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Die Welt · 1903-08-29 · 6 (29.8.1903) · p. 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
6 (29.8.1903)
Article
Donnerstag-Vormittagssitzung
Date
1903-08-29
Page
4 (sequence 3)
Language
German
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Seite 4 „Die Welt" Separat-Ausgabe. No. 6 Programm erblicken, die eine ernste Gefahr für die weitere Entwicklung unserer Bewegung bedeutet. Präsident Dr. fl erzl: Hr. Dr. Levin, das entspricht nicht ganz dem Text, den Sie mir vorwiesen . . . (Dr. Levin überreicht dein Präsidenten das Schriftstück.) Wie Sie wissen, Hr. Dr. Levin, habe ich dem Wunsche der Minorität von gestern gerne entsprochen, diesen unliebsamen Zwischenfall in einer der Würde des Kongresses und den Interessen unserer Bewegung entsprechenden Weise auszumerzen. Wir haben darüber — die Vertreter der Minorität und ich — .eine Konferenz gehabt* Bei dieser Gelegenheit habe ich gesagt, dass ich eine Erklärung, wenn sie bedeutet, dass eine Abweichung vom Baseler Programm vorliege, nicht vorübergehen lassen kann, ohne zu erklären, dass der Kongress selbst interpretiert, was er im Sinne des Baseler Programms für richtig hält, was nicht. In einer Versammlung wie der unsrigen entscheidet die Majorität. Wenn in einer Abstimmung 295 Delegierte mit Ja gestimmt und damit erklärt haben, dass dieser Antrag durchaus im Rahmen des Basler Programms ist, kann ich nicht zugeben, dass eine Minorität von Delegierten, die um circa 120 Stimmen weniger zählt als die Majorität, erklärt, dass das eine Abweichung vom Programme ist. (Beifall.) Es tut mir leid, dass Sie mich zu dieser Berichtigung veranlasst haben, um so mehr als ich — ich glaube das im Namen der Majorität sagen zu dürfen — mit Vergnügen zur Kenntnis nehme, dass Sie die loyale Erklärung * abgegeben haben, dass Ihr Austritt gestern, wenn er auch von einzelnen zur Demonstration benutzt worden ist (Widerspruch), eine Demonstrationsabsicht nicht hatte. (Beifall.) Und jetzt, Hr. Dr. Levin, haben Sie, soviel ich verstehe, daran einige Anträge zu knüpfen, zu deren Verlesung ich Ihnen jetzt das Wort gebe. Dr. Levin: Wir beantragen: 1. Die Kosten der Ostafrika-Expedition dürfen auch nicht aus den Schekelgeldern bestritten werden. 2. Die Zusammensetzung und Ausrüstung der Expedition, wie auch die Entsendung derselben wird dem grossen A. C, das speziell zu diesem Zweck vorher einberufen werden muss, überlassen. Auch zur Entgegennahme des Berichtes der obengenannten Expedition über das Gebiet in Ostafrika wie auch zur Beschlussfassung in betr. der Einberufung eines neuen A. C. muss das grosse A. C. zusammentreten. Im Namen von 178 Delegierten des VI. Zionisten-Kongresses. (Beifall.) Präsident Dr. Herzl. Ich erkläre im Namen des A. C, dass es den Zusatzantrag 1. annimmt. (Beifall.) Es wird zu den Aufgaben des engeren A. 0. gehören, für die Deckung dieser Kosten innerhalb der Grenzen, die Sie uns gezogen haben, zu sorgen. Ueber den zweiten Antrag will ich mich zunächst nicht äussern, weil ich die vorliegende Passung erst dem A. C. vorlegen muss. Ich werde Sie rechtzeitig davon verständigen, wann dieser Antrag zur Abstimmung kommt. — Es wird sodann Zusatzantrag 1. angenommen. — Präsident Dr. Herzl teilt mit, class bereits zwei Delegierte je 500 Fr. für die Expedition nach Ostafrika gespendet haben, und verliest hierauf folgende Depesche von Ussischkin: „Die Repräsentanten des jüdischen Volkes aus Erez Israel, die sich heute in Sichron Jacob versammelt haben, begrüssen die Repräsentanten des ganzen jüdischen Volkes, die sich heute in Basel versammelt haben und wünschen, dass ihre Beratungen zum Wohl und zur Grösse der jüdischen Nation in Altneuland führen sollen." (Grosser Beifall.) Darauf schlägt der Präsident folgende Antwort vor: „Der Zionistenkongress dankt den bereits im Lan d Israel angesiedelten Brüdern für ihren Gruss /und hofft wie er es wünscht, dass sie nicht mehr lange vereinzelt bleiben werden in ihrer Arbeit der Wiederbelebung des geheiligten Bodens unserer Väter." (Beifall.) Dr. Färbst-ein: Gestatten Sie mir, Ihnen im Namen der Nationalfondskommission Bericht zu erstatten. Gemäss dem Organisationsstatute hätte Ihnen eigentlich ein schriftlicher Bericht vorgelegt werden sollen. Aber die letzte Sitzung der Nationalfondskommission fand erst am 22. August 1903 abends statt. So war es unmöglich. Dagegen werde ich zwei Berichte zirkulieren lassen, die seiner Zeit dem kleinen Kongresse erstattet worden sind. Der letzte Kongress hat am 30. Dezember 1901 beschlossen, eine Kommission einzusetzen, die gemeinsam mit dem Aktionskomitee die Legalisierung des Nationalfonds durchberaten und vorbereiten sollte. Die gewählte Kommission bestand aus den Herren Dr. Bodenheimer-Köln, Rosenbaum-Minsk, Dr. J. W. Marmorek- Wien, Dr. Bentwich, Dr. Ravenna, Dr.A.Marmorek-Paris, Prof. Gottheil-New-York, Kahn-Paris und Dr. Farbstein- Zürich. Ihre erste Aufgabe war, sich zu konstituieren. Diese Konstitution hat viel Zeit in Anspruch genommen: erst am 25. April wurde ein Präsident ernannt in Person des Sprechers. Tätig gewesen sind in unserer Kommission die Herren Dr. Bodenheimer, Rosenbaum, Gottheil und Ravenna. Herr Bentwich Hess sich am Anfang entschuldigen, weil er die Verhältnisse nicht kenne, Herr Kahn - Paris mit Rücksicht auf seine Unkenntnis der deutschen Sprache, Herr Di\ J. W. Marmorek, weil er unwohl war. Die Kommission musste einen Entwurf ausarbeiten und hier hat das Aktionskomitee den Sprecher sowie den Baseler Herrn Dr. Kern, um ein Gutachten über die Form des Nationalfonds befragt. Der Bericht des Herrn Dr. Kern lautete dahin, dass nach Schweizerrecht die Form der Genossenschaft gewählt werden müsse. Ich will nicht auf juristische Details eingehen; es genügt, mitzuteilen, dass ich am 14. März 1902 einen Entwurf ausgearbeitet und an sämtliche Mitglieder der Nationalfondskommission und des grossen A. 0. versandt habe. Es nahmen Stellung dazu die Herren Kahn, Dr. Kornhäuser, Rosenbaum, Jasinowski, Dr. Tschlenow, Losinsky, Ussischkin, Joel Weil, Rabbiner Rabino witsch, Pineles, Ravenna, Vogelsohn, Dr. Bodenheimer, Goldberg. Von den übrigen Mitgliedern wurde keine Antwort gegeben; sie haben sich auch an den Debatten nicht beteiligt. Ende Juli hat das Aktionskomitee zu dem Entwürfe Stellung genommen und einen modifizierten Entwurf vorgelegt. Daraufhin fand am 28. Oktober 1902 eine Sitzung der Nationalfondskommission statt, an der anwesend waren: die Herren Rosenbaum, Mar morek, Bentwich und der Sprechende; ausserdem die von der Kommission kooptierten Herren. Man konnte sich über die juristische Form nicht einigen. Ein Antrag Rosenbaum-Jasinowski gieng dahin : Man solle nicht nur den Nationalfonds allein legalisieren, sondern die gesamte zionistische Organisation. Die andern Mitglieder nahmen den Standpunkt ein, class es unmöglich sei, den gesamten Kongress zu legalisieren mit Rücksicht auf bestimmte Länder, wie: Russland, Rumänien, wo zionistische Vereine, nicht legalisiert werden konnten, und natürlich auch die Gesamtorganisation nicht. Herr Prof. Mandel stamm hatte eine Konferenz einiger russischer Juristen veranlasst, welche erklärten, es sei ein Ding der Unmöglichkeit. Mr. Bentwich hatte einen anderen Plan: Wir wollen den Nationalfonds als Anhängsel der jüdischen

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