Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 18 (29.4.1904)
- Date
- 1904-04-29
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 18 „bie # weit Seite 15 Nickel und Kupfer. Dann vertrank er noch 38 Kreuzer, spiö heftig aus und trottete hinaus auf die Strasse. Als abends die Herren Petiteus und Kernbeisser das Erdreich zwischen den drei Birken untersuchten, da fanden sie zwei Börsen. Die eine, die schäbigere, enthielt ein beschriebenes Papier, die andere enthielt wohlgezählte 4 Gulden 62 Kreuzer. Erwin Rosenberger. Die Fünf-Rubelbanknote. Von E. G. Feigin. Freie Uebersetzung von Julie Ooldbaum. (Fortsetzung.) VI. Die Freude von Welwel und den Seinigeu war unbeschreiblich. Die ganze Nacht konnten sie vor Aufregung nicht einschlafen. Immer wieder versuchte Welwel, den Vorfall zu erzählen, allein es kam nichts Verständliches heraus . . . „Ja, ja!" sagte die ebenfalls erregte'Dwejre, „er erhebt aus dem Staube den Armen, und macht den Bettler gross." „Und die Dame hat dir die Hände gekiisst?" fragte ziun hundertstenmale Schifre. i „Und noch wie! Und geweint hat sie dabei!" „Hör mal, Welwel, begann Schüre, nachdem ihre Aufregung sich ein wenig gelegt hatte, „jetzt miiss ja die ganze Stadt bereits wissen, dass du ein reicher Mann geworden bist., da laufen wir ja Gefahr, bestohlen zu werden . . . Gib mir das Geld, ich werde es in meinem Strumpfe verstecken . . .*' „Du dummes Weib," scherzte Welwel, „und wenn ein Dieb kommt und dich mitsamt deinem Strumpfe fortträgt? Was dann? Nein, ich werde das Geld in der Hand halten . . . so . . . jetzt können vierzig Millionen Diebe kommen, ich fürchte sie nicht!'4 „Welwel, was werden wir mit dem vielen Gelde anfangen?" fragte nach einer Weile leise Schifre. Diese Frage quälte sie jetzt unablässig; zuerst hatte sie an ihren sehnlichsten Wunsch gedacht, die Ziege loszukaufen, sie hatte aber diesen Plan in Gedanken wieder fallen gelassen, denn sie zweifelte sehr an der Zustimmung ihres Mannes. Und dann: mit dem Gelde konnte schon etwas Einträglicheres unternommen werden. Aber was? „Was wir 'mit dem Gelde anfangen werden?" erwiderte Welwel; „das wird sich schon finden , . . ohne Geld ist es böse . . . mit Geld aber — o ho — ho!" schloss er philosophierend. Doch auch ihn Hess dieser Gedanke nicht ruhen. Die ganze Nacht grübelte er darüber nach. Er fasste die verschiedenartigsten Pläne: bald sah er sich als Obstverkäufer auf dem Marktplatze, bald handelte er mit Halingen, mit Manschettenknöpfen, Nadeln und Zwirn, bald kaufte und verkaufte er alte Kleider.. Da er. von allen diesen Sachen keinen blauen Dunst hatte, überlegte er, ob er nicht noch mit jemand in Kompagnie treten solle . . . Jawohl, nicht umsonst sagt man, dass auch der Reichtum eine Last ist . . . dachte er nicht ohne Vergnügen. Es war schon sehr spät, als sie sich endlich zur Ruhe begaben, doch konnten sie nicht einschlafen. „Welwel, schläfst du nicht?" „Nein, was willst du?" „Ich möchte mir morgen ein gelbes Kopftuch um 20 Kopeken kaufen." „Ich dachte, selbst .-daran," sagte Welwel. „Dann möchte ich auch ein Pfund Gänseschmalz kaufen . . „Oho, wird es nicht zuviel sein? Vergiss nicht, dass wir Chantzes „Bebe4* bezahlen müssen . . „Grunja hat schon triumphiert," flüsterte im Einschlafen Chanka, „sie hat geglaubt, ich würde zu den Feiertagen keine „Bebe" haben. Wie wird sie mich anstaunen, wenn sie meine „Bebe" und meine neuen Schuhe mit den schmalen Spitzen erblicken wird ..." „Welwel, schlügst du?" unterbrach Schifre die Grübeleien ihres Mannes, welcher sich in Gedanken schon als „Gabe*4 des den Hüttenbewohuern gehörigen Bethatises träumte und sich selbst die „fetteste Alie1' nahm. „Was willst du?" „Du solltest dir einen neuen „arba kaufos" kaufen." „Du hast recht. Kaut ein Arschin Kattun und näh ihn auf, die „Tzitzis" werde ich selbst besorgen." „Weisst du, Welwel, an Arenze haben wir ganz vergessen; er braucht eine neue „Jermolka". Weisst du, Welwel, eine solche Jermolka mit einer Goldfranzc und Goldquaste, wie Groinoms des Kaufmanns Junge hat," fuhr Schifre einschmeichelnd fort. „Was fällt dir ein!" rief Welwel erschrocken, „das kostet ja zumindest 75 Kopeken. Sind wir denn Millionäre?" „Ich meinte nur so," verteidigte sich Schifre, „unseren Ecinden zum Trotz. Wenn du gehört hättest, wie dieser Parech, ltzig der Bucklige, mich heute beschimpft hat . . . an allem ist aber nur sie . .-. seine liebe Rcsele schuld."4 „Das macht nichts, Schifre, ich werde nächstens mit ihm abrechnen," erwiderte hochmütig Welwel, „ich werde ihm;>keine „Alie" geben, wenn er dabei auch platzen sollte!" „Wieso denn?" wunderte sich Schüre. „So — weil ich „Gabe" sein werde!" rief Welwel pathetisch. Schifre entgegnete nichts. In diesem Augenblicke schien ihr gar kein Wunder mehr unmöglich. War es denn kein Wunder gewesen, das sie im Nu aus Bettlern zu reichen Leuten gemacht hatte? Die Hauptsache war der Anfang. Und sie versank wieder in ihre Träumereien. Endlich übermannte sie der Schlaf, und bald sah sie im Traume phantastische Bilder der verlockendsten Art. Sie hatte vor dem „Glieder" von Eischel den; Kurzen sich einen kleinen Verkaufstisch mit Esswaren eingerichtet, und alle Chederjungen waren ihre Kundschaft. Welwel stand neben ihr und halt ihr beim Geschäft, und alle Leute nannten ihn nicht anders als „Reh Welwel", und Arenze hatte rote Backen und eine Jermolka mit Goldfranzen auf dem Kcpfe und für Chantze hatten sie in ihrer neuen schönen Wohnung eine Zigarettenfabrik eingerichtet. „Hören Sie mal, Schifreie, Sie schlafen ja heute wie eine „Gwire", sagte ihr am nächsten Morgen Dwejrc. „Ach, welch ein schöner Traum es war," rief Schifre, von ihrem Lager herunterspringend und einen schmutzigen Rock umwerfend. „Es ist kein Traum, es ist Wirklichkeit!" erwiderte Welwel, den Fünfrubelschein auf den Tisch legend und ihn zärtlich streichelnd. Schirr es Gesicht überflog ein glückliches Lächeln. „Darf ich jetzt meine „Bebe" holen?" fragte Chanka, welche sich vor Ungeduld nicht länger halten konnte. „Ja, ja, geh," sagte Welwel, „aber wo sollen wir den Fünf rubelschein wechseln?" „Weisst du was, sag Elke, sie soll die „Bebe" herbringen, wir werden ihr hier zahlen." „Du hast recht, Welwel, sie soll sehen, dass wir auch so zahlen können, wie die anderen „Gwirim", sagte Schifre. „Say ihr nur, sie soll Rest von fünf Rubel mitbringen, hörst du, Chantze!'4 rief sie der wie ein Pfeil davoneilenden Tochter nach. (Schluss folgt.) Briefkasten. Sch. I. s.: Wir haben Ihre Einsendung der Redaktion des „Jüdischen Arbeiter" übergeben. L. Colin, London : In diesem Punkte gibt es keine Träume, nur Leistungen. Also bitte! Gruss. E. S., Kolomea: Bitte das selbst zu erforschen und uns mitzuteilen. Wir werden es dann in geeigneter Form veröffentlichen.