Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 20 (13.5.1904)
- Date
- 1904-05-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Deutschland ganzjährig Mk. 13.70, halbjährig Mk. 6.85, vierteljährig Mk. 3.45, England ganzjährig Shg. 14.—, halbjährig Shg. 7.—, vierteljährig Shg. 3.10, Russland ganzjährig R. 7.—, halbjährig R, 3.50, vierteljährig R. 1.75, Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig Frcs. 17.—, halbjährig Frcs, 8.50, vierteljährig Frcs. 4.25, Amerika ganzjährig Doli. 3.40, halbjährig Doli. 1.70, vierteljährig Doli. —.85. Nr. 20. Wien, 13. Mai 1904 — 28. Ijar 5664, 8, Jahrgang. Gegenwartsarbeit. Durch das stete Wachstum unserer Bewegung mehren sich naturgemäss die Berührungspunkte mit den Arbeiten anderer Gruppen unseres Volkes, die unserer Idee entweder ferne stehen oder ihr gar ablehnend gegenübertreten. Schon in den ersten Jahren des politischen Zionismus kam es zu theoretischen Untersuchungen darüber, inwiefern sich die Zionisten auch ausserhalb ihres eigentlichen Arbeitsgebietes betätigen könnten und müssten, und welche Stellung sie zu den anderen Gruppen im Judentum einnehmen sollten. Man unterschied da zwei Fragenkomplexe: den der sogenannten Gegenwartsarbeit und den der Taktik. Zu einem programmatischen Abschluss dieser Fragen ist es bisher eigentlich nicht gekommen. Wohl hat man über die Gegenwartsarbeit auf mehreren Kongressen debattiert und sogar gewisse Leitsätze aufgestellt, die sich namentlich auf die ökonomische Betätigung der Zionisten bezogen, aber zu einem weiteren Ausbau kam es nicht, weil man eine so wichtige Entscheidung nur auf Grund sorgfältiger Untersuchungen zu fassen in der Lage war, von Untersuchungen, die sich über ein so gewaltiges Gebiet erstrecken, dass von ihrem endgiltigen Abschlüsse gewiss noch lange nicht gesprochen werden kann. Immerhin wurde durch die erwähnten Beratungen der Kongresse wenigstens der Rahmen geschaffen, innerhalb dessen sich eine momentane Aktion zu bewegen hat. Den einzelnen Landesorganisationen blieb es überlassen, wie sie sich nach Massgabe der in den betreffenden Ländern herrschenden Anschauungen betätigen wollten. Noch einheitlicher wurde dies in Bezug auf das taktische Vorgehen durchgeführt. Unsere Leitung begnügte sich damit, von Zeit zu Zeit die Richtung unserer Arbeit zu bestimmen. Die Durchführung ihrer Agenden und. die eventuelle gemeinsame Tätigkeit mit anderen grossen jüdischen Organisationen wurde den einzelnen Landesorganisationen anheimgestellt. Nach freiem Ermessen entschied sich jede über die in ihrem Arbeitsgebiete zu befolgende Taktik. Allerdings war und ist die Voraussetzung, dass die von der Leitung vorgezeichnete Richtung eingehalten werde. Das ist bisher fast immer geschehen, und deshalb können taktische Fragen innerhalb der erwähnten Grenzen auch fernerhin von der einzelnen Landesorganisation in eigenem Wirkungskreise erledigt werden. Anders verhält sich die Sache in Bezug auf die Gegenwartsarbeit. Die schwierige Lage, in der sich die Judenschaft fast aller Länder befindet, erheischte oft ein Eingreifen seitens der Zionisten, obwohl sie dadurch ihr Arbeitsgebiet bedeutend vergrössert sahen. Es sei hier nur an den rumänischen Exodus und an die traurigen Vorgänge in Bessarabien erinnert. Das waren momentane Hilfsaktionen, an denen sich die Zionisten nicht nur mit aller Energie beteiligten, sondern die sie oft erst mit grosser Aufopferung ins Leben rufen mussten. Neben den Katastrophen aber — sie bilden leider in der Geschichte des Gesamtjudentums eine ziemlich ununterbrochene Kette — gibt es und gab es von jeher dauernde Notstände, die unser Volk aufs schwerste bedrohten. Da griffen oft die Zionisten ein und taten still und zielbewusst eine Arbeit, die immer von ganz anderen Gruppen oder Korporationen als deren eigenste Tätigkeit ausposaunt worden war. Hier galt es z. B. der geistigen Verwahrlosung durch Schulen abzuhelfen. Die hierzu berufenen Körperschaften konnten oder wollten nicht helfen. So halfen und helfen die Zionisten. Dort galt es dem rapiden wirtschaftlichen Verfalle entgegenzuarbeiten. Die Zionisten gründeten Vorschusskassen, Genossenschaften, Informationsbureaus, nicht weil das im zionistischen Programme war, sondern weil sie die Verelendung ihrer Brüder nach Möglichkeit verhindern wollten. Und ohne Ueberhebung dürfen wir sagen, dass alle diese Arbeiten, die gar nicht unsere Arbeit sind, mit aller Gewissenhaftigkeit und nie erlahmendem Eifer durchgeführt wurden. Das ging natürlich oft über die Befugnisse und über die Kraft der einzelnen Landsmannschaften hinaus. Da musste die Leitung und durch sie unsere ganze Organisation eingreifen. Das geschah auch bisher immer in allen grossen Angelegenheiten, die von Zionisten in Angriff genommen wurden, ohne dass der Initiative einzelner, für die natürlich die Organisation als solche nicht verantwortlich ist, die Möglichkeit besonderer Betätigung entzogen wurde. Dabei war sich die Leitung vollkommen bewusst, dass sie vor der Gefahr einer