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Die Welt · 1904-06-24 · 26 (24.6.1904) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
26 (24.6.1904)
Date
1904-06-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Redaktion und Administration: WIEN IX.9 Türkenstrasse Nr. 9. Tölephon 14.199. Erscheint jeden Freitag. Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Hedaktion oder Administration : Wien, IX., Türkenstrasse 9, zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Manuskripte nicht zurückgesendet. Sprechstunden der Redaktion täglich von 10—^12 Uhr. Preise der Anzeigen : laut aufliegendem Tarif. Der Irseratenteil wird Dienstag abends geschlossen Einzelne Nummern 30 Heller. Rll71inQnroicO" Oesterreich-Ungarn: ganzjährig Kr. 12.—, halbjährig Kr. 6.—, vierteljährig Kr. 3.—. Für das Ausland: DG£tiyopi OIOC. Deutschland ganzjährig Mk. 13.70, halbjährig Mk. 6.85, vierteljährig Mk. 3.45, England ganzjährig Shg. 14.—, halbjährig Shg. 7.-—, vierteljährig Shg. 3.10, Russland ganzjährig R. 7.—, halbjährig R, 3.50, vierteljährig R. 1.75, Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig Frcs. 17»—, halbjährig Frcs. 8.50, vierteljährig Frcs. 4.25, Amerika ganzjährig Doli. 3.40, halbjährig Doli. 1.70, vierteljährig Doli. —.85. Ni\ 26 Wien, 24. Juni 1904 — IL T harn uz 5664. 8. Jahrgang. Da mit Ende dieses Monats eine beträchtliche Zahl von Abonnements abläuft, wird um rechtzeitige Erneuerung ersucht, damit in der Zusendung des Blattes keine Unterbrechung eintrete. Ebenso dringend werden alle gebeten, bereits früher abgelaufene Abonnements zu erneuern. Unsere Hauptvertretung für Russland hat die Buchhandlung „Hazefirah" in Warschau, Nalewki 24. Beträge bis zu Rbl. 100.— (einhundert Rubel) können mittels Postanweisung von Russland nach Oesterreich eingeschickt werden. Nachdem dies die einfachste, bequemste und rascheste Beförderung von Geldbeträgen ist, ersuchen wir unsere geehrten Leser, vorkommenden Falles davon Gebrauch zu machen. Die Administration. Vom Wege. i. Das jüdische Leben stagniert. Scheinbare Ruhe an der Oberfläche. Nur hie und da springt eine Blase auf, nur von Zeit zu Zeit kräuselt sich die Welle, zum Zeichen, dass irgendwo ein Stein niedersauste. Es ist eine gewisse Abspannung, eine leichte Müdigkeit eingetreten — vielleicht nur wegen der Sommerhitze — und ein frischer Regen wird sehnsüchtig erwartet. Und einstweilen bietet das äussere jüdische Leben kein besonderes Interesse. Wieder die alten Geschichten, wieder neue Berichte von den englischen Vorkehrungen gegen die Einwanderung, vom Nachhall der Judenexzesse in der verschiedenen Herren Ländern. Und Elend und Langeweile überall.. .. Und wenn man sich draussen langweilt, wendet man sich so gern nach innen, kehrt man sich in sich selbst, vertieft man sich in sein eigenes „Ich" und man analysiert sich, man martert sich mit Fragen und Zweifeln. Und es ist für Einen dann eine Wonne, eine grausame Wonne, über sich selbst zu lachen, höhnisch zu lachen. Wer das nicht kann, hat keine "Achtung vor sich! Und wir wollen auch ein wenig Selbstanalyse treiben, ein wenig „Seelenrechnung*, machen, wie sich unsere Alten auszudrücken pflegten, wir wollen zweifeln, fragen und lachen, wenn's nur möglich sein wird. Und ich glaube, dass es möglich sein wird... Frage und Zweifel! Ein gesunder Mensch mit einer gesunden, normalen Psyche zweifelt und fragt selten. Wozu auch? Seine Frage, sein Zweifeln sind immer auf ein gewisses Ziel gerichtet, streben nach einer baldigen, raschen Beantwortung. Die Qual, die wonnige Marter der unlösbaren Frage, der unbeantwortbaren Zweifel kennt nur eine kranke, eine leidende Seele. Und ein krankes, ein leidendes Volk. Wir Juden sind es, wir Juden tun es. Von allen Enden, allerwärts erhebt sich laut die Stimme des jüdischen Zweifels und rüttelt an den Grundlagen des jüdischen Lebens, stellt die Nerven des jüdischen Körpers allem Wind und Wetter bloss, analysiert und quält.... In allen Sprachen und in den verschiedenen Ländern, in der deutsch-jüdischen und in der eigentlich jüdischen Literatur wird die Frage aufgeworfen : wozu leben wir und wenn wir leben, warum? Die Frage ist ja nicht neu, wenigstens im letzten Jahrhundert nicht. Aber es ist eine von jenen Fragen, die ewig grün sind. Die Existenzberechtigung irgend einer Sache, ihre Lebensfähigkeit zu beweisen, erschöpfend, überzeugend nachzuweisen, ist unmöglich. Jede Antwort birgt ein neues Problem, aus jedem neu aufgeführten Beweisgebäude gucken bereits die Löcher hervor, von denen her man das Gebäude von Grund aus umstürzen könnte. Das Warum des Weil kann nie ganz beantwortet werden. H. Sch. Hurwitz hat im Aprilhefte des „Haschiloach" wieder einmal mit einem seltenen Freimut, mit dem Tone der redlichen Ueberzeugung die Frage nach dem Warum und nach dem Wozu unserer nationalen Existenz aufs Tapet gebracht. Eine zweifelnde, verzweifelnde Seele rang da nach Licht, nach Selbsterkenntnis. Es sprach durch seinen Mund der jüdische Intelligente, der denkende, der in absonderliche Lebensverhältnisse gestellt wurde,der Sklave seiner Verhältnisse ist. Und er konnte seinen Zweifel nicht überwinden, seine seelische Kluft nicht überbrücken. So leicht ist es ja nicht Und er endet mit der Frage nach dem Warum aller „Weil" die man angegeben hat, er sucht nach dem wirklichen, tiefinnern, letzten Motiv, das unsere Volksexistenz rechtfertigen, vernünftig, wissenschaftlich sie notwendig machen würde. Keine der Antworten genügt ihm, die politische nicht, noch die ökonomische und auch nicht die kulturelle. Er will noch weiter, noch tiefer dringen. Aber hier wird die Blosse sichtbar, die der jüdische Intelligente, namentlich der des Ostens, besitzt. An Lebenskraft fehlts ihm und an Lebensmut. Im Grunde alles Geschehens

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