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Die Welt · 1903-10-23 · 43 (23.10.1903) · p. 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
43 (23.10.1903)
Article
Aus Palästina
Date
1903-10-23
Page
5 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 43 „trie # Weit" Seite 5 Zum Schlüsse gestatte der geehrte Herr Doktor zu bemerken, dass es ganz unrichtig war, die Kolonisten hier als Untergebene einer wohltätigen Institution zu betrachten, mit denen jeder sich erlauben könnte, was ihm gefällt, über die er, was er will, in die Oeffentlichkeit bringen kann, weil sie schweigen müssen! Ihre Geduld, wennauch Bauerngeduld, hat eben auch eine Grenze!... .! rwn* '*b "\vxb pwm. jy&bi Rubenson. * Die Entgegnung Dr. A. Friedemanns. Ich habe eigentlich nicht die Absicht gehabt, auf de» Artikel des Herrn Rubenson etwas zu erwidern. Für Leute, die sachliche Betrachtungen mit persönlichen Schärfen erwidern, sollte man keine Antwort, sondern, ein Achselzucken haben. Ich verzichte selbstverständlich auch darauf, mich mit dem Einsender darüber auseinanderzusetzen, ob es in Palästina erwähnenswerte nichtjüdische Erinnerungen gibt. Das ist keineFrage der Diskussion, sondern eine der allgemeinen Bildung. Ich will trotzdem ganz kurz auf ein paar Bemängelungen des Herrn Rubenson antworten, weil das vielleicht im Interesse der Zionisten ist, die sich ein klares, objektives Bild von der Kolonisaüon machen möchten. Wer sich die Mühe gegeben hat, meinen Aufsatz über den gegenwärtigen Stand der Kolonisation zu lesen, weiss, dass ich die Begründer der letzteren nicht nur nicht angegriffen, sondern die ersten Einwanderer eingangs des Artikels geradezu verherrlicht habe. Ich habe nur geschrieben, dass eine ungeschickte Verwaltung es verstanden hat, einen Teil der Kolonisten zu demoralisieren. Und das ist nicht nur meine Ansicht, sondern die vieler anderer sachverständiger und wohlmeinender Männer. Nach Herrn Rubenson entspricht es nicht der Wahrheit, dass man imaginäre Traubenpreise zahlt. Nun, nach mir gewordener Auskunft von zuständiger Stelle zahlt man den Bauern 10 Francs pro hl für einfachen Wein, genau so viel, wie er beim Verkauf der Verwaltung einträgt. Für die teueren Sorten zahlt man 40 Francs, erzielt aber auch nur ca. 20 Francs, wenigstens bis zum letzten Jahre; seitdem sollen die Verhältnisse etwas günstiger sein. Und das hält der Einsender nicht für imaginäre Preise? Dass ein grosser Teil der ^.Kolonisation keine Zuschüsse erhält, ist mir natürlich bekannt gewesen, und von ihnen habe ich auch kein Wörtchen gesprochen. „Unabhängig" sind auch diese Kolonisten nicht, denn wenn ihnen der Baron den Wein nicht abkauft, sind sie hilflos. Was aber die „abhängigen" Kolonisten angeht, so will ich Herrn Rubenson sagen, was ihnen zur Selbstständigkeit fehlt: Neben der Unterstützung, die sie erhalten, haben sie eine zum Teil ungeheuerliche Schuldenlast, die sie in absehbarer Zeit nicht tilgen können. Das weiss er so gut, wie ich. Wozu also solche Erörterungen? Was die Lebensweise der Rischoner angeht, so habe ich nichts darüber gesagt, sondern geschrieben, die minderwertigen Elemente seien anspruchsvoll gegenüber der Verwaltung. Man muss doch einen Aufsatz wenigstens lesen, ehe man ihn kritisiert. Dass übrigens zahlreiche Häuser zu elegant gebaut sind, sodass sie Bauernhäusern wenig ähnlich sind, das ist doch wohl auch Herrn Rubens 6 n s Meinung?! Ueber „Frauenarbeit" enthält mein Aufsatz einen einzigen Satz: „Hier allein (in Sedjerah) fanden wir die Frauen tätig auf den Feldern, gewiss ein Erfolg." Irgend eine Beziehung auf Rischon fehlt. Was will der Einsender ali£o'üirt sein^Hdiesbezüglicheni Auseinandersetzung? Dass viele Frauen in Palästina krank und augenleidend sind, ist richtig. Gerade darum hatte ich sorgfältig vermieden, darauf einzugehen, weshalb anderwärts die Frauen nicht arbeiten. Ich habe einfach den Erfolg in Sedjerah konstatiert. Das sind neben vielen Worten die vom Einsender bemängelten tatsächlichen Dinge. Zum Schluss noch ein paar kurze Bemerkungen. Ich war allerdings nur zwei Tage in Rischon. Aber zu den von R]u b en s on gerügten Feststellungen hat es vollkommen genügt. Ich habe alle Institutionen besichtigt, mit Beamten, unabhängigen und abhängigen Kolonisten verhandelt. Ob meine Vorschläge praktisch sind oder nicht, müssen Fachleute entscheiden. Die sind aber bisher durchwegs meiner Ansicht gewesen. Ich hab* auch meine Vorschläge nicht auf die Ergebnisse meines Rischoner Aufenthaltes gebaut, sondern noch zehn andere Dörfer besucht, bevor ich mir eine Aeusserung erlaubte. Der Vorwurf, ich betrachte die Rischoner als Untergebene einer Wohltätigkeitsinstitution und schriebe aus Animosität gegen sie, ist eine Phrase, die jeder belachen wird, der mich in zehnjähriger zionistischer Arbeit kennen gelernt hat. Ich belohne auch nicht einen freundlichen Empfang mit Undank, sondern ich glaube, dass der beste Dank gerade in einer offenen Darlegung des Guten und des Schlechten besteht, das ich gefunden habe. So allein kann eine bessere Zukunft erzielt und Uebelständen abgeholfen werden, und ich werde mir das Recht und die Pflicht zu einer Kritik nach bestem Wissen und Gewissen auch durch den schönsten Empfang nicht verkümmern lassen. Denn ich ging nicht nach Palästina, um mich „feiern" zu lassen, sondern um zu lernen und dann mit meinen schwachen Kräften zum Gedeihen des Ganzen beizutragen. Ich fand in Rischon sehr viele brave Männer, daneben aber auch solche, die meinen Anschauungen nach nicht die richtige Auffassucg vom „Bauern" haben. Das habe ich gesagt und davon nehme ich nichts zurück. Welch prächtigen äusseren Eindruck die Kolonie macht, das habe ich verschiedentlich schriftlich und mündlich gesagt und man wird es demnächst in grösserer zusammenhängender Arbeit lesen können. Die grosse Empfindlichkeit, die aus dem Schreiben des Einsenders spricht, ist sehr bedauerlich. Sollte sie wider Erwarten noch von anderen Kolonisten in Rischon geteilt werden, so mögen sie wissen, dass ich stets da, wo ich nicht kritisch vorzugehen gezwungen war, sehr warme Worte für unsere Kolonisten gefunden habe. Im übrigen scheint mir jemand, der aus gutem Willen auf bestehende Mängel hinweist, viel mehr Lob zu verdienen, als ein blinder Lobredner. Ganz abgesehen davon, dass ich in 'meinem Aufsatz für die grosse Mehrzahl der Mängel gar nicht die Kolonisten, sondern die frühere Verwaltung verantwortlich gemacht habe. Damit ist die Angelegenheit für mich erledigt. Dr. A. Friedmann. Zion und Ostafrika. Mr. Greenberg über das Ostafrikaprojekt. (Rede, gehalten zu Leeds am 3. Oktober.) Unser Freund Dr. Umänski schrieb mir vor kurzem, dass wenn ich nach Leeds kommen werde, ich eines Yorkshirewillkommens sicher sein kann. Sie haben mir etwas gegeben, was ich höher schätze als ein Yorkshirewillkommen — das ist ein jüdisches Willkommen, Es freut mich, dass ich mir denken kann, sie glaubten, -dass 'ich alles, was ich getan habe, nur zum Wohl unseres Volkes getan^ habe. -

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