Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 5 (29.1.1904)
- Date
- 1904-01-29
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 5 „bi* # weit11 Seite 9 Der Jude S ch aj e w i ts c h, welcher in Rostow am Don seit Jahrzehnten ein öffentliches Geschäft hatte, wurde plötzlich dem Gerichte überantwortet unter der Beschuldigung, in der Stadt Rostow, welche letzthin dem Dongebiete einverleibt wurde, wo Juden sich nicht aufhalten dürfen, widerrechtlich gewohnt und ein Geschäft betrieben zu haben. Auf Befehl des Kameralhofes wurden die Waren Schajewitsch' konfisziert und er selbst dem Strafgericht übergeben. Das Landesgericht bestätigte die Konfiskation der Waren und verfügte gleichzeitig die Ausweisung S ch a j e w i t s ch'. Erst nach vielen Irrfahrten stellte die Gerichtskammer fest, dass Schajewitsch das Recht hatte, in Rostow zu wohnen und dort Handel zutreiben. Inzwischen aber ist S c h a j e w i t s c h völlig ruiniert worden, . . . Tifliss. Der „TifLisskij Listok" berichtet über folgenden Fall, welcher sich unlängst in Tifliss ereignet hat. Der in Tifliss wohnende jüdische Handwerker (Uhrmacher) Abraham Barskij h*tte in seinem Geschäfte auch Uhren nicht eigener Erzeugung zum Verkauf. Die Polizei verhaftete B a r s kij, sperrte sein Uhrengeschäft und überantwortete Barskij dem Strafgerichte, angeblich deshalb, weil er als Handwerker kein Recht hatte, Sachen nicht eigener Erzeugung feilzubieten. Das Gericht verurteilte Barskij zur Ausweisung in das jüdische Niederlassungsgebiet und sprach gleichzeitig die Konfiskation des Warenlagers aus. Erst in dritter Instanz wurde Barskij freigesprochen und das erstrichterliche Urteil aufgehoben. Minsk. Vor dem Bezirksrichter in Minsk wurde unlängst, wie die „Nowosti" melden, folgende charakteristische Verhandlung durchgeführt. Die Schülerin des Minsker Mädchengymnasiums, die Jüdin Rebbeka Schapiro, ersuchte am 1. März den Klassen vorstand Frau Jusefowitsch, sie für diesen Tag zu beurlauben, weil ihr Namenstag gefeiert werde. Der Vorstand antwortete: „Haben denn Saujuden Namenstag?" und beurlaubte sie nicht. Aber seit diesem Tage begann Frau Jusefowitsch die Schülerin Schapiro zu verfolgen, zu verhöhnen und zu verspotten und kam soweit, die Schapiro fast täglich auf ganze Tage im Karzer einzuschliessen. Der Vater des Kindes, ein in Minsk angesehener Kaufmann, beschwerte sich bei den Vorgesetzten der Frau Jusefowitsch, reiste sogar zu diesem Zwecke zum Kurator des Lehrbezirkes nach Wilna. aber nirgends liess man sich herbei, dem gekränkten Vater und gedemütigten Menschen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Und so beschloss Schapiro, bei der Justiz sein Recht zu suchen» Aber aus rein formellen Gründen musste der Richter, wiewohl er die Beschwerde Schapiro's für gerechtfertigt erklärte, in die Verhandlung der Klage nicht eingehen, weil die Klage gegen den Klassenvorstand von amtswegen erhoben werden müsste. . . . Und so fand Schapiro nirgends Genuguung. . . . Südrussland. Fast alle südrussischen Blätter, darunter der „Krymskij Wjestnik" und der „Odesskij Listok", enthalten die Meldung, dass in neuester Zeit zahlreiche Landschaften in den Gouvernements Cherson und Taurien einstimmige Beschlüsse gefasst haben, im dringenden Interesse des Handels und der Industrie im Gebiete die Gouvernements - Verwaltungen anzusuchen, den Juden den unbeschränkten und unbehinderten Aufenthalt in den Ortschaften in den Gouvernements zu gestatten. In der Taurischen Gouvernements-Landschaft hielt das bekannte Mitglied Koltschanow über dieses Thema eine Rede, welche tiefen Eindruck machte. Es wurde beschlossen, für die Erweiterung der Wohnrechte der Juden einzutreten, Gt. $fais de* J$e^eg<ii)§. Gedenket des Schekels! Voranzeigen. Wien. Samstag, d. 30. Jänner findet im hebräischen Sprechklub „Ivria" ein Vortrag des Herrn kand. phil. Josef Mises über „Assyrlologie und hebräische Sprachforschung" statt. Anfang 7 Uhr. Es wird dringlichst ersucht, pünktlich zu erscheinen. Wien. Der theologische Verein der Hörer an der israelitisch-theologischen Lehranstalt bringt hiemit zur Kenntnis, dass am 30. Jänner, um 9 Uhr beim Morgengottesdienste das Vereinsmitglied Herr G. Li eher im Beth-Hamidrasch (IL, Tempelgasse 3) die Predigt halten wird. Wien. (Einzel - Verein „Leopoldstadt- Praterskrasse" des „Zion",) Der Verein wird das sehr wichtige Gebiet der Erziehung unserer Jugend von der Volksschule bis zur Hochschule eingehend besprechen, wobei die Erteilung des jüdischen Religionsunterrichtes in allen Stadien mit anschliessenden Diskussionen behandelt werden soll. Zu diesem Behufe veranstaltet er drei Elternabende, an welchen die Meinung und die Wünsche der Eltern gehört werden sollen und wobei Volks- und Bürgerschule, Mittelschule, wie auch die weitere Haltung auf der Hochschule von Fachleuten besprochen werden. Zahlreiche Beteiligung erwünscht. I. Elternabend Donnerstag den 4. Februar 1904, 8 Uhr im Klublokal „Cafe Orient" IL, Praterstrasse 66. a) Der jüdische Religionsunterricht an Volks- und Bürgerschulen als Grundlage für die Mittelschule. Referent: Schuldirektor Weber; b) Besprechung aktueller zionistischer Fragen. Wien. (J ü d i s c h-n ationaler Arbeiterverein.) Sonntag, den 31. Jänner 1904 findet um 2 Uhr nachmittags im Vereinsickale die Generalversammlung statt. Die Mitglieder werden ersucht, vollzählig zu erscheinen. Sonntag, den 31. Jänner veranstaltet der Verein unter Mitwirkung des Gesangsvereines „Schir Zion** Fünfhaus, im Vereinslokale eine gemütlicheUnterhaltung mit anschliessendem Tanzkränzchen, zu welcher alle Gesinnungsgenossen höfl. eingeladen werden. Beginn 4 Uhr nachmittags, Wien. (I. J ü d. T u r n v e r ei n.) Unterhaltungsabend 16. Jänner, Hotel de France. Begrüssung Dr. L. Werner. Deklamation: Frl. H. Schwarz, Herr S. ötrauss. Quartett des „Schir Zionu. Gesang F?L Lieb er man n. Theater (die Herren Bettelheim, Karzer, Fisch 1. Tombola, Tanz. — Nächster Unterhaltungsabend 20. Februa) am selben Oite. Wien, („ J üdischnationaler Arbeiterverein", XIV., Ullmannstrasse 31, Kauerhof 10a.) Unser am 8. Dezember stattgefundenes Erinnerungsfest nahm einen glänzenden Verlauf. Für den Nationalfonds wurden Kr. 20,50 gesammelt. Anfangs Jänner findet das erste Kränzchen statt. Die Vereinsmitglieder werden aufgefordert, jeden Sonntag im Vereinslokale zu erscheinen. Jeden Freitag 8 Uhr abends Diskussion. Wien. Verein jüdischer Mädohen „Hadassa". Sonntag, den 31. Jänner 1904. präzise Uhr Vortrag der Frau Dr. Kahn. Thema: „Zionistische Plaudereien". Ort: Kongressbureau IX., Türkenstrasse 9. Makkabäerfeiern. Lemberg. (M a kk a b ä e r w o c h e). Am 13. d. M. fand eine vom Chorpersonale der fortschrittlichen Synagoge veranstaltete Chanukafeier statt, wobei Rabbiner Dr. Caro die Festpredigt hielt. — Am selben Abend sprach Dr. Gri ll in geistvoller und interessanter Weise über die Makkabäerperiode in der jüdischen Toyt behalle. Ebendaselbst fanden zwei Chanukajausen für je 60 Knaben und Mädchen statt, wobei jedesmal unter Absingung hebiäischer Lieder die Lichter entzündet wurden, worauf die Herren Rabb. Dr. Güttin an n und Religionsl^hrer Battabaar den Kindern in erhebenden Worten über die Bedeuturg des Frsles Aufschluss gaben. — Am 14. Dezember fand der Festkommers der jüdisch-akademischen Verbindung „Emurjah" stau, an dem mehrere hundert Personen, daiunter auch viele Dam^n teilnahmen. Namens der Verbindung spiaoh stud. jur. Z. Aschk enazy, namens des zionistischen Distrikts-komit^s dessen Präses Adolf Stand. Während des Abends wurde fleissig für den Nationalfonds gesammelt. Im Laufe der Woche folgten die Makkabäerfeiern der Vereine „Achwah" (Festredner stud. med. Bikeles und stud. jur. Leon Reich) und „Dorsche-Schlom-Zion" (Festredner Dr. Grill und Adolf S t an d). Den glänzenden Epilog bildete die Makkabäerfeier des Sprachzirkels „Safa Brura* mit ausschliesslich hebräischen Reden (Frl. Spinner, die Herren Bader und L i p s c h ü t z), hebräischer Deklamation (Fräulein Gehlenberg) und hebräischen Gesangsvorträgen (Herr Tendier). Der Ertrag fliesst der jüdischen Nationalbibliothek in Jerusalem und dem Nationaifonds zu. Holleschau. Mädchen verein „Sulamith" 27. Dezemb. N.-F. gesammelt. Vereinslokal. Begrüssung, Präsidentin Frl. Leop. Tandler zugunsten N.-F., an die Frauen. Festrede Herr Fr. Low, Prossnitz. Deklamation. Männergesangsverein, Leitung Herr Kantor Michalovsky. Vorträge (Herr Weinreb und Damen des Vereines.) Lebhafte Teilnahme.