Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1903-08-24 · [Sonder-Ausgabe] (24.8.1903) · p. 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
[Sonder-Ausgabe] (24.8.1903)
Article
Delegierten-Tag der deutschen Zionisten
Date
1903-08-24
Page
5 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3315709-3316013-3316015-3336396--42845-3336425
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

No. 1 Separat-Ausgabe. „Die Welt" Seite 5 Hierauf erstattet Gustav Wolf, Köln, den Tätigkeits- und Kassabericht. Die Kassa schliesst mit einem Saldo von Mk. 980. — ab. Dieser üeberschuss sei hauptsächlich darauf zurückzuführen, dass man vom Wiener Aktionskomitee die Erlaubnis erhalten habe, 25% der Schekelgelder zurückzubehalten. Im Uebrigen seien die Einnahmen der Centrale zurückgegangen, da die Einrichtung der Dezentralisation grosse Kosten verursacht hätte. Bei der Schekelzahlung seien diesmal ausserordentlich günstige Erfolge erzielt worden. Berlin, Hannover und andere Distrikte hätten besonders viel zu diesem Erfolge beigetragen. Vielleicht wird man dazu kommen, noch mehr Distriktsbureau einzurichten. Dr. Hantke, Berlin, erstattet den Bericht über das Berliner Distriktsbureau. In diesem Distrikte seien 18 Ortsgruppen und ungefähr ebenso viele Vertrauensmänner vorhanden. Der Landesbeitrag betrug Mk. 725, ungefähr die Hälfte der gesammelten Schekelgelder. In Danzig und Stettin seien neue Ortsgruppen gegründet worden, desgleichen in der Provinz Posen, Schönlanke und Filene. In Oberschlesien sei bedauerlicherweise ein Rückgang der alten Ortsgruppe Kattowitz zu verzeichnen, dagegen seien in andern Orten Oberschlesiens neue Ortsgruppen entstanden, auch habe die Breslauer Vereinigung jetzt 200 Schekelzahler. Der Broschüren vertrieb werde von Berlin aus eifrig in Gang erhalten; so seien von der Friedemann sehen Broschüre schon 4000 Stück abgesetzt worden, die Agitation sei seit dem Ankauf der „Jüdischen Rundschau" bedeutend verstärkt worden. Durch das Parteiorgan wurde auch für den Nationalfond gesammelt. Man sieht daraus, dass sich möglichst alle Vereine und Landsmannschaften ins goldene Buch eintragen lassen. Für das Mannheimer Distriktsbureau erstattet S imon den Bericht. Im Ganzen seien 18 Gruppen vorhanden mit zirka 1400 Schekelzahlern gegen 370 von früher. In Geilingen sind 50% der Juden Mitglieder der Ortsgruppen, darunter 3 Mitglieder der Landessynode. In den Landstädten habe man überraschende Erfolge erzielt, so dass man mit der Agitation im allgemeinen recht gut zufrieden sein könne. Dasselbe lasse sich von der innern Arbeit sagen. Das Mannheimer Distriktsbureau sei zugleich Centrale für die Shares- Klubs. Dr. Grone mann, Hannover: Im Distrikt Hannover haben die Zionisten grössere Schwierigkeiten vorgefunden als in Distrikten, wo noch keine Zionisten vorhanden waren, da das Interesse am Zionismus teilweise neu angefacht werden musste. Mit der Ortsgruppe Hamburg konnte eine Einigung nicht zu Stande kommen. Im LTebrigen funktioniere die Organisation gut, so dass man auch hier eine Verdoppelung der Schekelzahler konstatieren könne. Doch zeigte sich auch hier, dass es viel schwerer ist Gruppen zu erhalten, als Gruppen zu bilden, deshalb sei die Schaffung eines Arbeitsplanes für die neugegründeten Gruppen dringend notwendig. Auch in Hannover habe man Shares-Klubs gegründet. Die Anzahl der Schekelzahler ist in der Provinz Hannover von 189 auf 358 gestiegen. Piccar d, Strassburg, konstatiert auch in diesem Distrikte Fortschritte, doch sei eine Unterstützung durch Agitationsredner dringend notwendig. Dr. Bodenheim er erstattet Bericht über die Rheinlande und Westphalen. Das Kölner Centraikomitee war mit Arbeit überlastet, so dass es die Agitation in der Provinz nicht übernehmen konnte. Daher sah man sich genötigt, die Leitung des Distriktskomitees in Köln an Herrn Di\ Edelstein in Bonn abzugeben, von wo aus recht viel Arbeit geleistet wurde. Besonders gut wurde durch Dr. Klee in Duisburg agitiert, wo eine Ortsgruppe gegründet wurde. Auch in Düsseldorf und Mülheim sind neue Ortsgruppen gegründet worden. Gustav G. Cohen, Hamburg, bedauert, dass man die Instruktionen in Hamburg nicht befolgen konnte. Diese Instruktionen waren jedoch für die Hamburger Verhältnisse durchaus unangebracht. Dr. S o n d h e i m e r , Frankfurt, fragt an. warum Sammelbüchsen nicht vom Centraikomitee ausgegeben worden sind. Dr. Bodenheim er teilt mit, dass der Preis für die Herstellung auch einer grossem Anzahl ein so grosser gewesen sei, dass eine Yerbilligung für die einzelnen Ortsgruppen dabei nicht herausgekommen wäre. Dr. Bernfeld weist darauf hin, dass in den grossen Städten viel zu wenig Rücksicht auf die untern Klassen genommen werde : die Masse des Volkes müsse unter allen Umständen herangezogen werden. Weiterhin befürwortet er eine regere Propaganda unter den Rabbinern. Dr. Adler, Lübeck, meint, dass die Sammlung nicht öffentlich, sondern in den Häusern selbst aufgestellt werden sollten, Dr. L o e w e bittet hierüber keinen Beschluss zu fassen, da eine Kontrolle bei dieser Art der Sammelbüchsen nicht möglich sei. Becker, Breslau, meint, class man die Sammelbüchsen ohne Schlüssel in die Häuser schicken könne. Oppenlieimer, Würzburg: Wir in Würzburg haben bei der Agitation die Erfahrung gemacht, dass noch jeder Agitator gut gesprochen hat, aber dass eine gewisse Wiederholung sich bemerkbar gemacht hat. Es sollten doch die verschiedenen Fragen des Zionismus behandelt werden. Die Frage des Arbeitsplanes müsse viel eingehender beraten werden. Simon, Mannheim, stellt den Antrag, dass ein fünf- bis siebengliedriger Ausschuss eingesetzt werde, der einen genauen Arbeitsplan ausarbeiten solle. Davis T r i e t s c h, Berlin : Die Dezentralisation habe, wie zu erwarten war, gute Erfolge gezeitigt. Er habe sich eines Auftrages der Breslauer Zionisten-Vcreinigung zu entledigen, der dahin lautet, Breslau ebenfalls zum Vorort eines schlesischen Distrikts zu machen. Dr. Bodenheimer bemerkt, dass die Einteilung der Distrikte dem Zentralkomite überlassen worden sei und daher nicht Sache des Delegiertentages sein könne. Das Zentralkomitee habe zu entscheiden. Er unterbreitet jedoch die Frage der Versammlung zur Genehmigung. Die Erörterung dieser Angelegenheit wurde mit 18 gegen 11 Stimmen angenommen. Dr. Klee spricht entschieden gegen den Antrag Trietsch und bittet, den Antrag vom technisch-organisatorischen Standpunkte aus abzulehnen. Nur dort sei ein Zentrum zu schaffen, wo sich eine Ortsgruppe schon organisatorisch bewährt habe. Breslau habe bis jetzt noch keine einzige Gruppe geschaffen, sogar die Gruppen in Oberschlesien seien von Berlinern geschaffen worden. Auch weiss man nicht, ob die Ortsgruppen in Oberschlesien mit der Schaffung des Breslauer Zentrums einverstanden sind. Breslau habe sogar bewiesen, dass es der Organisation mindestens nicht genützt habe. Sondheimer: Breslau hat viel junge Kräfte, die aus Mangel an Arbeitsgelegenheit nicht wirken können. Wenn man diesen Männern Arbeit geben wird, werden sie arbeiten. Man solle Breslau nur das Bureau geben, dann werde es schon arbeiten. Trietsch: Auch andere Bureaus haben früher nichts geleistet. Die Breslauer Ortsgruppe ist von 80 Schekelzahlern auf 200 gestiegen. Breslau arbeitet für

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.