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Die Welt · 1904-06-03 · 23 (3.6.1904) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
23 (3.6.1904)
Date
1904-06-03
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 23 lf0i$ * W$lt" Seite 15 Doch emsig wirken gar mit Rat und Tat? Ihr wisst doch: Ideale häufig trogen. Hört: Euer Tun gleicht wmdverwehter Saat, Und trotzdem bin ich Euch gar sehr gewogen. Dass manchen Judennackien Ihr gestrafft, Der sonst zur Erde schmachvoll sich gebogen, Und dass Ihr weiter Gutes habt geschafft, : Erkenn' ich an und bin Euch drum gewogen. Dass England auch, dies grosse, stolze Reich, Mit Euch hat Unterhandlungen gepflogen, Macht Freude mir; ist mir durchaus nicht gleich. Ich bin Euch dieserha-lb gar sehr gewogen. Das alles weiss ich: weiss ich lange schon; Doch wisst; mein Freund, der niemals hat gelogen, Spricht: Zionismus bringt den Juden Hohn, Und deshalb bin ich Euch nur sehr gewogen. Wer also von dem Zionismus spricht Von Orthodoxen oder Neoiiogen, Den zu entbehren wir bedauern nicht, Er möge ferner bleiben uns gewogen! M. B. Unvergessen bleibt natürlich die Erwerbsgenossenschaft der Protestrabbiner, die ohne ihren grossen Mund unsichtbar blieben, die Deutschen über alles, die fünf Jahre nach der Jeschiba ihre Abstammung von Cheruskern entdecken, oder von sonst welchen, die sich einst im Altertum von den Eicheln des Urwaldes ernährten. Ein Paar von ihren Hilfsfälschungen aus den Aussprüchen berühmter Männer sind wiedergegeben. Und unsere guten Freunde, die angeblichen Orthodoxen nach dem Diktando des Mainzer „Israelit4"! Der das Judentum gepachtet hat und es fanatisch verteidigt gegen seine Schützer, ihm durchaus seine Richtung aufdrängen will, die eine Hinrichtung ist! Einige seiner Ungereimtheiten, die der „Israelit44 oft zusammenbreut, hat einer der Festschriftstdler in Reime gebracht: Festpredigt in Versen. (Protestrabbinern zur gefl. Benutzung empfohlen.) Text: „Am 10. Tebeth ist das Land erobert worden, um sein verlorenes Land trauert der orthodoxe Jude nicht, am 17. Thamus ist die Stadt erobert worden, um die verlorene Stadt trauert der orthodoxe Jude nicht, am 9. Ab ging der Tempel in Flammen auf, darum, um sein zerstörtes Qesetzesheiligtum, trauert der orthodoxe Jude.41 Breuer junior. („Israelit44 Nr. 34, S. 735 vom 2. Mai 1904.) Teure Brüder; traute Schwestern! Wie ich Euch schon ilJehrte gestern, Gibt es bei der heut'gen Jugend Leider Viele ohne Tugend, Und die Zeit, dass Gott erbarm', Ist an Frömmigkeit so arm. — Eine dunkle, schwere Wolke Lagert über unsrem Volke — Wollte sagen „Konfession44. Seht, so falle selbst ich schon In die Tonart jener Sünder, Die man jüngsthin nannte „Kinder44 Die in Wahrheit Atheisten, Die verdammten Zionisten! Es zerreisst gewalt'ger Schmerz Mir das orthodoxe Herz, Und ich wurde beinah' krank, Und ich sah, dass Reines, Franck, Nobel, Adler, Königsberger — Aber ach, es kommt noch ärger — Als ich sah, dass fromme Greise Sich vergehen in dieser Weise, Insofern man „fromm44 kann nennen. Die zu Zion sich bekennen. Doch das Schwerste, was mich traf, War, dass Papas würd'ger Raw Im geliebten Ungarland, Wo auch meine Wiege stand, Sich bekannte klipp und klar Zu der Zionisten Schar Und ein Opus hat verbrochen, Das mein Herzblut machte kochen. Wie mich das geärgert hat, l Saht Ihr aus dem Mainzer Blatt. Gefahr im Verzuge! Wir schritten zu Taten Und haben in Frankfurt am Main uns beraten, Ein Ende zu machen dem traurigen Spuk; Mit Worten gewarnt sind sie wahrlich genug. Da wollten wir sie mit dem Cherem belegen, Doch — zwei Kolleg'n war'n leider dagegen. Zweck heiligt die Mittel! Bedenken bei Seite! Des seligen Geigers Geist uns geleite! Des Glaubens Reinheit heller erstrahle, Es schere zum Teufel sich das Nationale! Und also sei es: Am 10. Tebeth Tanzet, freuet Euch, Feste gebet! Fort die alten Zionsbrauche, Füllt am Fasttag Eure Bäuche, Und am 17. Thamus, Ihr Brüder, Lasset erschallen Jubellieder! Wer das ewige Heil will erwerben, Soll an dem Tag sich den Magen verderben. Denn verboten ist das Trauern Um Jeruscho'lajims Mauern Für den orthodoxen Juden; So was tun wohl Botokuden, Allenfalls noch nicht gescheute, Schwärmerische iunge Leute. D i e iliasst hungern, u n s lasst speisen Und dabei den Himmel preisen, Dass der Jude ohne Sorgen In der Völker Schoss geborgen, Längst hat aufgehört zu kranken An dem Nationalgedanken. Doch da ich als tolerant Aler Orten bin bekannt, Will ich Niemandem verwehren, Altem Tempeldienst zu Ehren, Sein Gewissen zu entlasten Und am 9. Ab zu fasten. Wehe aber dem Verräter, Der dabei gedenkt der Väter, Die in blindem Unverstände Sich geopfert ihrem Lande. Wären Sieger sie geblieben, Wo wär'n wir heut\ meine Lieben!? Sässen fest auf enger Schotiile, Keine MissionarrenraWe Könnten spielen wir, wie heut', Wo die Welt sich unser freut! Wollt Ihr etwa dahin streben, Unter Juden nur zu leben? Denkt, wie öde wär'n die Tage, Gab' es keine Judenfrage)! Leiden und gemordet werden Ist das höchste Glück auf Erden!! Also sprach der ungeheuer Orthodoxe Doctor Breuer, Tat es durch des Sohnes Mund Dem erstaunten Volke kund. Dr. K. Noch ein paar Nachrichten, die so wahr sind, als würden sie in einem deutschen Assimiilantenblatte stehen und gegen den Zionismus gerichtet *ein, nur zum Unterschied geistreich, und dann folgen kräftige nationale und bekannte Komrnerslieder. —y. f£cuilkk>t). Die Königin von Saba. Zur Zeit, da Bilkis, die Herrscherin von Saba, den König Salomo mit ihrem Besuch erfreute, übertrug der König eines Tages der fremden Berufsgenossin für ein Weilchen das Richteramt und trat beiseite, um zu erkunden, mit welcher Wage die Königin Recht und Unrecht den Menschen zuerkenne. Da wurde ein Mann gebracht, der einen Mann erschlagen hatte. „Du gestehst also", fragte die Königin, „dass du den andern getötet hast". „Ja! Ich sprang im Zorne gegen ihn hin. Er hat meinem kleinen Sohn drei Zähne ausgeschlagen. Dafür erschlug ich ihn*.

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