Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 15 (8.4.1904)
- Date
- 1904-04-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Deutschland ganzjährig Mk. 13.70, halbjährig Mk. 6.85, vierteljährig Mk. 3.45, England ganzjährig Shg. 14.—, halbjährig Shg. 7.—, vierteljährig Shg. 3.10, Russland ganzjährig R. 7.—, halbjährig Rr 3.50, vierteljährig R. 175, Schweiz, Prankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig Frcs. 17.—, halbjährig Frcs. 8.50, vierteljährig Frcs. 4.25, Amerika ganzjährig Doli. 3.40, halbjährig Doli. 1.70, vierteljährig Poll. —.85. Nr, 15. Wien, 8. April 1904 — 23. Nisan 5664. 8, Jahrgang. Wir ersuchen unsere geehrten Abonnenten, welche mit der Zahlung des Abonnementsbetrages im Rückstände sind, um rechtzeitige Einzahlung desselben, damit in der Zusendung des Blattes keine Unterbrechung eintrete. Unsere Haupt Vertretung für Russiand hat die Buchhandlung „Hazefira" in Warschau, Marianska 2. Die Administration der „Welt". im Wandel der Zeiten. Von Dr. Theodor Z 1 o c i s t i. Das ewige Gleichmass der Tage sollen die Feste durchbrechen. In den Gemeinschaften der Getreuen eines Bekenntnisses wie in den Völkern und den mannigfachen Gruppierungen der Menschen wollen die Feste die Alltagsmenschen wieder an die Quellen ihres Lebensinhaltes zurückführen und neue Kraftstationen einfügen: die Triebkräfte, die an den Reibungswiderständen der Zeiten schwach geworden, sollen von neuem genährt und gesteigert werden. Was einst hohes Ideal, was Ziel aller Wünsche und aller Arbeit war, das drückt der Alltag zur Selbstverständlichkeit herab. Aber wie bedeutsam auch dieses Selbstverständlichwerden grosser Ideale für die Struktur und Wertbereicherung der Menschen wird, und wie es im letzten Grunde auch der Anzeiger und Massstab kulturellen Fortschrittes ist — mit diesem Selbstverständlichwerden grosser Ideale ist immer auch eine Entwicklung zum Abschluss gebracht, eine Endstation, ein Haltepunkt gegeben — ein Kraftstrom ist verebbt. Dieser Prozess vollzieht sich langsam und oftmals in seinem Ablauf durch Gegenkräfte gehemmt oder aus seiner Bahn gedrängt. Die Feste aber tragen dazu bei, dass die Stetigkeit im Ablauf dieser Prozesse zur Verselbstverständiichung hoher Ideale gewährleistet wird. Ist aber das Ziel erreicht, so haben sich dann auch die Feste aufgebraucht. Sie sinken bis zur Bedeutungslosigkeit herab, sie sind inhaltlos geworden. Sie verschwinden aus dem Bewusstsein der Menschen oder leben im günstigen Falle noch als Erinnerung fort, wo sie freilich auch noch eine Aufgabe haben: gewissermassen die farbige Tönung einer entschwundenen Zeit zu geben. Wer die Geschichte der Feste in Beziehung zu einer abgeschlossenen Periode im Leben einer Menschengruppe betrachtet, wird Beispiele genugsam finden, Aber auch ein neues Moment wird ihm dabei deutlich werden: die inhaltslos gewordenen Feste können sich mit einem neuen Inhalte an Ideen füllen und von neuem ihre Wirkungen entfalten. Mancher Taanis ist verschwunden. Das Ghanukahfest ist geblieben. Aber das Gotteswunder des ölspendenden Krügleins, das uns nichts mehr sagte, ist durch das grössere Gotteswunder, durch das Geschichtswunder einer überragenden nationalen Kraftanspannung abgelöst worden. Und nun lebt das Fest auch in den Nachkommen, in denen viel alter Brauch erstorben, mit seinem neuen Inhalt und löst ungeahnte anspornende, zielstrebige Wirkungen aus. Der Gott, „der die Zeiten wandelt", wandelt auch die Festzeiten, indem er ihren sich aufbrauchenden Inhalt wandelt und erneut. So bleiben uns die Feste im Wechsel der Geschicke und Geschehnissek erhalten, als eingefügte Kraftstationen! Und sie bergen vielleicht auch eines der Geheimnisse, die uns vor der zerschmetternden Gewalt des Golus erhalten haben .... Müssen sich uns nicht solche Gedanken aufdrängen, da wir uns anschickten, das alte liebe Passahfest zu feiern? Heute noch in den Ländern der Knechtschaft? Keines unseres Feste zeigt so deutlich die Spuren seines einstigen Inhaltes, wie dieses Fest der Befreiung. Einst das Fest, das der Hirte, der Ackerbauer begeht, den eiserne Bande an die Erde fesseln. Ihrem geheimnisvollen Walten lauschen seine geschärften Sinne. Sie lag erschöpft da von all dem Reichtum, der aus ihrem dunklen Schosse emporgesprosst war, und der die Menschen beglückt hatte. Nun wieder ein leises Regen im Innern dieser spendenden Mutter. Laue Lüfte kosen die dunklen Schollen. Die Sonne hält ihr gütiges lebendiges Auge nun länger schon auf die Fluren gerichtet. Zarte Keime drängen zum Licht und umsäumen mit gründlichem Flaum die schwarzen Gründe: Frühling ist's umher und Frühling wird's in des Menschen Seele. Und er begrüsst die Lenzwerde in festlicher Feier und festlicher Freude, mit festlichen Gedanken* Das Fest der Verjüngung, das auch im