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Die Welt · 1903-08-21 · 34 (21.8.1903) · p. 33

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
34 (21.8.1903)
Article
Die Rede Dr. Max Nordaus
Date
1903-08-21
Page
33 (sequence 2)
Language
German
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mühungen zur jüdischen Besiedelung Palästinas zu fördern. Das ist nun die diplomatische Lage, vor der die zionistische Bewegung steht. Vier Mächte, mit die grössten, die sich in die Herrschaft über den Erdball teilen, haben, wenn nicht für das jüdische Volk, doch für den Zionismus freundliche Gesinnungen geäussert. S. M. der deütscheKaiser hat unserer Bewegung bei ihrem Ursprung sein Wohlwollen ausgedrückt. Die Britische Regierung ist bereit, ihre Sympatie in Begleitung von köstlichen Imponderabilien in einer sehr greifbaren und praktischen Form, in Form einer Land Verleihung zu betätigen. Die Russische Regierung hat ihre Bereitwilligkeit ausgesprochen, unsere Pläne, soweit sie die jüdische Besiedelung Palästinas betreffen, zu fördern. Die Vereinigten Staaten von Nord-Amerika haben in der letzten Zeit zwei diplomatische Schritte getan, welche die Hoffnung rechtfertigen, dass wir uns in einem gegebenen Augenblicke nicht vergebens an ihre Sympatien wenden würden. Der vierte Punkt des Basler Programms, an dessen granitener Fügung die Nörgler und Nager sich die Zähne ausbrechen werden spricht in seinem notwendigen und gewollten Lakonismus, der kein breitspuriges Eingehen auf Einzelheiten und keine Entwicklung der darin elliptisch ausgedrückten Gedanken gestattet, von „Schritten zur Erlangung der Regierungs- Zustimmungen, die nötig sind, um das Ziel des Zionismus zu erreichen". Dieser vierte Absatz hat von jeher das Glück gehabt, von den Widersachern des Zionismus als besonders spitzer Dorn im Auge empfunden zu werden. An diesem vierten Absätze hat sich der Witz unserer Widersacher immer am meisten geübt. „Diese Regierungs-Zustimmungen" wurde uns immer spöttisch wiederholt, „werdet Ihr nie und nimmer erlangen. Der Sultan will und kann Euch Palästina niemals öffnen, denn selbst wenn er dazu geneigt wäre — was ja nie sein wird — würde er auf den Widerspruch Russlands stossen, und Euren schönen Augen zuliebe wird der Sultan sich wohl niemals mit seinem mächtigsten Nachbar überwerfen. Russland aber wird nie und nimmer zugeben, dass der Boden, über den der Fuss des Stifters der christlichen Kirchen hingeschritten ist, jemals jüdisch werde . . . Unsere Kritiker haben wieder einmal die Richtigkeit und Weisheit der englischen Redensart erprobt, class man nicht prophezeihen solle, es wäre denn, manwüsste es! Russland, in dem wir das unüberwindliche Hindernis auf unserem Wege erkennen und fürchten sollten, Russland erklärt uns freundlich, dass es gar nichts gegen die Besitznahme palästinensischen Bodens durch Juden einzuwenden habe. Und nun, geehrte Versammlung, werfen Sie einen Blick auf den Weg, den der Zionismus in nicht ganz siebenjährigem Bestände in seiner gegenwärtigen Form zurückgelegt hat. Nach nicht ganz einjähriger Arbeit hat er diesen Kongress geschaffen, den heute mit Ausnahme einiger verbohrter jüdischer Widersacher niemand mehr in seiner Eigenschaft eines rechtmässigen Vertreters des jüdischen Volkes bestreitet. Alle ernsten Menschen erkennen, dass wir die zu den Akten legitimierten Sachwalter des jüdischen Volkes sind. Seit dieser ersten Tat sind sechs Jahre verflossen. In diesen sechs Jahren haben wir, von allem andern abgesehen, eines getan: wir haben die Welt in aller Form mit der Judenfrage befasst. Die Mitlebenden geben sich nicht oft von der geschichtlichen Bedeutung der Ereignisse Rechenschaft, die sich vor ihren Augen begeben. Die Nachwelt ist in der Regel gerechter; sie kann es sein, denn sie überblickt die Dinge von höher und weiter; die Nachwelt wird zu würdigen wissen, was diese Tatsache bedeutet. Denn bis zum Auftreten des Zionismus wurde der nicht-jüdischen Welt von den Personen, die bis dahin allein: als die amtlichen Vertreter des Judentums anerkannt waren, immer versichert, dass es keine Judenfrage gibt, dass die Juden glücklich und zufrieden sind. Es war, namentlich in den letzten Jahrzehnten, seit der Emanzipation der Juden im Westen, eine eiserne Tradition des amtlichen Judentums geworden, bei jeder Berührung mit Nichtjuden eine lächelnde Optimistenphysiognomie anzunehmen. Die Stellung unseres berühmten „grossen Juden" ist die, dass er sich die Hände reibt, wenn er sie nicht entweder in dem Aermel - Ausschnitt der Weste eingehängt hat oder eben mit ihnen ansehnliche Beträge für öffentliche, in der Regel judenfeindliche, Einrichtungen oder Anstalten auszahlt. Wann immer ein Minister, oder gar ein Staatsoberhaupt, auf Reisen oder bei feierlichen Anlässen die amtlichen Vertreter des Judentums empfing, hörte man dasselbe Lied: „Wir sind glücklich unter Ihrer Regierung, oder unter Ihrer Verwaltung, wir sind tief dankbar für den gnädigen Schutz, den Sie uns angedeihen lassen; wir werden untertänigst bemüht sein, uns Ihrer Huld und Gnade weiter würdig zu machen." Es ist den Regierungen nicht übel zu nehmen, wenn sie mit einem Anschein guten Glaubens den Juden, die sich nun bei ihnen beklagen, erstaunt entgegnen: „Was, Ihr seid nicht zufrieden? , Ihr beklagt Euch? Das ist ja etwas ganz Neues! Eure rechtmässigen Vertreter haben uns immer das Gegenteil versichert!" Ich nehme es als ein grosses Verdienst des Zionismus in Anspruch, class er dieser Zufriedenheits-Heuchelei und Dankbarkeits-Komödie ein Ende gemacht hat. W i r haben zuerst laut und deutlich gesagt: Wir sind nicht zufrieden, wir halten unsere Lage für eine sehr schlechte, wir empfinden unsere Behandlung als eine unwürdige und unverdiente, wir halten eine grundstürzende Aenderung unserer Lage für eine Lebens-Notwendigkeit, nach den demütigenden Erfahrungen, die wir mit den Anähnlichungs versuchen an andere Völker gemacht, haben wir uns auf uns selbst besonnen und wollen uns in unserer Art, in eigenem Recht, auf eigenem Boden ausleben. Wir haben, ich wiederhole es, die Welt in aller Form mit unseren Wünschen befasst, wir haben als ein Volk, dem Unrecht geschieht und das Gerechtigkeit verlangt, zu den Völkern gesprochen, wir sind vor die Regierungen hingetreten und haben, ohne zu verschleiern und ohne um den Brei zu gehen, etwa dieses gesagt: Wir sind ein altes geschichtliches Volk von fast 12 Millionen. Wir halten uns für so gut wie irgend ein anderes Volk auf Erden. Wenn nötig, wollen wir das begründen. Gleichwohl werden wir, von verschwindenden Ausnahmen abgesehen, von Hass oder doch von Abneigung und Misstrauen verfolgt. Hier verweigert man uns ausdrücklich die ursprünglichsten Menschenrechte. Dort gewährt man sie uns auf dem Papier, nimmt sie jedoch in der Praxis grösstenteils wieder zurück. In dieser Lage wollen wir nicht weiter leben. Zur Liebe können wir Niemand zwingen: Gerechtigkeit jedoch dürfen wir fordern, weil wir ein menschliches Antlitz tragen. Es ist aber nicht gerecht, dass man uns als Parias, oder besten Falls als Bürger zweiter Klasse, und überall als widerwillig geduldete, fremde Eindringlinge behandelt. Wir sind keine Parias und wollen uns nicht zu solchen hinabdrücken lassen. Wir wollen in Palästina Bürger erster Klasse mit dem allseitig anerkannten geschichtlichen Rechte von ITreingesessenen sein, und wir bitten die Regierungen, uns zu der Erreichung dieses Zieles behilflich zu sein. Das, ich wiederhole es, mag den Mitlebenden gering scheinen, tatsächlich ist es eine Wendung in der Geschichte des jüdischen Volkes. Wir haben verlangt. So alt die Welt geworden ist, sie hat bisher immer nur erst zwei Methoden gefun-

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