Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 18 (29.4.1904)
- Date
- 1904-04-29
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seife 10 „bie £ W^lt" Nr. 18 Theorien. Charakteristisch ist auch der Prozess des Rabbiners von Limerick, der einen Jungen, welcher ihn mit Steinen beworfen hat, klagte. Der Bursche wurde streng verurteilt. Die Presse von Limerick scheint die Sache nicht zu goufcieren und ist darüber entrüstet, dass man einen Burschen au3 einem so geringfügigen Anlasse (tätliche Beleidigung uod Verletzung einer geistlichen Person „der Juden natürlich"!) zur Kerkerstrafe, wenn auch nur zu einem Monat, verurteilt hat. Und einstweilen eifern die jüdischen Vorsteher und die englischen Geistlichen um die Wette, um gegen die Hetzen za protestieren. Aber an die Enthebung des Pater Creagh vom Amte und seine gerichtliche Verfolgung als Aufhetzer will man an massgebender Stelle nicht denken! Es handelt sich ja bloss um Juden. Spende. Lord Wandsworth hat zum Andenken an seine verstorbenen Eltern, Baron und Baronin Stern, ein grosses Gebäude für ein jüdisches Altersheim in London geschenkt. Jüdische Kolonien in Kanada. Die Nachrichten über die jüdischen Kolonien in Kanada, die bei dem Canadian Emigration Departement eingelaufen sind, sind sehr günstig und hoffaungsvoll. So zum Beispieldie jüdische Kolonie in Qu' Appelle. In diesem Jahre wird die dreijährige Frist ablaufen, welche für den freien Besitz des Bodens seitens des Siedlers gesetzt ist. Jeder Kolonist wird somit 100 Acres besitzen. Jede Farm ist nach der Schätzung des Emigrationsagenten Mr. P r e s t o n 200 Pfund wert. Manche von den Kolonisten, die sämtlich aus Rumänien stammen, welche seinerzeit der Arbeit in der Kolonie überdrüssig wurden und ausgewandert sind, kehren jetzt zurück und suchen in der Nachbarschaft Boden zu erwerben. Auch die Hirsch-Kolonie gedeiht. Mr. Presto n meint, es gebe in Kanada noch Raum genug für eine grössere Zahl jüdischer Kolonisten von rechtem Schlag. Aus Indien. Ein beredtes Zeugnis für die Intensität des jüdischen Lebens in Iadien ist die Gründung eines englischüdischen Blattes in Kalkutta „The Voice of Sinai" (Stimme vom Sinai), welches die Interessen der Juden in Indien vertreten wird. Pässe für Juden nach Russland. London, 26. April. Das amerikanische Repräsentantenhaus nahm die Resolution an, RussJand aufzufordern, Juden mit amerikanischen Pässen keine Schwierigkeiten zu bereiten. Die Presse erwartet bestimmt Russlands Nachgeben. Die Zionisten in Shanghai. Die Shanghai Zionist Association gibt zum erstenmal ihren Jahresbericht heraus, der uns vorliegt. Schoo die Tatsache, dass in einem so entlegenen Orte, im fernsten Osten, jüdisches Leben sich zeigt, jüdische Vereine sich gründen, jüdische Vorträge gehalten werden, dass die jüdische Kultur und Renaissanceidee in alle Ecken und Enden der Welt hinausgetragen we.rden, genügt, um unser stärkstes Interesse zu wecken. Wir lesen im Berichte der Association, dass die Mühen der Zionisten nicht fruchtlos sind. Die Mitgliederzahl ist beträchtlich srewachsen. Als der Verein gegründet wurde», zählte er 15 Mitglieder, jjtzt zählt er 70. Es wurden regelmässige Vorträge eingeführt, darun'er, zum Beispiel der vom Präsidenten der Association Mr. E. J. Esraüber Ruskin, von Mr. N. B. Esra über den Zionismus, von Rever. Frank Rawlinson übpr „Das jüiische Problem" u. s. w. Viele Schekel nnd Aktien wurden verkauft. Di« Zionisten vin Shanghai könnten eine grosse geschichtliche Arbeit leisten; sie sind berufen, die eingeborenen chinesischen Juden wieder dem Judentum und seiner Kultur zuführen. Carnegie für die Juden. Andrew Carnegie, der bekannte amerikanische Millionär, hat der Jewish Educational Alliance in Newyork 25.000 Dollars gescheckt. Eine interessante Barmizwah. Der Sohn des ehemaligen Hauptmann Dreyfus, Pierre mit Vornamen, hat am vergangenen Sabbat in der Synagoge der Rae de la Victoire in Paris seine Barmizwah gefeiert. ^us der JieT&egül)ä- Gedenket des Sohekels! Böhmisches Distriktskomitee. Die Schekel- und Pa'teisteuer-Beträge sind unverzüglich nach Prag (Frau Sophie Robitschek, Krakauergasse 14) abzuführen. Voranzeigen. Wien. (Lit. Geselligkeitsverein jüd. Mädchen „Moria".) Sonntag den 1. Mai wird Frl. Thekla Blech einen Vortrag über das Tnema „Der jüdische Heine" halten. Beginn 3Uhr nachm. im Kougreas-Saale IX., Türkenstrasse 9. Gäste herzlich willkommen. Wien. Verein jüdischer Mädchen „HadasiFa\ Sonntag den 1. Mai 1904 findet der erste diesjährige Autflug fctatt. Zusammenkunft Schottentor (Ecke MölkeibaMei) 2 Uhr nacnmittag. Von da gemeinsame Fahrt nach Neuwaldegg, woselbst der Marsch zur Sofienalpe beginnt. Alle zionistischen Organisationen werden hiernit eingeladen, an diesem Ausfluge teilzunehmen. Wien. Verein jüdischer jugendlicher Arbeiter „Leopoldstadt" (iL, Unt. Au*arUnstrasse 1«). Mittwoch den 4. Mai 1904, 8 Uhr abends, Vortrag des Herrn Dr. J.W. Frieser. Thema: „Wie .schützt der Arbeiter seine Gesundheit?44 Gaste willkommen. Wien. Der Verein „Jordania", Vereinigung jüdischer Hochschüler aus der Bulcowii a in Wien veranstaltet anlässlich dd* LÄgb'omerfeMes Sointag den 8. Mai einen Ausflug nach GreLfenstein. Nach Besichtigung der Burgiuine in Greiieust^in wird über Haden-feld nach Klosujneubuig gegangen. Abfahrt mit, der Stadtbahn von der Station Schottenring um halb 2 Uhr rachmittugp. Näheres in der nächsten Nummer der „Welt". Gäste (auch Damen) herzlich willkommen. Wien. Die vereinigten jüdischen Arbeiterorganisationen dp« 11. Bezirkes veranstalten Saixutag den 30. d. M.r halb 9 Unr abends, im Saale „zum goldenen Widder", IL. Taboistrasse 36. eicie Vortrays-Akad( mie mit anschliessendem Tanzkränzchen. Programm: 1. Festrede (Herr Nathan Gross). 2. Klaviervorträge (Frl Gisela Halpern). 3. Rez tation (Frl. Mathilde Halpern), 4. Gesang^produktionen (Herr Rudolf Blann). 5. Rezitation heiterer Dichtungen (Frl. Fleisch* i). 6. Liedervorträge und Gesangsduette (Frl. Nina Huth und Frl. Mathilpe Halpern). 7. Rotation zionistischer Dichturg*n (Herr Willy Quartner). 8. Humoristisches (Herr L?o Fritzer.). Zahlreiche Beteiligung erwünscht. Regiebeitrag 50 Heller. Das Komitee. Berichte. Wien. Der erste zionistische Frauenverein hielt am 23 d. M. unter Vorsitz seiner wohlverdienten Präsidentir, Frau Dr. Sidooie Kahn, seine gewöhnliche Generalversammlung ab, weiche nicht nur von vielen Mitgliedern des Vereines, sondern auch von zahlreichen Gästen sehr stark besucht war. Die Präsidentin erstattete den Bericht über das abgelaufeDe Jahr und zwar nicht nur über dasVerei» sleben selbst, sondern auch über die bedeutungsvollen Vorgänge im Zionismus im allgemeinen, wie sich selbe seit dem letzten Kongress abgespielt haben.Unter denBemühungen die Sympathien der Mächte für das Zionsideal Zu gewinnen, erwähnte sie den Empfang unseres Führers Dr. Herzl bei Sr. Majestät dem König von Italien und beim höchsten Haupte der Katholiken als erfreuliche Tatfachen.Mit tief-m Bedauern konstatierte si* die Heftigkeit der durch die Charkower Beschlüsse hervorgei ufenen Polemik und gab imter Zustimmung der Versammelten der Freude darüber Ausdruck, dass in der grossen A.-K.-Konfererz Mitte April eine Verständigung erzielt wurde. Während der Kampfesz it wirkten die Mitglieder des Frauen Vereines-im Stillen durch Sammlungen für die Kischentwer Verunglückten sowie durch Anteilnahme an der Verpflegung und Bekleidung der nach Palästina durch Wien gekommenen Waisen. Ferner betätigten sich viele in der Toynbee-Halle und Rammelten fleissig für den N.-F., bei welcher Mitteilung die Referpntin mit Stolz auf die im Saale ausgpstellte Quittung für den Verein au3 dem goldenen Buch in Pi achtrahmen hinwies, die natürlich von allen mit Interesse bewundert wurde. Hierauf wurde der bisherige Ausschuss wiedergewählt. Nach Schluss der Generalversammlung hielt Prof*. Kellner einen äusserst interessanten Vortrag über „die Jüdin von Toledo", in welchem Drama Grill parzer nach Ansicht des Vortragenden einen bestimmten Typus jener jüdischen Frauen darstellt, welche im Gegenteile zu seiner Auffassung der Esther nicht die geringste Rücksichtnahme auf die Wirkung der Handlungen einzelner Frauen für die Gesamtheit derJSfcammesgenossen hegen, und daher aus Mangel an einem Ideale nur der eigenen Genusssucht und dem nichtssagenden Tand verfallen. Der Vortragende pab seiner Ueberzeugung Ausdruck, dass Grillparzer diesen Typus aus demLeben entnommen haben dürfte und bezeichnet es als eine einer jüngeren literaturgeschichtlichen Kraft