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Die Welt · 1903-12-18 · 51 (18.12.1903) · p. 10

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
51 (18.12.1903)
Article
Zur Geschichte des frühen Zionismus
Date
1903-12-18
Page
10 (sequence 3)
Language
German
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Seite 10 flbie # Welt Nr, 51 gegen Renan, einer Uebersetzung von jPhilippsons „Entwicklung der religiösen Ideen" ein grosses Werk herausgegeben : Mödilations r&igieuses (Librairie academique, Paris), in denen er in 21 Kapiteln im Anschluss an die Gebote Wesen und Inhalt des Judentums darstellt. Das Werk birgt eine Fülle schöner Gedanken, freilich störte uns der Hang zu geschichts-philosophi sehen Erörterungen oder vielmehr Phantasien (dieja eine merkwürdige Eigenschaft Schriftstellern der Juden ist). Ein Rezensent sagt von ihm: „Er ist ein glühender und überzeugter Nationalist, er strebt nicht nur nach der Wiederherstellung des alten Vaterlandes der jüdischen Nationalität; sondern diese Wiederherstellung scheint ihm notwendig für den Triumph der Religion und der Zivilisation, zur Erfüllung der Absichten Gottes auf die ganze Menschheit. Der grosse Gedanke des Judaismuss ist die nationale Idee." Diese Ueberzeugungen geben natürlich auch die Basis für seine Ausführungen gegenüber der Redaktion der „Archives* ab. Freilich betont auch er, dass er es vorgezogen hätte, diese delikate Frage nicht vor der breiten Oeffentlichkeit zu behandeln, allein er will doch nicht durch sein Schweigen den Eindruck aufkommen lassen, als ob es in der französischen Judenheit keinen gebe, der die Durchführung des nationalen Gedankens für annehmbar und möglich hielte. Leidenschaftlich weist er darauf hin, dass er die offenbare Verleugnung des Geistes unserer Gebete und ihrer eindeutigen Sprache nicht billigen könne. Dabei betont er, dass die Aui-prägung des Nationalismus — richtig erkannt, allen Völkern Unabhängigkeit, Freiheit und Gerechtigkeit schaffen muss. Sie ist die Voraussetzung allgemeinen Friedens. Er hofft auch, dass Jerusalem die Richterin unter den Völkern sein wird — Vorstellungen Jesaias und Michas werden ihm lebendig — Jerusalem wird der ideale Mittelpunkt der Welt sein; werden doch jetzt die Bindungen zwischen den Völkern, zwischen der alten und neuen Welt erleichtert.— Gegen diese Ausführungen tritt mit vielem Esprit ein höherer Artillerieoffizier Nathan aus Toulon auf. Die Argumente, die er vorbringt, sind just die gleichen wie heut. Aber am schlimmsteu leidet der hohe Militär unter einer unmilitärischen Untugend: unter der Angst vor der Auffassung der christlichen Mitbürger: „Wir sind Franzosen und nicht in Frankreich wohnende Juden." Die Rückkehr nach Palästina, wie sie in den Gebeten geschildert wird, »ei nur ein symbolischer Ausdruck. Ueberdies glaubte er nicht, dass Herr Levy-Bing das schöne Frankreich verlassen werde, „um in Palästina Jordanwaeser zu trinken und Maizoth zu essen." Die Debatte spann sich weiter fort. Bringen die .Archives" auch cur noch eine Antwort und eine Gegenantwort, so teilt doch die Redaktion mit, dass die wichtige Debatte über die Frage der jüdischen Nationalität sich fortsetzt und umfangreicher wird; und indem sie umfangreicher wird, sich präzisiert, wobei sie unter ,Präzision", mit dem obligaten Dreh, versteht, dass die Zukunft der Menschheit und die Mission Israels damit verquickt wird. Nicht uninteressant ist es auch, daes wiederholentlich dringende Briefe aus Strassburg vor einer Fortsetzung dieser „inopportunen und gefährlichen" Debatten warnen und dass Nathan seine Ausführungen mit einer Warnung vor diesem „kompromittierenden" Nationaljuden schiiesst. Die Debatte zwisonen den beiden spitzte sich allmählich zu, so dass Levy-Bing auf eine Antwort verzichtet. So hielt sich denn die Redaktion für verpflichtet, einen dritten zu Worte kommen zu lassen, dem seine Mampe-Weisheit, die Weisheit des Halb und Halb, Gedanken eingibt, die ich hier andeuten will, weil sie vielleicht einem Protest-Rabbiner einen köstlichen Predigtinhalt geben könnten. Wenn alle Völker der Welt die Prinzipien der Einheit Gottes anerkennen werden, und dann auch die Prinzipien der Moral, der Mildtätigkeit, der jüdischen Religion; wenn aas ganze Weltall bewohnt sein wird von den Anhängern einer einzigen Religion, dann wird die ganze Welt das heilige Land sein! Das heilige Land aber könnte nicht ausschliesslich Palästina sein, weil darin die Hunderte von Millionen Weltbewohner keinenPlatz^hätten.JDie ganze Erde würde dann das versprochene Land, das heilige Land sein. Und der Satz: Leschonoh habo beruscholajim, der so sehr die Empfindungen eines übertriebenen Patrioten verletzt, würde dann der Ausdruck eines Wunsches sein, dass die Aera des allgemeinen Weltfriedens bald hereinbreche! Was an den Ausführungen Levy-Bings bemerkenswert ist und was auch die Reinheit der frühzionistischen Ueberzeugung ausmacht,ist das Fehlen jedes Hinweises auf materielle Nöten in unserem Volke. Der Judenstaat, die Wiedereinsetzung Israels als Volk in das Land der Väter, unabhängig von allen ökonomischen Verhältnissen lediglich als die Konsequenz einer gradlinigen national-jüdischen Weltanschauung! In einem späteren Aufsatze von Hollaendovski ,Ueber Israel und seine Berufung (Arch. isr. 1864) wird die Frage des Judenstaates mit der Not der Brüder im Osten zuerst in Zusammenhang gebracht. Palästina lehnt er da ab. „Was sollen die Juden dort abhängig gemacht werden von der Laune eines Agah? Wenn sich aber eine GesellschaftvonAktionären undSubskribenten fände, umin einem freien Lande eine gute und fruchtbare Kolonie anzukaufen, die als Nachtasyl und Zufluchtsstätte für die jenigenJuden dienen wird, welche das eiserne Joch der politischen Regierungen heute so unglücklich macht, so werden siesich beeilen, dorthin zu gehen und die ganze Menschheit wird mit beiden Händen applaudieren/ Es ist natürlich aber bemerkenswert, dass ein Jude des Ostens aus ökonomischen Gründen für eine Art Judenstaat sich ausspricht, dass aber aus rein idealen und geläutert nationalen Gründen Westeuropa ische Juden zuerst und mit aller Deutlichkeit für die Wiedervereinigung unseres Volkes in Palästina eingetreten sind ♦ . . Jüdischer Nationalfonds. Das Goldene Buch. „Esra" in St. Petersburg trägt seinen Präsidenten Alexander Moj sie witsch G o 1 dstein ein...............Kronen 252.— Zur Eintragung des Schauspieles „Das neue Ghetto", aufgeführt durch den Verein „Esra" in St. Petersburg am 4. Nov. . . „ 541.80 Zur Eintragung des St. Petersburger Bethauses 8Esratf............. „ 378.— Sammlung der „Jüdischen Rundschau11 in Berlin zur Eintragung der Märtyrer von Kischenew . ..............Mark 200.— „Chowewe Zion" in Focsani, zur Eintragung des verewigten Präsidenten Nissen, Sohn des Is. D a n i e 1 . ........ Lei 251.— Verein „Avvidas Zion in Bukarest..... „ 250.— Witwaterstrand Hebrew Talmud-Thora-Congregation in Johannesburg.......Kronen 240.— Reverend Dr. J. L. Landau in Johannesburg................... „ 240.— Liga „Dr. Theodor Herzl" in Buenos Ayres................. „ 240.— Todesfall. Unser bekannter Gesinnungsgenosse Moses Chaim Losinsky ist am 14, Dezember nach kurzem, schwerem Leiden in Bobruisk gestorben.

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