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Die Welt · 1903-08-30 · 7 (30.8.1903) · p. 5

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
7 (30.8.1903)
Article
Donnerstag-Nachtsitzung
Date
1903-08-30
Page
5 (sequence 5)
Language
German
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No. 7 Separat-Ausgabe. „DielWelt" Seite 5 sein, sondern wir sollen auch der Privatinitiative freien Lauf lassen. Trietsch schlägt uns die industriellen Kolonisationen vor. JTun könnte eine solche Kolonisation wohl Waren produzieren, aber mangels guter Handelsbeziehungen; tüchtiger Arbeiter etc., nicht den nötigen Absatz finden. Ueberhaupt geht der ganze Plan des Herrn Trietsch auf eine Meine Organisation aus, während Herr Oppenheimer eine grosse Kolonisation im Auge hat. Der Fehler bei Herrn Oppenheimer besteht darin, dass er die ganze Kolonisation zu einem Versuchskaninchen machen will. Auerbach - Bern : Einmal liegt es Herrn Oppenheim er in seinem Referat deutlich daran, uns zu zeigen, wie man unter abnormalen Umständen auf einen Punkt hinschaffen kann, und ein Gemeinwesen im Grossen zu errichten vermag. Es kam ihm darauf an, zu zeigen, wie er aus einem Volk von Händlern ein bodenfestes Volk machen wolle und wie man ein altes, degeneriertes Volk neu beleben kann. Das wird Herr Trietsch mit einer industriellen Kolonisation nie erreichen. Wenn Herr Trietsch so gütig wäre und uns auf El Arisch Trinkwaser verschaffen könnte, so wären wir ihm dankbar, aber wenn das Trinkwasser nicht vorhanden ist, wäre es traurig um die Sache. Herr Dr. Pasmanik meint, dass der Fehler des Oppenheimerschen Referates darin bestehe, dass er unser Volk zu einem Versuchskaninchen machen will. Die Grundzüge des Planes sind aber meiner Ansicht nach dazu angepasst, uns das Zutrauen einzuflössen, dass eine auf solcher Grundlage aufgeführte Ansiedelung so fest ist, als die nach der alten Methode. Ich glaube, dass Dr. Oppenheimer gezeigt hat, der Privatinitiative solle in der Ansiedelung kein Abbruch geschehen und wenn Dr. Pasmanik verlangt, dass die Förderung der Privatinitiative die Hauptsache ist, so hat Dr. Oppenheimer genügend betont, dass auch dieser genügend Raum gegeben ist. Ich will nicht weiter auf die Hauptgrundzüge des Oppenheimerschen Planes eingehen. Ich glaube, dass es notwendig war, einem Opponenten, der diese grosen Züge ganz vernachlässigt hat, darauf hinzuweisen, dass das keine Opposition gegen die Ausführungen von der Bedeutung und Tragweite war, wie sie Oppenheimer brachte. Fritz Sontheimer: (Stimme: Ich habe den Antrag gestellt, die Redezeit zu verkürzen. Präsident Dr. Bodenheime r: Her Sontheimer ist der letzte. Deshalb ist die Abstimmung über diesen Punkt überflüssig. Ich muss mein Bedauern darüber ausdrücken, dass wir diese wichtigste Frage oder eine der wichtigsten im Kongress vor einer so schwachen Besetzung besprechen, wie sie im deutschen Reichstage zu sein pflegt. Fritz S o n t h e im e r: Dr. Oppenheimer glaubt, dass wir die Kolonisation in Palästina, beginnen müssen mit einer Agrarkolonisation, Herr Trietsch sagt, mit einer industriellen. Ich meine, dass die Wahrheit in der Mitte liegt. Man muss .mit Agrarkolonisation beginnen schon aus dem Grunde, weil Industrie in dem Lande nicht gut möglich ist, wo Landwirtschaft zu wenig vertreten ist. Anderseits ist auch für mit Landwirtschaft notwendig ein industrieller Betrieb, damit die Landwirtschaft sicheren Absatz findet. Das erste und wichtigste ist immer die Landwirtschaft. Ich möchte also empfehlen, dass man die Landwirtschaft beginnen soll, aber möglichst bald mit der industriellen Entwickelung nachkommen soll. Dann bin ich der Ansicht, dass man imbedingt an dem Genossenschaftsbetrieb festhalten muss und Privatbetrieb unter keiner Bedingung zulassen darf; wenn da die Menschen nicht gleich sind, wird sich der eine seinen Privatbetrieb zu Ungunsten des andern ausdehnen. Die Genossenschaft bietet ja in vieler Beziehung die grössten Vorteile und gerade in einem Lande, das neu erschlossen wird. Es ist dann weiter zu sehen, dass das einzelne Mitglied der Genossenschaft einen möglichst kleinen Kreis zu bewirtschaften bekommt. Ich halte viel mehr von intensiver als extensiver Natur. Privatbetrieb muss aufhören; nur Genossenschaftsbetrieb darf sein. Präsident Dr. Bodenheime r: Da sich keine Redner mehr gemeldet haben, schliesse ich die Debatte über diesen Punkt. Trietsch: Ich wollte einiges richtig stellen, worin man mich missverstanden hat. Ich habe mich deshalb nicht gegen die grossen Prinzipien Oppenheimers gewehrt, weil ich dafür bin. Pür unseren speziellen Fall habe ich die industrielle Kolonisation vorgezogen. Ich sagte: man kann industriell beginnen. Ich habe nie gesagt, dass El Arisch gutes Land sei. Auerbach: „Gigantische Erfolge" haben Sie gesagt. Trietsch: Ich bin nicht befangen in einer El Arisch-Idee. AVenn Sie die Entwickelung meiner Dinge verfolgt hätten, würden Sie wissen, dass ich auch schon für Cypern eingetreten bin und andere Orte. Es ist eingewendet worden..... Präsident Dr. Bodenheimer: Das sind doch alles keine tatsächlichen Berichtigungen! Trietsch: Ich wollte nur dafür sorgen, dass ich nicht missverstanclen würde. Man hat das Herzliche „Altneuland" rühmend hervorgehoben. Auerbach: Nicht ich, sondern Dr. Oppenheimer. Dr. W einer: Herr Trietsch, Sie haben Herrn Auerbach missverstanden. Herr Auerbach hat gesagt, dass Dr. Herzl in „Altneuland" ganz in Oppenheimerschem Sinne die Einrichtungen erstehen lässt. Es handelt sich ihm also nicht darum, über die mehr oder minder grosse praktische Durchführung der Reform Altneulands zu sprechen. Trietsch: Das ist etwas anderes. Dann habe ich nichts weiter zu bemerken. Es werden noch einige geschäftliche Mitteilungen gemacht. Schluss der Sitzung 1 Uhr 10 Minuten. Freitag-Nachmittagssitzung. Beginn der Sitzung: 4 Uhr. Präsident Hr. Dr. Herzl (bei seinem Eintreten mit Beifall begrüsst): Ich werde, da der Permanenzausschuss mit seinem Wahlvorschlag noch nicht fertig ist, zuerst über die Organisation sprechen lassen. Ich teile noch mit, dass die österreichische Landsmannschaft den VI. Kongress ins goldene Buch hat eintragen lassen. (Beifall.) Dr. Priedemann: Der Organisationsausschuss hat sich nicht für befugt gehalten, knapp vor Schluss des Kongresses viele und durchgreifendeAenderungen des Organisationsstatuts vorzunehmen, ist aber der Meinung gewesen, dass man unbedingt in späterer Zeit eine gründliche Revision vornehmen muss. Wir haben uns auf einige Hauptpunkte beschränkt. An den ersten neun Paragraphen ist nichts geändert worden. In § 10 wurde „die Arbeit des Kongresses"

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