Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 9 (26.2.1904)
- Date
- 1904-02-26
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9 „bie # w^it" Seite 9 scheinigem Kittel, der in verkehrten Falten über der Brust zugeknöpft ist, mit abgematteten Füssen, den Kopf mit einer schäbigen Pelzmütze bedekt, das Gesicht halb geschoren, eine Art Stoppelfeld, der Mund geschlossen, fahle, glanzlose, wehmütig in die Ferne starrende Augen und die Arme mit den groben Händen überein an dergeschlagen — das Bild des schweigenden Duldens und Entbehrens, aber auch der ruhigen Ergebung in das Unvermeidliche! Ein in der Tat ergreifendes Bild, es ist die Generalisierung eines Volkes und eines Leidens, das Jahrtausende alt ist. Th. W. War die Arche Noah seetüchtig? Eine Antwort auf diese Frage mag, zumal die Arche Noah noch immer das populärste Schiff genannt werden kann, nicht uninteressant sein. Die amerikanische Schiffahrtzeitung „The American Syren and Shipping" schreibt: Viele Schiffbaumeister haben über die Masse der Arche geschrieben und alle sind zu der Meinung gekommen, dass sie ein ausgezeichnetes Seeschiff und ebenso ein einträglicher und zuverlässiger Lastenträger gewesen ist. Nach der Heiligen Schrift war die Arche 480 Fuss lang, 80 Fuss breit und 48 Fuss tief, ihr Raumgehalt betrug 11.413 Tons; sie hatte eine Menge Raum für Paare der verschiedenen Tieren — 244 nach Buffons Klassifizierung —, konnte ausserdem 1000 Personen tragen und hatte dann noch reichlich Raum für die Unterbringung von Lebensmitteln. Im siebzehnten Jahrhundert baute Peter Jansen, ein Holländer, ein Fahrzeug von genau den Grössenverhältnissen der Arche, und dieses Fahrzeug brachte, wie die gleichzeitigen Berichte zeigen, seinen Eigentümern viel Geld. Noah, „der Vater der Schiffbaukunst", wird von den heutigen Schiffbauern hoch in Ehren gehalten; denn sie wissen, wie unendlich weit die Phönizier, Griechen und Römer und alle anderen Schiffbauer bis auf die neuere Zeit hinter dem ausgezeichneten Schiffstyp der Arche, dieses bequemen, sicheren und rentablen Schiffes, zurückbleiben. — In der Tat, nur die neueste Zeit hat es verstanden, wieder Fahrzeuge zu bauen, die sich der Arche Noah vergleichen können. Aber heute sindSchiffevonmehr alsll.OOOTonsbrutto keine Seltenheit mehr. Freilich, Noah war es nur um das Schwimmen, nicht um das Schnellschwimmen zu tun, und so baute er sein Schiff reichlich breit. In dieser Beziehung hält es bis auf den heutigen Tag den Rekord : auch das jüngste und grösste Riesenkind der Welthandelsflotte, der englische Dampfer „Baltic", hat »och 5 Fuss weniger in der Breite als das Noahschiff." „Die Zeit". Militärischer Geist der amerikanischen Juden. In New-York besteht schon seit einigen Jahren eine „Edukational-Allianee", die für die körperliche Hebung der jüdischen Bevölkerung in Amerika Sorge trägt» Der Initiator dieses Vereines ist der um diese Sache vielverdiente Dr. David Blaustein. Nun begnügen sich die amerikanischen Juden nicht bloss mit körperlichen Uebungen, sie wollen auch eine militärisch gedrillte Jugend haben. Samuel Mason war der erste, der diese Idee zu realisieren begonnen hat. Er bildete im Jahre 1897 in Providence, R-J., die erste jüdische Militärkompagnie, die auch jetzt besteht, und zwar unter der Führung des Kapitäns Schooneberg. Drei Jahre darauf formierte Mr. Charles S i g a 1 o v, ein russischer Jude, der fünfzehn Jahre in der russischen Armee gedient und die Sache liebgewonnen hatte, die Kompagnie der sogenannten „Russisch-Amerikanischen Husaren % die später den jüdischen Namen „Nationalhusaren der amerikanischenZionisten" bekommen hat und sich unter die zionistische Flagge stellte. Nach Sigalom machten sich auch die Herren Capt. Bencur Risemann und Mayer H u rw i t z um die Angelegenheit verdient. Zur Stunde bestehen ausser den obengenannten jüdischen Kompagniennocheine in Boston, die sogenannten „Knights of Maccabeans" und eine „Guards of Zion", eine Knabenbrigade nach dem Muster der englisch-jüdischen in London, ist im Entstehen begriffen. Dieses Erwachen des kriegerischen Geistes in den friedfertigen Juden Amerikas ist sehr eigentümlich. Dieser militärische Drill wird aber Vorteil mit sich bringen, indem er die Juden lehren wird, den Kopf höher zu halten und minder gebeugt den Rücken. Eine solche Edukational-Alliance wäre auch im alten Europa nicht überflüssig. Die Auswanderung nach den Vereinigten Staaten. Der kürzlich erschienene Jahresbericht des Einwanderungsamtes der Vereinigten Staaten für die Zeit vom 30. Juni lQO& bis 30. Juni 1903 enthält auch interessante Datenüber tlie Einwanderer aus der österreichisch-nngar i s c «frse'n Monarchie. Das österr.-ung. Gen^Kx>nsMati in* Ohicägo entnimmt aus demselben^olgende i Tabelle über die Einteilung der österivciiB&jiEmwähctgr^rc^.-.-k v*?nmlA e.TJ Böhmeny und ^^Y^r-^ap^QQhiQji^ >j i { A «• - O) 9.577 . §er^j(in^if^ß'@$WM?pit ^u^ren^d MonJfH * -j v stiiMöffitfft§^ßjRmß8 teWr.te«ß¥&v («N $.3* ä 'f.j » »9<i 3 h-W Kroaten und Sloveuen.............. 32.892 Dalmatiner, Bosniaken und Herzegowiner .... 1.723 Deutsche..................... 23.597 Israeliten................... 18.759 Italiener...................... 2.146 Magyaren..................... 27.113 Polen (?)..................... 37.499 Rumänen..................... 4.173 Ruthenen..................... 9.819 Slovaken . . ................... 34.412 Verschiedene .................. ._74 Gesamtsumme der eingewanderten Zwischendeckspassagiere ................ 206.011 Gelandete Passagiere I. und IL Klasse aus Oesterreich-Ungarn................ . 3.282 Gesamtsumme aller Passagiere . . . 209.293 Nur in dieser Tabelle wird die Anzahl der aus Oesterreich-Ungarn stammenden Nationalitäten gesondert angegeben, während in allen übrigen statistischen Ausweisen die staatliche Zugehörigkeit der verschiedenen Nationalitäten nicht berücksichtigt wird. Infolge dessen ist eine Feststellung der österreichisch-ungarischen Auswanderungsverhältnisse in Gruppen nach Berufen, Alter, Geschlecht etc. nur schätzungsweise durch Anwendung eines prozentuellen Massstabes möglich. Hiebei kommen folgende Nationalitäten in Betracht: Gesarataus Ein- Oesterreich Perz. Wanderung Ungarn Israeliten........... 76.203 18.759 24 Deutsche............. 71.782 23.897 32 Polen..........• . . . . 82.343 37.499 45 Eumänen............ 4.740 4.137 88 Serben, welche in einer Gruppe mit Bulgaren und Montenegriner zusammengefasst sind....... 6.497 4.227 66 Italiener (aus Tirol und Nord-Italien) 37.429 2.146 57 Das geplante jüdische Museum in New-York. Der Richter M. Sulzberger hat dem New-Yorker Rabbiner-Seminar eine Sammlung von mehreren tausend hebräischer und die jüdische Wissenschaft betreffender Bücher zum Geschenk gemacht. Ausser den Büchern sollen noch an 750 hebräische Handschriften und eine grosse Anzahl von Zeremonialgegenständen von Herrn Sulzberger dem Seminar geschenkt worden sein. Dieses Geschenk ist für;das geplante jüdische Museum von New-York bestimmt. Eine Reise nach Ostafrika. Baron Eduard von Rothschild und sein ältester Sohn sind zu einer Expedition nach dem Inneren von Abessinien von Paris abgereist. Die Expedition soll auch die grossen Seen aufsuchen. Die französische Regierung hat dieser Expedition eine Eskorte von Senegalschützen zur Verfügung gestellt. Preise für jüdische Künstler. Unter den vom Senat der Akademie der Künste in Berlin zu verleihenden Preisen befinden sich auch zwei Michael Beer-Preise im Betrage von je 2250: Mk. für jüdische Maler aller Fächer und für Bildhauer — ohne Unterschied des Bekenntnisses. Aus Marokko. Die „A 11 i a n c e i s r a e 1 i t e universelle4' veröffentlicht eine detaillierte Schilderung der Judenmassacres in Stat (Marokko). Die Kabylen und Araber verübten Greueltaten an der wehrlosen jüdischen Bevölkerung, verschonten nicht Kinder noch Greise. Die meisten Juden von Stat flüchteten sich nach Casablanca. So beschreibt der Direktor der Schule der Alliance in Casablanca die Ankunft der Flüchtlinge nach Stat: „Heute, am 17. Jänner, war meine Schule ungefähr von 600 Unglücklichen überrumpelt, halbnackten, elenden, brot- und obdachlosen Menschen . . ." Und dann kommt eine haarsträubende Beschreibung all des Elends und der Gewalttaten, die an den Juden verübt wurden. Nun aber gelang es der Mildtätigkeit der Juden in Qasablanca und dem englischen Konsul Mac Lian, den Unglücklichen wenigstens momentane Hilfe zu verschaff eh. „Afier,'? rfugt der Bericht der Alliance" hinzu, „diese Hilfreicht nicht aus; man muss darnach trachten, die Elenden zu u-nterstützen, man muss sie auch so bald als möglich in ihr altes Heim einsetzen und ihre Häuser w i e #6?f!6£tt.1 r<T c h t e n, da sie nach der ■x Rückkehr; gasfllhst. ^l.o^s/Zerstörung und Elend finden, würden. ., Man' schätzt die JCo&ten^auf 300 000—400 000. Frcs," Im; ailge- . jme^ien; wiroV^ Stat auf 500 000 Eres, „i^u ßtehen, .^prrjmen, : AfUch Marakesch( sollen wieder Unruhen uWf^fG&eW$ein,^ -} \; ■ 1/ ■ ■■ /■ -st_> :;. nWdisojiw Kynutew&j J^r,.uT>i«zarUjla;fc.i-gehtf .,ea, hoch her. -jRa^qe^yi dtäT.i gtßj$m ^ohn ^tjngarns, wird gefeiert*, die ganze jjd^tiQBi|rf»ii^rt#lviiTpiferi,N«jkiQ»SLUiät.^ " aber . rühren keinen .oB'mg^iu^iia^^f^^ijlie ^NsHon"^ Ja; w^rum? lW4»n