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Die Welt · 1903-09-11 · 37 (11.9.1903) · p. 10

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
37 (11.9.1903)
Article
Eindrücke vom VI. Zionistenkongress
Date
1903-09-11
Page
10 (sequence 3)
Language
German
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Seite 10 #lbie & weit Nr, 37 ganz in den Hintergrund trat, und viele Outsiders aus den Westländern stimmten mit der Mehrzahl der Russen gegen die Kommission. Der Widerstreit der Kulturzionisten und der reinpolitischen Zionisten scheint durch ein auf dem Kongresse selbst publiziertes grosses Ereignis die Entscheidung dahin gefunden zu haben, dass die Wahrheit hier wie überall in der Mitte liegt. Herr Turok, ein russischer Jude in Südafrika, hat in seiner Eigenschaft als Zionist y2 Million Rubel für Schaffung einer hebräischen Enzyklopädie dem Zionisten Sokolo w zur Verfügung gestellt und den Reinertrag für zionistische Zwecke bestimmt. So sprossen naturge m ä s s und ohne viel Programme und Lärm gewaltige Kulturtaten aus dem Hauptstamme des politischen Zionismus, ihn stärkend und schmückend. Die Abstimmung über Ostafrika ergab bei zirka 90 Stimmenenthaltungen eine Mehrheit von 295 gegen 178, Diese Abstimmung, so zitternden Herzens und so voll von Verantwortlichkeitsgefühl sie erfolgte, kann nicht als" endgültig gelten. Zu überraschend war die Frage gestellt, als dass die Antwort in den einzelnen Köpfen ruhig hätte ausreifen können. Der Affekt des Augenblicks, ein Argument, das gerade zur Zeit, der Abstimmung, beim Namensaufruf sich vordrängte, mag oft den Ausschlag für ein „Ja" und „Nein" gegeben haben, wo alsbald reuevolle Bedenken nachfolgten. Die eigentliche Antwort soll und wird die Wählerschaft selbst, und die Masse der Juden nach reiflicher Ueberprüfung aller Für-und Gegengründe geben, so auch des neuesten Ereignisses, wonach aus ßritisch-Ostafrika selbst Stimmen laut werden, die gegen Ueberlassung des schönen Landes an die Juden protestieren. Und es ist immerhin ein Glück, dass der Entscheidung des Volkes vom Kongresse nicht vorgegriffen wurde. Heute schon lässt sich erkennen, dass der VI. Kongress der konsequenten Totschweigepolitik vieler liberaler Blätter zum Trotz, auf die Juden bis tief hinein in die borniertesten Assimilantenkreise starken Eindruck gemacht hat und wir Zionisten würden ein schweres, schweres- Verschulden auf uns laden, wenn wir diese günstige Sachlage unbenutzt vorübergehen Hessen und nicht vielmehr durch Einsetzung all unserer Kräfte agitatorisch verwerten würden. Drum auf zur Arbeit! Dr. E. M. Zweig. Für die Expedition nach Ost-Afrika. Winter, Verteidiger in Strafsachen, Ungarisch- Hradisch................K 10.-— Ung.-Hradisch: Münk, Spiegier, Weiner, Winter „ 3.— Dr. Eduard Portner, Warschau.......„ 25.— Dr. A. B. in P., Coupons von <£ 40.— . . . . „ 20.— Summe K 58.— Presstimmen. Aus der französischen Presse. I. In einem der bedeutendsten Blätter Frankreichs, dem Organ Georges Clemeneeaus „L'Aurore* sehreibt Hr. Maurice L e Blond über den Kongress: „Wie sollen wir, die über allen Vorurteilen stehen und die Fragen unter dem wissenschaftlichen Gesichtspunkte betrachten können, wie werden wir uns dem Zionismus gegenüber verhalten? Es ist wahr, dass die Restauration Palästinas uns etwas mystisch erscheint . . . aber andererseits ist die Lage der Juden in Russland unerträglich geworden . . . Wir dürfen uns nicht mehr mit platonischen Protesten begnügen, man muss eine Lösung herbeiführen. Da die Assimilation in Russland u. s. w. unmöglich ist, so darf man nicht die Aspirationen des Zionismus systematisch verwerfen. Die englische Regierung erklärt sich bereit, ein osiafiikanisehes Gebiet den Juden zur Verfügung zustellen, und der gegenwärtige (VI.) Kongress beschäftigt sich mit dieser edelmütigen Offerte Englands. Wären wir noch die erste Nation, so wäre es an dem Frankreich der Droits de Thomme, diese Initiative zu ergreifen. In unseren Kolonien zum Beispiel in Madagaskar müssten wir die Opfer der jussischen Iutoleranz beherbergen. Der Zionismus ist eine politische und durchaus beachtenswertes ewegung. Der „Siccle" widmet dem Kongress einen grossen Artikel „Les Sionistes*. Mit Bezug auf die Statistik der jüdischen Armut in Osteuropa, auf das Werk von Emile Levasseur über das Elend der Arbeiter überhaupt und der jüdischen in Nordamerika insbesondere, kommt der Verfasser des Artikels zum Schlüsse, dass-„das Unternehmen der Zionisten ein grosses und edles, wenn auch ein gewagtes ist und dass alle Freunde des sozialen Fortschrittes mitlnteresse ihnen folgen sollen und ihnenGlück und Gedeihen wünschen". In der „Republique Frar.caise" schreibt Mr. Arren übtir den Zionismus. Arren stellt sich zwar auf den Standpunkt des bekannten Theoretikers der Assimilation Mr. Theodore Reinach, indem er meint, die Judenfrage sei eine religiöse Frage, kommt aber doch am Ende zur Einsicht, dass der ZionismusvielRichtiges und Gesundes enthält, was alle freidenkenden Geister interessieren muss. Vom sozialistischen Standpunkte bespricht den Zionismus die „Depeche de la Normandi e", in dem sie sich auf den Artikel des Mr. Deka-Duo über den Zionismus in der „Revue Socialiste" und die Antwort des Herausgebers dieser Zeitschrift Mr. Rouanet bezieht. Das Verhalten der Zeituug ist jedoch viel sympathischer als das der vaterländischen Sozialdemokratie. Einen komischen Eindruck macht Mi I 1 e v o y e, der bekannte Nationalist und Antisemit des Mey er'schen „Gaulois". Er jammert und klagt über den Kongress und warnt Europa vor der fürchterlichen Gefahr, die der ganzen Welt darauserwächst. Uebrigens machen sich schon die französischen Blätter über ihn weidlich lustig. Telegramme und Begrüssungsschreiben an den Kongress. Es liefen Telegramme ein von folgenden Organisationen und Privatpersonen: Karl Herbst Sofia, Agudas Hazionim Liverpool, ßenot Zion Hascovo, Zionisten Givozdzie, Zionisten Durban, Zimak Erfurt, Rechtsanwalt Edel Riga, Kulturverein Herzl-Nordau London, Zionverein Wiznitz, Zionisten Poltawa, Davidsohn Marienbad, Karmel Warschau, A, Altmann Eperjes, Krawzow Friedrichroda, Verbindung Laetitia Boskowitz, Ahavas Zion Gliniany, Redaktion Buduschstnost, Dorschei Zion Glasgow, Jüdische Kurgäste Szczawnica, Zionisten Janischek, Schallt Riga, Gans, Frankfurt, Leo Motzkin Charlottenburg, Chemdass Zion, Warschau, Zionisten Lugansk. Agudath Beth Josef, Saffed, Chowewe Zion London, Loebl Fiume, Seidemann Prijedor, Hasmonaea Czernowitz, G. Kohn Tluste, Zionisten Slutzk, Zionist Association London, Haschachar Mihaileni, Wilner Waskoutz, Poale Zion Borisoff, Zweiter Zionsverein Borisoff, Zion Dornawatra, Julius Lederer Rumburg, Bnei Zion Moskau, United Shares Clubs Manchester, Beaoth Jehuda Kvidanow, Agudath Hazionim Edinburg, Nehemia und Kadimahl Radomysl, Zion Misrachi Paris, Zionisten Kischenew, Poale Zion Wirballen, Zionisten Pruschany, Umanski Leeds, Etudiants sionistes Paris, Zion Tatar - bazardjik, Mebassereth Zion Paris, Zionistische Versammlung Sniatyn, Horzion vetikva Stzagora, Friedland Krementschug, Cohen Belfast, Bojanski Stawistsche, Jüdische Volkszeitung Warschau, Ohave Zion Kesmark, Zionisten Banjaluka, J. Goldschmidt Baden, Ausseer Kurgäste Schwarz, Diamant und R. Lang, Chowewe Zion Wirballen, Kultus vorstand Zastawna, Ortsgruppe Hamburg-Altona, Tuschiah Warschau, Glam Katan Warschau, Gamala Goeding, Choveve Zion Papa, Jonas Wölpe Memel, Grigoire Lourie Pin&k, Dr. Wl. Berger Paris, Dr. Weil Neubreisach, S. Deiches Berlin, Dr. Scherschewsky Brest i. Lit., Bnei Zion Detroit, Cercle Erez Isroel Odessa, Handelsangestellte Achwah Stanislau, Zionistische Jugend Radautz, Ahavat Zion Kiszebet, Dr. Mayer Ebner Czernowitz, Zionverein Zwenigorodka, Zionisten Königsberg, Zionistenversammlung Deventer, Tu-

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