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Die Welt · 1904-04-01 · 14 (1.4.1904) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
14 (1.4.1904)
Date
1904-04-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Redaktion und Administration : WIEN IX., Türkenstrasse Nr. 9. Telephon 14.199. Erscheint jeden Freitag. Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaktion oder Administration : Wien, IX., Türkenstrasse 9, zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Manuskripte nicht zurückgesendet. Sprechstunden der Redaktion täglich von 10—1/2I2 Uhr. Preise der Anzeigen: laut aufliegendem Tarif. Der Irseratenteil wird Dienstag abends geschlossen Einzelne Nummern 30 Heller. Bezug CtirDICO1 Oesterreich-Ungarn: ganzjährig Kr. 12.—, halbjährig Kr. 6.—, vierteljährig Kr. 3.—. Für das Ausland: OJJICIOÜ. Deutschland ganzjährig Mk. 13.70, halbjährig Mk. 6.85, vierteljährig Mk. 3.45, England ganzjährig Shg. 14.—, halbjährig Shg. 7.—, vierteljährig Shg. 3.10, Russland ganzjährig R. 7.—, halbjährig R, 3.50, vierteljährig R. 1.75, Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig Frcs. 17.—, halbjährig Frcs. 8.50, vierteljährig Frcs. 4,25, Amerika ganzjährig Doli. 3.40, halbjährig Doli. 1.70, vierteljährig Doli.—.85. Nr, 14. Wien, I. April 1904 — 16. Nisan 5664. 8, Jahrgang. Die dieswöchentliche Nummer erscheint als Pessach- Nnmmer ausnahmsweise statt Freitag bereits Mittwoch. Die Redaktion. ■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■^ Papst Pius X. und sein Staatssekretär (Ein Intervie w.) Es gab Päpste, die waren Herren aller Kirchenfürsten, dann gab es welche, die waren die ersten aller Mönche; Papst Pius X, ist seinem ganzen Wesen nach das Oberhaupt aller katholischen Seelsorger. Ich sah ihn im hellen Sonnenlicht seiner ersten Herrschertage, wie er freudigen Antlitzes im San öamasushofe die vielen Tausende empfieng, die gekommen waren, ihn zu sehen und seinen Ausspiüchen zu lauschen. In dem gütigen, offenen, etwas breitzügigen Gesicht las man die unverhüllte Genugtuung darüber, dass es ihm vergönnt sei, einer so grossen Menschenmenge Worte des Trostes zu bieten und jenen Segen zu spenden, der kraft seines Amtes für alle Katholiken von so hoher Bedeutung ist. Was er sagte, war schlicht, aber von ergreifender Innigkeit. Die Versammlung war konfessionell buntgemischt; es gab da Protestanten aller Art und auch Juden. Neben mir stand eine Holländerin, die das Augenlicht verloren hatte, nachdem sie Jahre vorher die Herrlichkeiten Roms zu sehen imstande gewesen war. Sie ging bald nach dieser Ansprache zu Monsignore Bisleti, dem jederzeit hilfsbereiten Majordomus" des Vatikans, mit der Bitte, dem Papste persönlich für seine erhebenden Worte danken zu dürfen. Der liebenswürdige Prälat verschaffte der Protestantin eine Privataudienz. Eine halbe Stunde lang sprach ein liebevoller Priester, der alle Aeusserlichkeiten seiner hohen Würde beiseite legte — zu einer schwer leidenden Mit- Schwester. — Der Papst versah Seelsorge bei einer blinden Protestantin und erleuchtete für lange Zeit ihren dunklen Weg. Das ist Pius X., der neue Papst, der Mann der Religion, dem die Politik nur ein Mittel sein wird, um seine Gläubigen zu schützen, nie aber ein Zweck, dem -die Religion dienen soll. Das hat man zwar auch von Leo XIII. erwartet aber es scheint, dass der Einfluss seines politischen Ratgebers, des Kardinals Rampolla, den an sich milden Herrn von seiner ursprünglichen Bahn ablenkte. Des Staatssekretärs politische Richtung und seine weiten Ziele, denen eine gewisse Grosszügigkeit nicht abzusprechen ist, führten ihn oft ins Lager jener, die aus der Feindschaft gegen die Juden ein Geschäft machten. Wie ist nun der Mann beschaffen, der heute die politischen Geschäfte des Vatikans besorgt? Die Ernennung des Kardinals Merry del Val zum Staatssekretär Pius X. wurde in allen jenen Kreisen, die eine versöhnliche Haltung der Kirche wünschen, mit geteilten Empfindungen aufgenommen, und zwar weil er der S. J. angehört. Aber die Tatsache, dass unser Führer Dr. Theodor Herzl vom Papste empfangen wurde und die liebenswürdige Art, mit der Se. Eminenz der Staatssekretär sich mit ihm unterhielt, zeigen klar, dass man heute den Juden im Vatikan ohne Vorurteil gegenübersteht. Und aus der Unterredung, die mir vergönnt war und die ich hier möglichst sinn- und wortgetreu wiedergebe, geht deutlich hervor, dass ein Modus vivendi zwischen Juden und Katholiken möglich ist, wenn unsere Stammesgenossen klug und taktvoll genug sein werden, das zu beherzigen, was sich aus dieser Unterredung lernen lässt. Für uns Zionisten hat sie eine ganz besondere Bedeutung. * * * Die meisten römischen Prälaten sind liebenswürdige Weltmänner, und wenn sie freundlich sein wollen, dann wirken sie bezaubernd. Als ich in die Empfangsräume des Kardinal-Staatssekretärs geführt wurde, in einen jener Säle, die Pinturicchio in unvergängliche Schönheit getaucht hat, kam mir ein eleganter Herr in wallenden Kleidern bis an die Türe entgegen, führte mich in die Tiefe des Zimmers und nötigte mich, den Platz auf einem Kanape an seiner Seite anzunehmen. Die Gestalt des Kardinals ist so hoch, wie die seines Vorgängers, Rampolla, nur schmächtiger, sein Gesicht ist ebenso vornehm und zart als das seines Vorgängers gebieterisch, und selbst bis auf die

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