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Die Welt · 1903-12-11 · 50 (11.12.1903) · p. 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
50 (11.12.1903)
Article
Jüdinnen!
Date
1903-12-11
Page
3 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 50 „bie & w^it" Seite 3 alle liebevollen Erde, die uns ewig und sicher gehört. Wo unser Weizen blüht, wenn unsere^Ernte in der Scheune liegt. Es war schon einmal so, und eine prunkende Geschichte erzählt von den freien Bauern des alten Palästina. Als freie Bauern in einem neuen Palästina will das jüdische Volk wieder leben. Weil wir auf dieses Land ein Recht haben. Weil wir für dieses Land die Liebe unserer Massen haben. Die Führer des Volkes bemühen sich, dieses Land zu er werben und so dieletzte Wanderung der nomadisierenden Juden zu veranlassen. Ihre Arbeit ist umso schwerer, als sie keine Möglichkeit einer gewalttätigen Enttäuschung offen lassen wollen. Sondern Palästina soll die Schweiz Asiens werden. Iq seinem Bestand und Besitz von allen Grossmächten garantiert wie die Schweiz. Im ewigen Frieden gesichert wie die Schweiz. Und endlich so angesehen und blühend. Das ist unsere Zukunft. Wenn die erlösende Zustimmung der Staatsmänner Europas gefallen sein wird, so ist erst die Hälfte unserer Zukunftsfragen erledigt. Wir dürfen dann im Lande wohnen — bebauen dürfen wir nur jene Felder, die uns gehören, nicht etwa türkischen, arabischen oder anderen Besitzern. Das heisst, wir müssen uns das Land erwerben ausserdem aber noch seine Erde. Dazu braucht es Geld, viel Geld! Jüdinnen! lasset Euch eine kleine Geschichte erzählen : Als im Jahre 1870 in einer südböhmischen Kreisstadt ein sogenanntes „Deutsches Haus" gebaut wnr^, kamen massenhaft Beiträge von notorisch tschechischer Seite. Denn tschechisch zu sein galt damals als durchaus nicht vornehm; und die deutsche Oberhoheit wurde in ganz Böhmen anerkannt, alle Gemeindevertretungen, alle höheren Stellen waren in deutschen Händen. Und als der tschechische Staatsmann Rieger einige Zeit später die Tschechen zu nationalem Leben gaufrief, fand er nur in wenigen tschechischen Dörfern einen armen Anhang. Heute ist die Majorität alles Besitzes ^nd des Landtages in Böhmen in tschechischen Händen. Das ist ein Verdienst der Tschechinnen. Von ihnen hatte Rieger verlangt, dass sie jedem aus ihrer Verwandtschaft und Bekanntschaft, kurz jedem, der in ihre Hände fiele, wöchentlich einen Kreuzer abnehmen und ihm nach Prag schicken möchten. Von diesem Kreuzer wurden zuerst Wanderredner ausgesendet Und als der Kreuzer mehr wurden, ging es an die Gründung von Schulen. Die Einsicht griff immer mehr um sich, es regnete gelegentliche und regelmässige Beiträge, Grundstücke und Häuser wurden angekauft und mit tüchtigen tschechischen Verwaltern besetzt, die gegen kleine Abzahlung Eigentümer werden konnten. Das geht fortwährend weiter, denn die Tschechin sammelt den wöchentlichen Kreuzer für den tschechischen Nationalfonds gewissenhaft weiter. Damit ist eigentlich genug gesagt, wenn wir hinzufügen, dass auch wir einen Nationalfonds besitzen. Unser jüdischer Nationalfonds aber hat nur ein einziges Ziel und kein streitbares. Sondern er soll nur uns die Erde unserer Heimat zurückkaufen, auf der wir all der bitteren Not und all der bitteren Kränkung des Judentums ein Ende setzen wollen. Die Juden des Golus haben palästinensische Erd'e gekauft, um sie unter den Kopf zu bekommen, wenn sie starben. Der Nätionalfonds will dieselbe Erde kaufen, damit sie die Juden unter die Fasse bekommen, um zu leben. Da ist der Arbeitsplatz unserer Frau. ___Jüdinnen! Lasst uns nicht neidvoll in die Reihen anderer Völker blicken, die gleich uns ums Dasein ringen Wir wissen nicht, ob bei den slavischen Völkern die Frauen nicht die grössere Hälfte ihrer nationalen Macht sind. Mit eisernem Gehorsam folgen sie dem „Svuj k sv£muK (Jeder zu seinem Volke). Die letzte Taglöhnerin erzieht ihren Sohn in nationalem Geiste, trägt den Heller, den sie verbraucht, zum tschechischen Kaufmann, und den überflüssigen Heller in die Büchse der ^Matice" — des Schulvereins. Das verschwindet alles noch gegenüber dem Fanatismus, mit dem sie ihre Umgebung zu nationaler Betätigung aufreizt. Wir Juden verlangen von unseren Frauen für den Anfang weniger. Wir bitten nur um Obsorge für unseren Nationalfonds in einer leichten und bequemen, aber geduldigen und ernsten Art. Denn es ist nicht die Herbeischaffang grosser Beträge die der Nationalfonds von Euch fordert. Sondern sein System ist einem geistreichen Worte nachgebildet, das man einem reichen Juden andichtet: Ein armer Jude hatte eine Gabe gefordert, „als Bruder von Abraham, Isak und Jakob her." Er bekam einen Kreuzer, und die Versicherung dass er mehrere Millionen Kreuzer hätte, wenn ihm jeder Jude von den Stammvätern her einen Kreuzer gäbe. Der Jüdische Nationalfonds verlangt von jedem Bruder und jeder Schwester von den jüdischen Stammvätern her einen Kreuzer in jeder Woche und hofft so auf Millionen Kreuzer. Es soll ein Gebirge aus Sandkörnchen entstehen. Leicht möglich, wenn diese Sandkörnchen von all' den Millionen unseres Volkes einfliessen. Einen Kreuzer, jüdische Frau, jüdisches Mädchen bringt uns! Nicht mehr! Aber von jedem und jede; Woche. Die ganze Stufenleiter der Verwandtschaft, jeder muss einen Kreuzer geben! — Ihr befindet Euch in Gesellschaft; jeder muss einen Kreuzer geben! — Ein neues Kleid bei diesem, eine Freude bei jenem; gratuliert und bittet um unseren Kreuzer! Ihr verborgt ein Buch, in die andere Hand einen Kreuzer! Zögert nicht und scheut nicht zurück! Denkt an das grausige Elend Euerer Brüder! An die bübischen Beleidigungen unserer Ehre! Einen Kreuzer für das jüdische Volk! Werdet selbst erfinderisch, wie ihr ihn hereinbringt, ohne irgend jemand Erreichbaren, oder irgend eine Gelegenheit auszulassen. Aber noch mehr; werbet Euch schwesterliche Helferinnen und diese sollen weiter wirken, dass bald jede Jüdin im Dienste unseres Volkes stehe den heiligen Kreuzer sammelnd für das unvergängliche jüdische Volk. Wir meinen selbstverständlich unter Kreuzer nicht nur einen solchen, sondern jede beliebige kleine Münze irgend eines Landes. In das Zimmer jeder jüdischen Hausfrau gehört als notwendiges Einrichtungsstück eine Sammelbüchse des jüdischen Nationalfonds. Die Verwaltung dieses Fonds, der in uantastbarer Verwahrung der anderen Sparkassa des jüdischen Volkes, der „Jüdischen^Kolonialbank" liegt — diese Verwaltung wird in Kürze geschmackvoll und entsprechend ausgestattete Büchsen ausgeben, deren Bezugsquellen dann in allen zionistischen Publikationen ersichtlich sein werden. Von vornherein erbitten wir alle, wie immer gearteten Anfragen in Sachen des Nationalfonds an die Redaktion der „Welt". Im allgemeinen werden Sammlungen grösserer Beträge in der „Weit" ausgewiesen und zwar mit allen Namen der Spender. Das würde bei Einsendungen von ganz kleinen Beträgen natürlich zu einer Ueberlastung führen. Deswegen ist eine andere Art der Bestätigung auch der kleinsten Beträge eingeführt worden und zwar durch

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