Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 7 (12.2.1904)
- Date
- 1904-02-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Deutschland ganzjährig Mk. 13.70, halbjährig Mk. 6.85, vierteljährig Mk. 3.45, England ganzjährig Shg. 14.—, halbjährig Shg. 7.—, vierteljährig Shg. 3.10, Russland ganzjährig R. 7.—, halbjährig R, 3.50, vierteljährig R. 1.75, Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig Fres. 17.—, halbjährig Frcs. 8.50, vierteljährig Frcs. 4.25, Amerika ganzjährig Doli. 3.40, halbjährig Doli. 1.70, vierteljährig Doli. —.85. Nr, 7. Wien, 12. Februar 1904 — 26. Schebat 5664, 8, Jahrgang. Fremdengesetze. Nicht von Russland soll die Rede sein und nicht von Rumänien. Was wir Juden von diesen beiden Ländern zu erwarten haben, wissen wir genau. Das Schlimmste, das dort geschieht, rnuss uns zwar schmerzen, kann uns aber nicht überraschen. Dass aber die beiden angelsächsischen Staaten, in denen die bürgerliche Freiheit bisher stolz ihr Banner entfaltet hatte, dieselben Wege einschlagen sollen, wie die ihnen sonst nicht nur räumlich sehr fernen Kulturstaaten, das ist geeignet, ernste Befürchtungen hervorzurufen. Wir wissen allerdings schon seit längerer Zeit, dass Amerika an der grossen jüdischen Einwanderung Anstoss nimmt. Die Verschärfungen der Bestimmungen, die für die Zulassung von Einwanderern aufgestellt wurden, sind nicht von heute Wir haben an dieser Stelle bereits zu wiederholtenmalen Gelegenheit gehabt, uns mit dieser Sache zu beschäftigen. Immerhin war die Beschränkung bisher in gewissen Grenzen geblieben, die eine Einwanderung des jüdischen Proletariates zwar erschwerten, aber doch nicht direkt unmöglich machten. Im letzten Jabre haben sich aber die .Anzeichen dafür gemehrt, dass Amerika auf dem einmal eingeschlagenen Wege nicht stehen zu bleiben gedenke. Es ist vorauszusehen, dass in naher Zeit noch andere beschränkende Bestimmungen beantragt werden dürften, und es ist sehr wahrscheinlich, dass sich eine Majorität für sie wird finden lassen. Es ist auch sicher kein Zufall, dass Mr. Arnold White gerade jetzt wieder mit Vorschlägen zur Regulierung der Judenwanderung auf den Plan getreten ist. Mr. White ist kein Neuling in dieser Frage und er weiss sehr wohl, was er tut, wenn er vorschlägt, dass England und die Vereinigten Staaten ihr Territorium zur Lösung dieser Frage nicht überlassen mögen. Es ist nicht seine Meinung allein, die er in seinen Vorschlägen zum Ausdrucke bringt, wenn er auch vorläufig die Verantwortung für sein Auftreten allein zu tragen hat. Mr. Arnold White kennt die Stimmung in Amerika wie er die in England kennt. Seit Jahr und Tag beschäftigt die Einwanderungsfrage die englischen Politiker. Die Alien Immigration Gommission, die als Enquete Material sammelte, hat dem Parlamente Englands ihre Schlussfolgerungen bereits bekanntgegeben. Der Typus des unerwünschten Fremden wird den englischen Regierungsagenten bald so geläufig werden wie er es denen von Amerika ist. Und während Lord M i 1ner ausdrücklich erklärt, dass Transvaal eine starke Einwanderung benötige — man hat sich nur noch nicht entschlossen, ob eine aus Zentralafrika oder Ostasien — wird den Jaden tatsächlich die Landung in Südafrika möglichst verwehrt, bevor noch im Mutterlande die frommen Wünsche der Gegner der Einwanderung Gesetz geworden sind. Das gute Beispiel, das Amerika gegeben, die Kapkolonie befolgt hat und England nachzuahmen im Begriffe ist, kann nicht ohne Einfluss auf die übrigen englischen Kolonien und weiterhin auf diejenigen Staaten bleiben, die ebenfalls Kolonialbesitz haben. Es ist eine schlimme Perspektive, die sich für die wandernden Juden eröffnet. Sie wird dadurch noch düsterer, weil sie den wohlhabenden Juden der angelsächsischen Staaten keineswegs missfallt. Diese Juden, die bereits in Sicherheit sind, fühlen sehr gut, dass sie in ihrer Ruhe bedroht würden, wenn die jüdische Einwanderung weiter anwachsen sollte. Es ist ein begreiflicher Egoismus, wenn sie sich gegen eine Verschlechterung ihrer Position wehren. Begreiflich,aber nicht entschuldbar. Gerade sie hätten von allem Anbeginn an jede Bewegung aufs eifrigste unterstützen müssen, die eine planmassige Leitung der Wanderung und Ansiedlungder Juden bezweckte. Schon aus eigenstem Interesse, wenn ihnen auch, was wir durchaus nicht behaupten wollen, wirklich jedes Mitgefühl mit den Bedrängten ihres Volkes und ihres Glaubens abhanden gekommen wäre. Es ist auch nicht einzusehen, wie sie sich dieser Pflicht entziehen könnten; denn trotz aller Einwanderungsverbote wird die Auswanderung Verzweifelter — und das sind Millionen Juden — nicht aufzuhalten sein. Wohin immer sich diese Armen wenden mögen, der Einfluss ihres Erscheinens wird über Länder hin wirken müssen, die endgiltige Lösung wird nur verzögert, nur noch verwickelter werden. Wir können heute nicht mehr auf dem Standpunkte stehen, dass wir unberührt bleiben, wenn in