Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 39 (25.9.1903)
- Article
- [Kommentar]
- Date
- 1903-09-25
- Page
- 11 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- table
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3315709-3316013-3316059--43266-3337211- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Odesa 1× ep/1000834
OCR text
Nr. 39 „bis & W^lt Seite 11 teil Wege zu Entwicklung und Erfolg. Das Land wäre ein neuer Ring in der Kette des britischen Reiches geworden und eine neue Quelle der Kraft würde dem Mutterland erwachsen. Der Hafen von Kilindini und Port Reitz, der in direkter Verbindung mit der Ugandabahn steht, könnte die ganze englische Flotte beherbergen und ist vom Lande abgesperrt; es ist gewiss einer der besten Häfen der Welt. Es ist unnötig, sich bei den Mineralschätzen des Landes aufzuhalten. Es könnte dort — und es ist wahrscheinlich der Fall — Gold und andere Minerale in Ueberfülle vorhanden sein; sie sind aber für die Kolonisation und die erfolgreiche Entwicklung Britisch-Ostafrikas nicht unumgänglich. Das britische Volk soll wissen, wie das Land beschaffen ist, welches das Foreign Office den fremden Juden weggeben will. Es soll wissen, dass dort sich Briten befinden, von denen die meisten alles, was sie besassen, dort verloren haben, um sich daselbst ein Heim zu gründen und dass ihre Hoffnungen und Interessen nicht ohne weiteres missachtet werden dürfen. * Die Kirchenzeitung „Church Family Newspaper" (London) vom 11. 1. M. bringt ein Interview eines ihrer Korrespondenten mit Mr. L. Greenberg bezüglich Ostafrikas: Mr. Greenberg erzählte dem Korrespondenten die Geschichte der letzten diplomatischen Unterhandlungen des Dr. Herzl mit der Türkei und der egyptischen Regierung und deren Resultatlosigkeit Er sagte uuter anderem : „Als Mr. Chamberlain zuerst auf Ostafrika zu sprechen kam, führte noch Dr. Herzl Unterhandlungen mit der ägyptischen Regierung und damals zog Dr. Herzl El Arisch vor. Als aber die ägyptischen Unterhandlungen abgebrochen waren und Mr. Chamberlain mir sagte, sein Vorschlag bezüglich Ostafrika stehe noch aufrecht und als ich mich überzeugte, dass seiner Meinung nach die Regierung uns eine jüdische Autonomie verleihen werde, da drängte ich Dr. Herzl, den Vorschlag ins Auge zu fassen." Auf die Frage, ob die Annahme des Ostafrikaprojektes nicht schon eine Abweichung vom zionistischen Ideale involviere, antwortete Mr. Greenberg: „Keineswegs. Ich bin ein strenger Palästinenser, und weil ich glaube, dass dieses Projekt einen Schritt vorwärts nach Palästina ist, befürworte ich es. Indem wir den Vorschlag Grossbritanniens annehmen, verlieren wir keineswegs die Hoffnung, Palästina zu erlangen. Ich glaube nicht, dass unsere Arbeit in dieser Richtung gestört werde. Im Gegenteil, wir glauben, dass unsere Aussichten auf Erfolg dadurch ungemein gefördert sein werden." „Wieso?" — „Weil das eine Prinzip, wofür wir gekämpft haben, dass die Lösung der Judenfrage in der nationalen Idee liegt, schon in nicht geringem Masse durch die Gründung einer jüdischen Autonomie, wenn auch nicht in Palästina, im wesentlichen realisiert ist. Juden werden lernen, sich selbst zu verwalten und diese Erfahrungen werden uns von ungeheurem Nutzen sein, wenn die Stunde kommen wird für die sogenannte Rückkehr nach Zion, oder wie ich prosaischer sagen will, für die Wiederherstellung eines jüdischen Staates in Palästina. Nicht der geographische Weg nach Zion ist der nächste, es gibt auch einen politischen . , In Bezug auf das Land selbst sagt Mr. Greenberg: „Das Land eignet sich so sehr für die Kolonisation, dass Sir Harry Johnston es sogar für zu gut für die Juden hält, ohne die Tatsache zu wissen, dass die Juden britische Untertanen sein werden und gewiss vom Lande besseren Gewinn ziehen werden, als irgend andere Kolonisten. Ich glaube in der Tat, dass die jüdische Energie ein Heil für Britisch-Ostafrika sein wird . . Mr. Greenberg sprach dann mit Enthusiasmus von der Fruchtbarkeit des Bodens und meinte, dass Tausende und Abertausende russischer und rumänischer Julien nach Ostafrika gehen werden, angezogen durch die Autonomie. Der Vorschlag sei mit Begeisterung in „jeder Sektion" der Judenschaft aufgenommen worden. Er protestiert dann gegen die verbreiteteMeinung, man werde nach Ostafrika die physisch schwachen Juden von Russland und Rumänien nehmen. Nicht aufdiese. „auf die Jungen und noch starken ist unser Blick gerichtet, unsere Hoffnung ruht auf den jenigen, die noch Hoffnung haben . . .u £>er „Morning Leader" (London) veröffentlichte ein Interview mit Lord Rothschild. Auf die Frage des Korrespondenten, ob es wirklich eine jüdische Autonomie in Ostafrika geben werde, antwortete Lord Rothschild: „Nein, es wird keine Autonomie sein, wie die Zeitungen meinen, sondern bloss eine Kolonie von Juden in einem Teile des britischen Reiches/ „. . . Billigen Sie die diesen Plan im Prinz p?" „Ja, wenn fünfzehn- oder zwanzigtausend Juden sich dort ansiedelten, wäre es immerhin besser, als dass sie herkämen und hineingelassen würden . . „Betrachten Sie diese afrikanische Kolonie als die Lösung der grossen Judenfrage?" Der Lord schüttelt verneinend sein Haupt. Die englischen Provinzblätter, ebenso die amerikanischen Zeitungen besprechen eifrig UDd ausführlich das Projekt, sagen aber nichts wesentlich Neues. Der «Manchester Guardian" sagt offen, dass es auch in England Antisemitismus gibt. Der „Natal Witness* (Pitmaritzburg, Südafrika) ist gegen den Zionismus, da er meint, dass die Spaltung der Nationalitäten den Fortschritt nicht fördere, wofür er Südafrika als Beweis anführt. Für die Expedition nach Ost-Afrika« D. Jolles, Nadworna, anstatt Karten zum National-Fonds...........K %— David Golderiberg, Braila . .......„ 20.— Jakob Schechter, Torshie.....♦ . . „ —.50 Dr. Ronai Janos, Balazsfalva.......„ 2.04 Meier Diamantstein, Laka, 1.50, E. W. Diamant - stein, Laka 1.—..........„ 2.50 Gebrüder Tarnopol, Odessa......• » 45.65 Summe K 72.69 Druckfehler-Berichtigung. Die in Nr. 38 ausgewiesenen Posten Dr. Berger, K 4.74, 1.50 und Dr. A. B. in Paris 20__, in Summa K 26.24 sind für Palästina und Wad El Arisch gewidmet mithin ab K 26.24, verbleibt............. 46.45 Ein russischer Mönch Uber den Zionismus. Der panslavische „Swjet" und andere judenfeindliche Blätter Russlands haben den jüngstenZionisten-Kongress zum Anlass genommen, um den Zionismus alsMittel zur Befreiung der Juden zu bekämpfen. Diesen Gegnern und Kritikern des Zionismus antwortet der Mönch des Machrischza-Klosters im Gouvernement Wladimir, Alexander M i 1 o w i d o w in einem Briefe an die „Nowosti" folgendes: Der „Swjet" vergisst die Worte Gottes, welche er durch den Propheten Arnos sprach. Dort heisst es klar, dass Gott alle zerstreuten Juden wieder vereinen und das Volk Israel nach seinem Lande bringen wird, wo es die verwüsteten Städte wieder aufrichten soll etc. Wir sollen nicht nur an diese Prophezeihung glauben, sondern ihre Verwirklichung herbeisehnen und herbeiwünschen. Die Gegner des Zionismus wissen nicht was sie thun. Dass trotzdem der Herausgeber der „Moskowokija Wjedomosti", welcher unter „Spredatos" schreibt, in einen längeren Artikel den Zionismus in seiner Lauterkeit zu besudeln und die edlen Bestrebungen seiner Führer herabzuwürdigen sucht, ist umsomehr verwunderlich, da die erlauchtesten Geister Russlands sich schon längst als Freunde des Zionismus bekannt haben. Der Mönch Milowidow hat Recht: Die Gegner des Zionismus wissen nicht was sie thun. Judenexzesse in Home!. In der an der Libau-Romny-Eisenbahn und an dem Flusse Sosch liegenden Stadt Hornel (russisch : Gomel), deren Bevölkerung 26.000 Seelen, darunter ungefähr 16.000 Juden, beträgt, haben am 11. und am 14. d. M., wie der offizielle russische „Regierungsbote" meldet, Exzesse gegen die Juden stattgefunden, welche von Plünderungen jüdischer Häuser und Geschäfte und sogar von Ermordung und schwerer Verletzung von Juden begleitet waren. Der uns vorliegende „Regierungsbote" vom 4. (17.) d. M. meldet darüber in Abweichung von der telegraphisch bereits bekannten Meldung folgendes : „Am 29. August (11. September) entstand auf