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Die Welt · 1903-07-03 · 27 (3.7.1903) · p. 8

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
27 (3.7.1903)
Article
Dritter Parteitag der österreichischen Zionisten
Date
1903-07-03
Page
8 (sequence 2)
Language
German
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Seite 8 „IM* $ WeHp Nr. 27 Auf der Tagesordnung der Verhandlung standen ausser den formalen Berichten und Wahlen (Rechenschaftsbericht und Kassabericht des L.-K., Wahlen des Bureaus und des Legitimationsausschusses) folgende Referate: J. Gewitsch: „Budget und Parteisteuer". Dr. Bernhardt: „Statutenänderung des Verbandes „Zion" und Organisation der D.-K." Dr. S. Krenberger: „Agitation und Organisation". Ueber „Gestaltung und Zukunft der österreichischen Kultusgeraeinden" referierten: Programm — Dr. E. M. Zweig, Taktische Fragen — Julius Bondy - Hofowitz und Dr. Goldwasser - Krakau. Ferner sprachen über „Kulturelle Fragen" M. Berkowicz (Korreferent G. Bader-Lemberg konnte leider sein Referat nicht mehr halten). „Ueber Gründung eines Zentralorganes der österreichischen Zionisten und sonstige Parteipress e" — A. Weissberger. „Ueber Stellungnahme zum Kongress und seinen Organen" — Dr. J. W. Marmorek-Wien. Sämtliche Referenten hatten ihre Leitsätze in den Monatsmitteilungen des L.-K. „Zion" veröffentlicht. I. (Vormittags-) Sitzung. Sonntag um 9 Uhr eröffnet der Einberufer Dr. Bernh a r d t die Tagung mit einem Willkommgruss an die Delegierten und fährt fort: „Wir schreiten an die Tagung mit dem drückenden Verantwortlichkeitsgefühle der einzigen legitimen Vertreter des lebensstarken Judentums in Oesterreich. Die Kultusgemeinde hat es nicht für nötig befunden, sich bei dieser jüdischen Tagung vertreten zu lassen. (Pfui-Rufe.) Durch solche Demonstrationen und Massnahmen, deren klarer Effekt die Entfremdung einer ganzen Generation für ihr Volk ist, wird sie in der zukünftigen Geschichtsschreibung der Juden eine unvertilgbare Brandmarkung erfahren. Und doch sind schon Blutzeugen für Zion gefallen. (Die Versammlung erhebt sich.) Wir gedenken der Märtyrer von Kischenew mit tiefer Trauer und dem feierlichen Gelöbnis der Treue für unser Volk, seine Zukunft und Freiheit." Redner begrüsst die erschienenen offiziellen Vertreter der Deutschen Vereinigung (H. Dr. Cassel-Ratibor), der Russischen Organisation (Ing. Benjamin-Odessa), der ungarischen und der egyptischen Zentrale (S. Steiner-Pressburg und H. Friedmann-Kairo). Begrüsst werden unter rauschendem Applaus die anwesenden Mitglieder des A.-C, die Herren Architekt Marmorek und Dr. Kahn (die Herren Ing. Kremenetzky und Dr. Kokesch erscheinen, beifällig begrüsst erst später im Saale). Demonstrativer Applaus erhebt sich bei Konstatierung der nichtoffiziellen Anwesenheit des beliebten Kultusvorstehers kais. Rat W. P o 11 a k. Aus der Wahl des Bureaus gehen hervor: Als Obmann Prof. Dr. S. Krenberger. Als seine Stellvertreter Karl Rezek- Prag, Dr. Goldwasser-Krakau, Dr. Bernhardt-Wien. Als Schriftführer J. Weissglas-Zastawna, P. Braff-Bielitz, J. Beutler-Kolin, N. Gross-Wien. Herr Dr. Krenberger, stürmisch begrüsst, hält folgende Eröffnungsrede: Indem ich, werte Damen und sehr geehrte Herren, im eigenen Namen und im Namen meiner Kollegen für unsere Wahl den besten Dank ausspreche, begrüsse ich Sie auch meinerseits auf das Herzlichste und freue mich, dass Sie so zahlreich dem Rufe des L. K. folgten und hoffe, dass auch der dritte österreichische Zionistentag in der Geschichte unserer Bewegung denkwürdig sein wird. Die früheren Tagungen von Olmütz und Bielitz haben die Einigung und Einheit der Organisation gebracht. Mit dem dritten österreichischen Zionistentage wollen wir mit Hilfe dieser geeinigten Organisationen die Werbearbeit für unser Ideal inaugurieren. Werben und gewinnen für jenes Ziel, das seit mehr als 1800 Jahren unerloschen im Herzen der Juden lebt» aber durch die geniale Persönlichkeit unseres Führers die den heutigen Zeitläuften entsprechende Verfassung erhalten hat, das ist unser Zweck. Dem Gedanken, dass Palästina wieder als nicht umstrittene Heimstätte für die Juden erstrebt werden müsse, haben alle unsere Anstrengungen zu gelten. Er soll der Mittel- und Zentralpunkt unseres Lebens sein, das heisst nicht bloss derjenigen, welche sich schon um die blau-weisse Fahne mit dem David-Schilde gesammelt haben, sondern aller jener, die Juden sind, Juden heissen und von jüdischen Eltern abstammen. Nicht eine Parteibewegung soll der politische Zionismus sein, nein, das ganze Volk soll er umfassen, alle Klassen und Stände in sich schliessen. Der Reiche und der Arme, der Taglöhner und der Grossindustrielle, der Jude in China und Brasilien, der in Frankreich und Russiand, alle Juden auf dem weiten Erdenrunde sollen denselben Gedanken hegen und nach seiner Verwirklichung mit dem gleichen Eifer streben. Dann wird die Erfüllung sich vollziehen. Was ein Volk einmütig will, dazu hat es die Mittel, dafür sind die Kräfte vorhanden, das wird zur Wirklichkeit. Unsere Parteibewegung, unser Haufen idealistischer Schwärmer, unsere Minorität, die man ob ihrer Regsamkeit wohl achtet, aber nicht als realen Machtfaktor ansieht, sollen das zionistische Volk werden, das mit allen Kräften für das Judentum schaltet, dem alle Machtmittel zur Seite stehen, um real die Hand auf das Land unserer Väter legen zu können. Es gilt also vor allem: Erwerben, gewinnen und erobern! Der dritte österreichische Zionistentag soll die Methode wie und den Weg, auf dem wir erobernd und werbend hier in Oesterreich vordringen können, aufweisen und die Grundlagen dafür legen. In den vier rein sachlichen Themen, die in der Mitte der heutigen Tagesordnung stehen, während je zwei mehr formelle Themen den Eingang und Schluss bilden, soll versucht werden, diese Bahnen zu finden. Wir wollen durch die volle Oeffentlichkeit in Wort und Schrift unsere Ideen einpflanzen, durch die Kenntnis des jüdischen Wesens und Erziehung zu nationalfühlenden Juden den Gedanken der Selbstbefreiung wecken, aber auch durch reale Mittel uns jener Einrichtung versichern, in der heute alle jüdischen Potenzen und Machtfaktoren vereinigt sind. Obzwar gerade die Befruchtung mit der nationalen Idee wegen ihrer sicheren Beständigkeit und Dauer vor allem erstrebenswert ist, haben wir keine Zeit oder nur wenig Zeit, auf die Blüten und Früchte zu warten. Ueberall pochen böse Dämonen an unserem Volkstum. Noch zittern in uns die Empörung und der Schreck, dass wieder jüdisches Blut geflossen, dass wieder der Würgeengel bei uns herumgegangen ist und Opfer für unser Volk verlangt hat. Nicht nur Tränen der Wehmut und Trauer müssen wir den Märtyrern von Kischenew weihen, sondern als Männer an ihren noch frischen Gräbern den Eid leisten, den andern Volksgenossen, für die sie gestorben und gelitten, ein besseres Heim, eine beseligtere Zukunft zu sichern. So sollen die Toten von Kischenew gleichsam das Siegel unserer Heilslehre sein. Wenn solche Bilder vor unseren Augen vorüberziehen, dann gilt es nicht bloss auf die Zukunft zu hoffen, dann müssen wir die Zukunft zu beschleunigen trachten, dann müssen wir aus der bösen Gegenwart eine schnellverschwindende Vergangenheit zu bilden suchen. Darum müssen wir uns aller schon bestehenden Machtmittel unseres Volkes bedienen, um durch sie den gewünschten Einfluss zu gewinnen, der uns unserem Ziele näher rückt. Darum sollen wir jener Verbindung, in der sich heute alle Kräfte des Judentums konzentrieren, habhaft werden, um sie für uns und unsere Zwecke zu verwenden. Wir müssen gegen jene indolenten Träger der jüdischen Macht, die nur in der Erhaltung von Kultstätten und ihrer Diener ihre Aufgabe sehen, die gleich den Baalspriestern nur fremden Götzen opfern, den Altar des einigen und eigenständigen Judentums aufrichten und sie von ihren Plätzen verdrängen, auf denen sie falsche und gefährliche Opfer bringen, damit wir nicht nur Lehren verkündet, sondern auch Taten verrichtet haben, die unsere Lehre in Wirklichkeit

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