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Die Welt · 1903-08-27 · 4 (27.8.1903) · p. 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
4 (27.8.1903)
Article
Dienstag-Nachmittagssitzung
Date
1903-08-27
Page
9 (sequence 7)
Language
German
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No. 4 Separat-Ausgabe. „Die Welt" Seite 9 Es sind noch 112 Redner auf der Liste eingetragen. (Heiterkeit), Es wird Schluss der Debatte beschlossen und ein vorliegender Antrag auf je fünf Generalredner angenommen. Herr Lilien bekommt das Wort zur Geschäftsordnung. E. M. Lilien, Ich habe mich vor Eintritt der Abstimmung wiederholt lang und stürmisch zum Worte gemeldet und es erst jetzt erhalten, und es bleibt mir nichts anderes übrig, nach der Abstimmung dankend zu verzichten. Präsident Dr. Herzl. Es ist nicht üblich, nachdem eine Abstimmung eingeleitet ist, das Wort zu ergreifen, ich habe Ihnen dennoch das Wort erteilt Lilien. Ich wiederhole, dass ich vor Einleitung der Abstimmung mich zum Worte gemeldet habe, die Herren werden es mir bestätigen. Dr. Herzl. Ich bitte keinen Zwischenfall hervorzurufen. In dem Augenblicke, wo ich Sie bemerkt habe, habe ich die Abstimmung eingeleitet. Es hat sich Herr Dr. Nossig zur Geschäftsordnung gemeldet.. Dr. Nossig. Ich möchte an das Präsidium die Frage richten, ob die Absicht vorliegt, diese zehn Generalredner noch heute nacht sprechen zu lassen oder erst morgen? Dann würde ich den Antrag stellen, dass man heute nur die Generalredner wählt, aber sie erst morgen reden lässt, weil eine müde Stimmung im Kongress herrscht. Dr. Herzl. Das Wort zur Geschäftsordnung hat Herr Dr. H. Loewe. Dr. Heinrich Loewe. Ich wollte nur um eines bitten. Ich habe mich in die Liste eintragen lassen, die für die Einsetzung einer Kommission sprechen soll. Im Laufe der Diskussion hat sich meine Ansicht geändert, so dass ich bitten muss, meinen Namen auf die andere Liste zu setzen. Vorsitzender D. Wolffsohn, Es liegt der Antrag Nossig vor, ob die Generalredner heute abend zu wählen sind oder die Diskussion erst morgen früh fortzusetzen ist. (Abstimmung: Antrag Nossig wird abgelehnt. Beifall). Es wird die Liste der eingetragenen Redner verlesen. Die Redner pro und contra sammeln sich zur Wahl ihrer Generalredner. Zur Geschäftsordnung erhält das Wort Potlischewsky, der wünscht, dass die Abstimmung erst am folgenden Tag stattfinde. Die Sitzung wird 10.20 unterbrochen. 11 Uhr: Wiederaufnahme der Sitzung. Vorsitzender: Architekt Marmorek. Rabbiner Reines aus Lida: Von derselben Tribüne, von der aus man unserem Lande einen Gruss geschickt hat, spricht man nun von Afrika. An unser Land sind wir gebunden, das auf uns wartet. Jedoch da man unserem Volke einmal Hoffnung auf materielle Hilfe gemacht hat, muss man diese jetzt durchaus suchen. Unsere Delegierten sind entlassen worden mit Thränen in den Augen, mit Thränen der Hoffnung. Was werden wir jetzt antworten, wenn wir keine Hilfe bringen werden? Unser Volk leidet Hunger. Die Sache nicht einmal einer Kommission zu überlassen ist eine Sünde. Jeder Delegierte, der heimkommt, soll Versammlungen machen, und soll den Willen des Volkes schriftlich dem A. C. mitteilen. Die Redezeit wird auf 15 Minuten festgesetzt. Rabbiner Borischan sky: Mit Gegnern des Palästina-Planes haben wir schön zu tun gehabt, aber nicht mit Gregnern von Afrika. Delegierte können ihren Auftrag nicht ändern. Herzl, der von allen geliebt ist, ist es, weil er uns zu arbeiten gab und arbeitete da, wo unser Wille lag. Wir haben seit ewig nur e i n Heim vorzuweisen. Anderswo, auch bei den Kusari, ist aus einem Judenstaat nichts geworden. Man sagt, von Afrika aus werden wir nach Zion noch wollen. Wer hat den Zionismus erweckt? Unsere Leidenden. Aus einem Ort, wo es uns gut geht, gibt es keinen Zionismus mehr. Sollen wir wünschen, dass es uns in Afrika schlecht gehen soll? Damit wir dann noch Zionismus haben? Afrika hat gar keine Werbekraft für uns. Wir bringen drei Tage mit nichts zu. Auch wir Russen verstehen etwas. Nicht die Sprache ist die Hauptsache, sondern was darin ist. Ohne Afrika, mit Erez Jisroel müssen wir nach Hause zurückkehren. (Stürmischer Beifall.) Präsident Dr. Rod e n h c i m e r teilt mit, dass eine Abstimmung heute nicht stattfinden kann, da das A. C. sich doch im Anschluss an die Generalredner äussern muss, Herr Dr. Herzl aber jetzt unwohl ist. (Rufe: Schluss der Sitzung.) Dr. Syrkin. Wir stehen vor einer ernsten Frage, vor der Frage, in welchen Bahnen unsere zionistische Bewegung für die nächste Zeit laufen soll. Ich werde versuchen, die Gründe für die Einsetzung einer Kommission und die Gründe, die dagegen ausgesprochen worden sind, darzulegen. Folgende Gründe sind angeführt worden gegen die Einsetzung einer Kommission: Erstens haben die Gegner mit ihren zionistischen Gefühlen und Stimmungen operiert. Ich kann begreifen, dass diese Gefühle und Stimmungen aus dem Herzen kommen, dass dieser Roman tizismus eine tiefe Begründung in der Seele eines jeden Zionisten hat. Aber vor einer sachlichen Frage sind sie meines Erachtens wenig am Platze. Der zweite Einwand ist, dass wir kein Recht haben, uns mit dieser Angelegenheit überhaupt zu befassen, und der dritte, dass in dem Augenblick, wo wir eine jüdische Autonomie, welche doch die Folge dieser Einsetzung einer Kommission sein sollte — nach der Ansicht dieser Herren — in Ostafrika haben, an Palästina niemand mehr denken wird. Nun müssen wir doch bedenken, dass nicht Verrat an Zion uns dazu veranlasst, unsere Aufmerksamkeit einem anderen Land zuzuwenden, sondern ein Bedürfnis, das in den jüdischen Massen reif geworden ist, das Bedürfnis nach der Regulierung der Emigration. Tun Sie das nicht, so entsteht ein kolossaler Verlust für die nationale Sache. Alljährlich verlieren wir Tausende und Abertausende nach allen Windrichtungen. Und das allein ist es noch nicht, sondern mit jedem Jahre wird die Lage der Emigration kritischer. Die Immigrationsländer verschliessen ihre Grenzen Da wir Zionisten uns als einzige Vertreter der jüdischen Nation fühlen, und es auch wirklich sind, so ist es doch in erster Reihe unsere Sache, auf dieses Bedürfnis zu reagieren. Ich antworte Ihnen also mit dem Gegenteil: Wir haben kein Recht, unsern Wählern gegenüber diese Frage ohne weiteres abzulehnen. (Beifall.) Wenn es auch wahr ist, dass wir kein Mandat haben in dieser Richtung, müssen wir uns doch auf einen sachlichen Standpunkt stellen und uns sagen: Alles, was von dieser Tribüne herunter geboten wird, um irgend etwas Positives im Judentum zu schaffen, ist unsere verdammte Pflicht und Schuldigkeit, zu prüfen. (Beifall.) Die Frage ist jetzt bereits in die Oeffentlichkeit gekommen. Sie wird Gefühle wecken, Stimmung machen für sich selbst. Es ist die Frage, ob sich nicht andere Leute dieser Sache bemächtigen. Soll die Ica oder irgend eine andere philanthropische Körperschaft die Initiative ergreifen? Das ist politisch falsch gedacht. Wo bleibt unser politisches Selbstbewnsstsein, wo unsere zionistische Zuversicht? Sollen wir eine derartige Sache

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