Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 34 (21.8.1903)
- Article
- Die Verwendung des Nationalfonds
- Date
- 1903-08-21
- Page
- 10 (sequence 2)
- Language
- German
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- Minsk 1× ep/1000754
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Seiti 10 m* & w©o^ N*. 34 kleinen Landkäufen ein Schwärm von Vermittlern sich erhebt, die einen Sturm hervorrufen und dadurch die Preise zu unerschwinglicher Höhe hinauftreiben. Grössere Käufe werden in der Regel ohne viel fremde Einmischung besorgt. Bei kleineren Käufen sind demnach auch die Preise viel höher als bei grossen. Nun kommen wir zur dritten Begründung des Minsker Referates, dass zu befürchten sei, es werde für uns nicht mehr Land übrig bleiben, wenn wir auf das Heranwachsen des N.-F. warten. Das ist wahr, aber auch etwas Uebertreibung liegt darin. Die Deutschen haben zwar ihre Kolonien vergrössert, aber der Boden, der von ihnen angekauft wurde, ist verschwindend gering im Verhältnis zu dem, was von jüdischer Seite gekauft wurde. Und selbst wenn die Besorgnis eine berechtigte und die Gefahr wirklich so gross wäre, wie will man diesem Uebel zuvorkommen? „Es muss sofort mit dem Landerwerb begonnen werden!" konkludierte der Referent und, wie die Zeitungsberichte lauteten, wurden, diese Ausführungen mit tosendem Beifall aufgenommen und die anwesenden Delegierten strahlten vor Freude! Der geehrte Referent auf der Minsker Versammlung verdient gewiss alle Achtung, sowohl wegen seiner Persönlichkeit als ob seiner Liebe zur heiligen nationalen Sache unseres Volkes. Aber wir haben ihm zweierlei vorzuwerfen: seinen rosigen Optimismus, der ihn in seinem Referate herrliche Luftschlösser bauen liess, und seine nahen Beziehungen zu Leuten, denen die Vermittlung des Bodenkaufes Profession ist. Das soll nicht heissen, dass er die Vorteile dieser Leute tm Auge hatte, sondern dass diese Leute auf ihn unbewusst Einfluss übten und diese Beeinflussung auf die Mitglieder der Minsker Versammhins übertragen wurde. Bei dem grössten Respekt und aller Hochachtung vor dieser Versammlung muss zugegeben werden, dass sich diese treuen Volksfreunde aus lauter Uebereifer für das Ideal blenden und irreführen Hessen und demgemäss auch einen irrigen Beschluss gefasst haben. Wenn aber die russischen Zionisten getäuscht werden konnten, so blicken die hiesigen Zionisten auf die Sache viel klarer und unbefangener — auf Grund ihrer tagtäglichen Erfahrungen. Hier rief das Minsker Reierat und der auf dessen Grund gefasste Beschluss Staunen hervor. Man fragte sich: Wie will mau es verhüten, dass der Boden nicht in fremde Hände gerate? Etwa dadurch, dass wir einige Dun am Land in der Nähe der Kolonien erwerben werden, mit der geringen Summe, die uns heute aus dem N.-E. zur Verfügung steht? . . Einige Tatsachen, die wir anführen wollen, sollen die Verhältnisse des Bodenkaufes in Palästina auch den Nichteingeweihten klarlegen. Bekanntlich wird der Administration vorgeworfen, dass sie zu sehr geizig und kleinlich verfahre, insbesondere wenn es sich um Vergrösserung des Landbesitzes handle. Sie spekuliere, wie es heisst, dass sie sehr billig kaufe, geize mit noch anderen Ausgaben, achte zu peinlich auf Formalitäten, und deshalb seien öfters Käufe rückgängig gemacht und der Ausbau mancher Kolonie verzögert oder vereitelt worden. Ohne auf diese Frage an und für sich näher einzugehen, sollten wir doch wenigstens zugestehen, dass man nicht billiger als die „Ica" kaufen kann. Es muss auch zugegeben werden, wie inuuer wir auch über die „Ica" denken, dass sie eine in Palästina feststehende Organisation ist, die über die nötigen Organe verfügt, die ihre Geschäfte besorgen. Sie hat Gärtner, die über tcle^raphischen Auftrag zur Besichtigung des zu kaufenden Bodens entsendet werden, sie hat ihre Rechtsanwälte, die die Kainmodalitätcn ausarbeiten, sowie Techniker, Agronomen und Hilfskräfte alier Art, die ihre fixen Gehalte beziehen und bei eventuellem Bodenkauf nicht besonders belohnt werden müssen, .lede neue Organisation zum Erwerb von Boden müsste enorme Spesen schon bei der Vorbereitung zum Kaufe entrichten. Die Kolonie Metoula bietet uns ein Beispiel zur Illustration dieses Verhältnisses. Als diese Kolonie gegründet wurde, glaubte man, es könnten 60 Familien auf ihr leben. Es vergingen einige Jahre und die Administration hatte für Metoula einige hunderttausend Francs ausgegeben. Endlich war die Administration genötigt, 20 Familien aus der Kolonie anderswohin zu versetzen und deren Bodenbesitz unter den verbliebenen Kolonisten aufzuteilen. Aber noch genügte der Boden nicht für die 40 Familien und es musste die Kolonie durch Ankauf von Boden erweitert werden. Die Administration beauftragte einen Mann, nicht einen ihrer Anhänger, sondern einen von den Unsrigen, der ein ganzes Jahr in Metoula zubrachte, und diesem gelang es nach vieler Mühe und mit grossem Kostenaufwand, drei Landstriche zu erwerben, deren jeder viel mehr kostete als der ganze Barbestand des N.-F. zur Zeit der Minsker Versammlung betrug. Während also der N.-F.-Referent in Minsk die Forderung aufgestellt hat, dass aus den Mitteln des N.-F. sofort Boden gekauft werden müsse, kaufte die Administration um das Dreifache dessen, *was der N.-F. damals hatte, Land, das kaum für 20 Familien genügte. Wie gesagt, kamen bei der Administration die Rechtsanwälte, Agronomen, Gärtner usw. nicht in Rechnung. Daraus ist zu ersehen, wie weit wir kommen, wenn wir nicht warten, bis der N.-F. eine entsprechende Höhe erreicht haben wird, sondern sofort mit dessen Verwendung auf kleine Landkäufe beginnen. Aber — hören wir jene Uebereifrigen einwenden — wenn wir jetzt auch nicht viel Land erwerben können, ist dennoch besser, etwas zu besitzen, als dass das Kapital des N.-F. als totes Kapital daliege. Zur Bekräftigung dieser Ansicht wird noch die talmudische Sentenz hinzugefügt: „Geld wird am sichersten in Immobilien verwahrt." Nun meinen wir Gegner der Uebereifrigen, dem Beschluss der Minsker Versammlung aus den bereits erwähnten sowie aus den folgenden Gründen entschieden entgegentreten zu müssen. Wir halten den Beschluss für gefährlich und der zionistischen Sache sehr schädlich aus folgenden Gründen: 1. Durch übereiltes Ankaufen würde ein grosser Teil des ohnedies schwachen N.-F. vergeudet werden, bevor wir eine Spanne Bodens unser eigen nennen. Vermittler, Reisen, Bakschisch, Forschungen etc. würden grosse Summen verschlingen, bevor ein erster Schritt gemacht sein wird. 2. Die russischen „Chowewe-Zion" sowie „Esra" in Berlin und noch andere Gesellschaften haben seit 20 Jahren grössere und kleinere Landstriche, erworben. Aber nicht eine einzige dieser Gesellschaften vermochte beim Volke das Vertrauen, die Hoffnungen und starken Sympathien zu erwerben, wie sie unser N.-F. schon heute besitzt. Ein Beweis mehr dafür, dass das Volk von dieser neuen Institution viel Grösseres erwartet und erhofft, als die Gewinnung kleiner Landstücke neben „Rischon l'Zion", „Gedera", „Jchudia" usw. Das Volk hat wohl das richtige Empfinden, dass zu unserer und unseres Landes Erlösung ein Nationalfonds, ein grosser reicher Fonds notwendig ist, nicht dass wie bisher, Vereine, die Spenden sammeln, um sie bald zu vergeuden, selbst für Landkäufe. Die Anziehungskraft des N.-F. wächst mit dessen Barbestande und er kann bei entsprechend fortschreitender Vergrösserung Grosses leisten. Wenn aber das Volk hört, dass der N.-F. leer wurde und mit dem Gelde Boden gekauft wurde, ein Landstück vielleicht, wie es die von den Zionisten kritisierte „Ica" schon in zehnfacher Grösse erworben hat, so wird das Volk sein Vertrauen in den N.-F. verlieren und der Zufluss von Spenden aus allen Weltteilen wird rasch versiegen. Mit einem Worte: Die Verwendung des N.-F. zu sofortigem Ankauf von kleinen Landstücken würde einen Bankerott, eine Zerstörung dieser herrlichen Institution bedeuten. 3. Der Zionismus darf nicht beginnen mit kleinen unbedeutenden Arbeiten, wie dem Ankauf kleiner Landstücke, sich zu befassen. Er würde viel an Würde und Achtung bei dem Volke verlieren, wenn er ihm als das erscheint, was die alte „Chibbas Zion" war. Dass der moderne Zionismus in Ost und West so viele Anhänger gewonnen hat, war nur möglich wegen