Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 34 (21.8.1903)
- Article
- Wir draussen an Euch!
- Date
- 1903-08-21
- Page
- 1 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3315709-3316013-3316055-3336282--42755-3336342- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Redaction und Administration: WIEN IX., Tflrkensfrasse Nr. 9. Telephon 14199. Erscheint jeden Freitag. Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaction odar Administration: Wien, IX., Türkenstrasse Nr. 9, xu richten. Unfrankiert» Briefe werden nicht angenommen und Manuscrlpte nicht zurückgesendet. <► Sprechstunden der Redaction täglich von 10 — 7,12 Uhr. ♦ Preise der Anzeigen: laut aufliegendem Tarü Oer Iaieratenthei! wird DieniUg absndi geschlossen. Einzelne Nummern 30 Heller. Oeaterreich-Üngarn: ganzjährig Kr. 12.—, halbjährig Kr. 6.—, vierteljährig Kr. 3.—. Für das ■ Ausland: Deutschland ganzjährig Mk. 13.70, halbjährig Mk. 6.85, vierteljährig Mk. 3.45, England ganzjährig Shg. 14.—, halbjährig Shg. 7.—, vierteljährig Shg. 3.10, Russland ganzjährig R. 7.—, halbjährig R. 3.50, vierteljährig R. 1,75, Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig Frcs. 17,—, halbjährig Frcs. 8.50, vierteljährig 4.25, Amerika ganzjährig Doli. 3.40, halbjährig Doli. 1.70, vierteljährig Doli. —.85 Nr. 34. Wien, 21. August 1903 — 28. Ab 5663, 7« Jahrgang Wir draussen an Euch! Wir draussen haben euch ein WoFt zu sagen: Ihr geht für uns, und euer ganzes Volk ist mit euch. Millionen Schmerzen, Millionen Hoffnungen und Millionen Gewissen haben wir euch aufgeladen — euch, euch allein. Unsere Leiber blieben daheim zurück, aber unsere Seelen, die tragt ihr mit euch in eueren Armen. Sagt: wisst ihr, woher ihr kommt? sagt: wisst ihr, für wen ihr geht und was ihr tun sollt? Aus dem Leiden kommt ihr, für eure Mütter und Kinder geht ihr, und hinein in sonnige Tage sollt ihr sie bringen. Seit ihr bereit? Habt ihr euch geprüft? Werdet ihr es können? Denn seht: wenn ihr nicht gewappnet seid und rein und stark, so haben wir euch nicht gesendet. Denn unsere Besten haben wir auserwählt — und nun, wenn sie versagen, was bleibt uns dann noch? Grüfte unseren Gebeinen zu suchen! Geht, und seid stark! Fürchtet nichts von den Feinden! Auch könnt ihr nicht anders. Das Blut euerer gemordeten Brüder wird euere Herzen füllen, wenn euch das eure verlassen. Geht, und seid rein! Und die Reinheit euerer Schwestern, die für die Unschuld dahingingen, wird euere Seelen läutern. Wem aber Bangen und Zagen die Brust erfüllt, wer den Schritt vor sich fürchtet und die Blicke wendet nach seinen Häusern und Herden — der fasse seinen Stecken und kehre um. Und wer sich nicht rein weiss von Hass und von Scheelsucht, wem Eigengier und Unfrieden die Stirne falten—der verhülle sein Antlitz und kehre um. Denn euer Zagen soll euere Brüder nicht entmannen, und euer Unfriede ihre Adern nicht vergiften. Hütet euch, dass eures Volkes Gewissen nicht über euch komme! Aus Licht und Dunkel in der weiten Welt schauen unsere Augen auf euch! Aus allen Winden werden unsere Flüche auf euch fallen! Und wie wollt ihr zurückkehren und euere Lider öffnen? Und wo euere Häupter vor Flüchen bergen? Seid rein und stark! Und euer ganzes Volk wird euch segnen. Vollenden nur sollt ihr, was ihr an uns begonnen. Seht: wir riefen euch nicht. Seht: ihr kommt zu uns, als unsere Leiber verfallen und unsere Geister verkümmert unter dem Jammer erlagen. Und ihr erhebt eure Stimme — erst hörten wir kaum, dann aber begann es wie heimlich-süsses Geflüster altseligen Erinnerns, und es stieg wie ein Rauschen vom Quell im Walde, und wolkenwärts flog euer Sang gleich dem Singen der Lerchen im aufflammenden Frühling, Ihr habt uns die Häupter gehoben. Ihr habt uns die Hände gefaltet. Ihr machtet unsere Augen glänzen, wie vom Weine des KarmeL Und unsere Enkel setzten wir auf unsere Kniee und wir hauchten ihnen ein eine neue Weise, neue- Lebensliedei\ Wollt ihr unsere Lieder morden? . Wollt ihr unserer Enkel Leben schwärzen? Wollt ihr uns die Hände verkrampfen? Unsere Nacken beugen? So ihr das tut, wird die Erde unter euch erbeben, vor eueren eigenen Schatten wird euch grauen, die Spur euerer eigenen Füsse euch entsetzen und jagen, So ihr das tut, seid ihr wie jene Götter, die die Geschöpfe erschaffen, um ihre Geschöpfe zu morden, die da kurze Tage zeugen und ewig verschlingende Nächte. Sagt: wollt ihr das tun, und euere eigenen Feuer verlöschen? Oder wollt ihr Freudenfeuer anzünden auf allen Bergen! Dass die Flammen singen und zum Himmel greifen!