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Die Welt · 1903-07-24 · 30 (24.7.1903) · p. 6

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
30 (24.7.1903)
Article
Professor Sellins Ausgrabungen in Palästina
Date
1903-07-24
Page
6 (sequence 2)
Language
German
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Seite 6 „Die # Welti' Nr. 30 ist 'die der vorherrschenden Steinwerkzeuge, doch findet sich in b) daneben schon die Bronze, 2 bezeichnet die Herrschaft dieser, 3 die des Eisens. Glas gibt es nur in Schicht 4, Knochenwerkzeuge in allen. Die Anlage der Zisternen, Oelpressen und Backöfen last weniger charakteristische Unterschiede in den einzelnen Perioden hervortreten. Dagegen sind wieder durchaus verschieden je nach Perioden die in § 3 zusammengestellten grossen Bauwerke. Zwei, eine Burg im Westen und ein kleines Fort mit Höhlen im Norden, gehören offenkundig der kananitischen Schicht (1) an : unbehauene, polygonale harte Kalksteinfelsen, stockwerkartiger Aufbau der Aussenmauern; zwei der altisraelitischen Schicht (2), besonders eine Burg mit Vorwerk im Nordosten : viereckig behauene, primitiv bossierte weiche Kalksteinfelsen, Pfeiler und Ecktürme; ein Bauwerk gehört der spätisraelitischen Schicht (3) an, die Nordwestburg: an den Ecken viereckig behauene unbossierte Steine, sonst vier Reihen beliebig geschichtet; ein letztes der Schicht (4), die arabische Burg in der Mitte des Hügels: glatte, viereckig behauene Steine, Rundbögen, Marmorsäulen. Die in diesen Burgen gemachlen Einzeltunde bestätigen die Anordnung durchaus. Die aufgedeckten Privathäuser, teils aus Lehm, teils aus unbehauenen Steinen aufgeführt, lassen einen Unterschied in der Bauart nach den einzelnen Perioden kaum erkennen, § 4 behandelt die aufgedeckten Begräbnisstätten. Während die Felsengräber an den Abhängen des Hügels fast sämtlich ausgeraubt waren, ergaben die Ausgrabungen zwei sehr eigenartige Bestattungsarten. Zunächstfand sich auf dem Nordostplateau ein regelrechter Kinderfriedhof, zirka 30 teils in, teils^bei grossenKrügen beigesetzteKinderleichen. Es handelt sich wahrscheinlich um Erstgeburten, die in kananitischer Zeit als Opfer lebendig begraben wurden. Sodann wurden unmittelbar unter oder bei der Westburg und vielen Privathäusern Leichen von Erwachsenen oder Kindern mit beigegebenen Krügen, Tellern u. s. w. gefunden. Erklärt sich diese Bestattung vielleicht zum Teil aus praktischen Nöten, Zeiten der Belagerung u. dg!., so ist doch wahrscheinlich bisweilen' auch hier an Opfer, die bei der Erbauung der Häuser eingemauert wurden, zu denken. § 5 bespricht die kulturgeschichtliche Bedeutung des in dem kananitischen Fürstenhause gemachten Tontalelfundes. Abgesehen von den vielen interessanten Einzelzügen, die sich für das Bild des damaligen kulturellen Lebens ergeben, ist das wichtigste, dass die vier Toritafeln zum ersten Male authentisch dartun, was bisher auf Grund der Amarnabriefe nur vermutet, aber auch noch bestritten wurde, dass die kananitischen Fürsten untereinander in babylonischer Keilschrift korrespondiert, ja sogar ihre staatlichen Listen in dieser geführt haben, dass mithin damals diese Schrift und keine andere tatsächlich die ihrige war. Kapitel XX stellt die h i s t o r i s c h e n Ergebnisse der Ausgrabung zusammen. Dieselbe hat neu ergeben, dass in der Kreuzfahrerära sich auf dem Hügel luO—200 Jahre lang eine kleine arabische Stadt mit Schloss erhoben hat — zwei Scherben mit arabischer Inschrift ermöglichen eine annähernde Datierung —. weiter negativ, dass in der ganzen griechisch-römischen Aera der Hügel keine Stadt mehr getragen hat, vielmehr lag sie damals am Südostfusse desselben. Bezüglich des alten Ta'annek ergibt sich, dass dasselbe rund um 2000 v. Chr. von den Amoritern wird gegründet sein; ausländische Einflüsse sind zunächst nicht stark bemerkbar, fehlen aber doch nicht gas z, werden vor allem repräsentiert durch einen Scarabäus und einen Siegelzylinder, der in altbabylonischer Keilinschrift die Legende trägt: ,Atanahili, Sohn des Habsi, Knecht des Gottes Nergal', und daneben ägyptische Hieroglyphen, die jedenfalls einen Segenswunsch ausdrücken. Namenbildung und Schriftzeichen führen in die sogenannte Hammurabizeit. Um 1600 müssen die Westburg, in der ein ägyptischer Skarabäus mit dem schreitenden Löwen lag, und bald darauf das Fürstenhaus im Norden gebaut sein. Ueber einiges aus dem Leben des einen Bewohners dieses werden wir durch die beiden in ihm gefundenen Briefe authentisch orientiert, istarwasur war (um 1400 v. Chr,?) Fürst von Ta'annek und Vasall des Pharao. Er hat zeitweise seine Städte (durch die Chabiri oder Israeliten?) verloren. Drei Städte, die in seinem Gesichtskreise lagen, Eubute, Gurra, Rahabu lassen sich annähernd sicher identifizieren. Ganz allmählich scheint die Stadt aus einer kananitischen eine israelitische geworden zu sein; einen Markstein hierfür bedeutet die Ostburg, in der vermutlich die Zwingburg eines vom israelitischen König (Salomo?) eingesetzten Gouverneurs zu sehen ist. An ihre Stelle trat, wahrscheinlich nach 722, die Nordwestburg. Wann das alte Ta'annek vollständig zerstört ist, lässt sich nur annähernd auf Grui.d des Scherbenbefundes feststellen: vermutlich im Ausgange des 7. Jahhundertes, sei es durch die Ägypter, sei es durch die Skythen. Kapitel XXI bespricht die religionsgeschichtlichen Ergebnisse. Von Interesse sind zunächst ein altkananitischer Felsaltar und die in § 1 behandelten, von ursprünglichem Steinkult zeugenden Opfersäulen, die zu zweien, zu zehn und einzeln gefunden wurden und vortreffliche Illustrationen für im alten Testamente erwähnten Sitten liefern. Als eigentliche Gottheit des Hügels hat sich nach § 2 die Astarte erwiesen, von der zirka 20 Tonbilder gefunden wurden. Wichtig ist, dass darunter 16 von vollständig gleichem Typus durch alle Schichten hindurch waren, dass es also wohl einen besonderen Typus der Göttin von Ta'annek gegeben hat. Die drei, beziehungsweise vier Typen, die singulär waren, verraten teils babylonischen, teils cypriotischen, teils ägyptischen Einfluss. Von letztem zeugt auch ein Bild des Besa. Beachtenswert ist, dass kein Bild des Baal gefanden wurde, falls nicht eine auf einem Kameel (?) reitende,jugendlich-männliche Gestalt hierhin zu ziehen ist. Erst in der spätisraelitischen Schicht verschwinden die Götterbilder fast ganz. Auf eine kurze Periode der Gpschichte Ta'anneks, der um 1400, fällt auch in religionsgeschichtlicher Beziehung durch den Tontafelfund ein unmittelbares Licht, wovon §3 handelt. Istar, Hadad, Bei und Amnion werden durch Eigennamen als Gottheiten der Gegend verbürgt. Wichtiger noch ist, dass durch den einen Brief die Göttin Asirat-Asera, auf deren Existenz man bis jetzt nur aus Eigennamen geschlossen hatte, urkundlich nachgewiesen wird. Von weittragender Bedeutung würde es sein, wenn sich die Lesung des Schreibers des einen Briefes Ahi- Jami Ahi-Jawi bestätigen würde, indem damit der Gott Jahwe bereits für diese Zeit in Palästina erwiesen wäre. Es wird durch den Umstand empfohlen, dass die religiöse Diktion dieses Briefes überhaupt eine ganz eigenartig monolatrische ist. Der Gedanke wäre nicht abzuweisen, dass der Schreiber einem israelitischen Stamme (Asser?) angehört, der vor den anderen Wohnsitze im Nordwesten Palästinas bezogen hat, eine Hypothese, die aus anderen Gründen bereits von W. M. Müller und Hommel ausgesprochen ist. Besondere Aufmerksamkeit verdient ein in § 4 besprochener, zwar zerbrochen gefundener aber fast lückenlos wieder zusammengestellter, beweglicher Räucheraltar aus Ton. Derselbe gehört dem Beginne der spätisraelitischen Schicht an. Die sechs Cherubim, die ihn zusammen mit vier Löwen umgeben, werden originell palästinensische

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