Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1903-07-24 · 30 (24.7.1903) · p. 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
30 (24.7.1903)
Article
Professor Sellins Ausgrabungen in Palästina
Date
1903-07-24
Page
7 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3315709-3316013-3316051-3335118--41975-3335267
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 30 m* & Welt« Seite 7 Darstellung sein, die zwei mythologischen ReliefdErstellungen auf den Wänden (zwei Steinböcke um den Lebensbaum und ein eine Schlange würgender Knabe) erinnern an cypriotische Funde. Wichtig ist die Darstellung des Altarhornes als Widderhorn. Die Adasse des Altares entsprechen zum Teil den im israelitischen Gesetze vorgeschriebenen, doch verjüngt sich die Form jenes höchst eigenartig nach oben hin. Der letzte § 5 behandelt Amulette u. dg], Etwa 10 Skarabäen, die gefunden wurden, zeigen, wie durch alle Perioden hindurch diese ägyptischen Amulette auch in Ta'annek importiert, beziehungsweise nachgebildet wurden; einige von ihnen gestatten eine annähernde Datierung. Abergläubischen, beziehungsweise Orakelzwecken dienten die in grosser Anzahl gefundenen SchlangeDköpfe, Fersenknochen und ein kleiner Krug mit 66 herz-, beziehungsweise bohnenförmigen weissen Steinen. Der Anhang von Dr. Friedrich H r o z n -} enthält die 4 Tontafeln von Ta'annek autographiert, transkribiert, übersetzt und philologisch erklärt. Die beiden grösseren, offenbar Listen, sind nur bruchstückweise erhalten; die beiden kleineren, die fast intakt sind, sind Briefe und lauten in Uebersetzung folgendermassen : T a'annek Nr. I.1) An Istarwasur: Guli-Addi. Lebe glücklich! Die Götter mögen begrüssen dich, dein Haus und deine Söhne! Du hast mir betreffs des Geldes geschrieben [...], und siehe, ich will 50 Geldstücke gebfen], damit man (es) nicht tue. Ferner: Warum hast du von neuem deinen Gruss hierher geschickt? Alles, was du gehört hattest, habe ich von dort [du]rch BeMram erfahren. Ferner: Wenn sich der Finger (= Omen) der Asirat zeigen wird, so möge man sich (es) einprägen und (es) befolgen! Und das Zeichen und die Sache berichte mir! Was deine Tochter betrifft, so kennen wir (diejenigedie in Rubutte (ist), Salmisa. Wenn sie gros* geworden, dann gib sie zur Königsherrschaft: sie soll dem Herrn gehören! Ta'annek Nr. 2. An Istarwasur: Ahi-Iawi.2) Der Herr der Götter möge dein Leben behüten, (denn) ein Bruder bist du und die Liebe ist am Orte d(ein)er Eingeweide und in deinem Herzen. Als ich in Gurra im Hinterhalte lag, da hat mir ein Werkmeister zwei Messer, eine Lanze und zwei Keulen umsonst gegeben. Und wenn schadhaft geworden ist die Lanze, so wird er sie ausbessern und durch Büritpi schicken. Ferner: Gibt es (noch) Weinen für deine Städte, oder hast du dich (wieder) in den Besitz derselben geselzt? Ueber meinem Haupte (ist) jemand, der da ist über die Städte. Jetzt siehe doch, ob er dir Gutes erweisen will! Ferner: Wenn er das Angesicht zeigt, so werden sie (d. i. die Feinde) zu Schanden werden und der Sieg wird gewaltig sein. Ferner: Es möge hineingehn Ilurabi in Rahab und entweder meinen Vogt zu dir schicken oder (ihn) beschützen! ,Durchlass, Durchlass' (sc. für den Boten). Die Abhandlung wird zunächst einer Kommission zugewiesen. Transkaukasische Juden. Es war in der Schemacka in Transkaukasien während der jahrlichen Märtyrerprozession zu Ehren der Heiligen Hussein und Ali, als ich zum erstenmale einen dieser Hochlandjuden sah. Die Hauptstrasse war von Mohammedanern gefüllt. Sie schrien und heulten, schlugen sich an die Brust und rauften das 1) Die Kursivschrift bedeutet Ergänzungen an lädierten Stellen. Die Red. 2) Geschrieben m Ahi-ia-mi. Haar, als die Märtyrer blutend vorbeikamen, einige darunter, die Messer, Schwerter und Dolche durch die zitternden Muskeln von Arm, Brust und Rücken gestochen hatten; andere wieder, die mit Yatagans Stirn und Schulter zerfleischten, Ströme von Blut hinter sich lassend. Ein Mann, der in meiner Nähe stand, fiel mir auf, weil er den ganzen Vorgang interesselos ansah, mit jener gleichgiltigen und ausdruckslosen Teilnahmslosigkeit, wie sie nur ein Orientale an den Tag legen kann. Es war ein grosser, starker Bursche von dunkler Gesichtsfarbe und stechendem Blick. Er trug einen kurzen Bart, der am Ende nach oben gekräuselt war; das Kopfhaar war zu beiden Seiten lockenförmig gedreht, so dass es in kurzen Strähnen an den Ohren baumelte. Bekleidet war er mit einem eng anliegenden Kaltau, der bis zu den Knien reichte, um den Leib hatte er einen Gürtel, in dem eine alte Pistole steckte. Seine Kopfbedeckung war nicht die lange, spitze Astrachanmütze der Perser, sondern hatte eine niedrige, kurze Form, wie sie die Tataren bevorzugen. Seine Beine staken in weiten Hosen, die oberhalb der Knie eng zusammengebunden waren; seine Fussbekleidung bestand aus ungeschwärzten Schnürschuhen, die an den nach oben gerichteten Spitzen nicht unschwer den Bergbewohner erkennen Hessen. Erstaunt über die ausserordentliche Gleich* giltigkeit des Mannes fragte ich einen von den Zuschauern, ob er wüsste, woher der Mann sei. Seine Antwort war: „Peder sukhte," was auf deutsch „Sein Vater wurde verbrannt," bedeutet. Das war natürlich nur eine höfliche Umschreibung der Perser, wenn sie sagen wollen, dass er ein Ungläubiger, ein Nichtmoslem sei. Ich war überrascht, denselben Fremden später im Laufe des Tages im Hause eines jüdischen Notabeln der Stadt anzutreffen. Hier erfuhr ich, dass er ein Bergbewohner aus dem Norden sei, der nur heruntergestiegen war, um für die nahenden Herbstfeste einen Schochet, den rituellen Schächter der Juden, in seinen Wohnort mitzunehmen, da man dessen Dienste dort nicht entbehren konnte. Das war, wie ich ersah, überhaupt der einzige Anlass, bei denen die Gebirgsbewohner ihre Glaubensgenosen anderswo aufsuchten. Sie haben keine Rabbiner in ihrer Mitte und verhalten sich ganz gleichgiltig gegenüber den Vorschriften und Zeremonien, die doch die anderen Juden als die Haupterfordernisse ihres Glaubensbekenntnisses ansehen. Der Hochländer sprach fliessend persisch, so dass ich mich leicht mit ihm unterhalten konnte. Und als der erwartete Schächter kam, gab er mir gern die Erlaubnis, ihn in sein Heimatsdorf mitzubegleiten. So kam es, dass ich nach drei Tagen die Genugtuung hatte, die Ansiedlung Artan Khan zu betreten, den Wohnort eines dieser jüdischen Stämme und die nähere Bekanntschaft einiger dieser merkwürdigen Hochlandjuden in ihrer vereinsamten Gebirgsheimat zu machen. Die Ansiedlung, die einige vierzig Wohnstätten von verschiedener Grösse umfasst, liegt eng in einem allseits von Bergen geschützten Tale versteckt, welches ausgezeichnete Weiden für die Schafe und das Rindvieh hat, die zum Besitz der Leute gehören. Dazwischen liegen auch Strecken von Ackerland und das Rauschen eines Wasserfalles in der Ferne zeigt, dass das Haupterfordernis jeder Landwirtschaft im Ueberflusse vorhanden und leicht beniitzbar ist. Die Häuser, unregelmässig angeordnet, in ziemlicher Entfernung von einander, zeigen die gewöhnliche tatarische Bauart mit flachen Dächern; sie sind einstöckig, haben zum Schutze gegen die extremen Gegensätze des Wetters, Hitze und Kälte, dicke Mauern und leuchten weiss in der Sonne. Einige von den Häuschen sind so klein, dass sie nur für eine Familie reichen, andere wieder sind gross und haben eine ansehnliche Ausdehnung. Bei diesen Hochlandjuden ist es nicht Sitte, dass der Sohn bei seiner Verheiratung seines Vaters Haus verlässt. Er baut sich einfach ein Nebengebäude bei der väterlichen Wohnung und wirtschaftet hier. So nimmt, wenn drei oder vier Söhne und Enkel vorhanden sind, die Familienwohnstätte grosse Dimensionen an. Jedes Haus hat seinen eigenen Anteil am Land, das aus Gemüse-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.