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Die Welt · 1903-08-27 · 4 (27.8.1903) · p. 2

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
4 (27.8.1903)
Article
Vormittagssitzung
Date
1903-08-27
Page
2 (sequence 1)
Language
German
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Seite 2 „Die Welt" Separat-Ausgabe. No. 4 Vormittagssitzung. Dienstag, 25. August 1903. Das Bureau wird mit Beifall begrüsst. Der Präsident eröffnet 10 Uhr die Sitzung. Dr. Bernstein: Namens des Legitimationsausschusses habe ich folgendes mitzuteilen: Wir haben unser Mandat, die Prüfung der Rechtmässigkeit der zum 6. Kongress vorgenommenen Wahlen, in mehreren Sitzungen erledigt und wir stellen fest, dass die Wahlen im Grossen und Ganzen ordimngsmässig verlaufen sind. Von 1079 Delegierten, die gewählt wurden, sind bis heute Morgen 592 hier erschienen, deren Wahl wir geprüft und richtig befunden haben. Es liefen einige Proteste ein, denen nicht stattgegeben wurde. Zu erwähnen ist, dass die vom Centralcomitee einer südrussischen Stadt bestrittene Wahl als gültig anerkannt werden konnte. Es haben sich jedoch im Laufe unserer Arbeiten einige Fragen betreffend die Befugnisse der Landsmannschaftsorganisationen sowie der Schekelzahler in Wahlangelegenheiten gezeigt, die eine präzisere Abfassung des Organisationsstatuts wünschenswert erscheinen lassen. Der Legitimationsausschuss beabsichtigt darum, dem Organisationscomitee diesbezügliche Anträge zu unterbreiten behufs Erzielung grösserer Regelmässigkeit und zur Verhütung von Misserfolgen und unnötigen Reibungen. Im allgemeinen lässt sich der lobenswerte Fortschritt konstatieren, der in der Ausfertigung der Wahlprotokolle und in deren Bestätigung durch die Landsmannschaftsorganisation stattgefunden hat. Wir müssen jedoch zwei sehr wichtige Übelstände vermerken, auf die wir die ganz besondere Aufmerksamkeit des Kongresses zu lenken wünschen. Es muss gerügt werden, dass die Wahlprotokolle, mit Ausnahme gerade der kleinsten Landsmannschaften, keine Schekelzahlerlisten aufwiesen und ferner, dass der rechtzeitige Termin zur Einsendung nicht eingehalten worden ist. Der 17. Paragraph des Organisationsstatuts lautet: Jedes Landescomitee führt eine eigene Liste seiner Schekelzahler, die es ebenso wie die Namen der gewählten Delegierten dem A.-C. wenigstens 4 Wochen vor jedem Kongress mitzuteilen hat. Wir betonen daher, dass diese beiden Bedingungen in Zukunft mit grosser Pünktlichkeit eingehalten werden sollten, da sonst eine erschöpfende und unparteiische Prüfung der einzelnen Mandate nicht erzielt werden kann. Wortsmann fragt den Legitimationsausschuss wegen der Anerkennung einer Wahl in Russland an. Der Bericht des Legitimationsausschusses wird genehmigt. Präsident Dr. Herzl: Zum Schluss der gestrigen Sitzung haben zwei Delegierte aus Amerika eine Anfrage an mich gerichtet, die ich zuerst dem grossen A.-C. vorgelegt habe. Das grosse A.-C. ist zu folgender Entschliessung gekommen: Wir halten es aus verschiedenen Gründen, die Ihnen, den Delegierten zumeist bekannt sind, nicht für angemessen, die in unserm Besitze befindlichen Dokumente zum Zwecke einer Diskussion in den Kongress zu bringen. Dennoch will das A.-C. innerhalb solcher Grenzen, die keine Schädlichkeit für unsere Bewegung bedeuten, dem Kongress noch während seiner Tagung Gelegenheit geben, die wichtigsten dieser Dokumente kennen zu lernen. Es hat Hr. Prof. Gottheil, der eine amerikanische Delegierte, sich nach den Grundlagen meiner Erklärungen über die Haltung der russischen Regierung erkundigt. Der andere amerikanische Delegierte, Herr Sulzberger, hat auch die Vorlage der britischen Dokumente verlangt. Das A.-C. hat beschlossen, die Dokumente, welche sich auf unsere Verhandlungen mit der englischen Regierung beziehen, zunächst nur der Kommission zu übergeben, wrelche für die ostafrikanische Frage vom Kongresse eingesetzt werden wird und darüber eine Debatte im Kongress nicht zuzulassen. (Beifall.) Das russische Dokument aber, welches eine Regierungserklärung ist, in dem offiziellen Organ unserer Bewegung, in der „Welt", heute früh zu veröffentlichen. Das ist geschehen und ich werde auch eine Debatte darüber nicht zulassen (Beifall). Präsident Dr. Herzl antwortet auf eine Frage des Herrn Bentwich. Mr. Bentwich fragt, wem die Dokumente übergeben werden, wenn keine Kommission für Ostafrika eingesetzt wird. Zunächst haben wir aus den verschiedenen Landsmannschaften Kunde bekommen, dass man für die Einsetzung einer Kommission ist (Zustimmung); sollte der Kongress das aber nicht beschliessen, so wird vor uns die Frage liegen, ob wir nicht eine Kommission wrählen, der wir die Dokumente zeigen. Dr. Bodenheimer verliest eine Auswahl von Begrüssungsdepeschen aus rMontreal,Johannesburg,Jaffa Buenos-Ayres, Riga, Zions City, Chicago („Zionsritter"), Philadelphia, Cleveland, Pittsburg, Jaffa,Tiflis, Johannesburg, Klerksdorp(Südafrika), New-York („Vereinigte Zionisten"), NishnijNowgorod, Kaifa, Cincinnati,Louisville, eine andere aus L o u i s - ville, Baltimore, New-York, Haifa (Ussischkin), Perm, Zandvoort, Pribram (Böhmen), aus einer Reihe von Gemeinden in Österreich — in Pilsen wurde Samstags für den Kongress im Tempel gebetet —, San Francisco. Tsehlenoff teilt mit, dass die Gemeinde inMirgorod Herrn Dr. Herzl in das goldene Buch eingetragen habe. Isr. Zangwill (mit lebhaftem Beifall begrüsst), spricht englisch über Zionismus und Wohltätigkeitsanstalten. (Siehe gestrige Nummer.) Dr. Nordau übersetzt obige Rede ins Deutsche. Zangwill war während seiner Rede der Mittelpunkt rauschender Ovationen. Vorsitzender Dr. Herzl. Es wird gewünscht, die Rede unseres Freundes Zangwill auch ins Russische zu übersetzen; aber ich glaube nicht, dass die kurze Zeit unseres Kongresses dazu ausreicht. Es wird jedoch zweifellos auch in kürzester Zeit die russische Uebersetzung im Druck erscheinen. Zur Geschäftsordnung hat sich gemeldet Herr Dr. Nossig. D r. N o s s i g. Ist es gestattet zu der Frage : »Zionismus und Wohltätigkeitsanstalten» das Wort zu ergreifen? Dr. Herzl. Gewiss, es wird eine Diskussion darüber geführt werden, aber nicht jetzt. Auch Herr Dr. Sokolow kann jetzt sein Referat nicht halten. Ich mache nur eine Ausnahme für Herrn Dr. Elias aus Mülhausen, der seit längerer Zeit angemeldet ist und wieder verreisen muss. Dr. Nossig. Wird das Referat von Herrn Oppenheimer stattfinden? Dr. Herzl. Morgen hoffe ich, es anberaumen zu können. Ich erteile jetzt das Wort Herrn Dr. Elias. D r. E1 i a s. Ich möchte an die Mitteilungen anknüpfen, die unser verehrter Führer, Herr Dr. Herzl gestern gemacht hat. Die Ica soll erklärt haben, dass sie bereit ist, in einer noch zu bestimmenden Weise mit uns zu wirken. Ich glaube nicht, dass wir jemals oder bis auf weiteres mit den jetzigen Leitern der Ica ein gemeinsames Programm zur Hebung der Judennot entwerfen können; denn unsere Anschauungen differieren zu sehr. Nach ihrer Ueberzeugung haben wir zu viel, nach unserer sie zu wenig nationale Attribute. Wir sind auch über die Mittel nicht einig, um dieselben zu heben. Sie sehen die Lösung der Judenfrage in der Assimilation, in der Aufgabe unserer nationalen Eigentümlichkeit, wir in der Regeneration, auf nationaler Grundlage der Pflichten und Hebung aller Eigenschaften, die uns zu einem Volke stempeln. Unsere Politik ist eine nationale, die ihre eine internationale. Der von uns eingeschlagene Weg ist gangbar, ob er zum Ziele führen wird, darüber wird die Zukunft entscheiden; über ihre Hoffaungen und Wege ist entschieden. Ein Volk darf nicht die Hoffnung auf eigene Zukunft aufgeben, wie ein einzelnes Individuum hat es Pflichten gegen sich selbst. Die Assimilation ist aus Gründen der Völkermoral zu verurteilen; sie ist auch unmöglich; denn den Beweis dafür hat die Ica selbst geliefert und die Alliance. Philanthropische Gesellschaften haben alles getan, um die Assimilation durchzusetzen; aber alle Mittel haben bis jetzt ein Resu tat nicht gezeitigt. Sie haben sich auf den Standpunkt gestellt, dass ein Volk in Moleküle aufgelöst werden kann, wie eine tote Substanz. Aber ein Volk besteht aus lebenden Wesen, aus Wesen, die denken, die eine Tradition und ein Ideal haben, und möge dies Volk in noch so kleine Gruppen aufgelöst sein, nie wird es sich unter solchen Bedingungen, wie die Ica es will, assimilieren können. Es war der Ica und Alliance möglich, Emigrationen aus Russland und Rumänien anzuregen. Sie haben neben den alten Ghettis, neue an dem Strand der Themse und in Amerika gegründet. Sie haben erklärt, dass das alte Ghetto sich entvölkern wird, dass dort, wo die Juden im Uebermasse wohnen, die Zahl der Juden abnehme. Wenn auch 20, 30, bis 40,000 Juden aus Russland auswandern, so nimmt doch von Jahr zu

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