Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- [Sonder-Ausgabe] (24.8.1903)
- Article
- Delegierten-Tag der deutschen Zionisten
- Date
- 1903-08-24
- Page
- 6 (sequence 3)
- Language
- German
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Seite G „Die Welt" Separat-A-usgabe. No. 1 die Vertiefung des Zionismus. Es existieren dort auch Kurse für Palästina-Kunde. Dr. Klee meinte, was in Schlesien geschehen sei, gehe von Berlin aus. Das mag für die Gründung stimmen, aber nicht für die Erhaltung. Da könnte Breslau mitwirken. Warum solle man in diesem Falle von der wünschenswerten Dezentralisation absehen? Dr. Friedemann: Wenn Breslau arbeiten will, so muss es nicht warten, bis es zum Distriktsbureau (.'mannt worden ist. Im Uebrigen waren in Breslau im Jahre 1901 91 Schekelzabler, 1903 aber 200, da man doch 2 Delegierte zum Kongress schicken wollte. In Breslau habe man keine Gewähr, class im Sinne der Organisation gearbeitet werden würde. Nur um einer gewissen Richtung Nachdruck zu geben, wolle man dort ein Bureau. Die Herren mögen aufrichtig sein und das doch deutlich sagen. Es liegt kein Anlass vor, Breslau zum Distriktsbureau zu ernennen. Dr. Hantke, Berlin: Es ist durchaus nicht an der Zeit, jetzt wieder eine Neueinteilung vorzunehmen. Redner bittet, wenigstens noch ein Jahr zu warten und erst die Neuorganisation sich einleben zu lassen. Die Arbeitsgruppen dürfen nicht von Monat zu Monat einem neuen Bureau zugeteilt werden. In Deutschland kann nur gearbeitet werden, wenn die Organisation gefestigt ist. In Breslau hat man immer die Ordnung gestört. Er beantragt, sämtliche Resolutionen, die auf eine Abänderung der Organisation hinzielen, abzulehnen. Dr. B e r n f e 1 d stellt den Antrag auf Schluss der Debatte. Dr. Loewe bestreitet die Berechtigung Bernfelds, Anträge zu stellen, da er nicht Delegierter sei. Dr. S i in o n s o n nimmt den Antrag Bernfeld auf. Es werden zwei Generalredner gewählt: T riet seh pro und Dr. G r o n e m a n n contra. T r i e t s c h : Die Kongresse beleben die Tätigkeit ausserordentlich. Es sei daher kein Wunder, class im Kongressjahre die Schekelzabler ausserordentlich zugenommen haben. Er fragt, ob man den Zionismus in Deutschland vollständig uniformieren und eine freiheitliche Regung gar nicht aufkommen lassen wolle. Was den Mangel an geeigneten Personen anbelangt, so sei ein solcher nicht vorhanden. So oppositionell wie Breslau seien auch andere G-ruppen, z. B. Mannheim, das ja eine Resolution zu gunsten der Orient-Kolonisations-Gesellschaft angenommen habe. Redner stellt noch den Antrag, es möge eine Neuorganisation geschaffen werden, die alle Studentengruppen aus Russland umfassen solle. Dr. Grone in a n n , Hannover: Es besteht tatsächlich in Schlesien ein Bedürfnis nach einem Distriktsbureau, die Distrikte seien tatsächlich zu gross, aber neue Distrikte könne man nur dann schaffen, wenn geeignete Leute vorhanden sind, das Berliner Distriktsbureau habe das aber in Bezug auf Breslau negiert. Die Distriktsbureaux seien ja nur Geschäftseinrichtungen und müssen daher uniform sein, jeder in einem solchen Bureau habe sich als Beamter zu fühlen. Ein uniformierter Zionismus sei insofern ganz gut, als alle Zionisten einig sein müssen, wenn es sich um Parteisachen handle, dagegen sei Breslau aber als Opposition ausserordentlich gut, da man eine gesunde Opposition doch auch haben müsse.; als Beamte aber seien Oppositionelle doch nicht brauchbar. Der Antrag auf Schaffung eines Distriktsbureaux für Schlesien mit dem Vorort Breslau wurde hiernach abgelehnt. Damit schliesst die Vormittagssitziing gegen 21',2 Uhr. Die Nachmittagssitzimg wurde um 4 Uhr eröffnet. Der Präsident Dr. B o d e n h e i m e r verliest ein Telegramm, das an Seine Majestät den deutschen Kaiser geschickt werden solle. Der Vorschlag wurde von der Versammlung mit lebhaftem Beifall aufgenommen. In den Vorstand der Landsmannschaft während des Kongresses werden gewählt die Herren Dr. Klee als Vorsitzender und Dr. Gronemann als stellvertretender Vorsitzender. Während des Kongresses solle ein ständiges Informationsbureau für die Delegierten und die Presse vorhanden sein. Für den Permanenzausschuss werden gewählt W o 1 f fsöhn, Köln, Moses, Mannheim, Friedemann, Berlin und Hantke, Berlin. Darauf ergreift Dr. Moses aus Mannheim das Wort zu einem Referat über Organisation und Propaganda. Referent legt in ausführlicher Weise klar, nach welcher Richtung das Organisationsstatut, das man auf dem letzten Mannheimer Delegierten-Tag geschaffen habe, verbesserungsbedürftig sei. Die agitatorische Tätigkeit müsse nach einem besonderen Plane geregelt werden, da die Agitatoren, die nach einem Distrikte berufen werden und nicht gleichzeitig in einem benachbarten Orte agitieren, doch einen bedeutenden unnötigen Kostenaufwand verursachen, Gleichzeitig führt Referent darüber Klage, dass die Ortsgruppen zwar die Verpflichtung zur Bezahlung der Reisespesen übernehmen, dieser Verpflichtung aber nur sehr mangelhaft nachkommen. Das resultiere wohl daher, dass häufig Agitatoren verlangt werden, bevor man im Besitze der für die Agitation nötigen Mittel sei. Referent schlägt verschiedene Abänderungen der Statuten vor, darunter eine Abänderung des § 4, die dahin geht, dass vor dem Kongress ein ausserordentlicher Delegierten-Tag einberufen werden solle. Die einzelnen Vereine in der Provinz sollten darauf sehen, dass sie immer Fühlung mit der Lokalpresse haben. Ausserdem soll ein Kalender für die auf dem Lande wohnenden Juden angefertigt werden. Redner schliesst mit dem Wunsche, dass wir uns alle freudig der selbst geschaffenen und selbst gewählten Organisation unterordnen möchten, in der Hoffnung, dadurch einen wichtigen Baustein zu dem Gebäude zu liefern, in dem das jüdische Volk sich einzurichten im Begriffe steht. (Beifall.) Die Wahlen ins Zentralkomitee ergaben: als Präsident Dr. Bodenheimer, Köln; Dr. Klee, Dr. Hantke, Dr. Zlocisti, Berlin, Wolffsokn, Köln, Dr. Moses, Mannheim, Gust. Wo 1 ff; Köln, Dr. Gronemann, Hannover, Ing. Pohl, Strassburg, Dr. Elias, Mülhausen, Dr. Friedemann, Berlin, Dr. Kaufmann, Freiburg i. B., Dr. Frank, Altona, Dr. Hoppe, Königsberg und Dr. Adler, Lübeck. Hierauf erstattete Dr. Hantke den Bericht über das Parteiorgan „Die jüdische Rundschau". Dr. Loewe bringt als Redakteur verschiedene Wünsche vor, insbesondere den Wunsch, dass jeder der anwesenden Delegierten die „Rundschau" nach Kräften durch Beiträge unterstützen möge.- Nur so werde es möglich sein, die „Rundschau" zu dem zu machen, was sie eigentlich sein sollte. - Nachdem noch einige Delegierte verschiedene Wünsche bezüglich des Parteiorgans ausgesprochen hatten, schreitet der Präsident Dr. Bodenheimer zur Beantwortung einer Interpellation Becker, in welcher angefragt wurde, warum das Zentralkomitee der zionistischen Vereinigung für Deutschland in so schroffer Weise gegen die Orient-Kolonisationsgesellschaft Stellung genommen habe.