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Die Welt · 1903-08-21 · 34 (21.8.1903) · p. 13

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
34 (21.8.1903)
Article
Statut des "Keren Kajemeth schel Hajehudim"
Date
1903-08-21
Page
13 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 34 „Die & Welt" St-ri 3 sehen Nationaifonds" vorgesehene Schiedsgericht anrufen, das hierüber endgiltig entscheidet. Diese Bestimmung gilt für die Gründershare-Inhaber in ihrer Eigenschaft als Organe der Gesellschaft „Jüdischer Nationaifonds14. Resolution des Kongresses. Der Kongress beschiiesst: „Aenderung des Zweckes des „Jüdischen Nationalfonds" kann nur in zwei Kongressen, von denen der zweite mindestens zwei Jahre nach dem ersten stattgefunden hat, mit Dreiviertel - Majorität der Anwesenden beschlossen werden." Der gegenwärtige Stand der Kolonisation und die loa. Gerade 25 Jahre sind vergangen, seit eine Schar vertriebener Russen zuerst den Euss auf palästinensischen Boden setzte, seit eine kleine Schar armer Händler, Hausierer, Taglölmer, getrieben von der ¥ot und angelockt von der alten, ewig jungen und schönen Volksheimat, in Jaffa den Fuss auf heimatlichen Boden setzte. Die heisse Sommersonne glühte versengend auf die verdorrten Felder und aus dem gewaltigen Sumpfe von Omlebbes stieg gifthauchend ein furchtbares Gespenst — das Schwarzwasserfieber. Getrieben vom Fluche, der seit Jahrhunderten auf dem Lande lag, flog es nachts in die ärmlichen Hütten der Bauern, sah den Schlafenden in das blasse, vergrämte Antlitz und berührte mit der todbringenden Rechte die Stirnen ihrer AYeiber und Kinder. Die Kolonie musste zunächst aufgegeben werden und die Bauern zogen sich in eine gesündere, höher gelegene Gegend zurück. Aber sie bereiteten sich nur zu neuem Kampfe vor. Man ging den Sümpfen zuleibe und drainierte den Boden, man pflanzte ganze Wälder von Eukalypten und legte so das Land trocken. Und heute ist das Gespenst des Fiebers in die Wildnis ringsum verscheucht und auf dem Gebiete des Dorfes, das einem blühenden Garten gleicht, wohnen 140 unabhängige, mit ihrem Lose zufriedene jüdische Bauernfamilien. ."Ringsum AVeingärten, Weizenfelder, Orangenplantagen — das ist das Pethach Tikwah von heute. Mehr oder weniger gleicht der Entwicklungsgang dieses Dorfes dem aller übrigen. Betrachten wir ohne Voreingenommenheit für und wider den gegenwärtigen Zustand der Dörfer. AYir werden daraus manche Lehre für die Zukunft unserer Bewegimg in Palästina ziehen können. Es war eine herrliche Mondnacht, als ich im Mai dieses Jahres vom Gebirge Juda hinab in die Ebene Saron fuhr. Wir kamen von den Trümmern der alten Stadt Salomos, die sich einst auf den Hügeln von Abuschusche erhob und hatten bis gegen Abend, in dem Zeltlager Mr.Maculisters verweilt. Nun war es dunkel geworden und wir fuhren bei Nacht durch Bamleh, ein schweigendes weisses Landstädtchen, dessen Häuschen im fahlen, grünlichen Mondschein silbern glänzten. Am Brunnen standen Frauen und Mädchen im bunten arabischen Rock, trugen Wasser in hohen, spitzen Tonkrügen an. die Trinkrinnen und tränkten Ziegen und Kameele. Es war wie ein Bild aus der heiligen Schrift: so fand Abrahams Knecht Rebekka am Brunnen, als er auszog, dem Sohne seines Herrn ein Weib zu suchen. Sonst ist's eine Stunde von hier nach Eischon le Zion, aber bei Nacht und wenn der Weg vom Frühlingsregen metertief ausgewaschen ist, braucht man die doppelte Zeit. Wir bedauerten es nicht. Die Luft war jetzt nach der schwülen Tageshitze frisch und doch lau und voll vom Duft unzähliger Wiesenblumen. Durch die Luft flogen surrend tausende von Glühwürmern, sie leuchteten von jedem Steine am Wege, schwärmten um unsere Köpfe und schaukelten auf den Blättern jedes Strauches. Fast tat es uns leid, als grosse Baumalleen aus der Nacht aufwuchsen und die weite Dorfstrasse uns aufnahm. Am Morgen begann unsere Arbeit. Rischon ist oft beschrieben worden. Wer hat nicht von den beiden prächtigen Palmenalleen gelesen, die sich vor den Rothschildsehen Kellereien ausdehnen?! In letzteren wird aller Wein der jüdischen Dörfer gekeltert, pasteurisiert und gelagert. Schule, Apotheke, sogar ein richtiges kleines Hotel sind im Orte zu. finden. Ein Kindergarten sorgt für die Kleinsten und ein grosses Gemeindehaus genügt den Beratungen und dient zu festlichen Veranstaltungen. Selbst eine Musikkapelle, aus Kolonistensöhnen gebildet, ist vorhanden. Die Häuser sehen wohlhabend aus, ebenso die in ihnen wohnen — vielleicht zu sehr, um den Eindruck von Bauern zu erwecken. Wir gehen umher, fragen, reden mit abhängigen und unabhängigen Kolonisten, mit den Beamten der Administration, wir fragen in den anderen Dörfern — und wir hören Klagen — Klagen der Kolonisten über die Verwaltung, Klagen der Administration über die Kolonisten, wir hören von Gegensätzen innerhalb des Dorfes. Das ist nicht erfreulich und um es vorweg zu nehmen: glücklicherweise haben wir das nur in Rischon gefunden. Das äusserlich vielleicht imponierendste aller Dörfer scheint innerlich das wenigst gefestigte zu sein. Hier hat man am meisten experimentiert und bevormundet. Die alte Verwaltung gab so viel man. wollte, gewöhnte die Leute daran, ohne eigenes Vorantwortliehkeitsgefühl aus dem Vollen zu wirtschaften und nicht zu bedenken, dass man aus eigener Kraft sich emporarbeiten müsse. Man nahm den Leuten die eigene Initiative und den natürlich überall vorhandenen minderwertigen Elementen auch den anfänglich bewiesenen Fleiss, indem man ihnen ein gewisses Einkommen durch andauernde Zuschüsse förmlich garantierte. Dann experimentierte man mit den Reben, lagerte tausende von Hektolitern Wein, ohne sich kaufmännisch für den. Absatz zu interessieren, zahlte den Leuten einen imaginären Preis für ihr Erzeugnis und arbeitete in dieser kopflosen Manier, bis man die Leute anspruchsvoll gemacht und zum guten Teil verdorben hatte, sie bis an den Hals in Schulden an die Verwaltung steckten und nun weiter darauf los wirtschafteten, weil sie diese Schuldbeträge — bis zu 80 000 Francs! — doch nicht mehr abzahlen konnten und ihnen daher jetzt der Stand ihres Kontos überhaupt gleichgilt ig geworden, war. Unter der früheren Verwaltung sind zwei Ausdrücke technisch geworden, so dass sie selbst in der französischen oder russischenKon versation stets deutsch gebraucht werden : „Stütze" und „Installation". Ich denke, das ist kennzeichnender für das System als alle Auseinandersetzungen. Ich will hier nicht auf die Angaben über mangelnde Zuverlässigkeit des früheren Beamten und Bevorzugung einzelner Unwürdiger eingehen — in Palästina wird sehr viel gelogen. Aber das steht jedenfalls fest: wenn man der Kolonisation jede gesunde Grundlage nehmen wollte, so hätte man es nicht zweckmässiger anstellen können. Es wird sehr schwer halten, in diese verfahrenen Zustände Ordnung zu bringen! Ekron, Wad-el Chanin, Rechowoth machen bereits einen weit besseren . Eindruck, obwohl sie sich äusserlich mit Rischon nicht messen können. Aber villenartige Häuser mit Balkons gehören gar nicht in Bauerndörfer. Der Zweck der Kolonisation war doch nicht, kleine Rentner zu schaffen, deren Araber auf dem Felde arbeiten, sondern einfache und gesunde Bauern. Deren sieht man in den drei obengenannten Dörfern weit mehr als in Rischon. Ekron ist äusserlich wenig ansehnlich. Man hatte beim Aufbau des Dorfes grosse Schwierigkeiten mit der Regierung und musste deshalb vorgeben, „Ställe", nicht Wohnhäuser zu bauen. Aber man arbeitet hier. Bis zum Ende des Jahres werden alle Bauern genügend Land besitzen, um vom Ertrage desselben leben

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