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Die Welt · 1904-03-04 · 10 (4.3.1904) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
10 (4.3.1904)
Date
1904-03-04
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 lfbi* # W$lt" Nr. 10 Aus der Wiener jüdischen Toynbee-Halle* XX., Karajangasse 20. Vortragsordnung. Samstag, den 5, März, Konzert. Sonntag, den 6. März, Rektor Dr. Adolf Schwarz: Die Erzählungskunst der Bibel II. Montag, den 7. März, Dr. Heinz Kohn: Ueber Kriegsrecht. Dienstag, den 8. März, Frl. Dora Popper: Historischer Konzertzyklus III. Mittwoch, den 9. März, Diskussion. Donnerstag, den 10. März, Dr. L. Kohn: Aus deutscher Literaturgeschichte. Freitag, den 11. März, Dr. R o s en m an n : Bibelvortrag. Samstag, den 12. März, Konzert. Musikalisches aus der Toynbee-Halle. Frl. Manja Svedrofska, Mitglied des Musikausschusses der Toynbee-Halle, veranstaltete daselbst am 28. Februar einen Vortragsabend, der sehr gelungen war. Es wurde aufgeführt: Quartett von Beethoven Nr. 4, C-moll und Serenade von M o s Ir o w s k i, vorgetragen von den Herren : Max Geiger (1. Geige), Heinrich Svedrofsky (2. Geige), Josef Wolf (Viola) und Julius Gold b er g (Cello). Ausserdem spielten die Herren Julius G o 1 d b e r g und Josef Wolf: Popper, Godard, Bruch und Wieniawski. Frl. Svedrovska exekutierte temperamentvoll: Rigoletto- Phantasie von Verdi-Liszt und Konzert-Mazur von Czerwenka und Frau Hermine Strakosch sang Lieder von Schubert und SLnding und eine \rie aus Verdis „Troubadour". In die Begleitung teilten sich die Damen: Svedrofska und Valerie S edlaczek. Sämtliche Mitwirkenden erhielten reichen Beifall seitens des zahlreichen Publikums. R. F. Bücher- und Zeitschriften-Rundschau Der „Jewish Chronicle" vom 2(5. Februar schreibt: Nicht-zionistische Konzessionen in Ostafrika. Die Zionisten sind die einzige Körperschaft, die mit der Regierung wegen des Erwerbes von Boden in Ostafrika Verhandlungen pflegt. Mr. Cathcart Wason M. P. (Parlamentsmitglied), der soeben nach einer mehrwöchentlichen Reise in Uganda nach London zurückgekehrt ist, richtete am 23. Februar eine Anfrage an den Unterstaatssekretär für auswärtige Angelegenheiten, Earl Per cy, ob derselbe die Namen der Personen, denen neulich grosse Konzessionen in Ostafrika für 500 Quadratmeilen Land erteilt wurden, angeben könne. Earl Percy gab folgende Antwort: 500 Quadratin eilen Land werden jetzt an das Ostafrika-Syndikat verpachtet, unter Bedingungen, die vom Schatzministerium S. M. genehmigt worden sind. Die Auswahl des Platzes hat im verflossenen Jahre durch den lokalen Vertreter des Syndikates stattgefunden, wobei auch der Commissioner S. M. zu Rate gezogen wurde. Die Verpachtung wird den Vorschriften der East Africa Crown Lands Ordinance 1902 gemäss, die sich in der Parlamentsbibliothek befindet und nach welcher die Rechte der Eingeborenen vollkommen beachtet sind, vor sich gehen. Es werden auch Unterhandlungen gepflogen wegen der Verpachtung gewisser Waldstrecken in der Nähe der Küste an Firmen, die sich mit der Produktion und Fabrikation von Bauholz und Gummi beschäftigen. In gut informierten zionistischen Kreisen ist man der Ansicht, dass Mr. Wason (der, wie wir gezeigt haben, für die Einschränkung der Einwanderung nach England ist) mit seiner Interpellation die zionistischen Unterhandlungen wegen einer Siedlung der Juden in Britisch-Ostafrika im Auge hatte. Wir erfahren auch, dass das Land, welches man bei sonstigen günstigen Bedingungen für eine jüdische Siedlung zu erwerben hofft, viel grössere Ausdehnung als 500 Qualratmeter haben wird." Mr. Wason hat an den Unterstaatssekretär folgende Anfrage gerichtet, die wir samt der Antwort aus einem Parlamentsberichte mit der Aufschrift: „ Die zionistische Siedlung" entnehmen: „Mr.C.W a s o n fragte den Unterstaatssekretär für auswärtige Angelegenheiten, ob er dem Parlamente die Bedingungen, unter welchen im verflossenen Jahre den Zionisten eine Landkonzession angeboten wurde, bekanntgeben wolle; wie gross diese Konzession sei, wo sie gelegen sei und ob das Angebot noch aufrecht erhalten werde." Earl Percy: „Ich werde erwägen, welche Dokumente man vorlegen könnte. Die genaue Ausdehnung und Lage der den Zionisten angebotenen Landfläche und der Charakter der ihnen zustehenden örtlichen Autonomie sind noch nicht genau festgesetzt worden. Auf die letztere Frage aber kann ich eine bejahende Antwort erteilen,u Romanische Forschungen. Organ für romanische Forschungen im Mittelalter. Herausgegeben von Karl Vollmöller, XVI. ß., 1. Heft. (November 1903.) Erlangen. Diese Zeitschrift, eine sehr harmlose Philologenzeitschrift, enthält diesmal auch einen Aufsatz, der über Romanistik und ähnliche Dinge sich auf das weitere und fruchtbarere Gebiet der Ethnologie und der Folkloristik hinausgewagt. Dr. F. S. Kr au ss hat für dieses Heft einen Aufsatz geschrieben über die Volkskunde in den Jahren 1897 bis 1902. Wie eigentlich dieser Aufsatz in eine streng fachmännische Zeitung gehört und in welchem Zusammenhang romanistische Philologie mit allgemeiner Ethnologie steht, überlassen wir dem Gutachten des Verfassers» Nun, dieser Aufsatz, eine im Grunde genommen recht uninteressante, bibliographische Arbeit, die von Namen und Büchertiteln strotzt, und von einem uferlosen Wortreichtum überschwillt, würde nie unsere Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben, wenn sich nicht der Verfasser zugleich auch die undankbare Mühe genommen hätte, die Nichtexistenz eines jüdischen Volkstums zu beweisen. Ein „Fata-Morgana-Volkstum" nennt er das Volkstum der Juden, weil sie „den sechs Forderungen, die er (Dr. Krauss!) aufgestellt hat, nicht entsprechen \ Armes jüdisches Volk! Also durchgefallen bei der Prüfung vor dem gestrengen Herrn Doktor, also nicht anerkannt, negiert von dem anspruchsvollen Folkloristen. Noch mehr, die Juden sind nicht bloss keine Juden, sie sind . , . „Deutsche"! Ja, Deutsche! Aber wie so, wird der erstaunte Leser in Russland oder in Shanghai (vorausgesetzt, dass sie den Aufsatz des Dr. Krauss lesen) fragen: Ich ein Deutscher, warum nicht lieber ein Slave, ein Magyare, ein Hunne, ein Samojede? Nein, nur ein Deutscher! So dekretiert Dr. Krauss (S. 189-191) und dagegen ist nichts zu machen. Und der Beweis, o ungläubiger Leser, ist doch Deine Folklore! Deine Märchen sind nicht jüdische, beileibe nicht, nicht einmal Deine Heiligengeschichten, Deine Legenden, Deine Volkslieder, sie sind „deutsch". Und als Autorität wird Dir ein anonymer Verfasser eines Büchleins über „Hexenwesen" hin gestellt und eine Stelle aus Leo Wieners „ Yi ddish Litteraturein theXIX.CenturyK. Un d wenn Du, o hartgesottener Ketzer, meinst, Du habest ebenfalls das Buch von Wiener gelesen und gerade das Gegenteil herausgefunden, wenn Du meinst, dass der gelehrte Herr Doktor Krauss von der jüdischen Folkloristik, von den jüdischen Volksliedern und Sagen und Mythen offenbar nicht viel weiss, Wenn Du meinst, dass der Verf. wahrscheinlich nicht versteht, was eine Rasse und was eine „psychische Rasse", eine Nationalität, sei, wenn Du dann ferner meinst, dass der Verf. sich selbst aufs gröbste widerspricht, indem er an einer Stelle (S. 170 und ff.) behauptet, die Sprache sei kein Merkmal eines Volkstums, an einer anderen auf Grund dieses Mangels einer eigenen Sprache den Juden den nationalen Charakter abspricht — dann passiert Dir, o Ungläubiger, das, was z. B. Dr. Grunwald passiert ist. Du wirst von Dr. Krauss ein oberflächlicher, unwissenschaftlicher, parteijüdischer Kopf genannt. Und es geschieht Dir recht. Warum einen Krauss in seinem Wahne stören, die Juden seien „Deutsche", Abkömmlinge von Hermann dem Cherusker und Hagen, dem wilden Degen. Es werden sich auch andere „Deutsche" mit Krauss freuen, wenn sie diese verblüffende Entdeckung lesen. Nun schade, dass sie lieber Börsezeitungen lesen, als romanische Forschungen. Warum hat Dr. Krauss dort nicht seine Wissenschaft produziert. Sie würden dann schmunzelnd sich denken: Se non e vero, e ben trovato. Criticus,

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