Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 42 (16.10.1903)
- Article
- Zwei russische Delegierte über den sechsten Kongress
- Date
- 1903-10-16
- Page
- 7 (sequence 4)
- Language
- German
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Nr. 42 „DiS # W^ü Seite 7 Todesgefahr für unsere Bewegung birgt. Da eine ungeheuere Menge zionistischer Arbeiter in jedem Kongressbeschluss ein Gesetz sieht, das keine Kommentare duldet, so werden die Zionisten Afrika als Hauptgegenstand ihrer Tätigkeit betrachten und ihre Hauptaufmerksarrikeit, vielleicht für viele Jahre von der Hauptaufgabe, d.h. von der Arbeit für Zion ablenken. Eine solche Seitwärtsablenkung der Einen würde eine tiefe Spaltung hervorrufen. In der Seele der sich ihrer Aufgabe bewussten Zionisten wird die Afrikafrage Entzweiung hervorrufen, welche leicht zur Enttäuschung führt, die Energie und Selbstvertrauen lähmt." „Glauben Sie, dass Dr. Herzl etwas von seinem Prestige eingebüsst hat?" S.: „Wenn Dr. Herzls Ansehen bei einem gewissen Teile der Zionisten auch etwas gesunken ist, so ist dasselbe in den Augen der Gesamtjudenheit unermesslich gestiegen. Seine unermüdliche Energie, seine flammende Liebe, sein Mitgefühl, seine Treuö öffneten ihm alle Herzen und machten ihn zum Nationalhelden, das können auch seine Gegner nicht leugnen." „Womit erklären Sie den Umstand, dass bloss die russischen Delegierten gegen Ostafrika gestimmt haben?-1 S.: „Das ist eine sehr komplizierte Frage. Ich will bloss sagen, dass hier deutlich der Unterschied in der Weltanschauung unserer östlichen und westlichen Zionisten zu Tage trat Die westlichen wollten bloss einen nationalen Mittelpunkt, wo er auch sein möge, Palästina war ihnen bloss „lieb". Wenn man Palästina nicht bekommen kann und Afrika erreichbar scheint, so kann man auch mit Afrika vorlieb nehmen. Viele von ihnen gestanden offen ein, dass es ihnen ganz gleichgiltig ist, wo der Judenstaat sein würde, in Palästina oder Afrika. Die russischen Delegierten aber, welche der Volksmasse näher stehen, mit den Volkstraditionen gross geworden sind und den Geist der jüdischen Lehre, wie auch der jüdischen Geschichte näher kennen, wissen, dass die Volkssympathien sich auf Seiten Zions befinden, dass seine Ideale eng verbunden sind mit seiner unvergesslichen Heimat und den Anschauungen ihres Volkes treu dienend, widerstanden sie der Versuchung, und ähnlich wie Napoleon sagten sie: „Dir gebe ich die halbe Welt, Zion aber lasse ich bloss mir." „Was müssen jetzt die Neinsager tun?" S.: „Wir Neinsager werden uns der Verwirklichung des Chamberlain'schen Projektes durchaus nicht widersetzen. Judaeus sum et nihil judaei mihi alienum est. Wir finden bloss, dass Zionisten, die auf ihre Fahne Zion geschrieben haben, nicht ihre Kräfte dieser Sache widmen dürfen. Selbst die schlechten Aussichten für die nächste Zukunft geben uns noch lange nicht das Hecht, etwas Neues zu unternehmen. Eben in Anbetracht der Gefahr müssen wir uns fest an unsere Fahne klammern, die Gewitterwolken werden sich verziehen und unser Stern wird wiederum hell aufleuchten. In diesem Sinne werden wir Neinsager auch wirken. Wir müssen auch in Betracht ziehen, dass die Ostafrika-Frage sich erst in der Phase der diplomatischen Verhandlungen befindet, welche ausserhalb der Täfcigkeitssphäre der Vereine stehen. Deshalb können die letzteren diese Frage, ohne Schaden für dieselbe, bei Seite schieben und ihre frühere Arbeit fortstzen. Ostafrika dem Gesichtspunkte unserer Vereine zu entziehen, muss jetzt unsere Aufgabe sein. Ferner gehört die Uebersiedelung eines gewissen Teiles des jüdischen Volkes nach Afrika nicht in das Baseler Programm. Diesen Standpunkt muss man allen, die sich von dem neuen Projekte verführen lassen, klarlegen. Wir müssen jetzt eifrig an die Erläuterung des Wesens der zionistischen Lehre, ihrer historischen Grundlage, ihres Zusammenhanges mit den Volksidealen und mit der Denkweise der Masse schreiten. Es ist notwendig, dass Zion die ganz-- Seele de:.-; Zionisten fülle, alle anderen Bestrebungen werden dami von selbst verdrängt werden. Für das O31 afYika-Projekt möge die gaä.?,e. gewrdtlge nichtziornstisehe Masse, welche bis jetzt der» r.atioeuh n Interessen fernstand, interessiert, werden. Dies-;* Masse! m allein so viel Kr äffe, um die gewaltigsten Pläne, auszufuhi; r>. Wir Zionisten .müssen unsere Kräfte für unsere Sachaufbewahren.11 Dr. Sapirs persönliche Mein uns: über den Kougress liesse sich folgen denn aasen zu.sammen fas*en : Der Vorschlag En gl an ds ist natürlich eine sehr erfreuliche Tatsache um! verdient es, sofort ausgeführt zu werden, wenn die Bedingungen es gestatten £oi]iet\ AI er in Anbeuten! dessen, dass dßs Basel er Programm dir: Lösung der Jude;;fYage nur in Zion sieht, dass die Lh In rführung giösserer Vciksinass^n nach Afrika die Ai.sU>ngux;g aller unserer Krähe uad Mitt -i er fordern \v.<rd und den Bankerott des Zionismus nach sich ziehen ka^n, sollte die Verwirklichung dieses wicr.tigv-n Projektes einem allgemeinen jüd i sehen Kongresse (Gein einde vor st er. er, V« »j? r ur der Wohltätigkens- und Kolonie?Uion? gesell schal: [Ire, AUianee, Allianz, ß'nei Brüh] Geehrter, u. s. v. j der;;ui' unsere Initiative eh» zu beruf« r vväi e. voracP; ■ wvrd-T;. Dieser Kongress, der alles was im Judetmuvi Lebendig.-s und Starkes, in geistiger und. Iinai.zieller Beziehung, vorhanden ist, konzentrieren rnüsste. wird dieses iJr oj> kl in grandios m Dimensionen verwi? klichen. Die Z ionisier* ah er werden, ohne ihre zionistische A-: bell zu la.- n, ar* uh r Afrika-Angelegenheit nur insofern Anteil nehio-n, insofern es notwendig wäre, d:-rmit die Emigration einer; nationalen Charakter trage. Nur auf diese \WLe vird. es möV-ich sein, Leute, die mit dem reinen Ziouisruu.-:; Lidus geuuae haben und an zionistischen Kung: -e n nicht r- «h-ehr..- e wollen, für unsere natio:; der Im.' r- >-\: erzu gwo . o - dem wir die Initiative in dieser Au gelegt heu mu i.oi nehmen, erhalten wir unser Auseheee in mm Augn dr Gesarntjudunhei!*, aber nur dann, vre:;-; wir unser> r fAi;•/<••- nicht nur mit Worten sondern auch > der Tal uvu bi eher. „Als Zionisten traten wir auf die Bih rm der ümoh;ch;e, als Zionisten' wh bellen wir die ganze Juden sc hilf* nuf, 1 Zionisten müssen wir auch Or^er wirken im«:! leben", rA-' Dr. Sapir mii Begeisterung. „I.u unsere-r Fahre is? unsere Krafr, im Opportunismus ist unser Tod!" A. Lh In der Berliner Zeitung ,,T ä g 1 i e h e Ii u n d seh a rA bespricht Karl Peters den Zhorusruuq und das Or.taiV ka~ projekt fo 1 gen d erniassen : Unser Zeitalter ist ^ine Periode nntionaier Bewegungen. Die Sehnsucht nach n?uioiwde:vEinh.\i: nur ih r d uu-r.heu und der italienischen Frage im \\.u i/jer? Janrh; :nU>ri zugnunde; sie ist es, welche d> rn B: ai-d der L;h;;aiihi Ljs immer neue Nahrung verleiht; sie pvh>i?,i dh- (j.ci \.*>rzin.n Kampfe zwischen Deutschen und PuL-n in ui.s^reu (')stmarkeDer Zionismus ist r-ichts eis »'er Ausdr-.-^k d^? selben \ViUensfrregung im Judr-iiturn, .Rh r IVi üieh nirrm; pr sich aus, als wenn ein ah er. scheinbar längst übg^Mor;;-r Weideühatnu unter dem Einflusr-; rler Frühlir:-rssonrn.» uoch einmal Blätter und Blüten zu treiben bei-innt. Wir haben so oft gehört, <las> ihT, Jiu?en;m mehr ein nationaler, so:-:dem nur noch f>u\!;o^f^s-ie>;;- r Begriff sei. Es geb^ jüdische Deutsche. Eaala .d. r. F-. : - zosen u. s. w., ebenso wie es k'-rtliolisclu? u»ui p-ot.esi tische Deutsche, H.rsi<Uirn.h-r uv.d Franzosen g.d>e;;.irht -r existieren um oen ß^ginr« d*s z Ä;a -zi asten J^hrhun 1 - irgendwo mehr Flebräer im Sitme d(\s AU>vu Tes^-me: a als fdu Vrolk für eich. Zwar \vu< deu von i.h.^ti orthodox. Juden die uralten Pro]diezüiunge:< von eFr ^^Kr; Morrdchkeüdes „äuserv-rählten \'olk;^. vom zu kür i\l,:rn Jet usah^i; mit feinem Messias zähe f'estgehaiuuz Aber; i ' r'len tr,v-;::r in geistlichem Sinne ged^ut-t.; urni?r;::n m-: ir^(\ dnss i 11>/e- Erfüllung gerade durch dh* \rs*te ilu?>g der Ju«i< n ueter de-}- Gojim, die ^Völker" der Er.-/e, werde ii eräuge führt werden. „Du wirst alle Völker fressen, die der Herr, dein Goh. dJ;-