Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 52 (25.12.1903)
- Article
- Sehr geehrte Redaktion!
- Date
- 1903-12-25
- Page
- 12 (sequence 1)
- Language
- German
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Seite 12 „biC W^lt1 Nr. 52 ^ribüi)«* (Für diese Rubrik ist die Redaktion nicht verantwortlich.) Sehr geehrte Red aktion! Ich ersuche höflichst um Veröffentlichung folgender Vorschläge zur Anregung für den Nationalfonds. Es ist doch bei uns Juden Gebrauch und Sitte, dass man einem jeden Verstorbenen ins Grab ein wenig *?mttp Erde hineinschüttet. Der Verkauf dieser Erde befindet sich in Privat - Händen; ioh beantrage, dass jeder Verein sich ein grosses Quantum pK Erde zum Weiterverkaufe anschaffen und der Ertrag dem Nationalfonds gehören soll. Mit vorzüglicher Hochachtung und Zionsgruss. Kolo, den 1. Dezember 1903. Jonas W il n e r. ♦ Wien. In einem Vereinsbericht über eine Versammlung des zionistischen Frauenvereines in Wien brachten wir die Nachricht, dass die Reterentin, unsere geschätzte Gr. Frau R. Feigenbaum, eine Idee der Frau ß. Markus-Florenz propagierte, nämlich allgemeine Sammlungen für den National-Fonds durch Büchsen. Tatsächlich stammt aber diese Idee von der Referentin selbst, während Frau B. Tobias die Büchsensammlung speziell von Kindern zur Hebung von deren nationalem Gefühl beantragte, Beide Damen arbeiten für ihre Ideen mit selbstlosem und dankenswertem Eifer. * Jüdische Volksgenossen! Im Kampf ums Dasein haben wir Juden viel mehr zu tragen, als andere Völker. Wir leben ja nicht im eigenen Lande, sondern sind aut die Gastfreundschaft anderer angewiesen. Wir gelten diesen als nicht berechtigte Konkurrenten. Deshalb stehen wir alle zusammen, um unserem Volke ein Land, eine Stätte, auf der es sich f» ei entwickeln kann, zu erwerben. Doch nicht mit einem Schlage können wir dies grosse Ziel erreichen! Nicht sofort kann unser Wunsch erfüllt werden. Es ist daher unsere Pflicht, kräftig iür diese Idee einzustehen, daneben jedoch unsere momentanen Bedürfnisse nicht zu vergessen. Es ist unsere Pflicht, unseren Brüdern den Kampf ums Dasein zu erleichtern, ihnen Mittel in die Hand zu geben mit Hdfe derer sie sich behaupten können. Eines der wichtigsten Mittel zu diesem Zwecke ist die Volksbildung! und zwar die theoretisch-praktische Bildung, Diese Bildung den minder unterrichteten jüdischen Volksklassen zuzuführen, nehmen wir uns vor! Wir meinen daher nicht einen Kreis von hervorragenden Vertretern der Wissenschaft zü bilden, um das jüdische Volk, das im Schweisse seines Angesichtes sein Brot zu verdienen hat, zu erleuchten; Wir wollen vielmehr, dem arbeitenden jüdischen Volk, gleichwohl, ob es körperlich arbeitet, Handwerke treibt oder sich kommerziell betätigt, das für eine gedeihliche Ausübung seines Berufes meist unzulängliche Elementarwissen entsprechend dadurch ergänzen, dass wir diese Kreise in unseren Lehrsälen in allen für sie wissenswerten Gegenständen unentgeltlich unterrichten und es ihnen ermöglichen, erwerbsfähiger zu werden. Daneben wollen wir ihr Gefühl für unsere Zusammengehörigkeit und unser Kationalbewusstsein, das in der Stunde unsetes Zusammenschliessens höher und kräftigerschlagen muss als je, stärken und festigen, indem wir sie neben anderen Sprachen besonders unsere Sprache lehren, die Sprache, die stärkste Gewähr und Stütze, der sicherndste. und schützendste Wall für die Existenz einer Nation. Wir wollen aber auch dem Wunsche nach geistiger Erholung nach des Tages Mühe und Arbeit Rechnung tragen, welche wohl ein Bedürfnis aller jüdischen Volksklassen ist, indem wir ihnen unsere Biblioihek zur Benützung überlassen. Nicht nur die Literatur fiemder Völker sollen sie aus ihr kennen lernen, sondern vorwiegend unsere Literatur; sie soll sie davon überzeugen, dass auch wir Männer von umfassendem Wissen, von Willenskralt und Gei-t hervorgebracht haben und durch solche Vorbilder angeregt, soll ihr Impuls gestäikt weiden zu neuem Schaffen und Streben, in erster Linie zu ihrem Wohle, nicht minder aber auch zum Wohle unseres ersehnten Vaterlandes'. Also viele hohe und gewiss schöne Ziele stellen wir uns; wir hoffen sie bestimmt zu erreichen, wenn uns die notwendige Unterstützung zuteil werden wird. Unser Komitee zur Gründung eines „jüdischen Volksbildungsvereines" hat sich bereits konstituiert und lädt Euch, jüdische Volksgenossen ein, demselben zahlreich beizutreten» Das Komitee. Anmeldungen unter genauer Angabe von Namen, Stand und Adresse sind zu richten an Herrn N. Torczyner, Wien, IL, Obere Donaustrasse 65, III/U. * An die verehrlichen Gemeindemitglieder der Bezirke XII—XV. „Wer einen Hauch von der Gottesbegeisterung der Psalmen in sich aufnehmen könnte! Was sind die Hymnen Pindars gegen die Psalmen! Ein Volk, das aus sich einen Dichter, wie König David einer ist, und die Propheten hervorgehen sah, darf sich mit stolzem Bewusstsein rühmen, ein ausgewähltes zu sein.* Friedrich Hebbel unter dem Eindrucke der Kunst Sah Sulz er s *uf dem Wiener jüdischen Friedhof. Euer Wohlgeboren! In wenigen Monaten vollendet sich ein Jahrhundert seit dem Tage, der uns den Meister des »Schir Zion" geschenkt hat. Unter den Auspizien dieses Namens und im Geiste die ser Schöpfun g werben wir für die Pflege der jüdischen Sangeskunst in unseren Bezirken. Im Liede uns von dem Leid der Zeit die Seele zu entlasten, in einer geistesengen Gegenwart uns die Brust zu weiten und das Herz zu stählen in Tönen, welche den. Worten unserer Psalmisten, der Kunde von den Taten und Leiden der Väter die Tiefen des Gemütes erschliessen, für den Gottesdienst Verständnis und Teilnahme zu wecken und zu vertiefen, der Jugend Begeisterung für unsere Vergangenheit einzuhauchen und in ihrem Gemüt e unsere Zukunft vorzubilden, das ist unser Plan. Sei es zu ernster Mitaibeit, sei es zu wohlwollender Förderung im weiterem Verbände, begrüssen wir freudigst jede Kraft, die sich in den Dienst der edlen Sache stellt. In der gewissen Zuversicht, dass die Hebung des religiösen und sozial-ethischen Sinnes in unseren Bezirken auch Ihnen am Herzen liegt, richten wir an Sie die innige Bitte, unseren Bestrebungen durch Ihren Beitritt Ihren geschätzten Beifall zu bezeugen. Dr. Max Grunwald, Rabbiner der israelitischen Kultusgemeinde. Gottlieb Taussi g, Kais. Rat Wilhelm P o 11 a k, Kultus Vorsteher. Kultusvorsteher. SalomonBeer, Samuel Steiner, Obm. d. Bezirkskommission. Obm. d. Bethausvorstandes, Dr. S. Krenberge r, Obmann des Einzel Vereines Fünfhaus des „Zion\ Anmeldungen werden an die Gemeindekanzlei, XV., Turnergasse 22, erbeten. * Repertoire der öffentlichen Veranstaltungen der zionistischen Vereine Wiens. Verein jüdischer jugendlicher Arbeiter „B r ig i 11 e n a u". Freitag den 25. Dezember. Monatsversammlung im Kongressbureau. Verein jüdischer Mädchen „Moria". Sonntag den 27. Dezember. Vortrapsnachmittag. Thema: „Mädchen bildung." Ref. Dr. S. Kren b er g er. Kongressbureau. 7a 4 Uhr. Einzelverein „Wi en" des Zi od. Dienstag den 22. Dezember. Vortragsabend, Thema: „Der Nationalfonds". Ref.: Dr. Hugo Ben edik t. 7,8 Uhr. Jüdisches Biidungsheim. Dienstag den 29. Dezember. Konzert und Deklamation. XIV., Ulimannstrasse 31. Entree frei. Mittwoch den 6. Jänner. Gründungsfest. Bayrischer Hof. Verein jüdischer Mädchen „Moria*. Samstag den 23. Jänner. Fi stabend mit Akad^nve im „Hotel Central."