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Die Welt · 1904-03-18 · 12 (18.3.1904) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
12 (18.3.1904)
Date
1904-03-18
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 12 „bie * weit Seite 15 Jüdische Kraft im Mittelalter. Von Dr. Richard Blum und Louis Lamm. (Schluss.) Wie in Spanien, so gab es auch in Deutschland und Oesterreich Juden, die sich im Fechten übten. In einem von Rudolf II. 1 estiUigter Freibriefe der Prager Federfechter heisst es: „Dieweil sich befunden, dass in der Stadt Prag und auch anderswo die Juden von den Marxbrüderns) nur um des schnöden Gewinnes willen fechten gelehrt und unterrichtet worden, also dass sie bisweilen auf den Schulen öffentlich fochten und sich Marxbrüder genannt, welches ein Unzier und Christen verweislich, deshalb so wird denen von der Feder verboten, dass sie keinen Juden oder Ungetauften weder um noch ohne Oeld die Kunst des Fechtens lehren, oder deren geheime Stücke und Vorteile ihnen wissen sollen; sondern der Einer für sich selbst herfürtrete soll er abgeschafft und Keinem wider ihn das Schwert aufzuheben gestattet werden Die Meister von der Feder aber, sie seien einfache oder probierte, die solches überschreiten und einigen Juden vermeldter massen lehren würden, sie sollen nach Erkenntnis der ersten Hauptleute entweder mit Einstellung der Schule auf ein Jahr lang oder sonst in anderem Weg durch eine Geldbusse gestraft werden.'4'') Diese Bestimmung redet eine Sprache, die in ihrer Deutlichkeit wohl nichts zu wünschen übrig lässt. Recht häufig begegnet uns in alten Fechtbüchern der „Jude Ott". In einer Gothaer Handschrift vom Jahre 1443 lesen wir schon: „jetz vn hernach so hebt sich an dy mass zu allen Ringen dye stuck dann gemacht hatt ott der ein tauffter Jud ist gewesen.4' In dieser Handschrift wird auch einem Ott die Einführung der unblutigen Ringerkunst oder die Kunst, einem anderen ein Bein unterzuschlagen, zugeschrieben.1') In zahlreichen alten Werken und Handschriften11) über die Fechtkunst wird Ott als „der der herren von Oesterreiche Ringer gewesen ist'4 aufgeführt; so schliesst z. B. das Namensregister der Münchener Handschrift von Paul Kai, das die Gesellschaft Fechtkünstlers Hans Lichtenauers1") aufzählt, mit „Maister ott lud der der herren von Oesterreich Ringer4' gewesen ist. Eine Augsburger Handschrift vom Jahre 1556 erwähnt Ott noch als Dichter (Serapeum 1844). Ott hat sich wohl sicherlich nur deshalb taufen lassen, um „der herren von Oesterreich Ringer" werden zu können. Ob Johann Heinrich Ott (geb. 31. Juli 1617), der um 1638 von Manasse ben Israel in rabbinischen Wissenschaften unterrichtet worden ist und später als Lehrer der hebräischen Sprache in Zürich gewirkt hat, einer seiner Nachkommen war, wird wohl angenommen, ist jedoch nicht entschieden. Von einem anderen jüdischen Fechter berichtet Kirchners Wend Unmuth Buch CCCLXVI (nach Serapeum 1844) folgendes: Wir lesen davon mehr denn an einem Ort, dass den Juden ganz verhasst und zuwider waren die römischen und die heidnischen Spielhäuser und dergleichen. Darum mich wundert, dass ein Jud sich jetztund sollte an solchen Enden oder exertis gemeldeter Händel gebrauchen lassen: Noch ist mir neulich von einem Juden der so geschwinder, hurtiger und freudiger Fechter gewesen sein, der männiglich so gegen ihn oder e;r gegen jenen aufgehoben, Kampfs bestünde, gesagt und gerühmt, letzl-ich erboten mit einem Jeden um Geld, das er dahin warf 8) Marxbrüder, Brüder des St. Markus: eine ursprünglich in Frankfurt a. M. bestehende Fechtgesellschaft, von der später Zweigvereine in zahlreichen deutschen Städten entstanden. — Die Federfechter haben entweder ihren Namen vom St. Veit oder es i$t ihr Name auf die Bezeichnung „Feder" für einen dünnen Degen zurückzuführen. 9) Massmann, Serapeum, herausgegeben von Naumann, 1844, Seite 60. 10) Stolzmann, Serapeum, 1844, Seite 40. ") Sie befinden sich in München, Wien, Salzburg, Wallerstein im Ries, Heideiberg, Tambach Bayern, Meinigen, Gotha, Wolfenbüttel. l") Hans Lichtenauer, wohl identisch mit Lebkücher, Lebhonier, war in Lichtenau bei Ansbach (Bayern) geboren. 1S) Kein kunstgerechter Fechter, sondern eine Privatperson. oder um ein gut paar Streich, trocken oder nass zu fechten; also auf vermeldet Weise gegen zween den Gewinn am Geld und sonsten, zuletzt aber von einer unachtsamen Person1'1) bestanden, dass er das Geld rnusst da h Inden lassen, gute Schlappen aber davon trüge und sein Prangen etlicher Massen stillet. (Serapeum 1844.) Wenn wir auf einem Boden, der mit dem Blute jüdischer Märtyrer getränkt ist, wenn wir zu einer Zeit, in der man den jüdischen Leib in enge, dumpfe Ghettogassen zwängte, solcher Körperkraft begegnen, so erweckt es den Anschein, als sei die Spannkraft, die Elastizität des jüdischen Körpers durch den Druck nur noch gewachsen. Kaum waren die Ghettomauern gefallen, kaum die letzten Seufzer hinter ihnen verhallt, kaum die Flammenzeichen der Scheiterhaufen verglüht, da wuchs und reckte sich der jüdische Körper, als wäre sein Leid nie so riesengross gewesen. Ein kundiges Auge zwar wird jener Zeit des Elends einen nicht unerheblichen Anteil an den Degeneratiousmerkrnalen zumessen, die den heutigen Juden in ihrer Mehrheit einen Stempel aufdrücken. ,,Doch, Gott sei Dank, es ist ein alter Brauch, So weit die Sonne scheint, erwärmt sie auch.44 Sie hat uns erwärmt und mit ihren segenspendenden Strahlen gekräftigt. Wir schreiten aufwärts der Sonne unserer körperlichen Wiedergeburt entgegen. Wenn auch die Macht der Finsternis den grössten Teil unserer Brüder leider noch in ihrem Banne hält — es muss doch Frühling werden! Der Lenzeshauch wird in der Heimat wehen. SPENDEN. Für den Kidischen Nationalfonds: K M. A. Neiger, Tarnow, zur Verlobung A. J. Singer mit Frl. Anna Loew, Tarnow-Radomysl......... 1._ L. Schamer, Hohenems, Grüsse an die Gäste beim Purim este des „Ahawath Zionu, St. Gallen..... 1.— Zionistische Mittelschüler, Friedek. Emilie Kleinmann ...............'....... 1.— Zinnistische Jugend, Gaya, zum Gründungs-Komrners der „U n i t a su..... ............ 5— Tarnow: Sammlung Frl. Natalie Wachskerz und H. Menasche, bei Inaugurationsleier der „Hatschijah" Zangen.......,..........• . . 10.— Purim-^ammlung bei den Familien Anna und Rebekka Tannenbaum, Lancut............... 2.— Vom Stiftungs-Kommers der ,Un itas"....... 78.30 Reichel, „Unitas"................ . 1.— Zur Hochzeit Wagner: Dr. Kahn 1__, Familie Welt 0.60....................... 1.60 Z. M. V. Giskalah, Wien. „Ivria".......... 0,50 Kahlenberg-Gesellschaft. Dr. Bernhard...... 0.80 Milglieder des rumänischen Vereines „Erez Israsl", Wien bei med. Goldenthal................ 4.— J. Safier. Tarnow, zur Verlobung E. Landau mit Anna Holländer.................... 1.— ßlanda Krammer, Kornicz, anlässlich Wiederei langung einer gestohlenen silbernen Tabaksdose....... 0.72 Isidor Wuifsohn, Riga, anlässlich seiner Genesung . . . 12.60 J. Safier, Tarnow, zur Inaugurations-Feier der Sektion jüdischer Handelsangestellter und Arbeiter..... 0.60 Durch Dr. Zweig: Busse M. an E. 10.—, Wette dem Dr. K. abgewonnen 1__, vom antizionistischen Floh zur Hochzeit Adele Politzer, Olmütz — Paul Braff, Bielitz. Dr. Krenberger............ 13.— mag. pharm. Tunes ................ 1.20 Sammlung Marder und Sigal, bei Verlobung ß. Pasternak, Zoorow: Sigal 0.40, Katz 0.60, Pasternak, Marder, Perlmutter, Katz, Zoller, Kohn, Achselrad, Schachter, Stolzenberg ä 0.20, Richter und Lifschis ä 0.10 . . . 3.— Nationalfonds-Kömmission, Odessa: Sammlung Ch. Liwschitz: B. Lurie 0.30, L. Koifmann 0.50, J. Chalif 0.26, J. Liman, D. Frank, Sctu Taubenschlag, S. Toczilewsky ä 0.25, L. Brodsky & Berdiczewsky 1.—, M. Silberschmidt, Gebrüder Sternberg ä 0.50, Astrachan 1.20, Lwow, S. Liman ä 0.25, J. Berdiczewsky 1. — , J. Antmacher, D. Frank, ä 0.25, J. Chaliff, J. Alexandrowitsch, S. Roifrnan, J. Berdiczewsky ä 0.50, Tatar 1.—. Sammlung J. Lautenschläger bei Verlobung H. Kleiner mit Frl. Silberberg: N. N. 0.B0, A. J. Kleiner, E. M. Silberberg a 5__, J. Lautenschläger 1.—, J. S. Kleiner 5.—, M. S. Kleiner 2.-, D. A. Gill 0.25; zus. 18.55. ämmlung Gh. Liwschitz : S. Diamant 0.50, M. Chaimo-

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