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Die Welt · 1903-08-30 · 7 (30.8.1903) · p. 12

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
7 (30.8.1903)
Article
Freitag-Nachmittagssitzung
Date
1903-08-30
Page
12 (sequence 8)
Language
German
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Seite 12 „Die Welt" Separat-Ausgabe. No. 7 Herrn S o k o 1 o w. Die zur Untersuchung in der Sache Davis Trietsch bestellte Kommission hat ihre Arbeit bisher nicht beenden können, und ist derzeit noch nicht in der Lage, sich in einer der schwebenden Angelegenheiten gegen die eine oder andere Seite zu neigen. Sie wird ihre Untersuchung weiter führen und die Ergebnisse in geeigneter Weise zur Kenntnis der publizistischen Oeffentlichkeit bringen. Präsident Dr. H e r z 1. Es ist noch eine Anzahl von Rednern gemeldet, denen ich in dieser Stunde nicht mehr das Wort geben kann, weil wir den Kongress mit dem Eintritt der Sabbatruhe schliessen müssen. Ich will von den rückständigen Anträgen nur noch den des Organisations-Ausschusses erwähnen und schlage Ihnen vor, dass Sie alle Anträge zur Beschlussfassung dem grossen A* C. übergeben mit Ausnahme des ersten, welcher die Vermehrung der Wähler in Ortsgruppen beantragt von 100 auf 200. (Rufe: 300.) Ich kann jetzt unmöglich noch etwas anderes tun, als den Antrag der Kommission vorzubringen. Es wird Ihnen dann anheim gegeben sein, auf dem nächsten Kongress, wenn sich die Zahl unserer Gesinnungsgenossen in so erwünschter Weise weiter vermehrt, auf eine Vermehrung der Zahl der Wähler in den Gruppen zu schliessen. Jetzt kann ich nur den Antrag der Kommission zur Abstimmung bringen. Herr Syrkin verlangt das Wort. Präsident Dr. Herzl. Ich kann ihnen, Herr Syrkin, bei aller Vorliebe für ihre oppositionellen Reden nicht das Wort erteilen. Syrkin. ich bedaure sehr, dem Kompliment unseres Freundes Herzl in diesem Falle nichtentsprechen zu können. Ich möchte allen Kongressmitgliedern davon abraten, jetzt, in einigen Minuten vor Schluss des Kongresses, einen derartigen Antrag, welcher unsere ganze Organisation verändern kann, hier anzunehmen. Das ist rein unmöglich, dass wir hier unser Wahlsystem, welches unserer ganzen Organisation zu Grunde liegt, in einem einzigen Augenblick verändern. (Lärm.) Das kann man nicht. Das ist eine Veränderung der ganzen Organisation; ich bestehe darauf, dass es die reine Unmöglichkeit ist. Syrkin. Ich erkläre, (Rufe : Schluss, Ruhe) dass dieses Verfahren im Widerspruch zu demjenigen Geist unserer Organisation ist, welcher sämtlichen Herren vorschweben sollte. Präsident Dr. Herzl. Ich mache Sie darauf aufmerksam, diejenigen, welche gegen die Erhöhung auf 20D sind, geben damit zu erkennen, dass sie noch eine Debatte wünschen, die nicht mehr auf diesem Kongress stattfinden kann, sondern erst auf dem nächsten. Die dafür sind, dass die Zahl auf 200 erhöht wird, wollen die Hand erheben. (Uebersetzt.) Der Antrag ist angenommen. (Lebhafter Beifall.) Das Wort hat Herr Margulies. Der sechste Zionistenkongress neigt seinem Ende zu, und uns überkommt in diesem Augenblicke eine Stimmung ähnlich derjenigen, welche die jüdische Seele empfindet an dem Ausgang unseres heiligsten Tages, des Jörn Kippur. Auch hier hat die jüdische Seele einen heissen Kampf mit sich selbst zu bestehen gehabt; hier hat sie mit sich selbst schwer und schmerzlich gekämpft und gerungen; aber auch hier hat sie dann unter der weisen und liebevollen Leitung unserer verehrten Führer sich hindurchgerungen zur Versöhnung der Gegensätze, zu friedvollem Hofifen und zu freudigem Erwarten. Ja, meine verehrten Kongressmitglieder, die Woche, auf die wir zurückblicken, war eine Woche, deren welthistorische Bedeutung von niemand wird verkannt werden können, die vielleicht einer der wichtigsten, einer der glücklichsten Wendepunkte in der Geschichte unseres Volkes bildet. In der Tat; führen wir uns nur noch kurz einmal die Bedeutung der Arbeit der vergangenen Woche vor Augen, führen wir uns noch einmal die Bedeutung vor Augen, des Anerbietens des mächtigen britischen Volkes an unser jüdisches Volk. Auch im Mittelalter, meine Verehrten, haben Fürsten und Staaten mitunter einzelnen Juden oder Judengruppen * das Anerbieten gemacht, bei ihnen sich niederzulassen, aber lediglich zu dem Zwecke, dass sie für Fürsten und Staaten die Kastanien aus dem Feuer holen und sich dabei die Finger gründlich verbrennen. Nach dem bekannten Schwammsystem benützte man den Juden blos dazu, um die Bevölkerung auszubeuten und dann ihn selbst, wenn er gründlich ausgepresst war, dem Hasse und der Verfolgung des Pöbels preiszugeben. Ganz anders, meine verehrten Kongressmitglieder, ist das, was uns die englische Regierung, was das mächtige, grossmütige britische Volk uns anbietet. Es ist eine freie Heimstätte auf autonomer Basis, wo das jüdische Volk nach alter Väter Sitte auf nationaler Grundlage sich soll ausleben können. Ein solches Anerbieten, verehrter Kongress, ist dem jüdischen Volke noch nie gemacht worden, und doch hat das jüdische Volk sich stets nach einer freien Heimat innigst und brennend gesehnt. Eine Sage, die in jeder jüdischen Gemeinde bekannt ist, veranschaulicht am besten diese Sehnsucht der jüdischen Seele. Sie wissen alle, dass nach alter Vorstellung weit hinter finstern Bergen ein freies jüdisches Volk gelebt hat unter einem eigenen Oberhaupte, und es war die Sehnsucht jedes Kindes und Greises, einmal dieses Volk mit eigenen Augen zu schauen. Aber ach, es war nur eine Fata Morgana, ein Spiegelbild des eigenen inneren Jammers, eine Luftspiegelung, wie sie dem verdurstenden Wanderer erscheint. (Unruhe, Schlussrufe.) Präsident Dr. Herzl. Ich muss leider, so sehr ich mit ihren Ausfuhrungen einverstanden bin, Sie auf den nahe bevorstehenden Einbruch unserer Sabbathruhe aufmerksam machen. Bitte, zu kürzen. Margulies. Ich schliesse, der Einladung unseres verehrten Präsidenten folgend, mit der Versicherung, dass der ganze Kongress, ja die ganze Judenheit heute zu Englands König und zu Englands Regierung mit tief empfundenem Danke emporschaut, deshalb mit tief empfundenem Danke, weil es das erste Mal ist, dass uns eine freie Heimstätte aus reiner Menschenliebe angeboten wurde, nicht aus eigensüchtigem Interesse. Ueberall, wo Judenherzen schlagen, wird der Ruf erschallen : »Heil, dreimal Heil, Heil dem britischen Volk.« (Lebhafter Beifall.) Präs. Dr. Herzl giebt noch einige geschäftliche Mitteilungen und fährt dann fort: Werter Kongress! Sie wissen, welche Grenze wir unsern Beratungen setzen müssen. Die Ruhe schwebt schon über uns, und erlauben Sie mir, als der Ordner in unserer Versammlung Sie zu bitten, diese Ruhe auch nach Schluss des Kongresses eintreten zu lassen. Der VI. Zionistenkongress, der sich in Basel versammelt hat, war in mancher Beziehung merkwürdig. Wir haben Erfreuliches und auch Schweres durchgemacht. Zum Erfreulichen rechne ich vor allen Dingen den Willkommgruss, den der 6. Kongress zum erstenmal von der jüdischen Gemeinde in Basel erhalten hat. Es war ein schwerer, aber lassen Sie es mich sagen, auch ein grosser Kongress, nicht nur durch die Zahl der Teilnehmer, sondern auch durch die Gestaltung unserer Verhandlungen. Man hat auf eine eigentümliche

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