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Die Welt · 1904-06-17 · 25 (17.6.1904) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
25 (17.6.1904)
Date
1904-06-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Redaktion und Administration: WIEN IX., Tiirkenstrasse Nr. 9. Tölephon 14.199. Erscheint jeden Freitag* Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaktion oder Administration: Wien, IX., Türkenstrasse 9, zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Manuskripte nicht zurückgesendet. Sprechstunden der Redaktion täglich von 10—*/Ä82 Uhr. Preise der Anzeigen : laut aufliegendem Tarif. Der Irseratenteil wird Dienstag abends geschlossen Einzelne Nummern 30 Hefler. RoTlinCnroicO' Oesterreich-Ungarn: ganzjährig Kr. 12.—, halbjährig Kr. 6.—, vierteljährig Kr. 3.—. Für da$ Ausland: DG£UlJdpi GldC. Deutschland ganzjährig Mk. 13.70, halbjährig Mk. 6.85, vierteljährig Mk. 3.45, England ganzjährig Shg. 14.—, halbjährig Shg. 7.—, vierteljährig Shg. 3.10, Russland ganzjährig R. 7.—, halbjährig Rr 3.50, vierteljährig R. 1.75, Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig Frcs. 17.—, halbjährig Frcs. 8.50, vierteljährig Frcs. 4.25, Amerika ganzjährig Doli. 3.40, halbjährig Doli. 1.70, vierteljährig Doli. —.85. Nr 25 Wien, 17. Juni 1904 — 4» Thamuz 5664, 8, Jahrgang. Da mit Ende dieses Monats eine beträchtliche Zahl von Abonnements abläuft, wird um rechtzeitige Erneuerung ersucht, damit in der Zusendung des Blattes keine Unterbrechung eintrete. Unsere Hauptvertretung für Russland hat die Buchhandlung „Hazefirah" in Warschau, Nalewki 24. Beträge bis zu Rbl. 100.— (einhundert Rubel) können mittels Postanweisung von Russland nach Oesterreich eingeschickt werden. Nachdem dies die einfachste, bequemste und rascheste Beförderung von Geldbeträgen ist, ersuchen wir unsere geehrten Leser, vorkommenden Falles davon Gebrauch zu machen. Die Administration. Von der Judenwanderung. Aus Russland und Rumänien wird ein starkes Ansteigen der jüdischen Auswanderung gemeldet. Man wird dadurch nicht sehr überrascht werden. Die Verhältnisse in diesen Ländern sind derartige, dass jetzt, in der besseren Jahreszeit, in der die Wanderung weniger beschwerlich ist, naturgemäss die Zahl der Auswanderer steigt. Ueberdies wirkt in Russland der Krieg so ungünstig auf die wirtschaftlichen Verhältnisse ein, dass die ärmeren Volksschichten tatsächlich nur zwischen der Auswanderung und dem sicheren Hungertode zu wählen haben. Ganz abgesehen von der Judenhetze, durch die sich die national-russischen Kreise für das äussere Unglück schadlos halten, das Russland im Kriege verfolgt. Dieses starke Anschwellen des Auswandererstromes wird in allerjüngster Zeit durch ein ganz zufälliges Moment wesentlich gefördert. Gegen die Cunardlinie haben sich die kontinentalen Linien und auch andere Schiffahrtsgesellschaften zu einem erbarmungslosen Konkurrenzkampf verbunden. DieUeberfahrtspreise nach Amerika sind, für die Zeit des Kampfes wenigstens, oft um zwei Drittel ermässigt worden. Es ist noch nicht abzusehen, wie lange der Kampf dauern und zu wessen Gunsten er entschieden werden wird. Unterdessen machen die Agenten der einzelnen Gesellschaften unerhörte Anstrengungen, um den von ihnen versorgten Linien möglichst viele Passagiere zu verschaffen. Die Agenten dürfen bei den minimalen Preisen auf eine grosse Anzahl von Käufern für ihre Schiffskarten rechnen* und da die Agentenprämie in derselben Höhe wie früher ausbezahlt wird, so ist es begreiflich, dass die günstige Konjunktur mit aller Kraft ausgenützt wird* Auf die Judenwanderung scheint dieser zufällige Konkurrenzkampf nicht ohne grosse Rückwirkung zu bleiben. In London, von wo aus die Fahrt nach New* York jetzt um zwei Pfd. Sterling gemacht werden kann, (früher kostete sie über 67* j£) soll unter den Juden des EastEnd bereits lebhafte Bewegung herrschen, da alle diejenigen, die bisher aus Mangel an Mitteln anstatt nach Amerika nur bis London kamen, von der günstigen Chance profitieren wollen. Für die nächsten Wochen ist eine unvorhergesehene grössere Abwanderung aus dem East End zu erwarten, worüber gerade jetzt, in der Periode der Alien Bill, die meisten eng* lischen Juden nicht besonders böse sein werden. Aber auch bei den Juden im Osten beginnt bereits die Wirkung dieses Kampfes der grossen Schifffahrtsgesellschaften sichtbar zu werden. Es ist anzunehmen, dass die Anzahl der jüdischen Einwanderer in Amerika, die bereits im letzten Jahre eine ausserordentlich hohe war, in diesem Jahre noch beträchtlicher werden wird. Die Auswanderergruppen, die über Hamburg und Antwerpen gehen, dürften heuer noch viel mehr als sonst die Mithilfe der jüdischen Korpora* tionen des Westens in Anspruch nehmen. Wir nehmen von alledem schon aus dem Grunde Notiz, weil solche Vorkommnisse eine eindringlichere Sprache führen als die logischesten theoretischen Auseinandersetzungen. Wie schwankend muss die Existenz eines Volkes sein, wenn solche zufällige Ereignisse bereits einen empfindlichen Rückschlag auf die Stabilität desselben bewirken können! Wie viele Tausende und Abertausende warten nur auf die erstbeste Gelegenheit, um den Staub des Landes, in dem sie geboren und erzogen sind, von den Füssen zu schütteln und den Sprung in eine neue, ihnen völlig unbekannte" Existenz zu wagen, um in ein fremdes Land zu wandern, dessen Sprache sie nicht einmal verstehen, von dem sie nur das eine zu wissen glauben, dass dort für sie Arbeitsgelegenheit ist! Wem solche Vorkommnisse nicht die Augen öffnen, der ist allerdings für eine ernste Auffassung des jüdischen Problems nicht zu gewinnen.

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