Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 6 (5.2.1904)
- Date
- 1904-02-05
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 14 „bie $ w*it Nr. 6 Kritiker besuchte allabendlich das Theater und schrieb lange Artikel über die Aufführungen, aber Adler fand seinen Namen nie darin erwähnt; täglich stand er frühmorgens auf und kaufte sich eine Nummer des Blattes, aber jedesmal fand er zu seinem Schmerze, dass der grosse Mann ihn wieder übersehen hatte. Anfangs glaubte er, dass der Rezensent ihm persönlich übelwollte, dann, dass er ihn deshalb nicht erwähnte, weil er nur kleine Rollen spielte. Endlich hatte er eilte grosse Rolle erhalten; er war davon überzeugt, dass seine Darstellung dem Kritiker gefallen haben müsse, und am folgenden Morgen kaufte er sich erwartungsvoll die Zeitung, aber siehe da! sie enthielt überhaupt keine Kritik der Vorstellung. Da ging Rosenberg zu dem Kritiker hin und fragte ihn nach der Ursache seines Schweigens. ,,Adler hat das ganze Stück verdorben," lautete die Antwort; ,,er spielt unnatürlich und spricht zu iaut — ich würde ihm raten, den Brettern Valet zu sagen." ,,Da begann ich nachzudenken,'4 sagte Adler; zunächst Hess ich mir das Haar schneiden, das ich nach Künstlergewohnheit lang getragen hatte, dann studierte ich jede einzelne Rolle gründlich, las fleissig die klassischen Stücke und spielte eine Rolle nie, wenn ich sie nicht vollkommen verstand. Bis nun war es mir Spiel gewesen, fortab war es mir ernste Arbeit." Einige Jahre hindurch spielte Adler in russischen Städten und wurde dann selbst Direktor einer Truppe; im Jahre 1883, als Russland dem Jargontheater verschlossen wurde, ging Adler mit seiner Truppe nach London. Dort verlor er sein ganzes Geld und wäre fast Hungers gestorben; Weib und Kind starben ihm, und in seiner Verzweiflung dachte er schon daran, dem Theater den Rücken zu wenden. Aber es war zu spät, nach Odessa zurückzukehren, denn er hatte sich mit seinen Verwandten und Freunden überworfen; so blieb er denn länger in London als er beabsichtigte, umsomehr, als man ihm eingeredet hatte, wenn er in Amerika reüssieren wolle, müsse er singen, tanzen und deutsch sprechen, können. Die Rothschilds sowohl als auch Dr. Felix Adler nahmen sich seiner an, rieten ihm aber, die jüdische Bühne, die ja doch keine Zukunft habe, aufzugeben. Im Jahre 1887 kam Adler nach New-York, wo damals schon zwei jüdische Theater bestanden; er begab sich also nach Chicago, aber dort vermochte ein jüdisches Theater nicht 'Fuss zu fassen. Einige reiche Juden in Chicago rieten Adler, englisch zu lernen und sich der amerikanischen Bühne zuzuwenden, aber er hatte seiner Lernfähigkeit nie viel zugetraut und schlug das Anerbieten aus — freilich bedauert er das heute. Er kehrte nach New-York zurück, wo Mogalesco und Kessler ihn zum Bleiben zu überreden suchten, aber da die jüdischen Schauspieler ihm im allgemeinen feindlich gesinnt waren, wendete er sich wieder nach London. Dort suchten ihn im folgenden Jahre vier jüdische Theaterdirektoren — Mogalesco darunter — auf, um ihn zu engagieren, und im Jahre 1889 trat er zum erstenmale im Oermaniatheater auf. Man hatte ihn als einen Künstler vom Range eines Salvini, eines Barrett, eines Booth angekündigt; als er von dieser Uebertreibung hörte, war er so böse, dass er sofort nach London zurückkehren wollte. Wohl liess er sich endlich zum Bleiben bewegen, weigerte sich aber aufs entschiedenste, als Uriel Acosta, wie bereits angekündigt war, aufzutreten, der eine berühmte Rolle Salvinis war, sondern bestand darauf, dass zuerst ein Lustspiel gegeben würde. Man wählte „Der Lumpensammler'4, ein Stück, das heute noch im Ghetto gegeben wird; aber die Leute, die ein Trauerspiel zu sehen erwartet hatten, nahmen das Stück ernst auf und lachten absolut nicht, so dass die Direktoren nach Schluss der Vorstellung dem Publikum die Mitteilung machten, dass Adler nur ein armseliger Schauspieler sei und dass man sie getäuscht hätte. Adler wurde nun von der ganzen Truppe mit eisiger Verachtung behandelt, nur eine einzige Schauspielerin machte eine Ausnahme; sie ist jetzt Adlers Frau und eine der hervorragendsten Schauspielerinnen am Volkstheater in New-York. Nach einiger Zeit ging die Direktion des Germaniatheaters in Adlers Hände über; er entliess die ganze Truppe und engagierte neue Schauspieler. Gleich darauf begann der Kampf, der die letzte Entwicklung der jüdischen Bühne herbeiführte. Adler hatte eine Zeitlang grosse Erfolge aufzuweisen, aber er wurde immer unzufriedener mit seinem Repertoire: er konnte keine Stücke finden, die in ernster Weise das Leben seines Volkes wiederspiegelten. Seiner Ansicht nach waren nur die übersetzten Stücke gut, aber er sehnte sich nach Originalstücken und nach einem Theaterdichter, der sie schreiben könnte. Da lernte er eines Abends Jacob Gordin kennen, der später den grössten Teil der jüdischen ernsten Originalstücke geschrieben hat, die existieren. (Schluss folgt.) SPENDEN. Für den Jüdischen Nationalfonds: K Zionistische Jugend, Gaya, zur Eintragung der Unitas . 2.— Dr. Josef Traum, Tarnow, anlässlich Geburt einer Tochter zur Eintragung Siodmaks............. 4.__ Gh. D. Langnas und Frau in Sanok, zur ßrith-Milah in LubJin...................... 0.50 Jakob und Sali Schauber, Kossovv, zur Hochzeit Roller- Haber ...................... 1.— Israel Heimberg, Prag............... 4— Personal des Bankhauses M. J. Etin, Budapest, zur Hochzeit Salomon Rokeach............... 1 — Dr. Sigmund Segal, Felek, zur Hochzeit seiner Schwester Helene mit Moriz Niszel Gyotelges......... 5— Strassburg : Apotheker May Mkf 10.—, Frl. Paula Hamel 1.—, Ferdinand Frankel. Zabern 1—, Dr. Dannenberg 0.85, Zionisten 1.—, Zionisten und Zionsfreunde in Rest. Wolt 10.—, Robert Weil 0.50 ..... '. . . 28.40 Cairo: Sammlung Nassau bei einem Familienfeste des Gg. Galitzenstein zum Andenken an seinen seligen Vater David Galitzenstein: Fr. H. Wolf (Wien) 10—, J. Galitzenstein 10.—, Herr und Frau Casimir 2.50, J. H. Ellmann 1.—, J. Margolos 4.—, B. Ehrlich 5—, Nassau 1__, V. Casimir 1.25, J. Casimir 1.25, Dr, Krischewski 2.5, Perlmarin 2.5, bei Hochzeit Korsonski, Cairo 10__, A. H. Maxi zur Eintragung der Verbindung „Ivria" in Wien 2.—; Frcs. 53— zusammen .... 48.53 0. Gottfried, Buczacz................. 0.2b Antwerpen: M. Karlin Frcs. 7.50, Gh. Salti 5.—, M, Tolkowski, I. Tolkowski, A. Tolkowski, R. Elbaum, M. Levin a 3.60, H. Kleinberg 2.75, Bolle pere 2.25, Rennel-Zinger-Van Beret 3.15, T. Silberblatt, N. Schwarzstein, ßandas, Lazar Lipschütz, A. Rivlin, S. Elbaum, Hoedemacker, B. Benhaim, H. Abolafia, H. Strauss ä 2.—, J. Sjemant, Mirmorowicz, M. Schulsirger, B. Spira, S. Zwejer, H. Weinberg, D. Wijnschenk, J. Silberfeld, M. Silberfeld, S. Heilsporn, S. Himmelblau. M. Finkelstein, H. Grünzweig, Dirdak, Bochner, S. Richter, H. Kiemberg, Pisazewicz, P. Horowitz, A. Adler, Buchenholz u. Birnbaum, M. Rosenblum, M. Herzel, H. Graetzer, J. Finkdstein, Dr. L. Herz, H. Herz. A. Herz, Juriller, Blankstein, J. Landy, Moed, Pressl-Adler, L, Kannengiesser, Salti-Fils, Mi Chirimian, Tavil, J. Ratzersdorfer ä 1.50, Habib el Sina 2.— . Münk. Klein, Brodtzky, Goldwasser, A. Walk, H. Schulsinger, Gh. Weinbaum, Baliszanski, Brodheim, Rapaport, Grusmark, Reicyn Rostoff, J. Fast, Montias, Menache, Glas. Fux, M. Klipper, J. Gutwirth, H. Gutwirth, Lewinsohn, J. Nentel, J. H. Ratzershofer, Figatner ä 1__, hie von ab Kosten eines Kollektiv-Telegrammes 14.20, bleiben 127.45, von Karlin pere zur Komplettierung 122.55; Frcs. 250—; zusammen zur Eintragung des Brautpaares Karlin-Eschkenasy, Antwerpen-Warschau .... ............ 237.50 Podwoloszynska : Sammlung Färber und Fuchs bei Hochzeit Einhorn.................. 2.— Wiznitz: Sammlung Schärf und Druckmann bei Verlobung Moses Druckmann: J. L. Biener 1.—, Frl. RosaBiener 0.50 M. Biener 0.20, J.Biener, M. Drukman ä 0.10, M.Druckmann 0.50, E. Druckmann 0.50, A. Druckmann 0.20, S. Druckmann 0.05, Sa.. Druckmann 0.10, F. Schärf 0.20, J. Iwan er 0.20, N. Singer 0.10, Fr. Regina Druckmann 0.10, R. Druckmann 0.20, A. Gross 0.10. J. Krämer 0 10. Gh. Rappaport 0.10, M. Wanderer 0.10, M. Gross J. Hirschmann 0.10, J. Rosner 0.04, für ein Blatt 0.30; zusammen zur Eintragung des Vereines Wiznitz . . . 4,19