Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 19 (6.5.1904)
- Date
- 1904-05-06
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 19 flDi^ & W^lt1, Seite 17 Irodion Porfirowitsch war zuerst stutzig geworden. Die durch nichts verhüllte äusserste Armut stach zu grell in die Augen. Die entsetzten Gesichter, das verzweifelte „Ach!" hatten ihn zuerst ein wenig entmutigt. Da erblickte er aber den auf den Tisch liegenden Fünfrubelschein, und im selben Augenblicke loderte es in seinem Herzen zornig aui „Das ist sie also — die jüdische Armut!" und in seinen Augen flammte etwas Furchtbares und Gieriges auf. ,,Es ist also deine Ziege, die du in der Stadt herumzienen lassest, damit sie das Heu der Obrigeit fressen solle," begann er mit einer Donnerstimme. „Und du glaubst wohl, dass es ungestraft bleiben würde? Und zu alledem kommst du noch zu mir und unterstehst dich, der Obrigkeit Grobheiten zu sagen? Na wart nur! Ich werde dir schon zeigen!" und Irodion Porfirowitsch schlug wütend mit der Faust über den Tisch. W"elwel zitterte am ganzen Körper und war, von einer tödlichen Angst übermannt, keines Wortes fähig. Dicke Schweisstropien rannen über seine mageren Wangen herunter, und sein Gesicht hatte sich zu einem grinsenden Lächeln verzerrt. Schifre, bleich wie der Tod, stand wie versteinert da und schien nichts zu begreifen. Ihre Zähne klapperten wie im Fieber. Sie fühlte, dass ein schreckliches Unglück hereingebrochen sei, welches ihr ganzes Glück zerstören würde. Sie blickte voll Angst und Verzweiflung um sich, als suche sie bei irgend jemand Rettung, und ihre blutleeren, zitternden Lippen flüsterten: „Dwejrele . . . ratevet4) . . Welwel bet Gott!" Doch Dwerje rührte sich nicht, sie kauerte seit dem Erscheinen des Polizeiaufsehers in ihrem Winkel und drückte sich fest an die Wand, um nicht bemerkt zu werden. „Wenn man euch ansieht, dann möchte man glauben, ihr wäret arme, unglückliche Bettler!" donnerte Irodion Porfirowitsch, „ihr aber, ihr macht Geldgeschäfte . . . Prozente . . . Ihr glaubt wohl, dass ihr schon im Himmel seid? ... Na wartet nur! Ich werde euch alle hinaustreiben . . . Ein Protokoll werde ich sofort verfassen . . ." „Ew.....G . . . g . . . gn . . . aden!" bemühte sich Welwel, etwas zu sagen, doch seine Zunge gehorchte ihm nicht. Ein sonderbarer Laut entrang sich seiner Kehle und er machte eine verzweifelte Geberde mit der Hand. Irodion Porfirowitsch deutete diese Geberde nach seinem Sinn. „Hm! . . . Glaubst wohl, dass es genügt? ... An Futter allein, ausser der Strafe, macht es ja viel mehr aus! . . . No, meinetwegen," sagte er plötzlich weicher, und plötzlich lag seine Hand auf dem Tische neben dem Fünfrubelschein, und ebenso rasch versank sie mit ihm in seine Tasche. „Gott sei mit dir," sagte er schliesslich, „für diesesmal mag dir verziehen sein, in Zukunft aber sei vorsichtiger," und mit diesen Worten schob er sich, seinen schweren Körper wiegend, zur Türe hinaus. Welwel war sprachlos vor Entsetzen und Ueberraschung. Mit einem Ausdrucke unendlichen Schmerzes, mit einem angsterfüllten Herzen sah er, wie sein ganzes Glück, alle seine Träume vernichtet worden seien, und er wandte seine feuchten Augen auf Schifre. Etwas tief Tragisches leuchtete in ihren Augen. Ihr stummer, von einem unendlichen Leide und von einer grenzenlosen Verzweiflung erfüllter Blick war fürchterlich. — „Schlimasel, Schlimasel!" schien er Welwel zuzurufen, und gleich darauf erfüllte ein dumpfes, markerschütterndes Schluchzen die armselige Hütte. Ghanka aber eilte frohlockend und freudestrahlend nach Hiin.se. Sie hielt behutsam in den Händen, weit weg von sicn, um sie nicht zu zerknittern, die herrliche, soeben frisch gebügelte „Bebe" und Elke, die Modistin, hatte Mühe, ihr zu folgen ... 4) Rettet . . . Briefkasten. Verein jüd. Handelsangestellter, Wien. Voranzeige zu spät eingelaufen. Dr. NVN. Bericht über die Erziehung jüdischer Waisen in Palästina eingelaufen. Wir bekommen aber doch einen Aufsatz? Zionsgruss. Dr. J. W., Budapest. Dankend abgelehnt. M. E., Rzeszow. Bitte .uns aufzuklären, wieso ein ungarischer Militär das in Ihrer Stadt veranlassen kann und die Nachricht dann zu wiederholen. Gust. Seid ... Pr . . Entschuldigen Sie mein Stillschweigen. Durch einen Krankheitsfall in meiner Familie, der mich an der Redaktion der vorigen Nummer und an der Erledigung der Einläufe verhinderte, wurde ich abgehalten. Brief und Gewünschtes demnächst. Gruss. W. An mehrere Einsender. Wir bitten das Papier nur auf einer Seite zu beschreiten. Vereinsberiichte müssen 'bis Dienstag mittags in der Redaktion sein, wenn sie von dem Redakteur des betret.fen.den Ressorts noch den Berichten der Woche angefügt werden sollen. Zionist, B . . . Joh. Kremenezky, IX., Eiseng. 5. Für Oesterreich: Dr. Hugo Benedikt, I., Tiefer Graben 25. Hr. Goldberg, Moskau. Wurde dem A.-C. übergeben. Dr. K . Hamburg. Besten Dank. Wurde uns auch von anderer Seite berichtet. Zionsgruss. Israel. Leseverein, Dembica. Hat sein Erscheinen eingestellt. R. H. Wynberg. Ihr Vorschlag wurde dem N.-F.-Kornmissär übergeben. Zionsgruss, W. R. Koros. Dankend abgelehnt. SPENDEN Für den jüdischen Nationalfonds: Wikolsburg, Fr. Richter 2.-, Frl. F. R. 1.—, Frl. J. F. 1—....................... 4.- 6. Fischer, Papa Dank M. Grausz, N. Tapolcsany . . . 2.— Wehrhatte Zionisten, Prag, zur Genesung Lebenhart . 5.— Sammlung Frl. Dora Gelernter und Hilda Stein gelegentlich der Maimonides-Feier, Kuly. Zion...... 11.46 J. Süsswein, Drohobycz, Pidjon Haben bei Ninus Josefsberg ....................... i._ „Kadimah" Drohobycz, zur Verlobung M. Steuermann mit Frl. Gisela Beran, Kolomea.......... 10,— Krakau: Sammlung Silbiger 5.52, anstatt Fiaker für S. Aleksandrovicz 0.50. H e i n r i c h V o g 1 e r .... 6.02 G. Fassel, Prossnitz 1—, Dr. Z. für Glas Palästina-Wein von Frau HartmaDn 1.—. Dr. Krenb erger . . . 2__ Sammlung Maccabäa, Budapest.......... 5__ Gh. Meiseiis Prz mysl, zur Hochzeit Landau-Kahane Jakimur-Kadcboslie................. 50. - Moses Konarek, Krakau, anlässlich seiner Verlobung mit Anna Chaim, Wola Mielocka .......... 1— Agudath Hazionim, Petrikau: Sammlung A. Feinkind: Vereinsbüchse Rbl. 6.80, Kaaresammlungen; beim Vereinsminjan 2.—, bei Reiohman durch Königstein 0.50, Bikur Chaulim, Lewkowitsch 0.60, H. Fränkiel. Soznanski 2.25, am deutschen Minjan, Majran 0.53, stud. Hirschfirskiel, Bern 0.50, M. Hertz 0.18, A. Jeck, Paris 0.36, K Rejder 0.18, Provision für Coupons- Inkasso 0.80, Frl. N. N., Zionistia aus S. 0.50; Rbl. 15.20: zusammen................. 40.— Verein Zion, Schaki: Sammlung auf Hochzeit Gittelmann—Preis durch Löwenstein, Fr. Chmilowsky u. Haskel: Braut und Bräutigam 1.—G. Löwenstein 1.10, Eltern der Braut 0.50, Eltern des Bräutigams 0.30, Tallum, Bernstein ä 0.50, LewensotiD, Gittelmann, Witenstein ä 0.30, Kaplan, Jedidia, Gittelmann ä 0.25, Preiss, Reyeuk, Chmielewski, Schulgasser ä 0.20, Walberg 0.18, Zimmermann 0.15, Ofrianik 0.30, Gittelmann, Spalter, Preis, ä 0.15, Clnskiel 0.10, kleine Spende 0.60, I. Preis 1. —, Feinberg, Banditen, Witenstein ä 0.25, Löwenstein 0.20, Stier 0.75, Tallam 0.97; zusammen ..................... 21.20 Zionistische Mittelschüler, Kremsier •........ 1.— „Bnei Zion", Sarajevo: Fr. Sarah D. Levij K 0.20, A. J. Papo 1.—, H. Sehlesinger 0.30, M. Kabiljo 0.10, D. Kajon 0.20, M. Alkalay 0.60, D. Salom 4._, J. Kabiljo 0.10, D. Eschkenasi, I. Sumbul, M. Israel ä 2.-, J. Hai 1__, A. Altaras 2.—, S. Salom 1.—, I. Salom und Bruder 4.20. L. Pinto 1.—, S. u. M. Salom f..—, J. S.