Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 46 (13.11.1903)
- Article
- Das Grundgesetz der Marx'schen Gesellschaftslehre [Rezension]
- Date
- 1903-11-13
- Page
- 12 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 „bis & W^lt" Nr. 46 so weit ich sehen kann, bisher nicht geschehen. Gerade dieser entscheidende Teil der Marxschen Oekonomik hat zwar manche Anfechtung oaVr Anzweifelung, aber niemals eine eindringliche wissenschaftliche Kritik ei fahren. Die Ursache dürfte wohl darin zu suchen sein, dass es sich hier um Gedanken handelt, die Marx mit nur geringen Aenderungen aus der älteren Theorie herübernahm, und die somit die gemeinsame Lehrmeioung sowohl der bürgerlichen wie auch der sozialistischen Wirtschaftswissenschaft bilden. Die angedeutete Lücke möchte das vorliegende Buch ausfüllen« Angesichts der unbestrittenen Bedeutung der Marxschen Theoretik für die Wissenschaft — um von ihrer gar nicht zu überschätzenden Bedeutung für das öffentliche Leben unserer Zeit zu schweigen — scheint mir eine an ihren Kernpunkt greifende Kritik ein unabweisbares wissenschaftliches Bedürfnis zu sein. Ich hoffe, durch die von mir vorgenommene Analyse das Marx'sche System, das bisher nur Fachmännern im engen Sinne zugänglich war, dem Verständnis auch eines weiteren Leserkreises näher gebracht und damit gleichzeitig den Boden für eine fruchtbarere wissenschaftliche Erörterung vorbereitet zu haben. — Es ist mir eine liebe Pflicht, an dieser Stelle meinem verehrten Freunde G r e g o r It e 1 s o n meinen Dank abzustatten für die Winke und Anregungen, die seine wahrhaft produktive Kritik in mündlicher Unterhaltung mir für die Ausgestaltung dieses Buches zukommen liess. Berlin-Wilmersdorf, Oktober 1903.;Franz Oppenheimer, <Uk Eingesendet. Gesellschaft für Volkskunde im Hamburg. Das soeben «rschienene XIL Heft der von M. Grunw a 1 d herausgegebenen Mitteilungen der Gesellschaft (III., IM Seiten) enthält d*n I. Teil der Schiift des Herausgebers: Hamburgs deutsche Juden bis zur Auflösung der Dreigemeinden 1811. Das Weik behandelt mit Betonung des kulturgeschichtlichen Gesichtspunktes die Geschichte der deutschen Juden in Hamburg s<it den äitesten Anfängen bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts, zum Teil darüber hinaus, in folgenden Kapiteln : „Das Zeitalter der Glückel von Hameln/ „Die Steuerkraft der Gemeinde." „Der Judentumult 1730 und was ihm voranging." „Das Leben in der Gemeinde." „Die soziale Stellung. Beruf und geistigesLeben." „ Der Hamburger Amulettenstreit*, „Moralische Streiflichter". „Hamburger Juden in Bildnis und Karikatur". „Hamburger, Wendebeker und Altonaer Drucke." „Die Friedhöfe." Das gesamte Werk umfasat 35-40 Bogen mit 39 Abbildungen und erscheint zum Subskriptionspreis von Mk. 10, bei A. Janssen, Hamburg. Kaiser Wilhelmstrasse 16. Aus dem Inhalt des XU. Heftes sind besonders die Ergänzungen zu Ehrenbergs Aufsätzen über die Entstehung grosser Vermögen, sowie die erste aktenmassige Darstellung des berühmten Streites zwischen Eibeschütz und Emden, eines Nachspieles der durch Sabbathai Zevi hervorgerufenen Bewegung zu erwähnen. Die Sammlungen der Gesellschaft in dem verflossenen Halbjahr haben einen erheblichen Zuwachs erfahren. Ebenso schreitet das Unternehmen, jüdische Denkmäler, Volkstypen u. s. w. photographisch aufnehmen zu lassen, stetig vorwärts. Der jährliche Mitgliedsbeitrag i^t auf M. 3.30 festgesetzt Zuschriften nimmt Herr Dr. Max Grunwald, Wien, XV., TurnergÄSse, entgegen. * Pozega (Slavonien). Löbliche Redaktion! Im Laufe des nächsten Monates erscheint mein deutschhebräisches Wörterbuch, woran ich ein volles Jahrzehnt gearbeitet habe. Ich habe den ganzen deutschen Sprachschatz sowohl als die termini technici aus allen Wissersfäcbern aufgenommen und dementsprechend das Hebräische von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart berücksichtigt und verarbeitet. Der Vollständigkeit halber durfte auch die gesamte semitische Philologie nicht ausser Acht Relassen werden. Ich erlaube mir deshalb höflichst zu ersuchen, von dieser Mitteilung in Ihrem geschätzten Blatte Notiz zu nehmen. Der Subskriptionspreis beträgt 15 Kronen, Ladenpreis 20 Kronen. Das Wörterbuch ist nur durch mich zu beziehen. Für Ihre Güte im Voraus bestens dankend, zeichnet mit Zionsgruss Dr. M. Mar g e 1, Rabbiner in Pozega (Slavonien). * Unser französisches Bruderblatt „L'Echo Sioniste" gab zu Ehren des VI. Kongresses eine spezielle, 80 Seiten starke Nummer heraus. Die Nummer enthält einen erschöpfenden Bericht über die Kongressverhandlungen und ist mit Illustrationen versehen. Als einleitender Artikel ist der von Dr. A. Raskin e „Nach dem Kongress" vorangeschickt. Er tritt für das Ostafrikaprojekt ein und ist sehr zufrieden mit den Erfolgen unserer Bewegung. * Eine Neuerscheinung auf dem Gebiete jüdischer Journalistik ist die „Revue der israel. Kultusgemeinden von Böhmen*, herausgegeben von unserem geschätzten Gesinnungsgenossen, Herrn Hauptmann Julius Bondy in Horowitz (Böhmen). Der Name des Herausgebers ist hier ein Programm. Denn seine Absichten, eine politische Freundschaft zwischen den Kultusgemeinden seines Landes und unserer Bewegung herbeizuführen, sind in weitesten Kreisen bekannt. Das Motto,Friede sei ihr erst Geläute" über dem Leitartikel der ersten Nummer sagt genug über seinen Weg. Das Programm, das zum Ausdrucke gebrach, wird, verspricht die Förderung jeder einzelnen Gemeinde als auch die des ganzen Bundes der Gemeinden, jener rühmlichen Schöpfung unseres tüchtigen Gesinnungsgenossen. Wir glauben, dass sich dergestalt ein weiter Leserkreis für das Blatt finden wird und bitten um Fördernng in unseren Kreisen, reepektive Einverständnis mit dem böhmischen D.-K. und unseren Stellenvermittlungen. Inserate für postensuchende Juden werden umsonst aufgenommen. Abonnement (Adresse s. o.) K 6.~ Inland, M 6.— Ausland. n. * Wir Zionisten haben einen sehr erwünschten Erfolg zu verzeichnen. Die bekannte jüdische Wochenschrift in Posen, der Jeschurun" und sein geistvoller undg unerschrockener Herausgeber, Herr Rabbiner Dr. Bernh ard Königsberger in Pieschen, haben sich als Anhänger unserer Idee bekannt und haben die aktive Propaganda für unsere Sache begonnen. Bevor noch diese Erklärungen erflossen sind, haben wir im Rahmen des erwähnten Blattes, das in der Interessensphäre der Strenggläubigen wirkt, eine systematische Unparteilichkeit,in der Berichterstattung über Zionismus und eine mannhafte, nie aber hämische oder verleumdende Kritik unserer Bewegung gefunden. Anlässlich des Kongresses ist nun der „Jeschurun" in zwei glänzenden Leitartikeln seines Leiters ganz auf unsere Seite getreten, und man merkt es dem Schwung und dem glühenden Ton des Bekenntnisses an, dass eine kämpfende schöne Seele sich freut, sich zur Höhe des lebendigen, kämpfenden Judentums durchgerungen zu haben. Wir begrtissen Herrn Dr. Königsberger und sein Organ auf das Herzlichste bei uns und wünschen unserem neuen Mitstreiter fröhliches Gedeihen. mn. fUuilletoi)» Der Schlemiel.*) Walter Scott beschreibt in seinem Quentin Durward zwei Scharfrichter Ludwig XIL von Frankreich, die beide stets zusammenarbeiten, doch grundverschiedener Natur sind. Der eine befördert die Verbreeher unter ernsten Ermahnungen und Bibelsprüchen ins Jenseits, der andere überschüttet sie mit Schwänken und ruft ihnen heitere Worte zu, während er an ihren Füssen zieht, damit sie schneller ersticken. Die Verbrecher an jüdischer Ehre, in der jüdischen Politik, am jüdischen Freiheitsgedanken, wurden bis jetzt nur unter ernsthaften Argumenten in der blau weissen Presse kaltgemacht; nun hat sich zu diesem Geschäft auch der heitere Sozius gefunden und wir begriissen ihn als Kameraden, wiewohl er seinen heillosen Schnabel auch an ehrsamen Bürgern wetzt. Es ist ein Berliner Eange, der Schlemiel, der seit kurzem seine Schellenkappe in das Kanipfgetöse der jüdi- *) „Schlemiel", Illustriertes jüdisches Witzblatt. Herausgeber Dr. Max Jungmann, Berlin, C2, Spandauer Brücke 6. Erscheint einmal monatlich, kostet jährlich 2.50 Mk. Keine Probenummern.