Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 25 (17.6.1904)
- Date
- 1904-06-17
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3315709-3316073-3316099--45830-3340656- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 25 „bi* # W^lt Seite 11 ffas der ]£eifregüi)g. Gedenket des Sehekels! Voranzeigen. Wien. (Verein jüdischer jugendlicher Arbeiter.) Sonntag den 19. d. M. Ausflug nach Hütteldorf—Knödelhütte. Dortselbst grosses Gartenfest unter Mitwirkung der Herren Klein, Morgenstern, Blann, Kollmann, Quartneretc. (Ernste und heitere Rezitationen, Gesangsvorträge.) Eigene Musikkapelle. Regiebeitrag 20 Heller. Zusammenkunft der Teilnehmer um 2 Uhr nachmittags bei der Stadtbahn-Station Schottenring oder Brigittabrücke. Im Falle ungünstiger Witterung findet der Ausflug am 26. d.M, statt. Gäste (auch Damen) herzlich willkommen. Das Vergnügungs-Komite. Wien. (Verein jüdischer Handelsangestellter, Wien.) Sonntag den 26. d. M. findet ein Ausflug auf die Schafbergalpe statt. Zusammenkunft Stadtbahnstation Schottenring präzise 2 Uhr. Wir laden alle unsere Freunde und Gesinnungsgenossen zu dieser Veranstaltung höflichst ein. Vorträge, Rasenspiele und gemeinsame Jause im Hotel Schafberg» Wir erwarten rege Beteiligung. Montag den 20. Juni 1904 referiert Gg. Dr. E. Zweig um halb 9 Uhr abends im „Cafe Zentral" über die Bedeutung des Schekels. New-York. (Vorläufige Meldung.) Am 3. Juni traten in Cleveland, (Ohio). Delegierte aus 29 Staaten zur Versammlung der Zionisten von Amerika zusammen. Der Hauptpunkt der Tagesordnung ist die Ostafrikafrage. Berichte. Troppau. „Jeschurun" Dritte ordentliche Generalversammlung U. Mai. Zahlreiche Beteiligung. Sehr lebhafte Diskussion. Neuwahlen: Obm.: Karl Weinreb, Obm. St.: Dr. Fritz Eckstein, Kassier: Edm. Felix, Schriftf,: Hugo Schlesinger, Biblioth.: Simon Landerer; Beiräte : Herrn. Grünhut, Max Silbiger un d Schwarz. Anlässlich des Scheidens wurde Gg. Emst Eckstein in Anbetracht seiner besonderen Leistungen für den Verein zum Ehrenmitgliede ernannt. Kopyczynce. „Ahawas Zion" N.-F. K 4.44. Generalversammlung 4. Juni. Neuwahlen : J. Weiser Obm., M. Fischmann Vizepr. und Kassier, N. Posament, M. Sternberg, J. Schmetterling, N. Siebner, M. Schönberg, M. J. Haliczer Ausschuss. Ein neuer zionistischer Verein in der Erythraea, an der Grenze dieser italienischen Kolonie und Abessyniens, hat sich in Asmara unter dem Namen „Agudath Zionu gegründet. Es geschah hauptsächlich auf Anregung eines Studenten Herrn Jacques Feitlovitsch. Obmann des Vereines ist Herr Nissim Behar. Es ist zu hoffen, dass dieser Verein die zionistische Idee auch nach diesem fernen Lande verpflanzen wird. Personalnachrichten. Gg. Joach. Grübel, Mitglied der Vereinigung „Bar Kochba- Wien", wurde Freitag den 27. Siwan (10. Juni) d. J. an der Wiener Universität zum Doktor der gesamten Heilkunde promoviert und von der Vereinigung zum A. H. ernannt. N.-F. K 2 06. — Unser Gesinnungsgenosse'Dr. Ph. Goldberger, Rabbiner in Marienbad, hat sich mit Fräulein Louise Schneider, Tochter des Herrn Sigm. Schneider, verlobt. — InKomarno verschied am 8. Juni Gg. Mag. pharm. Josef Toi g er im 25. Lebensjahre am Typhus. Er war ein guter Zionisfc und allseits beliebt. Ehre seinem Andenken. Wel^Sbi-ooik. Die Volksküche für jüdische Auswanderer in Bremen, eine Gründung des in Angelegenheiten der armen jüdischen Auswanderer bestbekannten Rabbiners Dr. Rosenack, erfüllt ihre willkommene Aufgabe auf das Beste. Jedermanns Mitgefühl mit den Verzweifelten unseres Volkes, die ins Ungewisse vor dem gewissen Untergange flüchten, muss die Tätigkeit des Komitees dieser Küche mit Freude begrüssen. Was dieses Hilfswerk bedeutet, werden so recht nur diejenigen zu schätzen wissen, welche in Bremen selbst die Tausende gramgebeugter Männer und Greise, verwelkender Weiber und schreiender Kinder gesehen haben, die das riesige Kontingent der jüdischen Auslandfahrer zusammenstellen. Ihrer hat sich eine eminent praktische Hilfstätigkeit angenommen. In Bremen besteht für sie eine Unterkunftshalle, ein Bekleidungsamt und eine Volksküche. In letzterer erhalten durchschnittlich 300-400 Besucher, die an langen Tischen Platz nehmen, drei Mahlzeiten täglich. Früh Milchkaffee und abends Tee, beide Male ausreichend Weissbrot. Die Hauptmahlzeit ist natürlich das Mittagessen. An Wochentagen gibt es kräftiges Rindfleisch und Suppen mit Hülsenfrüchten, am Sabbath Ausnahmsessen. Jeder erhält soviel davon, als er verlangt. So zeigt sich den armen Auswanderern noch einmal tröstend die Menschenliebe, ehe sie nochmals zum Kampf ums Dasein schreiten. Ein alter judenfeindlicher Erlass. Der ,Daily Chronicle" vom 2. Juni veröffentlicht eine sehr interessante Notiz aus der Geschichte der Juden in England. Vor sieben Jahrhunderten nämlich herrschte über Leicester ein mächtiger Baron und grosser Judenfeind vor dem Herrn, Simon de Monfort mit Namen. Dieser erliess eines Tages den Befehl, dass alle Juden, die in seinem Gebiete wohnhaft sind, sofort das Land zu verlassen hätten. Das Schriftstück darüber wurde neulich in der Bibliothek eines reichen Herrn in Hexton aufgefunden. Es ist im alten Klosterlatein geschrieben. Die hauptsächlichen Sätze darin lauten folgendermassen: „Und Ihr mögt es alle zur Kenntnis nehmen, dass ich zum Heil meiner Seele und der meiner Vorfahren und Nachkommen verordne und durch diesen Erlass bekräftigt habe, für mich und mein Geschlecht auf immer, für meine Burgen in Leicester und die künftigen Besitzer dieser Stadt, dass kein Jude und keine Jüdin weder zu meinen Lebzeiten noch zur Zeit meines Geschlechtes, bis zum Ende der Welt, innerhalb der Grenzen der Stadt Leicester sich niederlassen od*>r dort irgendwie bleiben dürfe." — „Bis zum Ende der Welt" hiess es im Edikt. Und das Ende scheint schnell eingetreten zu sein, denn erst vor einigen Jahren wurde Major der Stadt Leicester, ein Jude, Sir Israel Hart, der wegen seiner Verdienste um diese Stadt geadelt wurde. Und das Geschlecht Simon de Monfort's ist nicht mehr der stolze Ritteradel, der über Städte und über Menschenleben verfügt. Eine Zweiteilung. „Der Judenpunkt", so schreibt das Tschechenorgan „Politik" vom 3. d. M. „ist nunmehr auch im Bund der Deutschen Südmährens", der im südlichen Mähren die zwangsweise Germanisierung betreibt offenkundig geworden. Selbstredend werden auch hier die immer hilfsbereiten „deutschfreundlichenIsraeliten" ausgiebig zu Beiträgen herangezogen, wenn sie auch sonst in der Vereinstätigkeit nicht besonders angestrengt werden. Wenn sie nur zahlen. Nunmehr kommen auch in diesem Vereine die Juden an die Reihe. Die Bundesgruppe in Wien bereitet, wie schon früher, auch für die diesjährige Generalversammlung einen Antrag auf „Ausschliessung der Juden" aus dem Verbände vor. Die Antragsteller versichern, dass sie mit ihrem Antrag keineswegs an eine grosse Debatte denken, „sondern der in jedem unabhängigen und ehrlichen Deutschen ohnehin vorhandenen und tief wurzelnden Abneigung vor jüdischer Lebensauffassung Worte leihen wollen ", was übrigens auch von den Liberalen gelte. Auch auf dem „hart bedrängten" Boden Südmährens „müssen alle Deutschen sich zusammenschliessen und die fremden Elemente abschütteln". Leider komme „dieser Weckruf angesichts der starken Verjudung der meisten Städte Südmährens sehr spät". Aber man werde sich in der Judenfrage vom Gängelbande losmachen und selbstständig vorgehen. Darum : „Hinaus mit den Juden aus dem Südmährerbunde 1" Natürlich ist man im Lager jenes Teiles der Fortschrittlichen, welche schon von Geburt aus vor dem Bazillus des Antisemitismus geschützt sind, sehr entrüstet über das „Bubenstück" und droht den „kecken Bübchen", dass sie in Znaim »von selbstbewusten deutschen Männern moralisch angespuckt werden würden". Vom Bunde geht eine Aufforderung an die vom Antisemitismus noch nicht infizierten Gruppen, damit sie sich zum 12. Juni, wo in Znaim über den „Hinauswurf der Juden" verhandelt werden soll, „gegen die mutwilligen Friedensstörer wappnen". Möglicherweise hat die Aktion vorläufig keine Aussicht auf Erfolg, die Sache wird mit einer „Judendebatte" abgeschlossen werden, bei der es allerdings zu den ärgsten Beleidigungen der Juden kommen dürfte, woran diese aber längst schon gewöhnt sind. Wenn man sie nur nicht „direckt" herauswirft/ So das führende Tschechenorgan.