Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1903-08-21 · 34 (21.8.1903) · p. 19

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
34 (21.8.1903)
Article
Ein Verband der hebräischen Schriftsteller
Date
1903-08-21
Page
19 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3315709-3316013-3316055-3336293--42793-3336360
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 34 »Die jfc Welt* Seite 19 nicht durch neue Sammlungen in Anspruch nehmen, weil ihre Freigebigkeit schon ohnehin viel in Anspruch genommen wurde. Doch hab.en sich manche Anwesende freiwillig bereit erklärt, für diese Sache Spenden beizusteuern. Die Kommanditgesellschaft „Karmel" hat 300 Rubel gezeichnet, der Verlag „Achiasaf' 200 Rubel und der Redakteur der „Hazefirah" Herr N. Sokolow hat sein ganzes Honorar, das er von der russischen zionistischen Organisation für seine hebräische Uebersetzung von „Altneuland" zu bekommen hat, dem „Verband" gewidmet. Auf diese Weise glaubte ich wohl annehmen zu dürfen, und hoffe auch jetzt noch, dass der von den Statuten vorausgesetzte Fonds sich wird aufbringen lassen. Jedefalls halte ich einen ausreichenden Geldfonds in der von mir angegebenen beiläufigen Höhe für eine der wesentlichsten Bedingungen des zukünftigen Gedeihens des „Verbandes". Im Projekt ist Warschau als Sitz der „VerbandsVerwaltung" vorbestimmt. Warschau erscheint nämlich für die hebräische Literatur als der Ha*uptbücherrnarkt, so gewissermassen wie es Leipzig für die europäische Literatur ist. In Warschaubefinden sich jetzt und werden wahrscheinlich noch lange die meisten hebräischen Schriftsteller verbleiben. Das Projekt schliesst aber auch keinen anderen Ort, ausser Warschau, aus. So kommt z. B. St. Petersburg ebenfalls in Betracht, falls es nur gelingen sollte, den „Verband" beim Komitee der „Gesellschaft zur Verbreitung der Aufklärung unter den Juden in Russland" zu gründen. Das Haupterfordernis des Projektes ist, den „Verband" zu legalisieren, wodurch ihm schon von vornherein eine feste Dauerhaftigkeit gesichert wäre. Ein wenig eigentümlich wird der vom Projekt empfohlene Modus der Erneuerung der Ausschussmitglieder des „Verbandes" erscheinen. Ein exzentrischer Publizist aus der Mitte der jungen schweizerischen Studenten liess sich nicht zurückhalten, mich aus diesem Anlasse zu beschuldigen, ich wünschte ein Syndikat der hebräischen Verlagsfirmen zu gründen, das sich gegen die hebräischen Literaten richte. So wTurde von ihm der Punkt gedeutet, demzufolge den Verlagsfirmen das Recht verliehen wird, je ein Mitglied in die Verbands Verwaltung zu entsenden. Der Autor dieses eigentümlichen Einwand.es hat ganz übersehen, dass durch sämtliche übrigen Punkte der Statuten jegliche Möglichkeit irgendwelcher Ausbeutung der Verbandsmitglieder zu -wessen Gunsten immer, der Verwaltung genommen wird. Ausserdem muss ich aber gestehen, dass ich über die Rolle der Verwaltungsmitglieder einer sozialen Organisation einer ganz anderen Meinung bin. Diese Rolle besteht meiner Auffassung nach ausschliesslich in der Uebernahme von gewissen Pflichten; verleiht aber gar keine Rechte auf irgend welchen persönlichen materiellen Vorteil. Das Projekt beabsichtigte in dem zu gründenden „Verband" einen solchen Verwaltungsrnodus einzuführen, bei dem der Verleger, d. h. seine aktivsten, aber fluktuierenden Elemente, vom Anfang an an den „Verband" moralisch gebunden wären. Das ist in allgemeinen Strichen der Entwurf der Verbandsstatuten. Ich bat dringend und fahre noch immer fort zu bitten, mir zu diesem Projekte Bemerkungen zu machen. Selbstverständlich ist es, dass der Pleuarversammlung, der Gründerin des „Verbandes" das Recht der detaillierten Ausarbeitung der Statuten vorbehalten bleiben muss. Bis auf den heutigen Tag sind bezüglich des* Projekts keine Einwände von besonderer Wichtigkeit gemacht worden. Allerdings ist ein Streitpunkt von prinzipieller Bedeutung vorhanden. Der „Verband" nimmt nämlich als Mitglieder nur h e b r ä i s c h e Schriftsteller auf, die in der nationalen Sprache schreiben. Viele Anfragen, und Proteste erhielt ich diesbezüglich sowohl persönlich als auch in der Presse. Das Projekt wird des nationalen Chauvinismus beschuldigt ein zu enger Gesichtskreis ihm vorgeworfen. Wenn man will, sind auch diese Beschuldigungen teilweise berechtigt. Ich war gezwungen, mich auf einen solchen Vorschlag zu beschränken* da ich fühlte, dass ich der Aufgabe nicht gewachsen bin, die jüdischen Literaten zu organisieren, die in allen Sprachen schriftstellerisch tätig sind. Hätten wir eine allgemein-jüdische resp. eine allgemeine Volksorganisation oder würde unsere zentrale zionistische Organisation über die nötige Zeit und Mittel verfügen — dann wäre es möglich, einen „Verband" der gesamten jüdischen Schriftstellerschaft zu gründen. Einzelnen Personen, mögen sie noch so erfahren sein, kann es nicht gelingen sich mit Schriftstellern, die, wenn auch jüdischer Herkunft, doch in verschiedenen Sprachen und Dialekten schreiben, ins Einvernehmen zu setzen. Ich habe mir deshalb den kleinen Kreis hebräischer Schriftsteiler herausgegriffen — einen Kreis, von dem nicht bloss das Zentrum, sondern auch viele Radien in Russland gelegen sind. Werden einmal die hebräischen Schriftsteiler in einem „Verband" organisiert sein, so wird damit, glaube ich, auch ein bedeutender, wenn nicht der hauptsächliche Teil einer allgemein-jüdischen Schriftsteilerorganisation durchgeführt sein. Ich will ferner nicht verhehlen, dass mich meine Sympathien ausschliesslich zu den hebräischen. Schriftstellern unserer nationalen Literatur ziehen. Aus manchen Gründen sind die hebräischen Schriftsteller schlechteren Bedingungen unterworfen als ihre Brüder, die in fremden Sprachen schreiben — und schon aus diesem Grunde bedürfen die hebräischen Schriftsteiler eher einer organisierten Selbsthilfe. Das wäre eins. Ausserdem muss man aber auch gestehen, dass das Schicksal derjenigen, die sich der nationalen Literatur gewidmet haben, unser besonders lebhaftes Interesse wecken muss. Ist uns einmal die Wiedergeburt unseres Volkes wirklich am Herzen gelegen, stieben wir sie wirklich an, ist die Idee der Wiedergeburt zum Objekt unserer Sehnsucht geworden — so dürfen wir nicht vergessen, dass auch unsere nationale Sprache wird wiedergeboren werden müssen. Sämtliche Länder der jüdischen Diaspora sind in ihrem Verhalten gegen die Juden unberechenbar und wir können es jetzt absolut nicht wissen, ob unsere Enkel die Sprache verstehen werden, in der wir jetzt sprechen und schreiben. Es ist sehr leicht möglich, dass die Werke unserer zeitgenössischen Denker und Poeten, diese Werke, die uns heutzutage in Entzücken versetzen — dass all diese das Schicksal der jüdischen literarischen Denkmäler der griechisch-alexaudrinischen Epoche, der arabisch-maurischen Periode teilen werden. Ewig und unantastbar wird nur das bleiben, was in der nationalen Sprache, was hebräisch geschrieben wird. Mag man mich deshalb noch so sehr des nationalen Chauvinismus beschuldigen. Kein Trotz soll damit geübt sein, aber in der Arbeit zur Wiedergeburt des gesamten jüdischen Volkes erscheint mir die Wiedergeburt der hebräischen Sprache als ein unumgänglicher Bestandteil. Heute zählt der „Verband" über 80 Mitglieder. Zu Gunsten des Fonds sind einige Hundert Rubel eingelaufen ausser den von einigen Personen bei Gründung des „Verbandes" zugesagten Summen. Uebrigens wird das Schicksal des „Verbandes" endgiltig in Basel an einem der Tage des bevorstehenden VI. Zionisten- Kongresses entschieden werden. Laut Projekt wird die erste Pleuarversammlung der Gründer in Basel stattfinden, was ich noch in den hebräischen Zeitungen ankündigen werde. Mögen die Gründer selbst die Frage entscheiden: ob der Versuch der Gründung eines „Verbandes hebräischer Schriftsteller" weitergeführt oder ob er als ein misslungencr betrachtet werden soll. Hornel. August 1903. The Anglo-Palestine Company, Limited. BEKANNTMACHUNG. Es wird hierdurch bekannt gemacht, dass eine ausserordentliche Generalversammlung obiger Gesellschaft am Freitag den 28. August d. J. nachmittags 2 Uhr im Stadtkasino zu Basel, Schweiz, behufs Besprechung und event. Annahme einer Resolution betreffs Modifizierung oder Aenderung der administrativen Kontrolle der Gesellschaft und für die Erledigung sonstiger Geschäfte stattfinden wird. Und es wird ferner bekannt gemacht, dass, im Falle die vorerwähnte Resolution angenommen wird, eine zweite ausserordentliche Generalversammlung, und zwar im Geschäftsbureau der Gesellschaft in London am Donnerstag den 10. September d. J. nachmittags 2 Uhr, behufs Bestätigung der vorgenannten Resolution stattfinden wird. Im Auftrage des Direktoriums The Anglo-Palestine Company, Ld, S. Neumann Sekretär pro tem. Der sechste Kongress. (23.-28. August.) Sonntag den 23. August, 10 Uhr vormittags, wird der sechste Kongress in Basel eröffnet. * Die Sitzung des grossen Aktions-Komitees findet Donnor.stag den 20. August statt. * Der Leoitiniationsansschuss ist bereits am 17. August zusammengetreten. .

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.