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Die Welt · 1903-10-09 · 41 (9.10.1903) · p. 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
41 (9.10.1903)
Article
Jewish Chronicle [Kommentar]
Date
1903-10-09
Page
7 (sequence 4)
Language
German
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Nr. 41 „bi* & weit Seite 7 „Vereinigten Königreich". Dann kommt Mau Escarpment selber, dessen höchster Gipfel 8000 Fuss hoch ist, das für unser Ziel verwendbar wäre. „Diese ganze Gegend", sagt Sir Charles Eliot, , besitzt eine merkwürdige Aehnlichkeit mit den Sandebenen in Südengland und scheint für europäische Kolonisation tauglich zu sein, man muss aber daran erinnern, dass das Klima gewaltigen Aenderungen unterworfen ist. Um diese schöne Station Ravine (Kluft) wachsen englische Pflanzen und die Teinperaturänderungen sind nicht schädlich für die Ernte. Süd-Dakota, das ebenfalls an plötzlichen Uebergängen leidet, ist einer der weizenreichsten Staaten Amerikas." Die feuchten Jahreszeit sind von'Oktober bis Dezember und von März bis Mai. Die übrigen Monate sind trocken uud von Juli bis September ist es kalt. Ausser ihrer Produktivität und dem gesundem Klima hat die Rift-Valley und Mau Escarpment für die jüdische Siedlung den Vorzug, dass es dort jetzt keine Bevölkerung gibt. Es ist ein Land ohne Volk, das ein^m Volke ohne Land angeboten werden muss. Deshalb werden keine oder nur geringe Schwierigkeiten entstehen wegen der schon bestehenden Rechte. Die einzigen Bewohner sind die nomadischen nördlichen Massai. Die Massai sind kein schreckliches Volk und haben sich neulich als vollkommen anpassungsfähig unter britischer Verwaltung gezeigt. In den Nachbargebieten des Mau gibt es keine Spur von europäischen Niederlassungen. Die Europäer haben gleich den Eingeborenen eine entschiedene Vorliebe für Kikuju, dessen Zentrum Nairobi ist. Deshalb ist es nicht ratsam, in diesem letzteren Lande sich anzusiedeln, da das nordöstliche Gebiet ihm gleichsteht, wenn nicht höher. Manche vermuten, dass die neue Kolonie westlicher als Mau gelegen sein wird — in dem sogenannten Nandiplateau, das in der Kisumu-Provinz liegt. Ueber dieses Gebiet schreibt Sir Ch. Eliot: Das Nandihochland ist vielleicht das schönste Gebiet des Protektorats, und ich glaube nicht, dass die enthusiastischen Lobpreisungen des Sir H. Johnston in seinem Vortrage vor der königl. Geogr. Gesellschaft übertrieben seien. Es besitzt in noch höherem Masse die klimatischen und Bodeneigenschaften, wie Nairobi und Njoro, aber der Regenfall ist konstanter und das Wasser reichlicher. Die Landschaft ist prachtvoll. Auf den höhergelegenen Teilen des Hochlandes sind grosse Moorstreifen, auf denen alle Arten europäischer Gewächse gedeihen können. In den tiefen Tälern, die diese Plateaus trennen, ist die reiche Vegetation tropischer als die in Nairobi und hat viele Gummibäume der besten Art. Der einzige Fehler des Landes, das sonst als das Ideal einer europäischen Kolonie gelten könnte, ist der Charakter seiner Bevölkerung. Die Nandi haben sich als unwirsch und aggressiv erwiesen. Wie viele andere afrikanische Völker, stehen sie unter dem Einfluss ihrer Medizinmänner. Sie haben sogar die Eisenbahn angegriffen, um zu rauben und haben Züge aufgehalten. Aus diesem Grund soll dieses Gebiet trotz ihrer immensen Vorzüge für die zionistische Kommission nicht anziehend sein. Aber auch ausser diesem verheissenenLande gibt es eine Gegend im Süden der Naidashaprovinz, wo es für eine Anzahl jüdischer Ansiedler Raum gebe, ohne auf die Rechte der Eingeborenen oder der Europäer, oder auf die britischen Privilegien, wie in Kikuyu, zu stossen. Da sind 28.000 Quadratmeilen im Ostafrika — nach der Schätzung des Sir H. Johnston in „Jew. Chron." — die für europäische Kolonisation geeignet sind. Für eine jüdische Kolonie dürfte man nicht mehr als zweitausend Meilen nötig haben. Es hiesse 200 Meilen an der Bahnlinie und je fünf Meilen auf jeder Seite. Das Foreign Office ist bereit, Land zu geben für eine Million Menschen, und das ist mehr als man wünschen könnte. Eine kleine Haushaltung, gut gepflegt, gedeiht besser als eine grosse, die vernachlässigt wird. Produktivität und Handel. Obwohl Ostafrika nicht buchstäblich das Land von Milch und Honig genannt werden kann, kann über seine überschwän glichen Reichtümer kein Zweifel sein, da das Land unendliche Entwicklungsmöglichkeiten hat. In den Ebenen wachsen inUeberflussMais,Reis und andereLokal getreidearten. Mais kann so billig gekauft werden (3 Farthing für 6 Pfund), dass ein Kaufmann mit genügendem Kapital ein gutes Geschäft machen würde durch den Aufkauf des Mais bei den Eingeborenen und Absatz in Südafrika.Gummi, Kopal. Kopra, Kakao, Nüsse sind in Ueberfluss da, was schon an sich beträchtliche Exportartikel sind. Tabak und Baumwolle wächst dort. Aber uns geht vielmehr die Produktivität der Hochländer an, wo die jüdische Siedlung sich niederlassen könnte. Es wurde bewiesen, dass jede Art europäischer Getreide und Fruchtpflanzen dort wachsen kann. Der Export von Kartoffeln nach dem Kap ist schon organisiert worden und es ergibt der Profit für den Pflanzer und den Vermittler 3 Pfd. die Tonne. Getreide wurde bis nun nicht in grossem Masstabe gebaut, aber die Experimente, welche in Nairobi gemacht wurden, bewiesen, dass der Boden für Weizen geeignet ist. Mr. Chamberlain erwartet, dass das Protektorat ein grosses Getreideexportland werden wird, und die jüdische Kolonie wird dazu verhelfen. Kaffeepflanzungen gediehen vortrefflich, ob aber die Baumwolienstaude fern von der Küste wachsen kann, ist zweifelhafc, das Tanaland und das Lamugebiet scheint dafür mehr geeignet zu sein. Sonnenblumen wachsen in Fülle, und da die Samen in Russland zu 11 Pfd. für eine Tonne verkauft werden, so könnten die Kolonisten aus diesem Lande sofort für den heimischen Markt die Pflanze bauen. Rizinusölbohnen, Gummi und Faser sind einheimische Pflanzen der Hochländer. Aber die grösste Attraktion dieser Gebiete sind die unendlichen Weidegründe, die die Züchtung von Vieh, namentlich Schafen ermöglicht. Es besteht kein Zweifel,dass die Eignung des Protektorates als eines Weidelandes anerkannt werden wird, und dass der Hauptexportartikel die Wolle sein wird. Dies allein könnte der Fähigkeit der jüdischen Kolonie ein immenses Feld bieten. Doch gibt es noch Raum für andere Exporte. Maulbeeren aus Japan würden nach denKunjaprovinzen eingeführtem Seide zu züchten. Bienenwachs, Guano, Trepang und „Grünc- Schneckenu-Muscheln sind Exportartikel dieses Landes. Elfenbein war von jeher eine der hauptsächlichsten Ausfuhrwaren Ostafrikas. Obwohl die Elefanten von der Regierung vor der Ausrottung geschützt sind, besitzen doch die Eingeborenen grosse Massen von vergrabenem Elfenbein, das für den Handel verwertbar wäre. Jn der Kikujaprovinz wächst auch Knoblauch, den die russischen und polnischen Juden so gerne essen. Rinder und Lämmer sind tn Fülle und das Fleisch ist ebenso gut, wie in England. Geflügel ist teuer. Fische und Früchte sind reichlich vorhanden. Nachdem er die Erzeugnisse und den Handel des Landes besprachen und den Reiseplan geschildert (von Hamburg— Marseilles und dann durch die Messageries-Maritimes oder British India Steamphip Company, nach Zanzibar oder Mombasa (Preis 14 Pfd. 10 Sh.; dann mit der Uganda Eisenbahn von Mombasa nach Port Florence, an den Victorya Nyanza und Naivasta), übergeht er zur politischen Lage. Er meint, die Sache sei erschwert infolge der Demission des Mr. Chamberlain und rät sofort, und vor der Entsendung der Expedition, einen Vertrauensmann hinzuschicken, um mit dem High-Commissioner zu verhandeln und die Schwierigkeiten ins Auge zu fassen. Jegliche Verzögerung könne der Sache nur schaden. * Russische Blätterstimmen zur Ostafrikafrage. Der Petersburger „W o s k h o d" widmet in seiner jüngsten Nummer der Ostafrikafrage zwei Artikel, einen Leitartikel und einen der (Jebersicht der jüdischen Zeitungsstimmen über Ostafrika gewidmeten Aufsatz. Während das ßtatt in seinem Leitartikel die Besprechung der Ostafrikafrage sich bis zum Bekanntwerden der Ergebnisse der nach Ostafrika zu entsendenden Kommission vorbehält, widmet es im zweiten Aufsatze der Ostafrikafrage bemerkenswerte Betrachtungen. Es sagt unter anderem wörtlich: „Ein vor wenigen Wochen noch völlig unbekannter Name ist jetzt auf aller Lippen, bildet den Gegenstand eines brennenden Kampfes, ruft dieLeidenschaften wach, weckt in manchen Herzen Hoffnungen, in manchen aber ein Gefühl der Bitternis und der Verzweiflung. Dieser Name gehört irgend einer fernen Provinz, irgendwo im Lande der Neger, unter den sengenden Strahlen der Aequatorsonne. Wir sind mit der in der letzten Woche in der jüdischen Tagespresse ausgesprochenen Ansicht nicht einverstanden, als ob das Projekt zur Gründung einer autonomen jüdischen Kolonie in Ostafrika einen Wendepunkt in der jüdischen Geschichte bedeute; wir sind auch mit denen nicht einverstanden, welche behaupten, dass dieses Projekt den Ruin des Zionismus herbeiführen würde. Wir können aber nicht umhin, zu gestehen, dass der sechste Baseler Kongress ein äusserst bedeutungsvolles Ereignis in der zioiistischen

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