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Die Welt · 1904-04-01 · 14 (1.4.1904) · page 18

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
14 (1.4.1904)
Date
1904-04-01
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 18 „Die *'WjeitH Nr. 14 „Ich will sie Euch gegen Ratenzahlungen verkaufen," sagte die Alte. Schifres Augen blitzten auf. „Was verlangen Sie für die Ziege?" „Nicht weniger als drei Rubel!" „Das ist ein Ziegenbock und keine Ziege," sagte ein hinzugekommener Nachbar. „Musst nicht kaufen, wenn es ein Ziegenbock ist," erwiderte ärgerlich Dwejre, und sie fuhr, nachdem der Nachbar sich lachend entfernt hatte, zu Schüre gewendet mit einschmeichelnder Stimme fort: „Ich soll ein solches Jahr haben, wie diese Ziege ist. Du wirst sehen, Schifrenke, du wirst mir ewig dankbar sein, ein Glück ist es, keine Ziege." „Was versteht er davon," ärgerte sich Dwejre, als Welwel zu protestieren versucht hatte. „Das Futter kostet fast gar nichts, und Arenze wird jetzt immer Milch haben, und auch für euch wird noch einiges übrig bleiben . . . Ueberhäupt haben sich Männer nicht in solche Sachen dreinzumischen ... ." Nach langem Hin- und Herreden und Handeln überging die Ziege in Schifres Eigentum unter der Bedingung, dass Dwejre zehn Monate keine Wohnungsmiete zu zahlen habe. Es dauerte nicht lange, da konnte sich Schifre überzeugen, dass alle Versprechungen, welche Dwejre in Bezug auf die Ziege gemacht hatte, falsch seien. Anstatt der von der Alten versprochenen 12 Glas Milch täglich konnte Schifre nur mit Mühe T> Glas herausmelken. Als aber der Winter kam, hörte die Ziege überhaupt auf, Milch zu geben und wurde ihnen eine überflüsige Last. Schifre musste nun selbst bekennen, dass sie sehr übereilt gehandelt habe, doch ihrem Manne gegenüber wollte sie es nicht zugeben, und auf seine Vorwürfe antwortete sie mit Grobheiten. Der Winter nahte seinem Ende, da verschwand eines schönen. Tages die Ziege. Alles Herumsuchen war umsonst: die Ziege war wie ins Wasser gefallen. Schifre litt unsäglich. Gerade in der letzten Zeit hatte sie sick grosse Hoffnungen auf die Ziege gemacht, sie erwartete von ihr Nachkommenschaft, und ihre Phantasie malte ihr frohe BMder; sie zählte in Gedanken das Geld, welches sie als Erlös für die Zicklein erhalten würde, sie sah mit fetter Ziegenmilch gefüllte Töpfe und hatte in Gedanken sogar einen sehr einträglichen Milchhandel begonnen — und plötzlich waren alle ihre Träume vernichtet worden. Jedesmal, wenn Welwel nach erfolglosen Nachforschungen nach Hause zurückkehrte, presste sich ihr Herz zusammen. „Alles ist von Gott," tröstete Dwejre, „wahrscheinlich muss es so sein, denn wer könnte ihm sagen: „Was tust du?" Schifre hörte ihr schweigend zu, und grosse Tränen rollten über ihre Wangen herunter. Welwel grämte sich auch. „Wenn wir sie doch wenigstens verkauft hätten!" dachte er. Eines Tages, als Schifre traurig zu Hause sass, und Dwejre sich vergebens bemühte, sie zu trösten, kam Itzig der Bucklige in die Hütte gelaufen und rief laut: „Ich habe eure Ziege gesehen!" „Wie? Wo? Was?" riefen verwundert beide Frauen aus. „Ich soll so sehen, wen ich liebe, ich soll so hören den „Posaurenschall des Messias", wie ich mit eigenen Augen und mit eigenen Ohren eure Ziege gesehen und gehört habe." Schifre weinte vor Freude. „Wo denn?" schrie sie aufgeregt zugleich mit der Alten. „Im Hofe des Polizeiaufsehers, bei der Polizei steht sie und meckert, bei Gott!" „Beim Polizeiaufseher? Wie ist sie hingeraten?" „Sie ist wahrscheinlich herumgeirrt und wie ein Vagabund aufgefangen worden." „Was sollen wir jetzt anfangen?44 fragte mit banger Hoffnung Schifre. „Lauf rasch, such1 Welwel auf, er soll zum Polizeiaufseher gehen und die Ziege holen," sagte Dwejre. „Hatte ich dir nicht gesagt, dass man die Hoffnung nicht verlieren darf?" „Ist es also wahr, Itzinja, dass du sie selbst gesehen hast?" fragte Schifre, über ihren zerrissenen Mantel ein löcheriges Tuch umwerfend. „Wie? Bin ich denn blind? Kenne ich eure Ziege nicht?" erwiderte beleidigt Itzig. Die Ziege war in der Tat, von Hunger gepeinigt, durch die Stadt herumgeirrt. Als sie zufällig bei der Polizei vorüber kam, wo im Hofe die Pferde der Feuerwehr gefüttert wurden, da hatte sie der frische Heugeruch herangelockt, und sie war in den Hof hineingeraten, wo sie auch arretiert und bis auf weiteres zuiückbehalten wurde. „Sie ... sie ist es," flüsterte freudestrahlend Schifre, weiche ihre im Hofe liegende und ruhig kauende Ziege erblickt hatte. Schifre wartete in banger Ungeduld beim Tore auf Welwels Erscheinen, welcher zum Polizeiaufseher gegangen war. Ihr Herz stand still, als sie fünf Minuten später Welwel bleich, mit gesenktem Kopje vom Polizeiaufseher kommen sah. „Krepieren soll er zusammen mit der Ziege!" rief Welwel zornig aus. „Was? Wie? Wo ist unsere Ziege?" fragte zitternd vor Angst Schifre. Mit Mühe nur gelang es ihr, von dem fürchterlich aufgeregten Welwel1 zu erfahren, dass sie die Ziege nur gegen eine Zahlung von zwei Rubeln für das von ihr bereits gefressene Heu zurückerhalten würden. „Er ist ja ein Räuber, ein Haman," sagte Welwel mit bebender Stimme vom Polizeiaufseher. „Geschrien hat er, mit den Füssen gestampft hat er . » . Ich habe schon geglaubt, dass er mich prügeln wird. „Ein Protokoll, sagt er, wird er aufsetzen und mich selbst einsperren! ... Da hast du deine Ziege . . ." Schifre vergoss bittere Tränen. (Fortsetzung folgt.) Persoralnachriohten. Gg. Gustav Austerlitz, Papa (Wien), Delegierter auf dem VI. Kongress, hat sich mit Frl. Jenny Löwbeer aus Nagy-Tapolcsäny verlobt. — Gg. Rabb. Kand. G. M. Mehr er, Mitglied des theologischen Vereines in Wien, wurde am 24. d. M. daselbst zum Dr, phil promoviert. * * * Nächster Tage bereits erscheint im Verlage des n^HK |V2t Nagy-Tapolcsäny eine von nDKn ntfö vnjö Obeirabbiner in Päpa, Mitglied des grossen Aktionskomitees, verfasste Broschüre, in welcher der Zionismus in seinen Grundlagen und in seinen Konsequenzen der eingehendsten Beleuchtung unterzogen und in welcher dar Nachweis erbracht wird, dass die den zionistischen Bestrebungen abholde Strömung eines Teiles der konservativ denkenden Judenschaft auf irrigen Anschauungen und unberechtigten Folgerungen beruht. Die p. t Vereine werden auf diese Broschüre als nachhaltigstes Aufklärungs- und Agitationsmittel aufmerksam gemacht. Preis 50 Heiler; für Vereine und Wiederverkäufer 20% Rabatt. Bestellungen wolle man an Herrn Moritz Grausz oder an die Druckerei Platzkö in Nagy- Tapolcsäny richten. SPENDEN. K Für den Nationalfond sind eingegangen........2397.15 Für die El-Arisch- und Palästina-Expedition sind eingegangen .................... 38.—. Für die Expedition nach Ostafrika sind eingegangen . . 47.20 Für Rubin Brau dos Kinder sind eingegangen...... 142.50 Für die National-Bibliothek in Jerusalem sind eingegangen 18.25 Die Spezifikation dieser Spenden erfolgt in der nächsten Nummer. Berichtigung zu Nr. 13 Cheque zur Spende für den Nationalfond Odessa K 249.60 um Pfd. Sterl. 0.7.4 K 8.80 zu hoch berechnet. Die Spendensumme reduziert sich daher auf K 2550.83—,

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