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Die Welt · 1903-12-25 · 52 (25.12.1903) · p. 1

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
52 (25.12.1903)
Article
Das Attentat auf Dr. Max Nordau
Date
1903-12-25
Page
1 (sequence 1)
Language
German
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' Redaktion und Administration: WIEN IX., Türkenstrasse Nr. 9. Telephon 14.199. Erscheint jeden Freitag, Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaktion oder Administration : Wien, IX., Türkenstrasse 9, zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Manuskripte nicht zurückgesendet. Sprechstunden der Redaktion täglich von 10—1/2I2 Uhr. Preise der Anzeigen: laut aufliegendem Tfoeit. Der Irseratenteil wird Dienetag abends geschlossen Einzelne Nummern 30 Heller. Bezug ganzjährig Kr. 12.—, halbjährig Kr. 6.—, vierteljährig Kr. 3.—. Für das Ausland: CnrQICO" Oesterreioh-Ungarn: OJJIOIOC. Deutschland ganzjährig Mk. 13.70, halbjährig Mk. 6.85, vierteljährig Mk. 3.45, England ganzjährig Shg. 14.—, halbjährig Shg. 7.—, vierteljährig Shg. 3.10, Russland ganzjährig R. 7.—, halbjährig R. 8.50, vierteljährig R. 1.75, Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig Free. 17.—, halbjährig Frcs. 8.50, vierteljährig Frcs. 4.25, Amerika ganzjährig Doli. 3.40, halbjährig Doli. 1.70, vierteljährig Doli. —.85. Nr. 52. Wien, 25. Dezember 1903 — 6. Tebeth 5664. 7. Jahrgang. Bas ^freorar auf ©f. ^a£ JNJopdau. *!*Wä&<:-$8ffiL'': •^gHi :^y^f Ein Freund, der Augenzeuge des Attentats auf Nordau war, schreibt uns: „Gestern (der Brief ist vom 20. Dezember datiert) abend hat Nordau eine Abschlagszahlung auf die Dankesschuld des jüdischen Volkes für selbstlose Arbeit in Gestalt zweier Revolverkugeln erhalten, die ihm zugedacht waren, ihn jedoch nicht trafen.... Wie unglücklich ist unser Volk, dass es derartige Taten hervorbringen kann!4' Es ist das Wenigste, was man über den Vorfall bei der Pariser Makkabaerfeier sagen kann. Welch eine schändliche, hässliche, dumme Tat ist da begangen worden! Ein einziger Mensch bewahrte in dem Entsetzen, dass sich aller bemächtigte, seine Kaltblütigkeit. Das war Nordau selbst. Kaum war der Mordbube unschädlich gemacht, als Nordau bereits dem Verwundeten, deai die zweite Kugel den Schenkel durchbohrt hatte, ärztlichen Beistand leistete, mit einer Buhe und Besonnenheit, als wäre er eben zu dem Kranken geholt worden und nicht selbst gerade einer Todesgefahr entgangen. Schändlich, hässlich und dumm haben wir die Tat genannt. Schändlich, weil der Attentäter meuchlings einen Unbewaffneten, Ahnungslosen angefallen hat. Kein Mann, der auch nur das schwächste Empfinden für die primitivsten Anforderungen persönlichen Mutes und persönlicher Ehre hat, wird einen Gegner, und hasste er ihn aus tiefster Seele, meuchlings überfallen. Freilich haben gerade in Russland auch in den Kreisen der Intelligenz, und dort vielleicht am meisten, Theorien die Herrschaft gewonnen, die sich über solche Nichtigkeiten wie persönliche Ehre und Mut mit dem Schwünge ihrer Begeisterung leicht hinwegsetzen. Es ist einfach unerfindlich, warum sich der Mensch Nordau zum Ziel seiner Kugel aussuchte. Oder glaubte der Narr, die Leitung der zionistischen Bewegung in Schrecken zu setzen, wenn er Nordau meuchlings anfiel? Nur in ganz verschrobenen Köpfen können derartige Ideen zu Zwangsvorstellungen werden, die solche „Taten" als heroisch und notwendig hinstellen. Aber nicht heroisch, hässlich war die Tat, so hässlich, dass wir nicht glauben können, dass wirklich ein Zionist sie begangen hat. Dieser Max Nordau, der eine Weltposition riskiert hat, um seinem Volke zu dienen, der es immer abgelehnt hat, ein Ehrenamt in der Bewegung zu bekleiden, welcher er täglich Opfer bringt, der tausende und aberlausende mit frischem Mute erfüllte und zu unaufhörlicher Arbeit begeisterte, dieser Nordau, so sollte man meinen, müssle der letzte sein, an den sich auch nur ein verbrecherischerGedanke heranwagen durfte. Aus welcher abscheulichen Tiefe menschlicher Verkommenheit heraus hat sich die Hand dieses Mordgesellen gegen den uneigennützigen, hochverdienten, aufopferungsvollen Freund seines Volkes erhoben? Hässlich, empörend hässlich ist dieser Undank und nicht einmal, durch den kurzsichtigsten Fanatismus entschuldbar Und was ebenso schlimm, ist, diese Tat war dumm. Von einer empörenden Dummheit. Der Mann, der Nordau anfiel, wusste offenbar gar nicht, dass es sich noch lange nicht um die Erwerbung yon Ostafrika handle. Der VI. Kongress hatte bloss beschlossen, eine Expedition auszusenden, um., das. angebotene Land zu erforschen. Das war sicherlich das Mindeste, was auf ein solches Anerbieten hin geschehen konnte. Erst der nächste Kongress hätte über die

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