Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1903-07-10 · 28 (10.7.1903) · p. 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
28 (10.7.1903)
Article
Die jüdische Frau und der Zionismus
Date
1903-07-10
Page
9 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3315709-3316013-3316049-3334486--41543-3334707
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

flr. 28 ,Die # WeÄt6* Seite 9 wenn nur eine freie Frau eine freie Jüdin sein kann, dann können wir auch sagen: nur eine freie Jüdin kann eine freie Frau verstehen. Nur d*e vollständige Unkenntnis unserer Geschichte erklärt den Indifferentismus der Frau gegenüber unserer nationalen Bewegung. Wenn die polnischen Jüdinnen für eine fremde .Tieimat in den Kampi gegangen sind, wenn unsere Frauen das Ghetto verlassen haben, um in eine andere, freiere Gesellschaft leichter eintreten zu können, tatq£ sie es nur, weil sie das Streben nach eigener Heimat und freier Kultur hatten, während bei uns die Idee der eigenen Heimat und eigenen Kultur noch nicht erwacht war. Aber die Schönheit und Weite des Lebens, weiches voll von bunten Farben und stürmischer Bewegung, die soziale Gleichheit nach welcher sich diese Frauen so sehr sehnen, das alles bildet jetzt Elemente unserer jungen Bewegung. Es ist überflüssig hinzuzufügen, dass nur der Anteil an dieser umfassenden, tiefen Bewegung der Wiedergeburt auch unsere Frau als Frau emanzipieren kann. Wir haben schon erwähnt, dass die Lage der Frau der Lage ihrer Nation unterworfen ist, aber das ist noch wenig. Soll der Anteil irgend einer sozialen Gruppe an einer allgemeinen Bewegung zur Befreiung der Gruppe als solcher führen, dann müssen manche andere Bedingungen erfüllt werden. Der Charakter der allgemeinen Bewegung muss mit der Individualität dieser Gruppe harmonieren. Nur so kann diese Gruope an der Bewegung Anteil nehmen, ohne ihre eigene Individualität zu verlieren. Die sozialen Interessen der allgemeinen Bewegung müssen den Interessen dieser Gruppe nicht widersprechen; endlich muss diese soziale Gruppe in die allgemeine Bewegung das Element ihrer Selbstbefreiting einführen, muss in dem Geiste wirken, der ihre eigene Lage beeinflussen wird. Alien diesen Bedingungen kann nur unsere nationale Bewegung entsprechen. Der Charakter unserer Bewegung, die aus geistigen Quellen emporsteigt und nicht nur die physische, sondern auch die geistige Befreiung bezweckt, harmoniert sehr wohl mit dem Wesen der weiblichen Psyche, mit ihrer angeborenen Tätigkeit als Erzieherin. Und ist es überhaupt die Rolle der Frau, die Trägerin der Idee der geistigen Kultur zu sein, dann muss sie in unserer Bewegung die Trägerin der Idee der geistigen Erhaltung unserer Nation sein. Unsere Bewegung, die die Wiedergeburt zum neuen geistigen Leben, dem Leben der Kraft und Freude, Wahrheit und Schönheit bedeutet, gibt am meisten Raum für die Tätigkeit der Frau, die die ethische, geistige und ästhetische Umerziehung unserer Gesellschaft durchführen kann und soll. Etwas ganz Feines, Schönes und Zartes, jene Poesie, ohne welche jede Bewegung zur grauen, alltäglichen Arbeit wird, soll mit der Frau in unsere Bewegung kommen. Und die Tatsache der Verschmelzung unserer Bewegung mit dem Charakter der weiblichen Psyche macht die weibliche Tätigkeit noch fruchtbarer, noch unentbehrlicher für die Bewegung. Und je wichtiger die Frau für die Bewegung ist, desto mehr emanzipiert sie sich als Persönlichkeit, desto leichter wird es ihr, in die Bewegung die Elemente ihrer Selbstemanzipation einzuführen, denn, wie schon erwähnt, nicht der Kampf, nicht einmal die Erreichung der äusseren Emanzipation, die etwas ganz Aeusserliches ist und bleibt, sondern der Anteil der Frauen an der Geschichte, die Tatsache ihres geistigen Einflusses auf die Gesellschaft macht sie zu ebenbürtigen Mitgliedern derselben und emanzipiert sie tief innerlich. So müssen auch unsere Frauen das Geschichtliche des Momentes erfassen und die gegenseitige Bedeutung, die sie als soziale Gruppe für die Bewegung und die Bewegung für sie hat. Es ist möglich, dass wir jetzt einen ganz einzigen Moment der Geschichte erleben, dass das grösste, tiefste und eigenartigste Volk den eigentümlichsten Moment seiner eigentümlichen Geschichte erlebt, der zu einem besonderen Moment in der Geschichte der Menschheit werden kann. Wenn wir an einem solchen Augenblicke vorübergehen, dann schliessen wir uns aus von dem Anteil an der Weltgeschichte und auch von der günstigsten Zeit für unsere Selbstemanzipation. Noch niemals vielleicht war so viel Raum für alles Geistige und Poetische, für Mysterien der Seele, für alles echt Weibliche, wie jetzt in unserer Bewegung, in welcher sich die Tiefen der weiblichen Seele entfalten können. Haben wir schon darauf hingewiesen, dass die Idee der werblichen Emanzipation eine ewige ist, so war auch die Idee unserer nationalen Wiedergeburt eine ewige, und unsere Frauen sollen das Ewige mit dem Ewigen vereinigen. Unsere assimilatorischen Frauen verkannten die Gesetze der geschichtlichen Evolution und bauten ihre Befreiungsideale nicht auf dem Fundamente der ewigen Geschichte, sondern der flüchtigen Gegenwart auf. Unsere Frauen der Gegenwart sollen von dem Geiste der ganzen jüdischen Geschichte durchdrungen werden. Von der Liebe für die Vergangenheit und für das Ideal der Zukunft sei die Arbeit der Gegenwart beseelt, eine Arbeit, tief, wie unsere tausendjährige Geschichte, hell, wie die freie Zukunft. Und ist unser Weg schwer, dann soll dies uns nicht abschrecken, denn nur praktische, flüchtige, persönliche Bedürfnisse können in der Gegenwart sich verwirklichen, die ewigen Ideen gehören der Ewigkeit an. Warschau. B a s - A m i. ffaibiitK. Str yj, 2. Juli 1903. Hochgeehrte Redaktion! Ich ersuche höflichst um gefällige Veröffentlichung folgender Anregung für den Jüdischen Nationalfonds in der „Tribüne" Ihres werten Blattes: „Anlässlich des heurigen Zionisten-Kongresses möge jederZionisteinBeglückwünschungstelegramm, auf Nationalfondsmarken geschrieben und in einen Kartenbrief eingeklebt, an denselben richten. Bei massenhafter Berücksichtigung dieser Anregung wird der Erfolg ebenso imposant als auch nutzbringend sein. Hochachtend mit Zionsgruss N. Teitelbaum, * Jüdische Studenten! Ferien nahen heran und jeder von euch ist in der Lage, Bücher für das nächste Schuljahr zu kaufen und auch die gebrauchten zu verkaufen. Suchet zu diesem Zwecke jüdische Buchhändler auf und verlanget von ihnen, dass sie euch von jedem gelösten Gulden fünf Kreuzer für den Nationalfonds schenken. Jeder Buchhändler soll von euch aufgefordert werden, Nationalfondsmarken zu kaufen und euch gleich beim Kaufe oder Verkaufe die gebührenden Marken auszufolgen. Auch während des Schuljahres könnt ihr beim Requisitenankaufe dasselbe Ziel im Auge halten. Es ist dies ein Mittel, mittelst welchem ein jeder von euch der heiligen Sache sein Scherflein zuführen kann. Einiget euch — setzet in jeder Anstalt ein Komitee zur Vereinbarung ein und die Sache ist leicht ausgeführt. In dieser Hoffnung grüsst euch mit Zionsgruss Ch. W.j Czernowitz. Baseler Korrespondenz. Während der Kongresswoche wird, am 23. August beginnend, täglich in Basel eine Korrespondenz erscheinen, welche allen Berichterstattern der Presse unentgeltlich objektive Koneressberichte zustellen wird. Als Herausgeber der Korrespondenz fungiert der Schriftsteller L. Felix P i n k u s, * B r ü n n, Datum des Poststempels. Der jüdische Buch- und Kunstverlag in Brünn errichtet in Basel zur Zeit der Verhandlungen des VI. Kongresses ein Korrespondeiizbureau, welches über die Kongresssitzungen zweimal täglich ausführliche Mitteilungen herausgibt und versendet. Wir sind überzeugt, dass diese Neuerung allseits mit grosser Freude begriisst werden wird. Unser Unternehmen ist geeignet und berufen, das Interesse für den Kongress in die w eitesten Schichten zu tragen und diesen möglichst rasch zuverlässige und umfassende Nachrichten zu vermitteln. Der Buch- und Kunstverlag in Brünn nimmt jetzt schon Abonnements entgegen. Der eingezahlte Betrag von 3 Rubeln für Russland, K 7.— für Oesterreich-Ungarn, Mk. 6.— für Deutschland, Frcs. 8.50 für Frankreich, die Schweiz, Rumänien usw., berechtigt zum Bezüge der Kongressmitteilungen, welche zweimal täglich an die Abonnenten abgeschickt werden, so dass die Interessenten sofort über die Verhandlungen informiert sein werden. Bestellungen und Abonnementsbeiträge sind zu richten an: Jüdischer Buch- und Kunstverlag, Brünn. Hochachtungsvoll JüdischerBuch-undKunstverlag, Brünn, * Jüdischer Verlag Berlin, Grossbeerenstrasse 75, An die jüdischen Vereine! Die furchtbaren Ereignisse in Kischenew haben wieder einmal gezeigt, wie ausserordentlich notwendig der Zusammen-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.