Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 7 (30.8.1903)
- Article
- Freitag-Nachmittagssitzung
- Date
- 1903-08-30
- Page
- 10 (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 10 „Die Welt" Separat-Ausgabe. No. 7 Dr. Marmorek: Sie haben wohl eine Liste übergeben, aber erstens zu spät und zweitens hat der Permanenzausschuss beschlossen, keine Rücksicht darauf zu nehmen. für England: Co wen, Greenberg, Moser und Montefiore. Angenommen. für die Vereinigten Staaten von Nord- Amerika: Professor Gottheil-New- York, J. de Haas- New-York, Zolotkof, Horwitsch, Mayer. Angenommen. für Kanada: Mr. Clarence de Sola, angenommen. für Südafrika: S. Goldreich, Ing. Kessler. (Zwischenruf: Und für Ostafrika, Heiterkeit); für Russland: Dr. Bruck, Dr. Bernstein, Dr. Belkowski, J. Goldberg, Wilna, Rabbiner Dr. Jelsky, J. Jasinowski, Dr. W. Jakobsohn, Max Mandelstamm, Ing. Temkin, Dr. E. W. TschlenofT, Ing. M. Ussischkin, Rabbiner Rabbinowitsch, Scheinkin, ferner als Ersatzmänner: Dr. Sapir, Slatopolski und Rabbiner Reines. Dr. Nemirowski spricht für Einzelabstimmung. Das Landeskomitee hat Herrn Rosenbaum mit 127 Stimmen vorgeschlagen, während Herr Rabbiner Reines nur 17 Stimmen auf sich vereinigte. Mit Unrecht hat der Permanenzausschuss unsern Vorschlag nicht angenommen. Dr. Marmorek: Der Permanenzausschuss hat von seinem Recht Gebrauch gemacht und in der Liste der russischen Landsmannschaft diesen Namen abgeändert. Dr. S y r k i n : Es handelt sich um folgendes: Nach den bisherigen Gebräuchen reicht jede Landsmannschaft dem Permanenzausschuss die innerhalb der betreffenden Landsmannschaften vollzogene Wahlliste ein und daran hat sich der Permanenzausschuss zu halten. Nun hat der Permanenzausschuss in Bezug auf die russische Landsmannschaft eine willkürliche Methode des Wahlmodus eingeführt und einen Herrn vorgeschlagen, der innerhalb der Landsmannschaft 16 Stimmen erhielt gegenüber einem andern Herrn, der 127 Stimmen erhielt. Das ist entschieden ein falsches Verfahren. Meiner Ansicht nach ist hier folgender einzige Ausweg möglich : die Normierung des Permanenzausschusses betreffend den Herrn, der nur 16 Stimmen erhalten hat, ist als nichtig zu erklären und dafür den Herrn, der 127 Stimmen auf sich vereinigte, auf die Liste zu setzen. Dr. Marmorek: §23 unserer Statuten präzisiert diesen Wahlmodus. Der Permanenzausschuss hatte das Recht zu dieser Aenderung. Wenn das nicht so wäre, dann wäre die Rolle des Permanenzausschusses nichtig. Die Herren von der russischen Landsmannschaft, welche so sehr darauf bestehen, dass ihre Liste nicht angetastet wird, sind immer die ersten, die die Liste anderer kritisieren. Proteste: Herr Dr. Löwe ruft: Wir Deutsche hätten es auch so gemacht, wir lassen unsere Liste auch nicht antasten. Dr. Max Nordau: Ich werde über die einzelnen Namen abstimmen. (Tumultöser Lärm.) Präsident D r- Herzl. Soweit ich sehe, handelt es sich um folgende Punkte. Es wird dem Kongress ein Wahlvorschlag gemacht vom Permanenzausschuss und einer von der russischen Landsmannschaft. Wir haben bisher die Gepflogenheit gehabt, die Vorschläge von Landsmannschaften beeinflussen zu lassen, und ich werde, um diese tumultuarische Abstimmung abzukürzen, einfach versuchen, beide zum Worte zu lassen, sowohl die Landsmannschaften wie den Permanenzausschuss. Ich glaube, das ist ausgleichend. Der Kongress wird dann entscheiden, welchen Vorschlag er aeeeptieren will, den Vorschlag für Russland von den russischen Landsmannschaften oder den Vorschlag vom Permanenzausschuss für alle Landsmannschaften (Lärm). Ich kann nicht annehmen, dass irgend jemand hier im Saale ein Interesse daran hat, einen Misston in den nahe bevorstehenden Schluss unseres Kongresses hinein zu bringen. Warten Sie ab, ob das, was ich tun will, eine unbillige Sache ist, bevor Sie protestieren. (Ruf aus der Versammlung: Das Vorgehen des Permanenzausschusses ist eine Majorisierung der russischen Landsmannschaften.) Präsident Dr. Herzl. Sie wissen nicht, was ich tun will. Warten Sie. Da es sich um eine Sache handelt, welche den innern russischen Organisationen, einem Bedürfnis unserer russischen Gesinnungsgenossen zu entsprechen hat, so werde ich, um jeden Schein zu vermeiden, als wollte man Sie irgendwie vergewaltigen, zuerst den Vorschlag der russischen Landsmannschaft zur Abstimmung bringen, und bitte Sie, eine Person zu nennen, die dazu berechtigt ist. (Rufe: Temkin.) Temkin (spricht russisch). Kohan Bernstein teilt mit, dass der Vorschlag gemacht ist, ob 13 oder 15 A. C.-Mitglieder für Russland gewählt werden sollen. Präsident Dr. Herzl. Ich werde zuerst die Vorfrage zur Abstimmung bringen, ob 13 oder 15 A.C.¬ Mitglieder für Russland gewählt werden sollen. (Wird übersetzt.) Es wird zuerst über Beibehaltung der Zahl 18 abgestimmt. (Geschieht. Angenommen, Beifall, Lärm.) Jetzt werden wir den russischen Antrag zur Abstimmung bringen, wobei die nichtrussischen Kongressmitgliecler bemerken wTollen, dass es ihnen anheim gegeben ist, ob sie im Hinblick auf die vorgerückte Stunde eine längere und vielleicht bewegte Abstimmung über diese Sache noch vornehmen, oder ob sie in diesem Jahre im Hinblicke auf die Umstände die Russen berücksichtigen wollen. Die für diesen Vorschlag sind, wollen die Hand erheben. (Geschieht.) Der Vorschlag der russischen Landsmannschaft ist angenommen. (Lebhafter Beifall.) Dr. Alex. Mar m 0 r e k. Der Permanenz-Ausschuss schlägt Ihnen als Ersatzmänner vor: Dr. Sapir, Scheinkin, Slatopolski und Reines. (Rufe: Nein, Lärm.) (Herr Temkin nennt andere Namen.) Dr. A. M a r m 0 r e k. Ich bitte ums Wort. Im Namen des Permanenz-Ausschusses schliesse ich mich dem Antrage aus Russland an und schlage vor: Sapir, Rechtsanwalt Rosenbaum und Slatopolski. (Zustimmung.) In das engere A. C. habe ich die Ehre, Ihnen vorzuschlagen die Herren: Dr. Theodor Herzl (Hoch, hoch! Erheben von den Sitzen, nicht enden wollender Beifall) *, Dr. Leopold Kahn ] Dr. O. Kokesch; Johann Kremenetzki; Architekt Oskar Marmorek. Ich habe vergessen: der Permanenz-Ausschuss erlaubt sich auch, für die skandinavischen Länder ein Mitglied für das grosse A. C. vorzuschlagen, nämlich Herrn Dr. Frankel in Kopenhagen. Ich bitte um die en bloc Annahme dieser Wahl. Präsident Dr. Herzl. Es wird en bloc Annahme beantragt. (Ein Ruf: Ich bin dagegen.) Dr. A. M armore k. Wir werden Einzelabstimmung vornehmen, nachdem eine Stimme sich gegen die en bloc Annahme geltend gemacht hat. Die Wahl aller Vorgeschlagenen wird unter lebhaftem Beifall bestätigt. Präsident Dr. Herzl. Ich erteile das Wort