck hatte, die überhand nehmende jüdische Emigration nach Amerika zu studieren und zu regeln. Der Delegierte der Stadt Moskau konstatierte auf Grund statistischer Daten, dass im Laufe von 20 Jahren, von 1880 bis 1900 ausRussland allein cirka eineMillion Juden nach Amerika ausgewandert sind. Die Statistik beweist ferner, dass in den letzten 4 Jahren aus den obgenannten Gouvernements und aus Polen im Durchschnitt 50.000 Juden jährlich über den Ozean emigrierten, von denen ungefähr 33% Handwerker sind. Die Konferenz beschloss einige wichtige Massregeln zur Regelung des Emigrationsstromes und wandte sich mit einem entsprechenden Projekt an das Ministerium des Innern. —-Z. Was denn eigentlich das Ostafrika-Syndikat ist. Da man in England wie auch in Ostafrika immer die Jüdische Kolonialbank mit dem Ostafrika-Syndikat verwechselte, veröffentlichte die „Daily Mail" eine Notiz darüber, wer denn eigentlich das benannte Syndikat ausmache: Die Gesellschaft wurde am 12. April 1902 registriert, das autorisierte Kapital betrug 50.000 Pfd. St. Zwecke des Syndikates sind Ausbeutung des Bodens in Ostafrika, der" Bergwerke etc. Die Direktoren sind: Earl of Verulam (Obmann), E. Davis, Earl of Denbigh, E. Gedge, E. E. Lost-Philipps, P. Tarbutt, Capt. C. H, Villiers, Sekretär J. Coltman. Also keine jüdische Gesellschaft. Die Demission Sir Charles Eliots. Die „Westminster Gazette'4 schreibt: Das Dunkel, das über Sir Ch. Eliots Resignation schwebt, ist noch nicht gelichtet Nach Informationen, die er erhalten hat, glaubt Mr. Cathcart Wason nicht, dass die Informationen des Earl P e r c y korrekt seien, dass Sir Ch. Eliot resigniert habe, weil er sich geweigert habe, die Instruktionen der Regierung auszuführen, welche darin bestanden, für die Eingeborenen grössere Landreserven zurückzuhalten. Dem widerspreche nach Wasons Ansicht das Telegramm Sir Ch. Eliots. Was die zionistische Ansiedlung betrifft, so zieht Mr. Wason seine Opposition zurück, wenn, wie Earl Percy ausgeführt hat, die Ansiedlung sich in einem weniger fruchtbaren und weniger bevölkerten Teile des Landes beiinden soll. Vom Kriege. „The China Gazette" berichtet, dass unter den in der Schlacht bei Kinlincheng gefallenen Russen auch ein Sohn des zu trauriger Berühmtheit gelangten Gouverneurs von Kischinew, von Eaaben, war. Ein jüdischer Arzt auf dem Kriegsschauplatze. Ein Korrespondent des „Russja meldet: „Ein Arzt des ersten Detachement des Roten Kreuzes hat in der Schlacht bei Wa- Fang-Kau sich nicht zurückziehen wollen und antwortete auf die gemachten Vorstellungen : „Ich werde das Schlachtfeld verlassen, nachdem ich die Wunden aller Soldaten verbunden haben werde." Der Doktor ist aus Kleff und ich habe die Ehre, der „Nowoje Wrernja" zu melden, dass er einer von den „schmutzigen Juden*4 ist.u Unsere Brüder in Marokko befinden sich noch immer in schwerster Bedrängnis. Die Allianz erhielt folgenden Brief ihres Schuldirektors aus Fez, aus dem wir die wesentlichen Stellen wiedergaben: „Fez, den 11. März 1904. Gestern Abend kamen nach Fez 57 unglückliche Juden aus Taza. Drei von diesen elenden Flüchtlingen sind unterwegs gestorben, ein anderer erlag bei seiner Ankunft. Die übrigen sind so schwach und abgemattet, dass ihr Anblick das Herz zerreisst; sie kamen förmlich vor Hunger sterbend hierher, und verzehrten gierig das Brot, das wir ihnen entgegenbrachten. Wir haben s-te in drei Zimmern untergebracht; die Zahl der bisher aus Taza eingetroffenen Flüchtlinge beläuft sich jetzt auf mehr als 175; es sollen noch etwa 30 Familien im Laufe des Monats ankommen. Die Ankunft dieser Unglücklichen, die die Zahl der hier schon so zahlreichen armen Leute vermehren, bereitet den Verwaltern unserer Gemeinde um so grössere Besorgnisse, weil seit einiger Zeit von allen Gegenden Marokkos her unglückliche Glaubensgenossen herbeiströmen, die sich im jüdischen Stadtviertle zusammenpferchen, sogar aus den wenigen Gegenden, wo sie von der wirtschaftlichen Krisis bisher noch nicht zu leiden hatten, kommen sie zu Hunderten herbei. Auch vermehrt sich die Zahl der armen Schüler, die wir täglich aufzunehmen haben, welche die Mittagsmahlzeit von uns erhalten, und welche wir sogar bekleiden müssen. Der hohe Preis der Lebensmittel wird aber die Ausgaben für das Nahrungswerk um ein Bedeutendes steigern." Eine Enquete in der Judenfrage. Der Generalsekretär der Stadtverwaltung von New-York, Herr Reynolds, der eine Reise nach Rumänien und Russland unternommen hat, um sich über die Verhältnisse der dort lebenden Juden aus eigenem Augenschein ein Urteil zu bilden, hatte sich nach mehrtägigem Aufenthalte nach Kischenew begeben, woselbst er eine Enquete über die gegen die Juden verübten Greuel unternahm. Wie uns aus Jassy mitgeteilt wird, ist Herr Reynolds bereits aus Kischenew zurückgekehrt und wird noch einige Zeit in der moldauischen Hauptstadt bleiben. Aus Jerusalem. Die Zeiten haben sich nun geändert auch bei uns in der heiligen Stadt der „Chaiuka*. Noch sind aus unserer Erinnerung jene wüsten Ausbrüche des fanatischen Hasses nicht geschwunden, die vor kaum mehr als 10 Jahren gegen Ben-Jehuda und die von ihm seinerzeit redigierte Wochenschrift „Haz'wi* wüteten und ihn mitsamt seiner Familie vermittelst einer abscheulichen Denunziation eines unschuldigen Chanuka-Artikels an den Rand des Verderbens brachten. Allein dieselben Fanatiker konnten es nicht verhindern, dass auf dem heiligen Boden ihres Schnorrertums ein junges arbeitsfreudiges und lebensfähiges Geschlecht erstanden ist, ein Geschlecht, das den Zeitgeist erfasst, dem Lichte zustrebt und seine Lebensaufgabe in eigener und nationaler Arbeit sieht. Dieser Zeitströmung hat jüngst die Jugend Jerusalems durch ihren Verein-«B^p«n»i ^yx, Ausdruck gegeben, indem sie an Ben- Jehuda herangetreten mit dem Ersuchen, sein nunmehriges Wochenblatt „Haschkafa8 zweimal wöchentlich erscheinen zu lassen mit der Verpflichtung, für die Mehrkosten dieser Ausgabe aufzukommen. Am l.Thamuz ist nun die erste (Dienstags-) Nummer erschienen, die fortab nebst der regelmässigen Freitag- Nummer jeden Dienstag erscheinen wird. Es macht auf den Kenner der Verhältnisse und des mühseligen Kampfes Ben-Jehudas einen überaus angenehmen Eindruck, an der Spitze des Blattes die Worte zu sehen: „Erscheint mit Hilfe der »Z'eire Jerusalem«". Aber viel angenehmer und tiefer ist der Eindruck der warmen Worte, die von diesem Vereine von Jerusalemer Jünglingen an Ben-Jehuda gerichtet und in der erwähnten Nummer veröffentlicht wurden. Sie, die Jugend Jerusalems, erkenne die aufklärende nationale Arbeit Ben-Jehudas dankend an; dieser habe in ihnen das Ehrgefühl, das nationale Bewusstsein, den Willen zur Arbeit, die Liebe zur Aufklärung und Begeisterung für die hebräische Sprache wachgerufen und in den letzten Jahren mit prophetischem Geiste genährt. Sie könne sich nicht mehr mit einem Wochenblatte begnügen und bitte daher dasselbe auf Ihre Kosten zweimal in der Woche erscheinen zu lassen. „Der einzige Lohn", schliesst das Schreiben, „den die Jugend Ihnen für Ihre anerkennenswerten Leistungen bieten kann, ist unser Wunsch, unentwegt dem von Ihnen gesteckten heiligen Ziele zuzustreben, der Verbreitung von Bildung und besonders der Wiederbelebung der hebräischen Sprache, welche Ihr Lebensideal bilden". Tief gerührt nimmt Ben-Jehuda dieses Anerbieten an; er sieht darin einen langgehegten Traum verwirklicht, den Traum eines jungen auferstehenden Volkes, das in die Zukunft blickt, sich nach Licht sehnt und nach körperlicher und geistiger Freiheit. Er sei glücklich, dies erlebt zu haben! M. H. Personalnachrichten. Unsere Gesinnungsgenossen, die Kandidaten der Theologie, die Herren Samuel Arje und Viktor Kur rein (Sohn des Rabbiners Dr. Kurrein in Teplitz) wurden Donnerstag, den 23. Juni an der Wiener Universität zu Doktoren der Philosophie promoviert. Peuilletoi). Traum* Von EvaHerz. Ich träumte, dass wir zusammen einen grauenvollen Weg gingen. Aber ich war ein schönes, dunkeläugiges Kind und du ein hässlicher, alter, missgestalteter Mann. Plötzlich lag eine paradiesisch schöne Landschaft vor uns, doch unser Fuss stockte wie angewurzelt. Wir hatten die Fähigkeit vorwärts zu gehen, verloren und standen still. Trotz all der Schönheit vor unseren Blicken lag das Grauen, das wir im Rücken hatten, wie ein schwarzer, finsterer Bann auf uns. Und der: Bann bekam eine Stimme und redete zu mir: „Komm weiter!" Und ich fühlte nun, dass ich es konnte; aber ich sagte, auf dich weisend: „Ohne ihn will ich nicht Er ist mein Vater, ich liebe ihn!**