Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 27 (3.7.1903)
- Article
- Die sechste Jahresversammlung der amerikanischen Zionisten
- Date
- 1903-07-03
- Page
- 7 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 27 ,01© s£ Weit** Seite 7 zu diesem Zwecke vor: 1. Die Gründung von Talmud- Thora-Schulen nach dem Muster der *ou ohacham Bennys in Hamburg begründeten Anstalt. Diese Institute sollen zehn Jahrgänge umfassen und in den ersten fünf Jahrgängen hauptsächlich die hebräischen Unterrichtsgegenstände pflegen. Der Referent ist überzeugt, dass die Zöglinge, bei entsprechender Zeiteinteilung, in den allgemeinen Disziplinen nicht hinter anderen Schulkindern zurückbleiben und dennoch im Alter von 16 Jahren ein grosses Mass hebräischen Wissens erworben haben würden; 2. die Gründung von höheren Vorbereitungsschulen für die jüdisch-theologischen Seminare, deren Niveau dadurch wesentlich gehoben würde. Gegenwärtig kommt es vor, dass im Seminar graduierte Rabbiner ihr eigenes hebräisches Rabbinerdiplom nicht korrekt lesen können; 3. die Gründung eines Seminars für hebräische Lehrer und 4. die Gründung von Sonntagsschulen für jüdische Mädchen. Dr. S. Benderly referierte über „Das jüdische Erziehungsproblem*. Er gelangte zur Schlnssfolgerung: „Die Zukunft des Judentums in Amerika hängt von der Gründung einer grossen Zahl sich selbst erhaltender jüdischer Gemeindeschulen ab, die dem amerikanischen Leben harmonisch angepasst sein, zwölf Jahrgänge umfassen und ihren Zweck durch einen Stab wohlorganisierter, richtig geschulter, vollständig ausgebildeter, gutbesoldeter, vertrauenswürdiger Lehrkräfte erreichen sollen." Miss Henriette Szold aus Baltimore, die über „Die Erziehung der jüdischen Mädchen" hätte referieren sollen, war zum allgemeinen Bedauern am Erscheinen verhindert. An ihrer Stelle verlas Mr. A. H. Fromens o n das interessante, manche neue Gesichtspunkte darbietende Referat. Das Resolutionskomitee brachte hierauf seinen Bericht ein und es wurden folgende Resolutionen zum Beschluss erhoben : 1. Die Konvention spricht dem Exekutiv komitee für seine Tätigkeit und den Pittsburger Zionisten für das grossartige Arrangement der Beratungen ihren Dank aus. ± Die Konvention spricht der amerikanischen Presse ihren Dank aus für deren sympathisches Verhalten anlässlich der Kischenewer Katastrophe. 3. Die Konvention dankt der amerikanischen Jargon- und sonstigen jüdischen Presse für deren freundliche Stellungnahme zum Zionismus. 4. Die Vereine mögen S h a r e s- und National fonds marken nur durch die Föderation beziehen und ihre Namen ins Goldene Buch bloss durch Vermittlung der Föderation eintragen lassen. 5. Dem Exekutivkomitee wird empfohlen, die nächste Konvention in Cleveland abzuhalten. 6. Die Vereine mögen für eine Reform des Unterrichts in den Talmud-Thoras und Chedarim agitieren. 7. Die K armelgesellschaft möge von den Zionisten unterstützt werden. Das Bankett: Montag abends. Den Delegierten zu Ehren veranstalteten die Pittsburger Zionisten am Montag abends ein glänzendes Bankett, dessen Verlauf überaus begeisternd war. Auss-ir den Delegierten waren zahlreiche Gäste anwesend. Das Arrangement des Saales und der Tafel präsentierte sich äusserst ansprechend und geschmackvoll und bildete einen Gegenstand allgemeiner Bewunderung. Eine jüdische Musikkapeile spielte Zionsweisörj. Im brausenden Chor der Festgäste erscholl die Hymne „Hatikwah" und andere zionistische Gesänge. Ernste und launige Toaste wurden ausgebracht. Dr. H e r z 1 s Name wurde mit donnerndem Applaus aufgenommen. Die „Daughters of Zion" wurden von den Delegierten bekränzt, zum Lohne für ihre wackere Tätigkeit. Fünfte (Schluss-) Sitzung: Dienstag vormittags. Zu Beginn der Sitzung brachte das Exekutivkomitee eine Resolution ein, die mehrere Mittel angab, durch welche die zionistische Propaganda in Amerika wirksamer und erfolgreicher gemacht werden könnte. Ein Funkt der Resolution, der alle Vereine verpflichten sollte, in den nächsten Sukkothfeiertagen Massenversammlungen zu arrangieren, deren Reinerträgnis für die Föderation bestimmt sei, rief vielfachen Widerspruch hervor und wurde schliesslich verworfen. Hingegen gelangte ein anderer Punkt der Resolution, der dem Direktorium der „Maccabean Publishing Stock Company" empfiehlt, sobald 500U Dollars zu dem Aktienkapital hinzugekommen sein werden, an die I-lerausgabe einer J a r g o n z e i t s c h r i f t nachdem Musier des „Makk ab e an" zu gehen, mit grosser Stimmenmehrheit zur Annahme. Ferner wurde beschlossen, mit allen Kräften dahin zu wirken, dass in Amerika eine Zweiganstalt der Jüdischen Kolonialbank eröffnet werde/ Die Wahlen hatten das folgende Ergebnis: Prof. Richard G o 11 h e i 1, Präsident; Mr. G. H. M a y e r (Philadelphia) und Mr. Leon Zolotkoff (Chikago). Vizepräsidenten; Mr. J. de Haas, Sekretär; Mr. E. Lewin- Ep st ein (New-York), Schatzmeister. Aktionskomitee -Mitglieder: Prof. Richard Gottheil, J. de Haas, Leon Zolotkoff, Rev. Dr. Stephan S. Wis e und G. H. Mayer. Mitglieder des Exekutivkomitees: Louis L i p s k y, Hymann Bar nett, S. H. Borofsky, Di\ A. M. Radin, Dr. B. L. Singer, Dr. B. L. Gordon, A. H. F r o m e n s o n, Mr. N j m a n, William M orri s, S.Abel, M.Jaffe, J. London, A. Radin, A. L. Schiller und G. Tunkel. Hon orär« Vizepräsidenten: Rev. Dr. M. J a s t r o w, Rev. Dr. B. Felsen thal, L. M. Dem b i t z, Rev. Dr. H. Pereir a-Mendes, M. S. M a r g o 1 i e s Rev. Dr. S. Schaffer, Rev. Dr. Max Heller, Rev Julius Greenstone, Rev. H, M. asliansky und Cathriel H. Sarahsohn. Zum Schluss der Sitzung überraschten die Delegierten den verdienstvollen Sekretär Mr. J. de Haas mit einer Ehrengabe: einem Check auf 00 Dollar. Mr. J. de Haas erklärte, den Check dem Nationalfonds zuwenden zu wollen und zwar zur Eintragung der Konvention ins Goldene Buch. Hierauf verpflichteten sich die Clevelander Delegierten, dem Nationalfonds hundert Dollars zu spenden zur Eintragung de Haas und der Pittsburger Zionisten ins Goldene Buch. Um zwei Uhr nachmittags wurde die Konvention unter grosser Begeisterung geschlossen. Abends fand auf dem Kenword-Lawn den Delegierten zu Ehren ein grosses „Wiesenfest" (Lawn fete) statt. Dritter Parteitag der österreichischen Zionisten. Der Dritte Parteitag der österreichischen Zionisten fand arn 28. und 29. Juni im Saale des „Motel Post" (Wien, L, Fleischmarkt) statt. Als Einberufer figurierten die Obmänner der österreichischen D.-Ks. An den Beratungen nahmen 106 Delegierte teil, die alle Schattierungen des Zionismus vertraten und zum grössten Teile schon dem Begrüssungsabend beiwohnten, der Samstag den 27. Juni abends im „Hotel Guth" (Wien, IL, Stefaniestrasse) stattfand. Hier hielt der Obmann des Wiener D.-K., Herr Dr. Bernhardt, eine kurze Begrüssungsrede, Herr Reverend Hechler verlas unter starkem Beifall ein Begrüssungspoem und spontan erklangen aus den durcheinanderwogenden, brüderlich - herzlich verkehrenden Gruppen nationale Melodien. Nur der Gedanke an die nahe zionistische Arbeit konnte dem Vergnügen ein Ende bereiten.