Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 7 (30.8.1903)
- Article
- Freitag-Nachmittagssitzung
- Date
- 1903-08-30
- Page
- 13 (sequence 9)
- Language
- German
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No. 7 Separat-Ausgabe. „Die Welt" Seite 13 Weise gesehen, dass man auf die Zionistcn rechnen kann. Ich sehe die Wahrheit des Wortes : On ne s'appuie que sur ce qui resiste. »Man stützt sich nur auf dasjenige, was widersteht,« und so haben wir bei einer sehr bedeutenden Abstimmung, in der wir alle namentlich die Verantwortung für das, was wir getan haben, übernehmen wollten, gesehen, dass ein grosser Teil des Kongresses, vielleicht mancher mit schwerem Herzen, vor allem es für notwendig gefunden hat, das Vertrauen zur Führung zu bekunden, weil es dieser Teil des Kongresses herausgefühlt und verstanden hat, dass sich die Führung in einer schweren Lage befindet. Aber auch den andern ist kein Vorwurf zu machen; denn sie haben nur bekundet, dass Sie zur Sache stehen. Allerdings muss ich Ihnen sagen, dass man in der Luftlinie nicht immer gehen kann. Die Luftlinie ist so lange nicht praktikabel, so lange es keine lenkbaren Luftschiffe giebt und so lange man nicht in den Wolken wandeln kann. Wäre es möglich, immer in der Luftlinie auf das Ziel loszugehen, dann brauchte man keine Führer; denn wo Zion ist, das wissen alle. Ich glaube nicht, dass wir unsere Massen erst weiter verelenden lassen müssen, um sie zu starken Zionisten zu machen. Ich glaube, dass ihre Stärkung auch den Zionismus stärkt. Aber es muss? weil hier manches Missverständnis aufgekommen ist, es muss im Augenblick unseres Abschiedes gesagt werden, was ich bei der Eröffnung dieses Kongresses sagte, und wenn Sie meine inzwischen vergessenen Worte wieder durchlesen, so werden Sie vielleicht finden, dass sie sich in der Rede eines der sogenannten Neinsager ganz gut ausgenommen hätte: »Zion ist dies freilich nicht und kann es nie werden«, und wenn manche dies vielleicht für eine Phrase halten, es stand weiter ein förmliches Engagement : »Das Zeichen zum Aufbruch werden und können wif unsern Massen daraufhin nicht geben«, und darum darf ich wohl sagen, nach allem, was vorgekommen ist, dass in keiner Sekunde und mit keinem Gedanken das Basler Programm verlassen worden ist, (Bravo). Als ich dachte — in einem der schweren Augenblicke, an denen es nicht fehlte — als ich dachte, alle Hoffnung sei für eine absehbare Zeit, also für die Dauer eines Menschenlebens etwa, verloren, da wollte ich Euch einen grossen Notbehelf vorschlagen und wollte, da ich inzwischen Eure Herzen kennen gelernt habe, Euch ein Trostwort sagen, zugleich eine Verpflichtung für mich: ■^tr rDttn a^trv *pt?N d\s% »Wenn ich dein vergesse, Jerusalem, verdorre meine Rechte!« (Hoch, hoch, Tücherschwenken, hoch Herzl). Das aber, was ich an tröstenden Worten sagen wollte, das habe ich gar nicht notwendig gefunden; denn wie ich ebenfalls schon mitgeteilt habe, hat sich eine neue Aussicht, grösser als je vorher, für Palästina eröffnet, in der versprochenen Hilfe der russischen Regierung. Also durchaus kein Durchbruch, keine Aenderung, keine Abweichung vom Basler Programm. Und da möchte ich auf einen rührenden Zwischenfall in dieser namentlichen Abstimmung zurückkommen. Als sich hier die einen von den andern sonderten, da wurde auch der Name eines Mannes verlesen, der heute ein alter Mann ist und sein ganzes Leben dem Palästinadienste gewidmet hat, das war einer von den Unbekannten, nicht unbekannt, aber bescheiden, im Hintergrunde bleibend, und als sein Name aufgerufen wurde bei der Abstimmung, da habe ich es erwartet, dass er selbst mit nein abstimmen würde. Es ist Dr. Josef Cbasanowitsch, und dieser Mann hat mit ja gestimmt, weil er Vertrauen zur Führung hat. Und soll ich Ihnen weiter, erwähnen, dass die Rabbiner, die Zion nicht aus dem Gebetbuche streichen wollen, der Oberrabbiner von Florenz, die Rabbiner von Lida und Sopotzkin auch mit ja gestimmt haben? Aber — es ist vielleicht das erste unbescheidene Wort, dass man mir vorwerfen kann : Der Bürge bin ich selbst. An diesem Basler Programm, an dem ich mitgewirkt habe, ist nichts zu ändern. Warum hätte ich nach meinen Kräften beigetragen, diesen Kongress zu schaffen, diesen Kongress, der im Kleinen auch schon manches Rudiment, den Anfang künftiger besserer Einrichtungen zeigt? Wir haben die ersten Ansätze zu Reformen, die anderswo noch lange nicht reifen werden; wir haben die Gewissensfreiheit und auf nationaler Grundlage die Achtung aller religiösen und politischen Ueberzeugung, wir haben das gleiche Recht der Frau, die Genossenschaft der Schwachen und noch vieles andere, in unserem Programme festgelegt. Dieser Kongress ist unsere erste Institution und ich wünsche, dass er immer unsere beste, höchste, würdigste bleiben soll, bis wir ihn hinüber nehmen in das schöne Land unserer Väter, das wir nicht zu untersuchen brauchen, um es zu lieben". (Lange anhaltender Beifall.) Wünscht niemand mehr das Wort? Frau Prof. Gottheil. Un mot de remereiment ä Monsieur Herzl pour la fagon dont il a conduit ce congres. Präsident Dr. Herzl. Ich wiederhole noch unsern Dank an die Stadt Basel, den wir auf eine geeignete Weise vorzubringen uns noch vorbehalten, und schliesse den 6. Kongress". (Rufe: Hoch, hoch Herzl, hoch Zion! Die Zionsfahne wird geschwenkt und dann das Nationallied gesungen.) Die Generalversammlung des „JewishColonial Trust'. Freitag- Vormittags-Sitzung. Präsident Wolffssohn. Ich habe die Ehre, Sie hier in unsern1 sechsten Generalversammlung zu begrüssen. In meinem gestrigen Bericht an den Kongress habe ich mich über die allgemeinen Gesichtspunkte, welche uns hei Führung unserer Bank leiteten, ausgelassen. Ich glaube daher, Ihnen die nochmalige Wiederholung des bereits Gesagten ersparen zu können, und gehe zu den rein geschäftlichen Punkten über. In Anbetracht dessen, dass die überwiegende Mehrzahl unserer Aktionäre ihren Wohnsitz in Russland hat, haben wir unser Hauptaugenmerk auf die Entwicklung unseres Diskonto Verkehrs mit russischer Kundschaft gerichtet. Dank der Unterstützung unserer russischen Direktoren und der guten Freunde unserer Sache, welche wir in Russland besitzen, ist es uns auch gelungen eine Anzahl guter Kunden zu gewinnen, deren Waren- und Geschäitswechsel wir zu massigen, aber lohnenden Sätzen diskontierten. Wir haben natürlich langsam angefangen und haben uns erst allmählig in dieses Geschäft hineingearbeitet, immerhin entwickelte sich aber dasselbe doch so, dass wir am Jahresende mit einem Portefeuille von ca. R. 1,800,000 abschlössen. Auch die Förderung und Unterstützung von jüdischen Spar- und Vorschusskassen in Russland, hat unsere eingehende Auimerksamkeit gefunden. Eine recht zufriedenstellende Entwicklung hat das Geschäft in Checks auf London, die uns aus Russland zuftiessen 'und deren Gegenwert wir nach Russland überweisen, genommen.