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Die Welt · 1903-08-30 · 7 (30.8.1903) · p. 8

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
7 (30.8.1903)
Article
Freitag-Nachmittagssitzung
Date
1903-08-30
Page
8 (sequence 4)
Language
German
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Seite 8 „Die Welt" Separat-Ausgabe. No. 7 Institutionen bezüglich ihrer Geldgebahrung durch die Kongressrevisoren zu revidieren. Falls die betreffende Institution ablehnt, sich dieser Revision zu unterwerfen, so hat das Aktionskomitee dies zu veröffentlichen." Es ist zu verschiedenen Malen in letzter Zeit passiert, dass sich Organisationen bildeten, die von jedermann für zionistisch gehalten wurden und denen man Gelder in grösserem Betrage gab. Wir tragen für die Geldgebahrung dieser Anstalten eine schwere Verantwortung vor der 0Öffentlichkeit und sind verpflichtet, dafür zu sorgen, dass sie in ihrer Kassenführung tadellos sind. Wenn die Organisationen nun ablehnen, sich revidieren zu lassen? Wir haben geschwankt, ob wir ins Statut setzen sollten, dass diese Organisationen dann in der „Welt" als nicht zionistische bekannt zu geben seien. Wir haben aber gefürchtet, dass das zur Ketzerriecherei Anlass geben könnte; denn der Begriff zionistisch ist dehnbar. Und da wir niemand vergewaltigen wollen, haben wir lediglich beigefügt, dass das A. C. dann verpflichtet ist, den nackten Sachverhalt anzugeben: Diese oder jene Institution hat sich der Revision durch die Kongressrevisoren nicht unterworfen. Jedermann wird sich dann entscheiden können, ob er weiter geben will, und wir sind der Verantwortung ledig. Betreffs des Kongressgerichtes haben wir gesetzt: „Es besteht aus 3 Mitgliedern und 2 Ersatzmännern". Als weiterer Zusatz ist auf vielfachen Wunsch aus zionistischen Kreisen beigefügt worden, dass das Kongressgericht, das bis dahin lediglich bei Korporationsstreitigkeiten zuständig war, auf Ansuchen beider Parteien auch Streitigkeiten zwischen einzelnen Personen schlichten könne. Wir haben lange geschwankt, ob wir nicht dem A. C. diese Befugnisse geben wollten, haben es aber nicht getan, um dem A. C. den möglichen Vorwurf zu ersparen, es benutze diese Befugnis, um unangenehme Dinge zu ersticken. Ich bitte Sie, die vorgeschlagenen Aenderungen anzunehmen (Beifall). Dr. Nossig möchte, dass nicht mehr solche Referate verlesen würden, über die man nicht mehr diskutieren könne, sondern dass über die verlesenen Referate von Zangwill und Sokolow debattiert werde. Dr. Bodenheimer antwortet, dass er in der gestrigen Nachtsitzung nach der Abstimmung über die Anträge der Nationalfondskommission die Debatte über die Referate eröffnet habe. Dr. Nossig sei nicht zugegen gewesen. Die Debatte sei dann auf Beschluss des Kongresses geschlossen worden. Dr. Nossig konstatiert, dass ihm das Wort verweigert werde. Präsident Dr. Herzl: Sie konstatieren etwas Unrichtiges. Ich habe Ihnen das Wort zur Geschäftsordnung gegeben, und Sie haben die Verhandlungen so wenig gekannt, dass Sie nicht wussten, dass dieser Punkt bereits vorgekommen war. Im übrigen erinnere ich Sie daran, dass Sie mir einen Zettel heraufgeschickt haben, in welchem Sie mir vorschlugen, Ihnen das Wort erst zu geben, wenn die Neinsager wieder im Lokal seien. Da ich, Ihrem Wunsch entsprechend, Ihnen das Wort nicht geben konnte, als hiefür Platz gewesen wäre, hat einfach die Tagesordnung ihren Lauf genommen. Wir haben keine Spezialtagesordnung für Sie. Dr. Nossig. Ich gestatte mir, dem Herrn Präsidenten in Erinnerung zu bringen, dass er mir öffentlich erklärt hat, die Debatte über das Zangwill-Referat werde sofort nach dem Referate Sokolows stattfinden. Präsident Dr. Herzl. Ich habe den Kongress befragt, welche Debatte er fortzuführen wünsche; es steht im Protokoll, dass ich nicht eigenmächtig verfahren bin. (Dr. Nossig spricht gegen den Präsidenten) Wenn Sie im Saale waren, hatten Sie Gelegenheit in diesem Augenblick, sowie jetzt, zu sagen, Sie wünschten, dass darüber gesprochen werde. Und so wie jetzt, hätte ich Ihnen in diesem Augenblicke das Wort gegeben. Dr. Nossig: Herr Präsident, ich wollte Ihnen entgegenkommen .... (Heiterkeit) Präsident Dr. Herzl: Ich bedaure, Herr Dr.Nossig, dass ich den ersten Augenblick Ihres Entgegenkommens versäumt habe (Beifall). Ich will Ihnen aber — ich bin nicht der Herr dieser Debatte; ich bin nur der Verwalter, der Ordnungmacher, der Hammer, der hölzerne —, wenn die Versammlung es erlaubt . . . (Rufe: Nein, nein!) und ich erlaube mir es zu befürworten. Ich bitte Sie, Dr. Nossig das Wort zu geben (Nein! Nein!) oder schränken Sie den Redner ein auf 10 Minuten (Nein! Nein!) Dr. Nossig: Dann verzichte ich auf das Wort. (Lebhafter Beifall, Bravo!) Kremenetzki: Es dürfte Ihnen bekanntworden sein, dass die Generalversammlung der jüdischen Kolonialbank beschlossen hat, für das abgelaufene Jahr eine Dividende von ca. 2 % zu bezahlen. In Anbetracht dessen, dass die meisten unserer Aktionäre nur Aktien zu einem Pfund und die Behebung dieser kleinen Dividende an Porto mehr ausmachen dürfte als die Dividende selbst, erlaube ich mir, Ihnen im Namen des A.C. einen Vorschlag zu machen: Das A. C. stellt den Antrag, der Kongress möge beschliessen, es sei den Zionisten, welche Aktionäre der jüdischen Kolonialbank sind, zu empfehlen, die in der Generalversammlung dieser Bank beschlossene Dividende dem A. C. zu dem Zwecke zur Verfügung zu stellen, um die Kosten der El-Arisch-Kommission und der Palästina-Kommission zu decken und zwar mögen die Coupons durch die Vereine gesammelt und dem A.C. eingesandt werden. (Nein! Nein!) Dr. Kahn: Ich habe die Ehre, dem Kongresse mitzuteilen, dass unser Gesinnungsgenosse, der Künstler E. M. Lilien, aus einem gewonnenen Rechtsstreit mit Zionisten einen Betrag von 300 Kronen anerkannt bekommen hat und davon 240 Kronen dem jüdischen Nationalfonds vermacht hat, den weiteren Betrag von 60 Kronen als gewesener Neinsager für die Ostafrikakommission. Rabbiner Reines (Jargon) gibt die Anregung zum Laubhüttenfest, die Ethrogim nicht mehr aus den griechischen Plätzen, sondern aus Palästina zu beziehen. Auch in diesem Jahre steht dem kein Hindernis entgegen. Wer dies verweigere, missachte die religiösen Gesetze. Dr. Nordau: Eine Eingabe, von zahlreichen Kongressdelegierten unterschrieben, beantragt, dass der Kongress beschliesse, die Nationalbibliothek in Jerusalem mit 2000 Fr. zu unterstützen. (Bravo!) Ferner möge jeder zionistische Verein jährlich der Nationalbibliothek in Jerusalem mindestens 3 Rubel übermachen. (Grosser Beifall.) Das A. C. erklärt sich mit beiden Teilen des Antrages einverstanden. (Grosser Beifall.) Es wird dann eine Anzahl von Begrüssungsdepeschen teils wörtlich, teils nur der Ort ihrer Herkunft verlesen. Dr. Nordau verliest sodann einen von 20 Kongressmitgliedern unterschriebenen Antrag: Wir stellen den Antrag, dass die Redaktion der „Welt" von einem vom Kongress gewählten Aufsichtsrat geleitet wird. Dr. Werner: Ich erlaube mir, Ihnen mitzuteilen, class dieser Antrag deshalb gegenstandslos ist, weil dies bereits der Fall war. Zwei Mitglieder des Wiener A. C. bilden einen beständigen Beirat, dem ich aus freiem Willen wichtigere Stücke vorlege. Wenn der Kongress meint, dass ich in dieser Hinsicht zu wenig tue, so geht

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