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Die Welt · 1903-08-21 · 34 (21.8.1903) · p. 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
34 (21.8.1903)
Article
Der jüdische Nationalfonds
Date
1903-08-21
Page
9 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 34 „Die £ Welt" Seite 9 gen, die bei Eintritt einei schlechten Konjunktur grossen Schaden leiden und in ihrer ganzen Existenz bedroht sind! Alle Juden, denen das Schicksal ihres Volkes nicht gleichgiltig ist, müssen vorwiegend zum Landankaufe ihr Scherflein beitragen. Judenstaat oder Judenland! Darüber braucht man sieh vorderhand den Kopf nicht zu zerbrechen. In erster Linie müssen wir alle dazu beitragen, dass wir Land für die heimatlosen Massen unseres unglücklichen Volkes erwerben. Schaffen wir eine Hennatscholle für die Gehetzten, einen Zufluchtsort für diese verkümmerten Massen, damit sie sich auf der mütterlichen Erde verjüngen, und dann wird auch das ganze Judentum gesunden! Wir wenden uns daher an alle Juden der ganzen Welt, welcher Parteischattierung sie auch sonst angehören mögen, den Nationalfonds, der dieses Land erwerben helfen soll, nach Möglichkeit zu .«fördern Jeder Kreuzer wird zu Kreuzer gelegt, um ausschliesslich diesem Zwecke zu dienen. Um wieviel rühmlicher und schöner, der Tradition unserer Vergangenheit und der Jahrhunderte langen, sehnsüchtigen Hoffnungen unseres Volkes entsprechender, würde die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte sein, um wie viel höher würde sie uns in der Achtung aller Völker heben, als all die entwürdigenden Mittel, die nur zur Zerstreuung im Judentum geführt haben? Durch den Nationalfonds ist es jedem, auch dem in den allerbescheidensten Verhältnissen lebenden Juden möglich, sein Seherflein zur Erlösung seines Volkes beizutragen! Wenn Einigkeit uns alle umschlingen, Liebe und Opferwilligkeit zu unserem Volke in unsere Herzen ziehen werden, dann ist uns der Erfolg sicher und wir werden dann wieder ein Volk sein können unter den anderen Völkern. Dann wird auch der Name „Jude" in der ganzen Welt ein Ehrenname werden und kein Mund wird gegen das alte Volk Gottes die infame Beschiildigung schleudern dürfen, dass wir Schmarotzer sind, die nur auf den Körpern fremder Völker existieren können! Das ist die Lösung der Judenfrage, wie sie der Zionismus vorschlägt. Dazu soll der Nationalfonds dienen. Wer den Glauben an unser Volk noch nicht verloren hat, wer es nicht rettungslos zugrunde gehen lassen will, der wird uns, der wird unseren Armen, der wird aber auch sich selber helfen. Die Verwendung des Natiönalfonds* Eine Ansicht darüber aus Palästina.) Zu den wichtigsten Fragen, die auf dem VI. Kongresse verhandelt werden sollen, gehört die des Landerwerbes aus dem Nationalfonds. Bekanntlich wurde bei der Gründung des N.-F. auf dem V. Kongresse bestimmt, dass aus demselben erst dann Land angekauft werden darf, wenn er die Höhe von 5 Millionen Francs erreicht; aber es darf auch nur die Hälfte darauf verwendet werden, während die Hälfte des Fonds stets als Grundstock für weitere Sammlungen unberührt bleiben muss. Gegen diese Bestimmungen wurde auf der Versammlung der russischen Zionisten in Minsk Stellung genommen. Es opponierten ihnen merkwürdigerweise Leute aus Palästina, die als Sachverständige in Sachen des Landankaufes gelten; sie begründeten ihre Opposition folgendermassen: 1. Es sei schwer, in Palästina grössere Bodenkomplexe zu erwerben; dagegen könnten kleinere Landstücke in der Nähe der Kolonien leicht angekauft werden, und es sei deshalb nicht notwendig, zu warten, bis der N.-F. über grosse Summen verfügen werde. 2. Selbst wenn es möglich wäre, grössere Ländereien zu kaufen, dürften dieselben zu unerschwinglichen Preisen emporsteigen. Kleinere Landstriche wären nicht nur leichter, sondern auch billiger zu erwerben. 3. Da in der letzten Zeit von Seiten anderer Völker vielfach Boden in Palästina erworben werde und dieser für uns ganz verloren ginge, wäre zu befürchten, dass wir zu spät kämen, wenn wir darauf warten, dass der N.-F. über die festgesetzte Summe verfüge. Diese Begründung der Opposition rief in der Minsker Versammlung stürmischen Beifall hervor und es wurde beschlossen: beim Kongresse imNamen der Versammlung zu beantragen, er möge nicht warten, bis der N.-F. die festgesetzte Höhe erreicht, sondern sogleich Boden kaufen, sobald sich die erste Gelegenheit darbietet. Die Berichte der hebräischen Presse stimmten ausnahmslos in ihrer Genugtuung über diesen Minsker Beschluss überein. Ganz anders verhielten sich die Zionisten Palästinas zu dieser Frage. Es ist mir aber unerklärlich, weshalb keine Stimme seitens dieser Zionisten besher vernommen wurde. Ich erachte es daher als eine heilige Pflicht, vor dem Zusammentreten des Kongresses das zionistische Publikum in unserem Zentralorgane auf den wahren Sachverhalt aufmerksam zu machen, damit die Delegierten auch unsere entgegengesetzte Meinung kennen, wenn sie an die Behandlung des so wichtigen Gegenstandes treten. Es muss noch eingangs erwähnt werden, dass die Gesinnungsgenossen, in deren Namen ich spreche, nicht weniger den sehnlichsten Wunsch hegen, das Land in jüdischen Händen zu sehen, als jene Uebereifrigen, die die rascheste Erwerbung kleiner Landstriche fordern: Auch uns schmerzt jede Scholle Landes, die in fremde Hände gerät, und doch oder gerade deshalb können wir dem Minsker Beschlüsse nicht zustimmen und halten ihn vielmehr für sehr schädlich für den Gedanken der ,,Geulath haarez". Vor allem sind die Details, auf die sich der Minsker Beschluss stützte, nicht richtig. Jedem Kern von Wahrheit ist eine grosse Uebertreibung hinzugefügt, die darauf ausgeht, die Nichteingeweihten zu täuschen. In manchen Punkten fehlt auch der geringste Wahrheitskern; die bisherige Geschichte den Kolonisation beweist geradezu das Gegenteil. Wir wollen dies mit folgenden Tatsachen beweisen: Seit Jahren wird über Mangel an Land in den Kolonien Klage geführt und die Administration hat des öftern vergebens versucht, kleine Landstücke um die Kolonien herum für gutes Geld zu erwerben. In den Fällen, wo es ihr gelungen ist, die Kolonien an Landbesitz zu erweitern, kostete dies solche Riesensummen, wie sie unser N.-F. lange nicht hat. Es ist leicht, dieses Misslingen mit dem schlechten Wirtschaften der Administration, die ja schon für alles verantwortlich gemacht wird, in Zusammenhang zu bringen. Aber die Tatsache an und für sich beweist, dass es nicht gar so leicht ist, Boden in der Nähe von Kolonien zu kaufen, geschweige denn kleine Landkomplexe. Dass nicht die Administration alle Schuld daran trägt, beweist die Kolonie Rechowoth. In dieser herrschte lange ein empfindlicher Mangel an Land, so dass der Preis für Boden um das drei- und vierfache des ursprünglichen Preises gestiegen war. Endlich gelang es ihr im letzten Jahre, einen kleinen nahegelegenen Landstrich zu erwerben. Dagegen sehen wir, dass die Administration, die in der Nähe der Kolonien nichts kaufen konnte, bei günstiger Gelegenheit grössere Komplexe erworben hat. Im Hauran wurden auf einmal mehr als 100 000 Dunam gekauft, in der Gegend von Tiberias wurde ein Stück Landes erworben, das für die Anlage mehrerer Kolonien genügen dürfte. Es ist auch zu hoffen, dass in nächster Zukunft ein weiterer sehr bedeutender Kauf abgeschlossen wird. Daraus geht nun hervor, dass es sich in Wahrheit umgekehrt verhält, als es im betreffenden Minsker Referat angegeben wurde. Wenn jener Referent sich auf wirkliche Tatsachen gestützt hätte, wäre er zu ganz anderen Schlüssen gelangt. Er hätte dartun müssen, dass es sehr schwer sei, kleine Stücke Land in Palästina zu kaufen, noch schwerer aber, ja fast ganz unmöglich in der Nähe von Kolonien; viel leichter lassen sich grössere Besitzungen erwerben, wozu aber grosse Summen nötig sind. Wenn wir nun das Land auslösen wollen, müssen wir den N.-F. möglichst gross werden lassen und dürfen ihn nicht anrühren, bis er eine entsprechende Höhe erreicht haben wird. Wir wissen überdies aus Erfahrung, dass bei

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